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Diese Seite enthält 52 Gedichte 

Tabu/Sonett (76/4102)1

Wenn ich das Ganze unverstellt bedenke,
dann muss ich es für durchweg sinnlos halten.
Da uns Gewalt und Illusionen spalten,
Pleonexie und Macht uns schmieden Ränke.

Auch ist es falsch, dass die Vernunft uns lenke:
Sind wir verwiesen doch auf Umgestalten
von Welt durch technisches Verstandeswalten.
Uns fehlen längst die geistigen Gelenke.

Und dennoch könnte ich’s zuletzt erdulden,
wenn nur nicht diese reißerisch diktierte
Schaumschlägerei der Zeitgeisthybris wäre.

Mit ihren hedonistisch faden Kulten
als trivialnarzisstisch dumpf blasierte
Enthemmungsmystik trancenpraller Leere.

Unaufbrechbare Fremdheit (76/4103)2/Sonett

Der andern Wesen auch nur anzufühlen
- als Fremde uns ganz substantiell entzogen -,
bedeutet, dass wir nie auf diese zielen.
Vielmehr, dabei auf uns zurückgebogen,
sowohl die andern als auch uns nur spielen.
Und das erklärt, warum wir, Traum gewogen,
uns trösten müssen mit Gerede-Drogen,
die andern uns ein wenig aufzuwühlen.

Und dass auch selber wir uns nur erscheinen,
uns förmlich selber auch nur konstruieren,
das hat zur Folge, dass wir uns nur meinen,
wenn wir uns andern psychisch präsentieren.
So ist denn niemand je mit sich im Reinen,
gezwungen, sprachlich sich zu delirieren.

Vollendungsformen/Sonett (76/4104)3/Sonett

Vollendungsformen gibt’s für uns nur vier:
Gott, Einsichtsgnade, Eros und Gedicht.
Der Rest ist Ichsucht, Konzession ans Tier.
Indes von absolutem Seinsgewicht.

Ist’s doch der Stoffdurst, der uns ausmacht: Gier,
zusammen mit der Perspektiven Sicht,
sich einzufühlen hochprekärem Wir.
So zu beschützen. Auch durch Selbstverzicht.

Wer sich in Gott versenkt, ist allgetragen,
kann Einsicht sich in das, was ist, dann leisten.
Wen Eros treibt, darf sich in Du-Rausch wagen.

Und Kunst mag trösten die sich selbst Verwaisten.
Erlaubt, sich jenes Stoffdursts zu entschlagen,

Verwertet, getrieben, entmächtigt/Sonett (76/4105)4/Sonett

Was soll ich dir von mir denn groß erzählen?
Von einem Selbst, dem, wertbasal vermittelt,
durch Rechtserlass, der’s als Person betitelt,
bestätig wird, es könne frei sich wählen.

Indes kann ich mir selber nicht verhehlen,
dass objektiv ein Gier-Prozess mich schüttelt
und ohne Rücksicht kommandierend drittelt
in Kunde, Normen-X und Sinn-Verfehlen.

Als Marktteilnehmer muss ich mich verraten,
geistig verneinen, um als Exponent
des faden Allgemeinen mich sei’s Daten,

sei es Prozenten oder Zeitgeist-Trend
verfügt dann hinzugeben und zu waten
durch diesen Humbug, der Substanz nicht kennt.

Das hypertrophe Hirn (76/4106)5/Sonett

Wenn ich es auch nur ungefähr beachte,
bemerke ich den allgemeinen Willen,
die Wohlstandsproduktion noch zu verstärken.
Wohl auch, weil niemand mehr mag darauf wetten,
dass es noch etwas gäbe, das nicht sachte
auf Untergang, das heißt des Nichtseins Stillen …
auf Barbarei zuliefe und Verzwergen
sapienter Ratio vor den Elendsketten.

Doch falls wir wirklich sollten uns zerstören,
dann wäre das der Preis der Bipedie:
Das ihr verdankte Hirn muss uns versehren,
sich selber stürzen in die Agonie.
Wohl außerstande seiner selbst zu wehren:
Zwang sekundärer: technischer Magie.

Das ist’s/Sonett (76/4107)6/Sonett

Mein Sinn für Fakten konnte nie versiegen,
weil immer ich um unser Dasein wusste:
Dass es Begehren ist und Selbstverluste,
tristesse und Niedertracht an allen Tagen.
Es auch ganz sinnlos sei, nach Schuld zu fragen.
Die gibt es nämlich nicht. Nur dies gemusste,
ernüchternde Durchstoßen einer Kruste.
Auf die kein Kern folgt, sich nach ihm zu biegen.

Die tote Masse neuronal durchdringen,
innovativ sie untertan zu machen
dem vorgegebnen Antrieb, Stoff in Sachen 
durch technische Verfahren dann zu zwingen …
Das ist’s: Gewaltprozesse zu entfachen,
die ihren Meister dann in sich verschlingen.

Unfrei in sich selbst gefangen/Sonett (76/4108)7/Sonett

Materiell sind alle Hirnvorgänge.
Das heißt, den freien Willen gibt es nicht.
So ist’s absurd, sich Freiheit einzuräumen.
Die sich auch sonst nur als Phantom lässt greifen.
Das Handeln ist ein Resultat der Zwänge,
die subjektiv sind: Genbefohlne Schicht.
Und gegen’s eigne Selbst sich aufzubäumen,
wär Wahn: Man kann nicht vor sich selber kneifen.

Strikt einsam, ist man selbst sich überlassen:
Sich selbst - wie Zeit auch, Stoff und Wir - verfügt.
Vollzieht sich so im Tausch mit Alltagsklassen
von Fremden, denen man sich klug verbiegt.
Sich Freiheit heuchelnd, um nicht zu erfassen,
dass man, wie sie, sich um sich selbst rumlügt.

Diese Sonette/Sonett (76/4109)8/Sonett

Sie gönnen keine Emotionszufuhren,
sie, diese analytischen Sonette.
Sind nicht gedacht für gängig menschlich Nette
mit doch diffusen Existenzkonturen.

Noch sind sie Intellektuellen-Suren
in idealbegrifflicher Stafette.
Noch auch Empörungs- oder Medien-Glätte,
sich schwankendem Bewusstsein einzuspuren.

Sie bündeln vielmehr Spätzeitillusionen
im Widerschein von harschen Kämpfen gegen
die Zeitgeistkräfte und die Macherdrohnen,
die sich entfalten auf verschlungnen Wegen
und, angetrieben auch von Unpersonen,
die Wohlstandslunten an sich selber legen.

Selbstbewahrung  (76/4110)9/Sonett

Ich sitz hier rum und frage mich ganz offen,
warum ich überhaupt Sonette mache.
Was sinnlos ist in dieser Reizwelt-Lache,
die, von Exzessen ihrer selbst betroffen,
gibt kaum noch Anlass, Zukunft zu erhoffen …
Mal abgesehen jetzt von dieser Sache:
Dass kulturell sie grad global verflache.
Von Schlichtheitsschund und Kindlichkeit besoffen.

Um mich an jener Trug nicht zu verlieren.
Um mich als Geistperson nicht aufzugeben.
Um nicht zu imitieren Marktallüren.
Um nicht in Mittelmaß mich zu verstreben.
Um mich nicht zynisch selber zu verführen,
mich zu verschreiben kommandiertem Leben.

Des Nutzlosen Vollendungsträchtigkeit (76/4111)10/Sonett

Umsonst hab ich sie allemal geschrieben,
all die Sonette hier auf diesen Seiten.
Doch keine Stunde musste ich das leiden.
Ich folgte dabei nämlich Geistantrieben,
die, selber sich genug, in sich verblieben.
So niemals kreuzten Kreatürlichkeiten,
profanem Dasein Nutzen zu bereiten,
um sich aus dem dann Zweck und Ziel zu sieben.

Meint Dasein doch, sich selber zu bestehen.
Als Drangsal-Einheit also einzufügen:
Gesellschaft, Staat … Einem Gesamtgeschehen.
Dass dessen Einrichtungen einen trügen,
bewahrten auch vor Zufall und Versehen,
vor Selbstverlusten und vor Lebenslügen.

Naiver Glaube (76/4112)11/Sonett

Ich strebe, wenn ich die Sonette schreibe,
nach was ich nennen will Bedeutungsdichte.
Ich will Komplexes wissen wie das Schlichte,
will, dass der Gang der Welt sich an mir reibe,
mich ahnen lasse, was der Kortex treibe,
wenn er uns vormacht, dass er alles lichte.
Sich selbst und auch noch seine Vorgeschichte.
Sogar die Qualen seiner Geistesbleibe.

Zumal ich außerstande bin, zu glauben
an tragende - intakte - Wertgefüge
in diesem Kosmos planer Ichsucht-Lauben,
der Selbstvermarktungszwänge und der Kriege
der Gossen-, Mammon-, Zeitgeist-, Trickser-Trauben,
uns zu versüßen manche Lebenslüge.

Realitätsüberschreitung/Sonett (76/4113)12/Sonett

Als eitel, primitiv und daueröde
empfand ich immer diese Spaßzwang-Wogen,
Reklamesog und Tugenddemagogen,
die Tyrannei der Einheitsgottheit Kröte.

Auf dass erregt man und begriffsfaul schnöde
den Lüsten lebe, nur auf sich bezogen.
Wiewohl grad das ist objektiv verlogen:
Folgt man doch hochsubtiler Zeitgeist-Lethe.

Ganz anders will mir selber Welt aufscheinen,
wenn ich Sonette mache, frei von Zwängen,
mich aufzureiben Ich und Wir und Scheinen.

Dann bin entronnen ich sozialen Engen:
Narzissmus, Schäbigkeit, absurdem Meinen.
Darf geistig mich aus Faktenquanten sprengen.

Zwecke (76/4114)13/Sonett

Ich werde von Reklame angegangen,
die mich umgarnen will mit tausend Zungen.
Von ihrer Propaganda längst gezwungen,
sie gleichzusetzen mit Sakralbelangen.

Der Zeitgeist überhaupt sagt unbefangen,
wie man, zum Marktkern erst mal vorgedrungen,
ihn meistere: Als Kunde sich gelungen
in der Magie verzerrter Traumwelt-Wangen.

Von all dem will ich freilich gar nichts hören.
Sonette will ich schreiben in den Stillen,
die keine Messen von Verbrauchern stören.

Ich will mich Einsamkeit und Wort einhüllen,
will auf die Einsichtsmacht des Geistes schwören;
nicht auf genetisch kommandierte Füllen.

Von sich berauschte Selbstzerstörer (76/4115)14/Sonett

Wie oft schon saß ich hier vor diesen Blättern,
auf Worte sinnend, um mich abzuscheiden
von dieser Welt der Lust und goldnen Zeiten,
dem Ort, an dem selbst Übel sanft zerfleddern.

An dem die Börsenkurse ständig klettern.
Wo man betrauern kann noch fernstes Leiden.
Um endlich, intellektuell bescheiden,
in Meinungssudelei sich zu verheddern.

Indes die Worte lassen auf sich warten.
Ist’s doch nicht einfach, diese Welt zu greifen.
Von uns zertrampelter, komplexer Garten

von gleichungstechnisch uns geschaffnen Schiefen:
Ein Trümmerfeld, stets wachsend auf den Karten,
von Wüsten, Öden und erschöpften Tiefen.

Umsonst noch einmal (76/4116)15/Sonett

Darüber war ich immer mir im Klaren,
dass ich umsonst all die Sonette schriebe.
Sie niemand läse. Auch weil sie doch Hiebe
auf das sind, was sich nicht mehr kann bewahren:
Ersatzweltglücke für Verbraucherscharen
und ihre technisch austarierten Triebe.
Verfügungsmassen für die Wohlstandsschübe,
die sich nun nähern ihren letzten Jahren.

Ich zögerte indes nicht zwei Momente,
es wieder so zu machen: Sie zu schreiben,
um geistig auszumachen dies Gelände.
Von dem nicht einem irgendwas kann bleiben.
Weil es ihm rinnen muss durch beide Hände:
Um ihn zurück in Gas und Staub zu treiben.

Zufälliger Selbstgewinn (Gott) (76/4117)16/Sonett

Geläut, vertraut aus frühsten Kindertagen,
lässt mich noch immer in sich untergehen.
Auf dass es nehme mir die Seelenplagen
und Widersprüche unsrer Daseinswehen.

Will mich in ihm doch dieser Daimon tragen,
mich kommandierend von hier wegzudrehen
in weltentwirrte transzendente Lagen.
Selbst mir muss ich dann nicht mehr widerstehen.

Er war’s, der mich im Sog von Zufallswürfen
bestimmte einem Dasein ohne Ruten:
Mich selbst zuweilen nur aus ihm zu schürfen.

So zu entkommen all den Warenfluten,
die trugsubtil doch würden aus mich schlürfen
und unterwerfen marktsterilen Knuten.

Noch einmal Gott (Gott)/Sonett (76/4118)17/Sonett

Ich frage gar nicht, ob er existiere.
Er wirkt aus seelentiefen Seins-Bereichen.
Der Niedrigkeit des Menschlichen enthoben,
verbleibt er, mystisch nur berührbar, Leere.

Der reinen Güte Träger, ist er schiere
Verneinung aller triebgebundnen Zeichen,
die in den Leibern als primäre toben:
Als Stoffgefängnis und Bedürfniskehre.

Geniales Nichts, ist er mir Kindheitsschemen:
Ein Trost aus Ähren, Winden, Tieren, Sanden:
Durchgottungsstrom und Nu-Husch ohne Hämen.

Ein Sehnsuchts-X aus solchen Unbekannten,
die wir nicht fassen können, weil uns lähmen
der Hyle Zwänge, die uns ontisch* bannten.

*ontisch: seiend, empirisch, tatsächlich, faktisch …

Deutschbürgerliche Idealanfälligkeit (76/4219)18/Sonett

Die Fähigkeit zu denken geht zu Ende.
Verstand ersetzen Einfall und Gefühle,
das Ideelle und das Infantile.
Man ethisiert und denkt an Sommerstrände.

Der Wirklichkeitsverlust wird Seelenwende,
raunt von Errettung aus dem bösen Spiele
der Welt und Mensch zerstörenden Kalküle:
Gefühligkeiten schüren Herzensbrände.

Wühlt da der deutsche Hang zum Idealen?
Die Lust, sich ins Gewissenslicht zu stürzen?
Sich loszureißen vom Diktat der Zahlen?

Grandios-pathetisch sich heraus zu kürzen
aus diesem praktisch-realistisch schalen
Verhängnis geldzentrierter Wohlstandswürzen?

Heimatlos (Deutschland) (76/4120)19/Sonett

Das Land kann mir nicht Heimat sein im Heute
der kränkelnden Parteien, die es schwächen.
Erpicht, die letzten Brücken abzubrechen
zum Handlungsrealismus kleiner Leute.

Die in der Wirtschaft machen sich zur Beute
der KPC. Und das, das wird sich rächen.
Denn China will mit Weltherrschaft bestechen.
Die ist sein Ziel. Wenn ich es richtig deute.

Was böte auch dies Land der Spaßanbeter,
die staatsvergessen sich in Ichsucht sonnen,
erlebnistrunken starlike mit Gezeter

sich knechtisch outen als die Hauptkolonnen?
Vor Primitivem zumal Leisetreter,
Reklamemoralismus ausgesponnen.

Meinem geistlabilen Herkunftsland (Deutschland)/
(76/4121)20/Sonett

Ich sehe kritisch deutsche Wertgewänder.
Ich halte sie für eitlen Tugendmohn.
Geschichtsverwirrte Scheingewissensfron. 
Die dann im andern sieht den Würdeschänder.
Kein pseudointellektueller Sender,
kein Augenblicks-Helot am Mikrophon
der nicht aus wäre auf Empörungshohn.
Mir schlägt entgegen ein diffus-latenter
Radikalismus ohne Geisteshelle:
Man überlässt sich so Gesinnungsschwaden
und übersieht die eigne Seelendelle.
Und doch will man im Teich der Tugend baden,
um sittlich sich zu stärken auf die Schnelle,
konform dem Zeitgeistterror zu geraten.

Der Weg ins Abseits (Deutschland) (76/4122)21/Sonett

Verächtlich. Gleich, worauf den Blick ich wende,
Gedanken richte oder Zeit abfühle.
Erbärmlich mittelmäßiges Gewühle
von Ich-Kult, Urlaub und Erregungs-Spende,
Pleonexie-Gewalt und Würde-Blende.
Da greift ein Niedergang durch hehre Ziele,
durch Selbstverachtung und Gemeinheits-Stile …
Es falten sich Gewissenloser Hände.

So wird das Land wohl keine Zukunft haben:
Bespaßungsjunkies. Wohlstandsdeprimiert.
Gesinnungsorthodoxe, die sich graben
durch Werte, die ihr Mittelmaß negiert.
Inkompetente ohne Führungsgaben,
die ein verdinglichter Verbraucher schmiert.

Dilettanten-Stadel (Deutschland) (76/4123)22/Sonett

Man drückt sich vor der eignen Niedertracht,
indem man sich in Wert-Sophismen flüchtet,
geistig korrupt sich schuldstolz selbst bedichtet,
man sei des Seinsgewissens Tugendmacht.
Bereit, sie durchzufechten, diese hehre Schlacht.
Bis sich der Hang zum Bösen selber richtet.
Kurz: homo sapiens der Vernunft sich lichtet.
So bläst sich auf nur eitle Selbstandacht.

Deutschkollektiver Scheingewissens-Stadel:
Hie Sieger, die Bespaßung inszenieren.
Dort weltgeistkundiger Gesinnungsadel.
Und Amtsinhaber, die es nicht kapieren
(das zeigt die kulturelle Kompassnadel),
dass sie ein wirres Land ins Abseits führen)

Der allfällige Niedergang (Deutschland) (76/4124)/23/Sonett

Subtil verworrene Politeliten:
Gesinnungsethiker, bereit zu brechen
das positive Recht durch Hochmoral …
Bereit, sich Selbstaufgabe zu ergeben.
Ideologenfeigheit duldend Nieten,
die sich entziehen dürfen Spiegelflächen
der Monopolgewalt und illegal
nach eignen Normen von Verbrechen leben.

Politisches Fundamentalversagen.
Dem Rechtskonzept von Würde auch geschuldet.
Entglitten sind auch alle Geisteslagen
dem Laisser-faire, das Psychenwirren duldet.
Dem muss man Ratio dann diskret versagen,
zumal der Markt Verwahrlosung verkultet.

*
(76/4125)24

Dann Wirtschaftsführer, die sich überbieten,
sich manchmal Gaunerei gar zu verzechen.
Sakralisierend sich und Absatzzahl …
Narzissten, die Erfolg an sich erstreben.
Doch solchen ist es geistig nicht beschieden
zu ahnen, dass sie faktisch sich erfrechen
als Technokraten-Hirne agonal 
ihr Werk in Selbstzerstörungssog zu heben.

Sie tragen freilich Untergang in sich:
Kapitalismus, Technik, Wissenschaften.
Sie sind des Kortex destruktiver Stich,
den weder Spezies noch Natur verkraften.
Evolutionszwang. Unabänderlich.
Und Sapiens schuldlos: Kann nicht für sich haften.

*
(76/4126)25/Sonett

Zumal der Souverän ist außerstande,
vernünftig für sich selber einzustehen.
Er dient als Hilfskraft am Vergnügungs-Rande,
wo er sich, ichschwach, soll in Lust ergehen.
Und dazu lösen möglichst alle Bande,
um ihn als Mittel jener zu erhöhen.
Indes auch das ist letztlich keine Schande,
dient’s doch dem Ganzen als Funktionskonstante.
Er will ja dieser Einsicht selbst entrinnen,
dass ihn schon längst Verhältnisse doch treiben,
die seine menschliche Substanz ausdünnen.
Die, nihilistisch, Halt und Sinn aufreiben,
in einem Spiel, das niemand kann gewinnen.
Am Ende schleifen wird auch letzte Bleiben.

Fremdgesteuerte Sozialschauspielerei/Sonett (76/4127)26/Sonett

Was mich so deprimiert, ist, dass ich spüre,
heteronom an fremder Macht zu kleben.
Und das, das kann nur eine Zeit eingeben,
die wirkt als permanente Ouvertüre
zum Zwang, dass man sich dauernd inszeniere,
um sich Gepflogenheiten einzuweben,
die stützen selbst berufliches Bestreben,
zumal auch dienen als Sozialscharniere.

Man kann sich kaum noch vor der Show bewahren.
Zumal bei vielen fehlt schon dieser Boden
der sittlich und vor allem psychisch klaren
und festen Anstands- und Verhaltens-Knoten.

Da greifen Selbstentmächtigungsverfahren
als strenger Ausdruck jener Zeitgeistmoden.

Realitätszersetzung (76/4128)27/Sonett

Wenn ich es distanziert und kalt betrachte,
auch von Beschönigungen Abstand nehme,
dann spüre ich die intellektuell bequeme,
durch technische Magie zumal entfachte
Realitätszersetzung in verflachte,
Enthemmung hechelnde Gefühlsextreme -
Ein Kernzwang nihilistischer Systeme:
Dass man, vereinzelt, das System anschmachte.

Das ist das Schicksal von uns Zeitgenossen:
Dass psychisch wir, verkommen, sind frigide
und, leeren Sollens-Hülsen ausgeflossen,
dasselbe wollen ohne Unterschiede …
Uns zu verwandeln, Stumpfsinn eingeschlossen,
zu Reizverwertern ohne Selbstwertblüte.

Tote Sehnsucht (76/4129)28/Sonett

Ich habe möglichst abseits mich gehalten.
Kaum was gesagt. Schon gar nicht, was ich denke.
Damit die Meinung andrer mich nicht lenke.
Ist doch der Mensch perfide: Seine kalten
Gelüste muss er sich doch auch gestalten.
Ob er sich nun mit Rachsucht-Spaß beschenke,
ob er zu seiner Freude listig kränke …
Es wird ihm tiefen Machtgenuss entfalten.

Doch ich will weiter es in mir verschließen,
was mich da ausmacht nah am Boden
der Seelenschäume, die ins Vage schießen:
Bis in der Irrsal wirre Alptraumnoten,
der Barbareien mystisches Verfließen,
ekstatisch toter Sehnsucht sich zu roden.

Annäherungen an den Souverän (76/4130)29/Sonett

Ein Konkurrenzkampf von Konsummonaden,
den die Funktionseliten konzertieren
mit Rechtsverfahren und mit Tugendschlieren.
Im Dienst von Mammon, Kapital und Daten.
Sie alle schleichen auf den gleichen Pfaden.

Auch darum geht es: Raunend zu flankieren
den Sinn des Souveräns mit lauten Schwüren,
man werde weiter steigern Wachstumsraten.

Und eben das, das wollen ja die Leute.
Die sich um Widersprüche kaum noch scheren:
Sie wollen optimale Glücksausbeute,
sich Freizeit, Urlaub, Kicks und Lüste mehren.
Auch dass man zeitgeistnah korrekt sich deute
als Schnäppchenjäger ohne Daseinsschweren.

Durchschnittliche Politiker (76/4131)30/Sonett

Nicht jedem scheint der Glanz des Resoluten.
In diesem dann sich selbst zu überragen.
Aus Anfechtung und Ichsucht sich zu tragen.
Entschlossen, sich zu beugen Geistesgluten.
Sich möglichst klar zu machen, dass uns fluten
Gewissenlosigkeiten und Versagen.
Um, ist es so, sich selbst zu hinterfragen:
Warum verdränge ich mir derlei Knuten?

Doch kann gewählter Hochmut es auch greifen,
dass jene Zeilen grad an ihn sich richten …
Die Überschätzung seiner selbst zu schleifen,
sich keine Fähigkeiten anzudichten,
die er nicht hat. Auch davor nicht zu kneifen,
sich seine Mittelmäßigkeit zu lichten.

Launige Selbstbeweihräucherung/Sonett (76/4132)31/Sonett

Klopft Sprüche. Grinst. Verweist auf seine Schramme.
Schält Spargel. Schleimt. Mimt große Kompetenz.
Tritt ab vom Sprechpult dann in Richtung Benz.
Verkündet noch, dass er aus Dortmund stamme.
Borussia, die sei seine größte Flamme.
Von seiner Frau mal abgesehn - Wie brenn’s
in seinem Herzen, denk er an die Fans.
An die von Schalke freilich auch! Er ramme
für’s ganze Land sich doch in Amt und Pflicht …

Ein fader Redner, der auf Kumpel macht,
Effekte kalkulierend dumpf besticht
mit seiner gönnerhaften Nullwortschlacht:
Versimpelnd gestenreich, was seine Sicht
von nichts sei … Pomp. Zur Emotion verflacht.

Ein Beispiel auch für das, was ich „geistig korrupt“ nenne. So auch das folgende Gedicht.

Polit-Groteske (76/4133/32/Sonett

Die Inhalte? Doch viel zu kompliziert!
Infolgedessen speichelt man Effekte,
die man erhaschte - Eine indirekte 
Bestätigung, dass man nur dilettiert.
Genauer: Flachrhetorisch phantasiert,
um aufzuladen Unmut und Affekte.
Gerissne Schliche, stümpernd ausgeheckte,
sodass sich das Bewusstsein bald verliert,
worum’s denn geht - Nun, worum geht es denn?

Um Macht. Um Ämter, Ruhm, sich aufzublähen.
Um Phrasenkokain auch für den Fan.
Um Sachprobleme geht es nicht. Und wenn,
dann um in Trickserei sich zu ergehen.
Ich, Kapital und Zeit Spalier zu stehen.

Substanz-Gebrechen (76/4134)33/Sonett

Die Fähigkeit zu Selbstdistanz zu haben,
Verantwortung durch Können einzulösen,
intuitiv zu fassen diese Größen:
Hass, Niedertracht und Schein, die krud zerschaben
Charakter, Feinsinn und Verstandesgaben,
zwecks wirklichkeitskonformer Anamnesen …
Das schüfe Handeln nach Vernunftsynthesen:
Gelichter Handlungsspielraum abzugraben.

Doch das sind faktisch nur Voraussetzungen,
uns selbst nicht dumpfnarzisstisch aufzusitzen.
So nicht zu frönen unsren Niederungen,
die, deutungslos, uns schon im Kern doch ritzen.
Und meist verhindern, dass wir, Ich gedungen,
nicht Schäbigkeit und Lug allein aufblitzen.

Nach Genesis 8,21 (76/4135)34/Sonett

Man wird es sich im Alltag klug verhehlen,
dass weder gut wir sind noch planvoll böse,
im Durchschnitt Triebdruck- und Sozial-Synthese.
Wir meistens uns nur für uns selbst abquälen.
Und uns belügen, wenn wir uns verfehlen.
Indes ist Ichsucht eine Daseinsgröße,
uns wesenseigen wie der Drang der Schöße.
Man kann sie nicht verwerfen oder wählen.

Wir glauben nur, wir seien rational.
Sind deshalb angewiesen auf Fiktionen,
auf Wertgefüge und auf Lebenslügen.
Zumal auch Opfer mancher Seelenqual:
Ergebnis Lüste klügelnder Neuronen.
Wodurch wir, schuldlos, selber uns erliegen.

Genesis 8,21: … „weil das Trachten des Menschenherzes böse ist von seiner Jugend an …“

Gesellschaft heute (76/4136)35/Sonett

Gesellschaft heute? Zahme Barbarei.
Streng wirtschaftlich fundierte Strategie
im Banne technologischer Magie.
Verbraucherhort, umfassend diese drei:
Lust, Wohlstand und geplantes Einerlei
nach künstlicher Erregungsmelodie.
In einem eskapistisch toten Wie 
von gleicher Iche krampfendem Geschrei.

Die Umsatzpriester tummeln sich ganz oben.
So auch die stets bigotten Würdepfaffen,
die permanent sich lächelnd selber loben.
Indes sie schleichend Recht und Staat abschaffen.
Die doch, auch tugendmanisch aufgehoben, 
nicht mehr den Zugriff auf sich selber schaffen.

Scheitern (76/4137)36/Sonett

Wie muss da Kreatürlichkeit bedrängen,
die Endlichkeit durch Ruhm zu überwinden.
Um seinem Dasein Dauer abzuschinden
und seine Nichtigkeit* sich zu verdrängen.

Was legt man dafür sich nicht auf an Zwängen?
Betrügt sich selbst mit Ich-Verrat und Finten.
Nur um sich von der Einsicht abzubinden,
dass Macht und Ehre auch nicht Fakten sprengen.

Indes wem wär’s gegeben, nicht zu scheitern?
Man mag mit Verve versuchen, zu gestalten,
sei es sich selbst, sozial sich zu erweitern,
sei’s Risse, Widersprüche und Gewalten
wie sie aus Psychen und Gesellschaft eitern …
Am Ende steht man doch vor Trümmerhalden.

Eliteversagen (76/4138)37/Sonett

Mir irgendwelche Relevanz zumessen,
dass kann ich nicht. Es wäre ja gelogen.
Von objektiven Mächten aufgesogen,
muss ich mich seelisch-geistig selbst zerfressen.

Das heißt: Verfügen ihren schalen Blässen:
Der Tyrannei der Wohlstandstechnologen,
dem Stumpfsinnramsch von Net-Ideologen:
Realität entstellenden Exzessen.

Wie kann ich mich noch an Eliten halten,
die sich doch handlungsschwach und dreist gerieren,
die die Gesellschaft phrasenmystisch spalten
und immer inbrunstsiecher ihre Schmieren
in ein Versagensnetz von Blindgewalten,
korrupt weil geistlos, dämmernd überführen?

Konjunktive (76/4139)38/Sonett

Ich wäre hilflos ohne Konjunktive
Denn die verfeinern, klären, unterscheiden.
Indem Nuancen sie des Umstands weiten,
in seine Schwierigkeiten in der Tiefe
und seiner Widersprüche Perspektive
sprachdialektisch viel genauer gleiten.
Mit ihrer Hilfe lässt sich auch vermeiden,
dass einen Ungenauigkeiten leiten,
man sprachlich nicht gewahrt dann ihre Schiefe.

Weshalb Politiker sie nicht gebrauchen.
Auch gar nicht könnten. Nun, es bringt ja Stimmen!
Beschönigungen muss man simpel hauchen,
will man sich einfaches Bewusstsein trimmen.
Muss mit Gefühlen auch Begriffe stauchen,
damit die Phrasen nebulöser glimmen.

Der Mensch/Sonett (76/4140)39/Sonett

Kannst du ihn tadeln ob der Lebenslügen,
die er doch braucht, um halbwegs zu bestehen
dies Dasein, das als höchstes Gut wir sehen,
berauscht von Ichsucht und erhofften Siegen?

Die aus dann bleiben. Doch sich zu betrügen,
mögen sie taugen, sie als Traumgeschehen,
das kompensieren mag reale Wehen.
Und mehr als das ist meistens nicht zu kriegen.

Nein kann ich nicht. Obwohl dem Geist verschworen,
der nichts sich hinbiegt, um sich vorzumachen,
man sei, sich zu vollenden doch geboren.

Der weiß, man meistert nie des Daseins Lachen;
dass man, sich selbst verstrickt, ist stets verloren:
Bedürfen unterworfen, Wir und Sachen.

Das Leben (76/4141)40/Sonett

Ich mag wie oft auch immer es bedenken,
stets komm ich zu den gleichen Resultaten:
Man leidet’s von der Wiege bis zum Spaten.
Doch außerstande, selber es zu lenken.

Und manchmal wird es einen tief auch kränken.
Sei es, dass andre wollen einem schaden,
sei’s dass man selbst verloren hat den Faden.
Und nur ganz selten hat es was zu schenken.

Doch wenn, dann greift’s vielleicht mal in die Fülle,
um einen über sich hinauszutreiben.
Dann sitzt man da und lauscht in seine Stille
und sieht Vollendung hinter seinen Scheiben:
Wie man entkomme dieser Wohlstandshülle,
um nicht nur ihr allein sich aufzureiben.

Zeitgeist II/Sonett (76/4142)41/Sonett

Man mag blasiert ihn, gar verwerflich finden,
als Wurzel infantiler Protzereien
und intellektsteriler Selbstwertweihen.
Sogar begreifen, dass er müsse münden
in Halbgebildeter Erlebnisfinten:
Auch, sich als Würdeträger auszuschreien.
Obwohl doch Spiegel aller Daseins-Laien …
Und dennoch: Hochmut soll hier nicht sich künden.

Den meisten Menschen ist es nicht gegeben,
über sich selbst luzide zu verfügen.
Sie müssen, ichschwach, nach Ersatzkult streben,
um sich um sich und Welt herum zu lügen:
Sich einer Seelenbleibe einzuweben …
Und die heißt Zeitgeist: funcool sich betrügen.

Existieren – heute (76/4143)42/Sonett

Was heißt, genau genommen, existieren?
Zumal im Bann abstrakter Tauschgaleeren,
die einen treiben, doch auch Zweck gewähren,
der hindert, dass wir uns in uns verlieren.

Und so vielleicht an Daseinsleeren rühren,
die wir so fürchten müssen, weil sie zehren
an Mut und Kraft, dem Alltagsdruck zu wehren
und unser Leben ohne Bruch zu führen:

Gesund zu meistern die Vollzugsroutinen,
Probleme, Sorgen, die wir alle kennen.
Sich psychisch auszurichten jener Schienen.

Und so gewachsen bleiben diesem Rennen,
Bedürfnis und Gesellschaftsdruck zu dienen.
Uns so dann von Verfall und Zeit zu trennen.

Unfruchtbarkeit des Geistigen (76/4144)43/Sonett

Was Freiheit sei, bestimmt das Kapital.
Der Jubelkunde übernimmt sie nur.
Erfährt sie freilich nicht als Diktatur.
Vielmehr im Gegenteil als rauschbasal:

Beglückend und erhöhend; gar sakral.
Beständig schmeichelnd seiner Gier-Natur.
Und in der Tat: Sie ist die Traumtinktur,
ihn zu entreißen tiefster Daseinsqual.

Raunt da nicht arrogantes Geistmensch-Kritteln,
das sich auf Gaben stützt, die gar nicht tragen,
die auch im Alltag sind nicht auszumitteln?

Begrifflichkeiten, die, scheint’s, nichts besagen,
schon weil sie niemals an den Fakten rütteln.
Und deshalb nutzlos sind vor deren Plagen?

Dunkle Seiten (76/4145)44/Sonett

Soll ich der Redlichkeit die Krone reichen
und Dinge sagen, die zutiefst verletzen,
uns würden gar uns vor uns selber hetzen
und Halte sprengen, Lebensmut und Weichen?

Ich will beschränken mich auf Hinweiszeichen
und nicht auf Tugend und Empörung setzen.
Zappeln wir alle doch in Lügennetzen,
aus Nichtigkeit und Zeitfluss uns zu schleichen.

Wir haben nicht die Größe, Schuld zu tragen,
sind unfrei, laufen in die eignen Messer,
sind öfter als wir denken nur Erpresser:

korrupte Eitle, mit sich selbst geschlagen.
Und müssen uns auch gegenseitig plagen.
Wir können’s nun mal, ichverzückt, nicht besser.

Gegen Charakterlose, Inkompetente, Narzissten
und Selbstsuchtbüttel (76/4146)45/Sonett der radikalen Verdächtigungen
und der subjektiven Affekthypertrophie

Verdummen freilich lasse ich mich nicht,
sei es polit-, sei’s tugendmonoman:
Doch unleugbar ein klerikaler Wahn.
Rhetorisch platt und ohne Faktensicht.

Hysterisches Getue vorm Gewicht 
der Wählerschaft, die selber ohne Plan
zieht ihre wirtschaftlich bedingte Bahn:
Den meisten ausweglos erlebnisschlicht.

Indes ich werde immer radikaler,
mich in Verachtung, Hohn, gar Hass ergehend.
Als Stimmvieh, Umsatzgröße, Netto-Zahler.

Als dieser für Gemüts-Ochlos* einstehend:
Charakterlose, fade Traumwelt-Maler,
narzisstisch ihrem leeren Selbst verwehend.

*Kant: Geist sei "das Belebende im Gemüt."
*Ochlos = Pöbel

Verfall eines worthülsenkranken Landes (76/4147)46

Immer mehr sind tief erregt:
Tugend-, Dekadenz-Puristen,
Kunden, die ein Ideal bewegt:
Mitte-, Rechts- und Links-Statisten.
Derweil alles still verfällt.
Freiheit und Vernunft zum Trotz.
Niemand, der mal innehält,
um zu fahnden nach dem Klotz,
der sich hat aufs Land gelegt.
Immer mehr Charakterlose,
die so gern von Würde säuseln,
Schundpropheten, alarmierte,
Schwätzer, die nur Lippen kräuseln, 
wortbewegte Tugendbolde,
also Lügenmaulversierte,
dann narzisstisch Schwerst-Verschmollte …
ganz zu schweigen von den Schmieren
evident Charakterloser:
Affen, die nach sich nur gieren,
andre möchten gerne zwingen 
zu was wahr, beglückend, gut gar sei …

Sei’s drum: Alarmismus, Hysterie,
Amoral, Empörungssucht,
Unbedarftheit (intellektuelle),
werden stärken noch die Welle,
die uns spült in Agonie,
die wir, glaube ich, auch wollen,
weil entwöhnt jedwedem Sollen:
Frech sofort dann auf der Flucht
vor der Fakten Despotie.

Ja, des Landes All-Verfall:
psychisch, ethisch, kulturell,
ökonomisch … und so weiter,
gründet auch im Lügen-Schwall
deutscher Tugend, die stets grell
fordert Wert und Ideal …
dient jedoch nur Ich und Zahl,
ist nur Selbstlobgierbegleiter,
machtstrategisch eine Leiter.

Würde ist der eine Grund,
diese Formel ohne Sinn …
Nationaler Einsichts-Schwund,
stützend deutsche Lust auf Schein;
fördernd deutschen Fakten-Ekel:
wertbedingt zu leben rein:
deutschgefühlig trancenbunt;
selbstbesoffen in sich drin.

Der andre Grund? Pleonexie:
Ich-, Hab-, Genuss- und 
Macht-Sucht-Träume.
Sich zu erheben über alle die, 
die man überragen muss,
um sich selbst ein As zu werden:
Funktionselitedaseinsguss,
sich in Geltungsglanz zu erden.

Würde (76/4148)47

Würde? - Selbstzwang-Resultat -
Verzicht auf alle Goldnen Kälber:
Ekstasen, Selbstkonsum und Waren-Bad.
Ihr zu genügen meint: Man formt sich selber.

Und wie? Nun ein Vernunftbefehl;
der kann dann sagen, wie man’s macht:
Man muss sich wollen als Person-Juwel:
Als Zweck an sich in Würde-Pracht 

So Kant, der Große Königsberger:
Der wusste nicht, dass wir sind gar nicht frei.
Das, was wir faktisch sind, ist vielfach stärker:
Materie. Mit der sind wir ganz einerlei.

Altersuntergründig (76/4149)48

Ich kann dem eigenen Verfall zusehen:
dem seelisch-körperlichen wie dem intellektuellen.
Ich spür’s: Ich werde wohl bald untergehen,
versiegen mir doch längst des Daseins Quellen.

Und doch: Da hilft mein Nihilismus viel,
der mich begleitet haben wird mein Leben lang.
Der wusste immer um dies komplizierte Spiel …
Um unsre Ratio-Posse ohne Sinn-Belang:

Als Aschehäufchen wird dich nichts mehr quälen;
und nichts mehr wird dich können lenken:
Kein Markt-Blendwerk, kein Phrasen-Schälen …
Wird dir der Tod also Vollendung schenken?

Ja, wird er schon, auf ganz besondre Weise:
Durch ihn wirst du sogar dich selbst sein los:
Etwa dein Einsichtsleid ob all der toten Gleise,
der unseren, längst aller Ziele bloß.

Das individuelle Los in späten Wohlstandsgesellschaften (76/4150)49

Sie zwingen einen,
vor sich selbst zu fliehen
in Ablenkungsmanöver aller Art.
In diesen dann 
sich selber zu verneinen,
narzisstisch, cool und smart.
Tatsächlich ist man sich 
nur noch geliehen;
vom Markt, 
dem Seelenproduzenten,
dem man ist restlos 
längst gediehen:
ja: abgerichtet, 
sich ihm zu verpfänden;
schon in der Wiege 
und noch eingesargt:
So lebenslang 
sich selbst benommen,
um ihm 
als subjektives Exemplar 
wo immer Tag und Nacht 
zu frommen.

Der Zerfall der BRD (76/4151)50

Ich hätte früher freilich nie gedacht,
dass mal der deutsche Staat versage,
das Recht sogar sich selber beuge;
und dann auch noch die Wirtschaft schrumpfe.
Dass werde Farce Parteien-Macht,
so sie die Volksherrschaft zu Grabe trage.
Und dennoch bin ich täglich davon Zeuge,
wie sich hier alles lenkt ins Dumpfe.
Auch psycho-ethisch-sprachlich-kulturell:
Das Land zerfällt; verwahrlost parallel.

Dabei geht’s auch um Wirklichkeitsverluste,
um Faktenleugnung, Selbstsuchthörigkeit,
Ideologenstumpfsinn und Mentalverfall:
Politfiguren, Infantile, Wertbewusste,
auf Macht aus mit Narzissten-Neid,
verhökern Phrasen und Empörungsschwall. 

Befund (76/4152)51

Mich wundert’s freilich nicht, 
dass die Funktionseliten 
Komplotte gegen sich 
längst selber schmieden.
Ist’s doch das Kernmerkmal 
aller Narzissten-Nieten,
dass sie nicht können 
vor sich selbst sich hüten.

Mir selbst zum 75. Geburtstag (76/4153)52

Ich mach mir keine Illusionen
- ich kann’s aus Einsicht einfach nicht -,
was anbelangt die Zukunft unsrer Welt:
Die primitivsten Seelenzonen 
werden ihr nehmen alle Zuversicht:
Gewalt und Machtsucht, Barbarei und Geld.
Nicht steuerbare Größen unsrer Wesensschicht. 

Wird heute 75 Jahre alt.
Und weiß recht gut, wovon ich spreche:
Weiß, dass die Welt ist meistens kalt,
weiß aber auch, warum. 
Uns, der Natur entlaufen, 
fehlt deshalb jeder objektive Halt …
Und dafür zahlen wir die Zeche. 
Dass wir Natur so müssen schaffen um,
bis wir uns selbst entgleiten: ratiostumm …
geworden hirnbasiert entmenschtes Menschentum.

Indes dem Schlimmsten werde ich entrinnen,
weil bald als Asche Nichts dann sein.
Weshalb ich gerne will mich jetzt besinnen
und deuten an so manchen Daseins-Hain:
Von Gott im Feld kindliche Fiktionen spinnen.
Dank Eros untergehn in Du und Wein.
Und mit Gedichten fügen einen Geistes-Schrein.

Namen der im Zusammenhang mit den Gedichten genannten Philosophen, Künstler, Physiker, Wissenschaftler, Anthropologen, Musiker, Zeitgeistkritiker. Nähere Informationen enthält in der Regel das Fremdwörterverzeichnis

A
*Anaxagoras von Klazomenai, 500 - 428 v. Chr., griech. Philosoph
*Anaximander von Milet (er sei 547/46 64 Jahre alt gewesen). Zu beiden genannten Philosophen s. Die Vorsokratiker, griechisch/deutsch, Reclam-Verlag
*Archilochos von Paros, altgriech. Dichter, 680 – 640, kämpfte als Söldner gegen die Thraker. Aristokratische Herkunft, aber nicht erbberechtigt, da sein Vater ihn mit einer thrakischen Magd gezeugt hatte.
*Aristipp von Kyrene, Sokrates-Schüler, Philosoph, Begründer des ethischen Hedonismus: “Ethischer“ Hedonismus, weil das Streben nach Lust moralisch geboten sei
Hedonismus (griech.: hēdonē): 
*Aristophanes von Athen: Der größte altgriechische Komödiendichter, ca. 445 – 385 v. Chr.
*Aristoteles, griech. Philosoph aus Stageira, Schüler Platons, 384 – 322 v. Chr.

B
*Benjamin, Walter, Philosoph, Kulturkritiker, Übersetzer, 1892 - 1940
*Benn, Gottfried, deutscher Dichter, 1886 - 1956
*Bloch, Ernst, deutscher Philosoph, 1885 – 1977, Neomarxist, Hauptwerk: Das Prinzip Hoffnung
*Briefs, Götz, Nationalökonom, Sozialphilosoph, römisch-katholischer Sozialethiker, 1889 – 1974

C
*Calvin, Jean/Johannes Calvin, 1509 – 1564, Reformator, Begründer er protestantischen Sekte der Calvinisten, die, nach Max Weber, den modernen Kapitalismus schufen
*Camus, Albert, franz.: Philosoph, Religionskritiker und Schriftsteller, 1913 – 1960, Nobelpreisträger

D
*Dawkins, Richard, engl. Evolutionsbiologe, Darwinist 
*Demokrit von Abdera (Um 460 - 370 v. Chr.), Philosoph schuf zusammen mit Leukipp die antike Atomtheorie. Hier sein Frg. 146: Der Geist (nach Demokrit) ist es gewohnt, seine Freuden aus sich selbst zu ziehen* (Übers. von Gregor Damschen) *τὸν λόγον (κατὰ Δημόκριτον) αὐτὸν ἐξ ἑαυτοῦ τὰς τέρψιας ἐϑιζόμεον λαμβάνειν (Frg. 146). So sehe ich, Sa., es auch.
*Deng Xiaoping, chinesischer Politiker
*de Mandeville, Bernard, Arzt, engl. Schriftsteller und Philosoph niederländ. Herkunft, 1670-1733: Der menschliche Eigennutz ist die Quelle wirtschaftlicher Prosperität: Die privaten Laster fördern das öffentliche/gesellschaftliche Wohl: In der „Bienenfabel“ schreibt er: „private vices make public benefits“
*de Tocqueville, Alexis, französischer Jurist, Soziologe und Autor des Klassikers „De la Démocratie en Amérique (Der erste von zwei Teilen erschien 1835). Ich, Sa., darf bekennen, dass ich diesen großen Franzosen immer bewundert, ja verehrt habe.

E
*Epikur von Athen, Philosoph, Atomtheoretiker, 341 - 271 v. Chr.
Aphorismus 8 (Epikur, Philosophie der Freude, Kröner-Verlag, Stuttgart, Band 198):
"Die Stimme des Fleisches spricht: Nicht hungern, nicht dürsten, nicht frieren! Wem aber dies alles zuteilwird oder wer gewiss darauf hoffen darf, der kann sich an Glückseligkeit selbst mit Zeus messen."

F
*Freud, Sigmund, Begründer der Psychoanalyse
*Friedländer, Saul, israelischer Historiker, 1932 geb.
*Fritzsch, Harald, Physiker „Elementarteilchen, Bausteine der Materie“, München 2004; ebenso: 
*Brigitte Röthlein, Das Innerste der Dinge, München 1998): baryonisch: die baryonische Materie betreffend
*Fromm, Erich, 1900 – 1980, Psychoanalytiker und Philosoph. Er meinte etwa, nur der wissende Mensch sei ein freier Mensch

G
*Galimberti, Umberto, 1942 geboren, Anthropologe, Psychoanalytiker, Professor für Philosophiegeschichte und Psychologie an der Universität von Venedig
*Gehlen, Arnold, deutscher Philosoph und Anthropologe, 1904 - 1976
„Der Mensch ist, um existenzfähig zu sein, auf Umschaffung und Bewältigung der Natur hin gebaut, und deswegen auch auf die Möglichkeit der Erfahrung der Welt hin: Er ist handelndes Wesen, weil er unspezialisiert ist, und also der natürlich angepassten Umwelt entbehrt. “
*Goethe, Johann Wolfgang von, Dichter, Politiker, 1749 – 1832. Rechtsanwalt, Minister, Schriftsteller. Hauptwerk „Faust“.
*Guevara, Ernesto „Che“: argentinischer Arzt und Revolutionär, 1928 - 1967 (in Bolivien im Auftrag der CIA ermordet; was ihn, den argentinisch-kubanischen Revolutionär für viele zum Heiligen machte).

H
*Hasinger, Günther, Das Schicksal des Universums, C. H. Beck, 2007
*Hegel, G. W. F., deutscher Philosoph, 1770 - 1831
Am 22. Oktober 1818, führt Hegel an der Universität Berlin aus: „Was im Leben wahr, groß und göttlich ist, ist es durch die Idee; das Ziel der Philosophie ist, sie in ihrer wahrhaften Gestalt und Allgemeinheit zu erfassen. Die Natur ist darunter gebunden, die Vernunft nur mit Notwendigkeit zu vollbringen; aber das Reich des Geistes ist das Reich der Freiheit. Alles, was das menschliche Leben zusammenhält, was Wert hat und gilt, ist geistiger Natur, und dies Reich des Geistes existiert allein durch das Bewusstsein von Wahrheit und Recht, durch das Erfassen der Ideen.“
*Heraklit von Ephesos, griech. Philosoph, um 500 v. Chr.. S. „Die Vorsokratiker“, Reclam griechisch-deutsch. Heraklit wurde der Dunkle genannt 
*Hesiod von Askra, griech. Dichter, um 700 v. Chr. Er lebte als Landwirt und wandernder Rhapsode in Askra, einem kleinen Dorf in Nordgriechenland. Hauptwerke: „Theogonie“ und „Erga“
*Hobbes, Thomas englischer Philosoph (1588 – 1679):
(1) Die eigene Selbsterhaltung ist fundamentalster Daseins-Wert; daher
(2) Handelt jedes Individuum egoistisch
(3) Jeder sucht seinen eigenen Vorteil zum Nachteil eines anderen
(4) Es ist immer so, dass viele dasselbe begehren, woraus folgt
(5) „Dass der natürliche Zustand ( = der Urzustand ohne Staats- und Rechts-Gesetze) der Menschen, bevor sie zum Staat zusammentraten, der Krieg gewesen ist/wäre; und zwar … der Krieg aller gegen alle „ … das bellum omnium contra omnes. Einen solchen gesetzlos-anarchischen Zustand hat es freilich nie/nur in Ausnahmesituationen gegeben; er ist als hypothetisches Konstrukt zu fassen.
*Ho Chi Minh, vietnamesischer Revolutionär, 1890 - 1969
*Hösle, Vittorio, deutscher Philosoph, „Moral und Politik - Grundlagen einer politischen Ethik“, C. H Beck, 1979
*Hölderlin, Friedrich, bedeutender deutscher Dichter, 170 - 1843
*Horkheimer, Max, deutscher Sozialphilosoph, 1895 – 1973, Gründer der Frankfurter Schule.

J
*Johanson, Donald, Anthropologe
Afar:1974 fanden der amerikanische Paläoanthropologe Donald Johanson und sein Team in der Afar-Region bei Hadar in Äthiopien das zu rund 40% erhaltene Skelett eines erwachsenen weiblichen Hominiden (Mitglied der Familie der Menschenartigen): Australopithecus afarensis („Südaffe von Afar“): Lucy (so benannt nach dem bekannten Beatles-Song).

K
*Kant, Immanuel, Philosoph, 1724 bis 1804), der geistige Vater des deutschen Grundgesetzes von 1949: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. S. die Ausführungen Seite 44 der Homepage, Thema: Würde
*Klages Helmut, Sozialwissenschaftler, 1930 geboren, lehrte an der Uni Speyer. Klages befasste sich eingehend mit dem Thema „Wertewandel“
*Kritias von Athen, Schriftsteller, Politiker und Philosoph, 460 – 403 v. Chr.

L
*Leibniz, Gottfried Wilhelm (1646 - 1716). Monaden = ausdehnungslose Kraftpunkte; sie müssen als Substanzen (Substanz = das eigentliche Wesen der Dinge, das diesen als einzelnen Zugrundeliegende) ausdehnungslos sein, sonst wären sie teilbar. Leibniz: "Die Monaden sind also die wahrhaften Atome" (griech.: atomos = unteilbar; vgl. Demokrit) "der Natur und, mit einem Worte, die Elemente der Dinge."
*Luhmann, Niklas, Soziologe, Systemtheoretiker, 1927 – 1998

M
*Machiavelli, Nicolo, italien. Philosoph
Auf Machiavelli geht die Auffassung zurück, der Staat sei zu einer rücksichtslosen Machtpolitik berechtigt.
*Mann, Thomas, Schriftsteller, 1875 - 1955
*Marcuse, Herbert, Philosoph, Politologe, Soziologe, 1898 - 1979
*Marx, Karl, deutscher Philosoph, Begründer - zusammen mit Friedrich Engels - des Marxismus (Kommunismus, Sozialismus), 1818-1883 (London), Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Religion.
*Mill, John Stuart, englischer Philosoph, 1806 - 1873
*Musil, Robert, Edler von, Schriftsteller, 1880 – 1942

N
*Nietzsche, Friedrich, Philologie und deutscher Philosoph, 1844 - 1900. Aus „Der Wille zur Macht“:
(1) S. 8: „5. Die nihilistischen Konsequenzen der jetzigen Naturwissenschaft … Aus ihrem Betriebe folgt endlich eine Selbstzersetzung, eine Wendung gegen sich, eine Antiwissenschaftlichkeit. Seit Kopernikus* rollt der Mensch aus dem Zentrum ins x.“
„Die nihilistischen Konsequenzen der politischen und volkswirtschaftlichen Denkweise, wo alle „Prinzipien“ nachgerade zur Schauspielerei gehören: der Hauch von Mittelmäßigkeit, Erbärmlichkeit, Unaufrichtigkeit usw.

P
*Pindar von Theben, Dichter
ἐπάμεροι·τί δέ τιϛ; τί δ̓ οὔ τιϛ; σκιᾶς ὄναρ ἄνθρωπος (Pythische Ode VIII, 95f)
Übersetzung(sversuch): „Eintagswesen. Was ist einer? Was einer nicht? Eines Schattens Traum, das ist der Mensch.“
*Platon von Athen, Philosoph, 427 – 347 v. Chr.
*Protagoras von Abdera, griech. Philosoph/Sophist (s. Über mich)

R
*Röpke, Wilhelm, Ökonom und Sozialphilosoph, 1899 -1966
„Gibt es einen sichereren Weg, die Seele des Menschen völlig auszudörren, als die durch unser Wirtschaftssystem geforderte Gewohnheit, unsere Gedanken ständig um Geld und Geldeswert kreisen zu lassen? Und ein schärferes Gift als eine Kommerzialisierung, die alles durchdringt“?  Nein, gibt es nicht (Sa.).
*Röthlein, Brigitte, Das Innerste der Dinge, München 1998): baryonisch: die baryonische Materie betreffend

S
*Scheler, Max, deutscher Philosoph, Anthropologe, Soziologe, 1874 - 1928
„Der Mensch ist das Lebewesen, das kraft seines Geistes sich zu seinem Leben, das heftig es durchschauert, prinzipiell asketisch … verhalten kann. Mit dem Tiere verglichen … ist der Mensch der „Neinsagenkönner“, der „Asket des Lebens“, der ewige Protestant gegen alle bloße Wirklichkeit.“
S. 28: „ … dann ist die Grundbestimmung eines geistigen Wesens seine existenzielle Entbundenheit vom Organischen, vom „Leben“ und allem, was zum Leben gehört – also auch seiner eigenen triebhaften „Intelligenz“.
*Schopenhauer, Artur, deutscher Philosoph, 1788 – 1860:
„Für unser Lebensglück ist demnach Das, was wir s i n d, die Persönlichkeit, durchaus das Erste und Wesentlichste … Ihr Wert kann insofern ein absoluter heißen, im Gegensatz des bloß relativen der beiden anderen“ (2) Haben und (3) Gelten)
*Stirner, Max deutscher Philosoph, 1806 bis 1856, Philosoph: „Über der Pforte unserer Zeit steht nicht jenes apollinische: Erkenne dich selbst, sondern ein: Verwerte Dich!“

T
*Theognis von Megara, griech. Elegiendichter, 570 – 458 v. Chr. … κρεῖσσόν τοι σοφίη καὶ μεγάλης ἀρετής (5 Hιbungen = Pentameter = 2. Teil eines Distichons)
Ü. = Stärker ist Weisheit sogar als große Tugend
*Trakl, Georg, österreichischer Dichter des Expressionismus , 1887 – 1914

W
*Weber Max, deutscher Soziologe,1864 - 1920.
Wirtschaft und Gesellschaft § 16: M a c h t bedeutet jede Chance innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.
*Weinberg, Steven, amerikanischer Physiker, Nobelpreisträger:
„Je begreiflicher uns das Universum wird, um so sinnloser erscheint es auch ... Das Bestreben, das Universum zu verstehen, hebt das menschliche Leben in wenig über eine Farce hinaus und verleiht ihm einen Hauch von tragischer Würde." (Fettdruck von mir, Sa.). In: Die ersten drei Minuten, Der Ursprung des Universums, München 1977

(AB) Buchstabenfolgen/Abkürzungen:
(1) NEXBISO = Nüchterne Existenzbilanz in Sonetten
(2) SMS = Stadtmauersteine. Gemeint ist die Stadtmauer in meinem pfälzischen Heimatdorf. Oft spielte ich an der Stadtmauer (in ganz engen Gassen), oder gab mich der mittelalterlichen Sphäre hin (oft phantasierend); gemeint sind sprachliche Bizarrerien, plötzliche Einfälle, kindliche Spielereien mit Worten, Verdrehungen von Wortbedeutungen, Paradoxa, bedeutungslose Wort- oder Satz-Fügungen, Provokationen, aber auch Alltagsweisheiten usw. usw. Das Suchen nach SMS geht tatsächlich bis in die Kindheit zurück; damals noch im pfälzischen Dialekt.
(3) ZINSJA = Zusammenschau in späten Jahren


 

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