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Die Seite 47 enthält 32 Gedichte

Kurze Wiederholungen/allgemeine Informationen und Gedanken/weitere wichtige Zitate

(A) Kant kennt fünf Formeln des Kategorischen Imperativs; hier sind sie:
Formel I (oder die Formel des allgemeinen Gesetzes, des Kategorischen Imperativs):
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Formel Ia (oder die Formel des Naturgesetzes):
„Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum ALLGEMEINEN NATURGESETZ werden sollte.“
Formel II (oder die Formel des Zwecks an sich selbst):
„Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person als auch in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“
Formel III (oder die Formel der Autonomie = Selbstgesetzgebung/Freiheit):
„Handle so, dass dein Wille durch seine Maxime sich selbst zugleich als allgemein gesetzgebend betrachten könne.“
Formel IIIa (oder die Formel des Reichs der Zwecke):
„Handle so, als ob du durch deine Maximen jederzeit ein gesetzgebendes Glied im allgemeinen Reich der Zwecke wärest.“ 

(B) Platon - weitere als die kurzen folgenden Ausführungen würden eine detaillierte Auseinandersetzung mit Platons Idealstaat erfordern, was hier nicht geleistet werden kann.
Platon setzt drei Seelenteile an. Jeder Seelenteil weist auf einen typischen Daseinsvollzug – mit typischen Primärzielen:
(1) Das Logistikon ist der vernünftige Seelenteil/Träger: Philosophen: Dieser Seelenteil 
(a) zielt auf Lernen und die Erkenntnis des Wahren
(b) er ist der weisheitsliebende Seelenteil und 
(c) als dieser der unsterbliche Seelenteil
(d) Staatsform: Aristokratie
(2) Das Thymoeides ist der muthafte Seelenteil/Träger: Wächter. 
(a) zielt Überlegenheit (den Wunsche, andere zu überragen, „besser“ zu sein als sie), Ehre und Ansehen
(b) Dieser Seelenteil ist sterblich.
(c) Staatsform: Timokratie? Oligarchie?
(3) Das Epithymetikon ist der begehrlicher Seelenteil/Träger: Volk. 
(a) Er zielt auf die Befriedigung körperbezogener Bedürfnisse: Essen, Trinken, Fortpflanzung usw. Also: Erwerb und Besitz von Mitteln, die der Befriedigung körperlicher Lüste dienen und/oder dem Ansehen dienen: einen anderen überlegen erscheinen lassen
(b) tentieller Unersättlichkeit. Das Epithymetikon muss gezähmt werden wie ein wildes Tier,
weil es auf potentieller Unersättlichkeit beruht
(c) Dieser Seelenteil ist sterblich.
(d) Staatsform: Demokratie
Platon (427 – 347 v. Chr.) bringt als das Epithymetikon und die Demokratie als untrennbar voneinander zusammen; und darauf kommt es mir hier an … 

Dazu: Alexis de Tocqueville (1805 – 1859), Über die Demokratie in Amerika, dtv Klassik, 1976
Tocqueville (1), S. 526:
„Nichts ist der Pflege der hohen Wissenschaften oder dem höheren Bereich der Wissenschaften weniger günstig als die Welt einer demokratischen Gesellschaft … Jeder ist geschäftig: die einen wollen an Macht gelangen, die andern Reichtum ergattern. Wo soll man
in diesem allgemeinen Wirbel, in diesem ständigen Zusammenprall entgegen gesetzter Interessen, in diesem fortwährenden Rennen der Menschen nach Geld die Stille finden, die dem vertieften Forschen des Geistes so nötig ist?“
In der Tat!

Tocqueville (2), Seite 529:
„In diesen Völkern (den demokratischen, Sa.) sind die meisten Menschen sehr auf materielle und gegenwärtige Genüsse erpicht, und da sie mit der Stellung, die sie innehaben, nie zufrieden und stets bereits sind, sie aufzugeben, denken sie nur an die Mittel, ihre Vermögenslage zu ändern oder zu verbessern.“
So ist es!

Tocqueville (3), Seite 617:
„In Amerika herrscht die Leidenschaft für materielles Wohlergehen nicht immer ausschließlich, sie ist aber allgemein; wenn ihr nicht alle auf die gleiche Weise frönen, so empfinden sie alle. Die Sorge für die Befriedigung der geringsten leiblichen Bedürfnisse und für die kleinen Bequemlichkeiten des Daseins füllt die Gemüter dort gänzlich aus. Ähnliches zeichnet sich mehr und mehr in Europa ab.“
So kam’s in der Tat!

Also: Platon bindet die Demokratie theoretisch an das Epithymetikon, den begehrlichen Seelenteil, Tocqueville erfährt um 1830 diese Zusammengehörigkeit von Demokratie und Epithymetikon als Tatsache im demokratischen Amerika jener Zeit.

(C) Heute - z. B. in Deutschland - fällt es kaum noch jemandem auf, dass Demokratie und Wohlstand/Wohlleben (und dessen Steigerung) wie selbstverständlich zusammengehören und das auch sollen - um nicht zu sagen: müssen (um die Menschen psychoethisch „im Lot zu halten“, auch: die Gesellschaft zu befrieden: Wer in materiellem Saus und Braus: in Wohlstand lebt, verspürt wenig Lust, sich mit den barbarischen Seiten des Menschentums auseinanderzusetzen: Etwa Kriegs-, Eroberungs-, Überwältigungs- und Unterdrückungs-Lüsternheits-Potentialen; manche glauben dann sogar, dergleichen Unmenschlichkeiten seien definitiv überwunden; oder könnten wenigstens aus der Welt geschafft werden.
Nun: Das zu bezweifeln gibt es viele Gründe. Napoleon etwa meinte, der Krieg ergäbe sich aus der Natur des Menschen. Jedenfalls: Man schweigt sich über die mit einem üppigen Wohlleben verbundenen Luxus-, Dekadenz- und existenzzerrüttenden Verwahrlosungen, also: die Innenweltverkümmerungs-Gefahren aus; erkennt sie vielleicht auch nicht: Indes Materialismus, Hedonismus, Eudämonismus, Atheismus, Narzissmus und Nihilismus - Phänomene, die in kapitalistischen Wohlstandsgesellschaften nicht zu vermeiden sind - Gefahren selbst für die Demokratie darstellen: Man sehe nur auf die Entwicklungen in den heutigen USA).
Indes sind die Gründe menschlichen Scheiterns - in der Tiefe: geistig-weltoffen betrachtet weder Wohlstandsexzesse noch die liberale Demokratie als solche (eine Befürchtung, die schon Dürig hatte; s. o.); sondern diese, der menschlichen Existenz, notwendig abträglichen, gleichsam wesenswidersprüchlichen existenziellen Heimsuchungen des Menschen, die vor allem ihn selbst gefährden - und mit ihm dann auch die Demokratie. Hier ein paar allgemeine Hinweise, die ich hier aufzähle, wie sie mir gerade einfallen.

(D) Der Mensch
(*) ist kein vernünftiges Wesen, sondern oft auch ein sich selbst ausgelieferter Existenz-Spielball, ein verunsicherter, zumal eher desorientierter, selbstohnmächtiger/heute drastisch außengeleiteter, also auch ichschwach-verängstigter, anerkennungstrunkener Schauspieler: mehr oder weniger begabter - oder eben auch unfähiger - Darsteller seiner Existenz. Jeder ist das heutzutage; muss es sein;
(*) ist mit sich selbst geschlagen: muss lebenslang mit sich selbst: als Einheit fundamentaler lebenserfahrungspraller Prägungen (auch genetischen) „irgendwie“ zurechtkommen;
(*) ist lebenslang seiner Zeit/ihren geschichtlichen Umständen, der Gesellschaft, in der lebt, den in ihr herrschenden politischen und ökonomischen Verhältnissen und sich selbst - er entkommt sich nicht: lebenslang nicht - ausgeliefert;
(*) ein Leben lang psychoethisch gebunden an seine Herkunftsklasse: sie prägt ihn fundamental, bis in die feinsten, zartesten und intimsten Gefühlsbereiche;
(*) der Mensch ist sich vor allem selbst ausgeliefert als genetischem Zufall
(*) ohne dass ihm ein freier Wille zukäme: er ist vollständig determiniert, glaube er auch lebenslang das Gegenteil; genauer: muss das glauben, denn: Wer könnte schon sein Leben „meistern“ (halbwegs bestehen, „über die Runden bringen“), wenn er sich seiner als heteronom (unfrei) bewusst wäre?
(*) Der Mensch wird gelenkt, „genarrt“, ist zumal vollständig unterworfen seinen Affekten, Emotionen, Gefühlen, die oft zumal drängend widersprüchlich sind - oder dem Menschen so scheinen;
(*) … ist ausgeliefert seinen ihn packenden und (meistens) „schüttelnden“ Lebenserfahrungen (vor allem auch mit anderen, die einzuschätzen, zu durchschauen usw. nicht gerade einfach ist; man halte sich im Zusammenhang damit daran, dass der Mensch in der Regel nicht gut ist (allerdings dafür nichts kann: Er ist selten ein Schreiberscher Würdeträger (s. o.) - und wenn doch, dann auch, weil er sich selbst dazu machen m u s s t e (etwa aufgrund seiner genetischen Prägungen);
(*) einsam/allein ist der Mensch, ist es sein Leben lang; verbirgt sich das freilich, weil er das Wissen darum würde nicht ertragen können: Vielmehr nutzt er alle Möglichkeiten - und davon gibt es heutzutage viele -, sich selbst zu belämmern (z. B. auch mit Drogen);
(*) der Mensch verbringt sein ganzes Leben im (wiederum: gemeinhin verdrängten) Wissen um seinen Tod
(*) ein Leben - heutzutage - ist weiter - o b j e k t i v (die Naturwissenschaften lassen, so sehe ich, Sa., es jedenfalls, keinen Zweifel daran) völlig sinnlos: Es kommt z. B. nichts „nachher“ … subjektiv mag er, der Mensch, vielleicht sein Leben meistern können: etwa dadurch, dass eine Berufslaufbahn, eine Ehe gelingt, eine Familie „glückt“, also: birgt, auffängt, beschützt, ermutigt … seine Familie bietet ihm „psychoethischen = sinngebenden Schutz, der es ihm erlaubt, „sich auf der Bahn zu halten“; falls ihn keine unvorhersehbaren Ereignisse: Unfälle, Krankheiten, Schicksalsschläge (etwa Arbeitslosigkeit) aus dieser Bahn werfen: Das menschliche Leben ist, insofern es allen möglichen Schicksalsschlägen ausgesetzt ist, dauerprekär.
(*) Der Mensch kann sich, wie angedeutet, sich selbst nicht aussuchen; vielleicht - man wird es ihm von Herzen wünschen - hat(te) er das Glück, dass ihn Zufall und Schicksal begünstigt haben/begünstigen, so dass er ausreichend innere Kraft findet/hat, sich den Herausforderungen eines menschlichen Lebens zufällig-genetisch gewappnet erfolgreicher zu stellen als manch anderer, der leicht verzweifeln, Angst leiden, ohne Zutrauen sein mag.

(E) Ich nehme die Ausführungen von Platon und Tocqueville über den Zusammenhang von Lebensdrangsal/Daseinsgier/Pleonexie zum Anlass, wieder einmal zu fragen, ob die heutigen (westlichen) Konsumdiktaturen (als Entfaltung von individueller Lebensdrangsal/Daseinsgier/ Pleonexie) überhaupt Demokratien sind, denn gerade diese fordern von den Individuen (oben, in der Mitte, unten) einige Eigenschaften, die für das Funktionieren einer Demokratie gegeben sein müssen: Selbstdistanz, Selbstzurücknahmefähigkeit (und -willigkeit): Ehrlichkeit, was das eigene Wesen anbelangt, Selbstüberwindungswilligkeit als Verzichtsleistungsbereitschaft, Sachlichkeit, resultierend aus dem Nachdenken darüber, welche Menschen eine Demokratie (die keine Leerformel-, Ideologen- und machtlüstern- prinzipienlose Ichschwache oder Gesinnungsergriffene sind) benötigt, um eine solche faktisch zu sein und zu bleiben. Nun, v. a. auch diese: 

Die allgemeine Einsichtskraft (nicht bloß „oben“), die einem untrüglich zeigt, dass folgende typisch konsumdiktatorische Eigenschaften/Gepflogenheiten, Phänomene, wenn sie nicht (mehr) beherrschbar sind, auf Dauer eine Demokratie gefährden müssen, weil sie asozialisierend in jedwedem Sinne des Wortes wirken müssen
(α) Materialismus (Mammonismus)
(β) Konsumismus
(γ) Utilitarismus (Nutzen-Fetischismus)
(δ) Eudämonismus/Hedonismus
(ε) Infantilismus (Emotionalismus, Egoismus, Eskapismus)
(ζ) Atheismus
(η) Narzissmus
(θ) Nihilismus
Indes: Kann das gelingen, wenn das, was oben unter (D) über den Menschen gesagt wurde, dass ein Menschenleben letztlich dauerprekär, sich selbst ausgeliefert unverständlich, lenkbar, ideologisierbar, halt- und letztlich sinnlos ist? - Nein, kann es nicht. Damit ist obige Frage beantwortet

(F) Mensch und Machtpolitische Macht. Was diese anbelangt, sei gesagt,
(*) dass sie für manche zum faszinierendsten Daseinsgut gehört - denn wer möchte nicht, wenigsten zuweilen - in Zorn, Hass und Wut geraten - andere überragen, kommandieren, „schurigeln“, belügen, beleidigen, verachten, ausbeuten usw.; und wer sie hat, wird von ihr nicht mehr lassen wollen: Sie ist eben eine der wirkungsmächtigsten Narkosen (wir alle brauchen „Narkosen“: Geld, Luxus, Triebbefriedigungen, von anderen gewöhnlich „goutierte“, sie gewinnende und ihrerseits „hebende“ Persönlichkeits-Annehmlichkeiten usw., usw.), wenn es darum zu tun ist, sich über die Untiefen unserer Existenz hinwegzuretten: machttrancebelämmert diese zu durchwaten/zu durchschwimmen.
Und was politische Macht des Näheren anbelangt, ist etwa dies zu sagen:
(*) sie fasziniert, obwohl das Streben nach ihr nichts weiter als dies verrät:
(α) dass, wer sie nicht(!) braucht, an sich mächtiger/machtfähiger/machtabständiger/ machtvirtuoser gegenüber und in sich selbst sein dürfte als der, der sie, diese Macht, nötig hat, denn:
(β) das unbedingte: allgierige Streben nach Macht verrät allemal auch, dass man sich nicht - oder nur sehr bedingt - selbst hat: geistig! selbst hat; einsichtig(!) selbst hat; faktenkonform existierend! Selbst hat: z. B. ideologiefrei ist … und um die All-Nichtigkeit der menschlichen Existenz weiß: das genaue Gegenteil gilt insbesondere für Despoten und Tyrannen, die sozusagen in sich selbst als persönlichkeitsdefizitär gleichsam zusammenfallen/zerrinnen … von Macht getrieben „außer sich“; ichschwach (und daran ändert sich auch dadurch nichts, dass sie, etwa, das Leben anderer straflos auslöschen können) Kurzum: Machtsucht weist auf Selbstverlust, weist darauf, dass die Macht, die man hat, umgekehrt auch vor allem einen selbst hat: gängelt, antreibt, überwältigt, knebelt …
(γ) Wer aber, sich selbst nicht habend, hat dann Macht? Man sehe nur einmal ganz aufmerksam auf einen Mächtigen dieser Welt, um nachvollziehen zu können, was ich meine: Er ist sein eigener Existenz-Knecht, er hat sich nur als seine eigene, ununterbrochen wiederholte und ausgelebt sein wollende/müssende: unbewusst ihn übermächtigende Ich-Gefangenheit/Lebenslügengefangenschaft in ideologischen Wahngebilden, ihn gängelnden/antreibenden Ideal-Fiktionen usw. usw., indem er erstreben mag:
(*) Die Weltherrschaft (politische, ökonomische, rationale: wissenschaftlich-technische, kulturelle, sportliche usw. - wie das heutige China); oder:
(*) Die Rückgewinnung „früherer Größe“ (das heutige Russland) oder
(*) das, was in den USA - einer Zerfalls- und Niedergangsgesellschaft - als „Make America great again“ – und zwar mit allen Mitteln, auch fragwürdigen – verfolgt wird: In jeder Hinsicht „vorne“ zu sein, jedes „Heft in der Hand zu halten“ – egal wie
(*) Die Vernichtung/Ausrottung angeblicher „Untermenschen“, die ihrerseits die Welt ins Chaos stürzen wollten, um sie so zu beherrschen (Beispiel: NS).
(*) oder… oder… oder… eine andere,
(*) die er sich selbst in ständig perspektivisch wechselnder Version erdichtet: Er muss - narzissmussiech-showlüstern - andere zu seinen Clowns machen, um sich selbst zu berauschen an seiner einsichtslos-clownesk geschauspielerten, eigentlich: leeren, Existenz (heutige USA). Noch mal: Macht hat der, der sie nicht braucht, der, den sie nicht so betört/sich gefügig macht, dass sie ihn zuletzt so sehr überwältigt, dass sie ihn zu ihrem Sklaven machen kann. Tatsächlich: Politische Macht benimmt seiner selbst: Man riskiert, zu ihrem Büttel zu werden, gebe man sich auch aus als „Demokrat“. Kurzum: Wer dieser „Machtknechtschaft“ anheimfällt, wird ihr nicht mehr entrinnen können (man informiere sich diesbezüglich über die obersten Repräsentanten des NS (Hitler, Goebbels, Göring, Himmler, Heydrich, Bormann …)

(G) Demokratie/Sehr allgemeine Bemerkungen/Andeutungen
(1) Ich beginne aber zunächst einmal mit der sog. volonté générale*, die, so die Theorie, der allgemein vernünftige Wille eines Volkes sei, welches durch die Umsetzung desselben sein, des Volkes, Allgemeinwohl (wirtschaftliche Prosperität/Stabilität,Wohlfahrtssteigerung, Eudämonie = Glückssteigerung“) zu erhalten, wieder herzustellen oder gar zu verbessern suche.

Anm.*: Nach dem französischen Philosophen Jean-Jaques Rousseau, der damit den vernünftigen(!) Willen von Einzelinteressen, also subjektiven Egoismen freien Gesamtwillen einer staatlichen Gemeinschaft bezeichnete - also eine volonté générale im Gegensatz zur volonté de tous: der Summe aller egoistischen Einzelwillen
--------------------------------------Ende der Anm.

(H) Das Folgende z. T. nach Schumpeter, a.a.O., Seite 399f.
Indes: Eine vernünftige(!) volonté générale ist ein kaum haltbares theoretisches Konstrukt in mindestens zweierlei Hinsicht
(1) Es gibt keine homogene v e r n ü n f t i g e volonté générale, ja: überhaupt keinen allgemeinen vernünftigen W i l l e n eines Volkes, auch nicht einen irrationalen 
Gesamtw i l l e n, sondern
(2) allenfalls eine mehr oder weniger allgemeine, irrational- negative(!) offen oder unterschwellig „brodelnde“ A f f e k t lage, basierend auf mehr oder weniger kollektiv als solchen empfundenen Problemlagen des gesamten Gemeinwesens: Einer Wirtschaftskrise etwa, einer allgemein als bedrohlich/beängstigend empfundenen Situation (etwa einer, die in einem Krieg münden könnte) usw. usw.
(3) Kurzum: Es gibt keinen v e r n ü n f t i g e n Gemeinwillen*, nur ein subjektives Drangstreben von Individuen, aufruhend auf letztlich immer auch empörungsdrastisch drängenden Emotionen, Stimmungen, irrationalen Ängsten, (Wert-)Perspektiven sich ergebend aus persönlichen Lebenserfahrungen, Pleonexie-Drangsal usw. usw.

*Anm.: Es gibt kein, so Schumpeter (a. a. O., S. 399f.) „eindeutig bestimmtes Gemeinwohl, über das sich das ganze Volk kraft rationaler Argumente einig wäre oder zur Einigkeit gebracht werden könnte.“ Ein solches hinreichend bestimmtes Allgemeinwohl wäre z. B. das Utilitaristen*-Maximum wirtschaftlicher Bedürfnisbefriedigung“ Der Begriff des Volkswillens „den sich die Utilitaristen zu Eigen machten … setzt die Existenz eines eindeutig bestimmten Gemeinwohls voraus, das von allen erkannt werden kann.“ Aber eben dieses gibt es nicht.

*Anm.Utilitarismus: Allgemeine Sammelbezeichnung für Nützlichkeitsdenken; utilis (lat.:): brauchbar, nützlich, vorteilhaft, zuträglich. In der Philosophie die ethische Position, nach der diejenigen Handlungen geboten sind, die den 
(*) größtmöglichen Nutzen
(**) das größtmögliche Glück
(***) die größtmögliche Lust
für die größtmöglich Zahl der Betroffenen herbeizuführen verspricht (Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Meiner Hamburg, 500, S. 694)
--------------------------------Ende der Anmerkungen

(4) Fazit: Es gibt weder
(*) einen vernünftigen allgemeinen und einheitlichen Volkswillen
(*) noch einen rationalen I n d i v i d u a l-Willen: - Kants Zweck an sich ist eine geistelitäre Ideal-Person von reiner praktischer Vernunft, mit dem der evolutionsbiologisch geprägte konkrete Mensch als Bedürfnis-Trieb-Einheit und Pleonexie-Jäger nichts gemein hat. Schreibers Würdeträger ebenso wenig: Dieser ist ein Repräsentant einer elitären, auch genetisch zufällig mitgewirkten Ehren-Würde -(nebenbei: es gibt überhaupt keinen dem Menschen gegebenen freien W i l l e n des Individuums, s. Seite 39 der Homepage)
(*) Der Wille derer, die vom Volk gewählt wurden, ist nicht identisch mit dem Wählerwillen. Der Wille der Gewählten zielt primär auf Macht-Erwerb (darum geht es in erster Linie), ist also an diesem Schlüsselziel förderlichen/weiteren Zielen orientiert: Privilegien (Diäten, Befriedigung von Selbstdarstellungsbedürfnissen: Dienstwagen etwa, Chauffeur, Bodyguards), Narzissmus-Befriedigung, Applaus, Selbstwertzuwächsen durch mediale Präsenz, vielleicht auch vereinzelt der Neurosendämpfung dienend, jedenfalls Selbstglorifizierung usw.), wozu auch Mittel der Täuschung, der Halbwahrheit, der korrumpierenden „Trickserei“, des Populismus, der geistigen Korruption usw. usw. angewandt werden, - ist also nicht identisch mit dem Willen derer, die gewählt haben, die ihrerseits - einmal abgesehen von Verführbarkeit, subjektiver Irrationalität, diffus-unklaren Wünschen und Erwartungen: Affekt- und Emotions-Dispositionen - nur sehr allgemeine und widersprüchliche Angaben machen können über das, was sie von jenen Gewählten erwarten.

(I) Nun mit der Demokratie ist „das so eine Sache“ (man vergleiche die obigen Bemerkungen zum Widerspruchswesen „Mensch“ - unter (D); und weil das so ist, will ich mich nicht mehr weiter dazu äußern (auch weil es sinnlos wäre). Nur dies will ich noch sagen: Eine sich selbst abschaffende Demokratie kann keine sein … so wenig wie ein gesinnungsethisch-humanitär-ideologisch-klerikal fundierter narzisstischer Selbstbeweihräucherungs-Masochismus leerformelstrategischer Seelenarmut und substantieller Wirklichkeits-Blindheit demokratisch sein kann, sich nämlich ausdrückend in einem dreifachen würde-humanitär begründeten Staatsversagen, nämlich der
(1) Außerkraftsetzung geordneten Staatshandelns,
(2) einer würde-humanitär-christlich-agapistisch (Agape = Menschen-/Gottes-Liebe; s. NT, Korinther 13, Das Hohelied der Liebe), also gesinnungsethisch begründeten Aushebelung geltenden Rechts (etwa - wenn ich mich, Sa., recht erinnere - des Dublin-Abkommens)
(3) einer tugendimperativ-selbstherrlichen, offenbar nicht weiter, da es doch um die Menschen-Würde ging, zu begründenden Entscheidung, verstehe die sich doch, als von 1,1 GG sozusagen von selbst gedeckt, weiter
(4) Abwälzung der Folgelasten dieser Entscheidung auf den deutschen Staat (nicht absehbare politisch-rechtliche Konsequenzen, Probleme der inneren Sicherheit usw.), die deutschen Kommunen (Unterbringung), die Deutschen selbst (psychoethische Verunsicherung; auch durch unbewusste(!) Verunsicherungsprozesse), die sozusagen in Tugendgeißelhaft (auch als Steuerzahler) genommen wurden - und zwar wie selbstverständlich, wohl weil - noch einmal - die Entscheidung aus “hoher“ humaner, sich an der Würde des Menschen orientierender „Selbstverständlichkeit“ - sozusagen „GG-gläubig und GG-auslegungssicher, also: "subjektivistisch-moraltotalitär“ erfolgte, also als unantastbar zu gelten hatte/hätte, indes freilich die Entscheidung einer - politisch unfähigen - sich in sich selbst verirrt habenden Politikerin (nicht einer: Pastorin oder Stellvertreterin des Weltgeistes oder gar des Herrn selbst, der dergleichen Sakral-Idealismus hätte nachgesehen werden müssen), also einer apolitisch-geistlos und realitätsblind verwirrten Tugendmacht-Exzellenz-Persönlichkeit, die, Opfer metaphysisch scheinbar begründeter Selbstbeweihräucherungsverklärung, wohl davon ausging, dass niemand etwas einzuwenden sich getrauen würde, da es doch in ihrer Entscheidung um die unabweisbare Berücksichtigung von Agape (Menschenliebe), von Würde und von Humanität, also um die Einlösung die höchsten ethischen menschlichen Güter gegangen sei, die alle Deutschen ausnahmslos und ohne Wenn und Aber würden hinzunehmen haben, ohne, „realitätstotalitär-faktenorientiert“ gestimmt, sie als diese in Frage zu stellen.
Die Rede war von einer Willkommenskultur (was hat die mit dem GG zu tun?), ohne dass sich die Deutschen dazu explizit bekannt hätten/hätten bekennen können; sie wurde ihnen aufgedrängt („sittlich-ichtrunken-getrieben-moraltotalitär“ gleichsam verordnet) und sie, die Deutschen - jedenfalls nicht wenige -, waren naiv/weltfremd genug, sich selbst zu dieser Willkommenskultur, gefühlsmitleidig schauernd, allhilfsbereit zu bekennen - zu einer staatspolitisch-wirklichkeitsfremden Verfehlung ohnegleichen. Heute wissen wir das. Obwohl es hätte von vornherein - politischer Vernunft, Verantwortungsbereitschaft, Realitätssinn, gediegener Lebenserfahrung, Respekt vor geltendem Recht und faktenverpflichtetem Urteilsvermögen (was die Folgen der Entscheidung jener Grenzöffnung sein könnten/auch sein würden) gehorchend/verpflichtet - klar sein m ü s s e n, dass man sich ein Problem aufgeladen hatte, das voraussichtlich nicht zufriedenstellend würde gelöst werden können. Um dann auf d i e s e r Grundlage zu überlegen (diese Zeit hätte man sich nehmen 
m ü s s e n), ob und wie man der zugegebenermaßen vertrackten Situation würde Herr werden können.

Aber was passierte damals?
Ein Gedicht: Macht, Inkompetenz und Entlastungs-Magie/
Ein Abgesang auf die Demokratie (47a/2379a)1

Macht kann so manches kompensieren;
so etwa auch Erbärmlichkeit
als personales Seelenkleid,
sich nicht in seinen Leeren zu verlieren.

Dann: Weil die Gaben zu ihr fehlen
- vor allem Sachlichkeit und Selbstabstands-Gewissen -,
wird man Gesinnung sein beflissen:
auf Tugendfloskeln müssen zählen.

Wie etwa Menschenwürde; dann: Humanität,
die apolitisch blenden: keine Fakten nennen.
So nur als Selbsterhöhungs-Worte in uns brennen:
entlastungsmagisch ethisches Gebet.

Wir sind nicht fähig, uns als das zu schaffen,
was sein wir müssten als Subjekt von Würde.
Wir sind uns selber ewig Bürde …
sind Wunden, die notwendig klaffen.

(J) Einige Folgen des Staatsversagens von 2015/stichwortartig:
(1) Die (weitere) Spaltung der deutschen Gesellschaft; diese Gesellschaft ist war gespalten. Auch weil im Jahre 1990, was Teile der Bürgerschaft der ehemaligen DDR anbelangte, gravierende Fehler gemacht wurden (Stichwort "Treuhand") - bereits eine gespaltene (so sehr, dass ihre verschiedenen, von verschiedenen Lebenserfahrungen fundamental geprägten, ideologischen Milieus sich immer mehr entfremdeten, was politisch selbstverständlich bedenklich war) und wurde dann 2015 noch einmal weiter gespalten durch die Öffnung der Grenze für Flüchtlinge, deren kulturelle Identität (mit der bundesrepublikanischen Identität nicht in Einklang zu bringende ist: sie ist eine metaphysisch, ethisch und überhaupt streng traditional gebundene, während die bundesrepublikanische weitgehend eine hedonistisch-konsumtiv-subjektivistisch-wertliberal-wohllebensgierig-entfesselungsanfällig-eskapistische ist) – war nicht nur eine Gesellschaft mit bröckelndem Identitäts-Kern, sondern zudem noch eine, die massiv verwahrlosungs-einfältig-geistdumpf ist: eben progressiv wohllebensdekadent (das Adjektiv, das eine Überflussgesellschaft heutiger Art - unabhängig von 1990/2015 - generell kennzeichnet als markt-amoralisch-rücksichtslos, herunterkommende), geworden ist. Freilich nicht nur wegen der Ereignisse 2015, sondern auch wegen der westdeutschen Fehler (tollpatschig-arrogant-narzisstischer Überlegenheitsdünkel von 1990). Indes die deutsche politische Tugendselbstbeweihräucherungssucht nicht nachlassen will - zum Nachteil der Demokratie
(2) Die Infragestellung/Gefährdung der Demokratie* (nicht nur eine Folge des Staatsversagens von 2015; indes würde dieses, verschwände die Demokratie tatsächlich, auch, vielleicht wesentlich, dazu beigetragen haben)
(3) Massive Staatsausgaben/Belastungen der Steuerzahler
(4) Zunehmende Gefährdung (gefühlte wie reale) der deutschen Bevölkerung (wirtschaftlicher Niedergang(?!), Unsicherheit: zunehmende Banden-, Clan- und Fanatismus-Kriminalität in mannigfaltiger Ausformung, Kriegsgefahr(???!), Wohlstandseinbußen (?!), Inflation, währende - bis wann?, wenn überhaupt?, zu lösende Infrastrukturprobleme(!), Staatsschulden, Gesundheitswesen, Rente, Pflegeversicherung usw. usw. ) … Das Land könnte noch weiter „in Schieflage geraten“ (im Wesentlichen politisch verschuldet)
(5) Überlastungen der Kommunen/Geldmangel, Verwahrlosung,
(6) Sich intensivierender Sozialbetrug
(7) Zunehmender religiöser Fanatismus
(8) Teilweise Hilflosigkeit/Unfähigkeit/ideologisch bedingte Unwilligkeit/Laschheit des deutschen Staates, die genannten Probleme anzugehen … indes sind sie denn „angehbar“?
Und schließlich ist zu erwähnen die
(9) Verletzung des Art. 1,1 des GG seitens der Politik, für die jener ja sozusagen sakrosankt gilt. Im Kern - die Behauptung gilt es noch weiter zu untermauern (unter (10)) - dadurch, dass der deutsche Staatsbürger seitens der Politik in Gesinnungshaft genommen wurde, obwohl er als betroffenes Rechtssubjekt: als autonomer Würdeträger im Sinne des GG, hätte gefragt werden müssen, ob er bereit sei, die Entscheidung, die Grenzen zu öffnen, mitzutragen, denn
(a) der deutsche Staat wurde durch die Öffnung der Grenze als souveräne Ordnungsmacht entmächtigt
(b) der deutsche Bürger wurde seiner Freiheit benommen, darüber zu entscheiden, ob er überhaupt bereit sei, den mit der Öffnung der Grenze einhergehenden
(c) kulturell-identitären (die Menschen, die ins Land kamen, kamen aus einer Kultur - noch mal - , deren Werte nicht identisch sind mit den deutschen demokratischen - was erwartungsgemäß zu Missverständnissen, aber auch Konflikten führen musste)
(d) finanziellen (massive Aufwendungen seitens des Bundes und der deutschen Länder zwecks Unterbringung der Flüchtlinge)
(e) überhaupt den durch Störungen des Alltags (Räumung von Turnhallen, Erschwerung der Durchführung eines sachlich erfolgreichen Schulalltags) aufzubringenden Alltags-Erschwerungs-Preis zu zahlen - einmal ganz abgesehen von polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen.
Das hätte man ihn, den deutschen Staatsbürger als Würdeträger fragen m ü s s e n, denn alle diese Umstände/Erfordernisse/Gegebenheiten ((c) bis (e)) betrafen ihn, den Bürger, substantiell, betrafen den Kern seiner fundamentalen persönlichen kulturell-psychoethisch-finanziellen Interessen als deutsches Rechtssubjekt. Man hat ihn nicht gefragt. D. h. man hätte die Grenzen nicht öffnen dürfen, weil diese Vorgehensweise das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Würdeträgers - des Würdeträgers im Sinne des deutschen GG - missachtete/ aufhob/zunichte machte. Vielmehr nahm man ihn (sozusagen agapestolz- tugendselbstherrlich-narzisstisch-autoritär-verfahrenshilflos), diesen deutschen Würdeträger, in eine Art ihn entwürdigenden Tugendgewahrsam, um ihm dann auch noch die schwierige Lösung jener angedeuteten Probleme, sie sozusagen souverän von sich selbst abwälzend, aufzubürden - als einem naiv-optimistischen, ehrenamtlich-willkommenstrunkenen Integrationshelfer. Und nun:
(10) Aber waren die, die glaubten, die Grenze öffnen zu sollen, nicht ordnungsgemäß demokratisch gewählt, sodass sie jene Entscheidung treffen konnten/durften, ohne auf die Befindlichkeiten der deutschen Bevölkerung Rücksicht nehmen zu müssen? Ordnungsgemäß demokratisch gewählt waren sie schon, aber völlig unfähig, die ideellen Grundlagen ihrer Entscheidung auch n u r annähernd auszudeuten: Würde, Humanität, Agape ...
Denn: keiner dieser Grundbegriffe eignet sich als Basis/Quelle der Regelung politisch-rechtlich-gesellschaftlicher Gegebenheiten/Probleme/ Auseinandersetzungen/ Notwendigkeiten ... Wer das glaubt, ist politisch unfähig: Alle politischen Verhältnisse sind Gewaltverhältnisse, so Max Weber - und so ist es)
(a) Agape, um mit dieser anzufangen, ist eine christlich-metaphysische Kategorie, die
(*) die Liebe anbelangt, die die Menschen für ihren Schöpfer hegen/hegen sollten
(**) die Liebe anbelangt, die Gott seinen Geschöpfen entgegenbringt (was nur dieses vollendete Geistwesen allein kann)
(***) die Liebe meint, die die Menschen sich sollten(!) einander angedeihen lassen a l s Geschöpfe Gottes, die als solche - das ist die "evolutionsbiologische Crux" - das aber gar nicht vermögen, weil sie Bedürfnis- und Triebwesen sind: Kreaturen, Tiere: Pleonexie-Gefangene, zumal - wie wir heute wissen - alldeterminierte Materie-Gebilde, die als solche nicht einmal ansatzweise fähig sind, ihre Artgenossen "zu lieben" - im Gegenteil: Sie müssen diesen (wie auch zumal sich selbst) misstrauen, wissend, dass sie nicht - auch nicht ansatzweise - frei sich selbst zu steuern in der Lage sind, soll heißen: Agape ist eine metaphysische Kategorie, die im Recht keinen Platz haben kann: Sie hat allenfalls Entlastungsaufgaben, nicht aber irgendeine realgesellschaftliche Grundlage
(b) Humanität: Diese ist eine irrational! fundierte, idealethische, nicht aber eine politische Kategorie, genauer: taugt nichts als generelle Grundlage des Politischen, das, als Beurteilungs- und Handlungszwang per se auf Gewalt, Macht, Täuschung, Faktenlageneinschätzungsvermögen usw. aufbauen/beruhen m u s s. Denn: Der Mensch kann n i c h t human sein, wenn er sein Leben realitätsgerecht fristen und meistern will (und das muss er wollen); nicht dass er per se böse wäre; nein; er ist lediglich seiner selbst nicht mächtig, folglich als ens humanum in der Regel mittellos.
Noch einmal: Alle menschliche Größe, sie sei eine ethische, sie sei eine geistige, sie sei eine soziale, sie sei eine humane, sie sei eine erotische, sie sei eine charakterliche, sie sei eine redlich selbsteinsichtstiefe usw. usw. hat eine genetisch-irrationale Grundlage, 
k e i n e vernünftige, schon gar keine rationale ... Und kommt nur dann zum Tragen, wenn man sich der menschlichen (seiner eigenen und der anderer) Erbärmlichkeit, Getriebenheit, Selbstausgeliefertheit, träumerisch-lügnerischen Entlastungsbedürftigkeit, Moralschwäche usw. usw., seelentief (das heißt auch: illusionslos) bewusst ist. Wir sind außerstande, dem zu genügen, was wir sein sollten: selbstzurücknahmefähig, wenn es andere verdient haben/hätten ... Aber wie selten ist das der Fall! Soll auch heißen: Humanität, die anderen gewährt/weil anderen gewährt, einen selbst schädigt, ist keine Humanität, sondern ein christlich-metaphysischer Elite-Masochismus ("die andere Wange hinhalten" - evolutionsbiologisch-existenziell und politisch eine bloße Selbstschädigung)
(c) Würde: Was 2015 im Namen der Würde geschah, war win grundlegender Fehler. Und nicht nur ein Fehler, es war auch ein krasses politisches Versagen (man orientierte sich an ethischen Zentralworten, nicht aber den Fakten und deren möglichen Folgen für Deutschland; diese hat man - tugendtrunken, tugendoptimistisch, tugendnarzisstisch, wie es gewisse Deutsche auffällig oft sind - also realitätsblind - ignoriert, wohl auch um die eigene ethische "Elitegesinnung" selbstzufrieden zu genießen
(i) Was Würde nach Art. 1, 1 GG letztlich sei, ist nicht zu bestimmen:
(ii) Sie ist nur ein Wort, d. h. ein leerer Begriff (das wusste man schon 1949!)
(iii) Wäre sie mehr als nur ein Wort (z. B. d i e Macht, sich von sich selbst als Pleonexie-Knecht zu befreien, dann wäre sie trotzdem nicht das Ergebnis eines f r e i e n Willens, weil wir über einen solchen nicht verfügen. Sie kann rechtlich niemandem garantiert werden, denn sie bleibt gebunden an die Tatsache, dass, gäbe es eine solche Würde als - nach Kant - geistigen Exzellenzwert eines Zweckes an sich, dieser vom empirischen Subjekt selbst sich (als Subjekt von reiner praktischer Vernunft) erworben werden müsste, was aber, da dieses vollständig heteronom ist, nicht möglich ist
(iv) Dass der/jeder Mensch eine Würde habe, frei sei, sich selbst bestimmen könne zu dem, was er gerne sein möchte, ist eine europäisch-abendländische Fiktion der Selbstglorifizierung des Menschen, der sich selbst glorifizieren muss, weil er auch fähig ist, sich selbst zu entlarven (was er freilich in der Regel zu vermeiden sucht): sich zu begreifen als ein unfreies, oft amoralisches, seine eigene Existenz gefährdendes, ichgierig-machtsüchtiges sich selbst knechtisch ausgeliefertes Wesen.

(K) Jene Fiktion kam besonders in der italienischen Renaissance zum Tragen, was bei Pico della Mirandola, De hominis dignitate/Über die Würde des Menschen nachgelesen werden kann: Über die Würde des Menschen, Reclam 9658, S. 9, Pico hielt seine Rede (1486/1487) übersetzt von Gert von der Gönna: "Keinen bestimmten Platz habe ich dir zugewiesen, auch keine bestimmte äußere Erscheinung und auch nicht irgendeine besondere Gabe habe ich dir verliehen, Adam, damit du den Platz , das Aussehen und alle die Gaben, die du dir selber wünschst, nach deinem eigenen Willen und Entschluss erhalten und besitzen kannst. Die fest umrissene Natur der übrigen Geschöpfe entfaltet sich nur innerhalb der von mir vorgeschriebenen Gesetze. Du wirst von allen Einschränkungen frei nach deinem eigenen freien Willen, dem ich dich überlassen habe, dir selbst deine Natur bestimmen. In die Mitte der Welt habe ich dich gestellt, damit du von da aus bequemer alles ringsum betrachten kannst, was es auf der Welt gibt. Weder als einen Himmlischen noch als einen Irdischen habe ich dich geschaffen und weder sterblich noch unsterblich dich gemacht, damit du wie ein Former und Bildner deiner selbst nach eigenem Belieben und aus eigener Macht zu der Gestalt dich ausbilden kannst, die du bevorzugst. Du kannst nach unten hin ins Tierische entarten, du kannst aus deinem eigenen Willen wiedergeboren werden nach oben in das Göttliche."
Das wäre schön; so ist es aber nicht. Vielmehr scheint das Gegenteil wahr (geworden) zu sein: Der Mensch ist autodestruktiv (und inzwischen wissen wir auch, warum - er ist eben nicht frei, nicht immer (eher selten) moralisch, ist ein Ichsüchtling, sich selbst ausgesetzt, von den Entglückungsentfesselungen dieser Überflussgesellschaft förmlich dazu gezwungen

Wunsch für Deutschland (47b/2379b)2

Wohl dem,
der nicht mehr viele Jahre hat;
weil wird so manches
gar nicht mehr erleben,
wonach nicht einer
möchte ja auch streben:
Wer wollte nicht,
dass ihm sein Dasein
laufe glatt?

Vielleicht ja denke ich zu negativ
(gewissermaßen viel zu sehr
daran schon längst gewöhnt).
Indes: Ich sehe meistens tief,
so dass mich selten was versöhnt.
Mit dieser Welt,
so sinn- und freudlos-kitschig leer.

Doch Deutschland gönne ich
das glatte Gegenteil: Viel Glück.
Schon seiner wunderbaren
Sprache wegen.
Allein für die käm ich
noch mal zurück;
würd noch einmal
in dieses Wrack einfahren,
zu grüßen seinen Geistes-Segen.

2015 wurde(n)
(*) Recht und Demokratie ausgehebelt
(*) Die Deutschen in Gesinnungshaft genommen
(*) Die Deutschen einfach übergangen insofern, als sie hätten abstimmen müssen darüber, was zu geschehen habe; denn die Entscheidung besaß nicht nur politische, sondern auch kulturell-mentalitäts- und identitäts-problematische Relevanz; stattdessen wurden die Deutschen geradezu missbraucht: als Bürger, als Rechtssubjekte, als Wähler, als Helfer und Problemlösungsdiener
(*) Und: Auch als Würdeträger im gängigen Sinne; denn: man erfrechte sich, ihnen eine Moralsicht aufzubürden, der nicht die ihrer selbst sein musste/konnte, sondern eben eine andere …

(L) Man beachte auch den folgenden Beitrag von Christopher Lasch, Das Zeitalter der Narzissmus, Campe, 1995/Das Buch erschien in den USA 1979
S. 120 ff: Politik als Schau-Spiel). Lasch spricht S. 121 von der “Substitution von realen Ereignissen durch Scheinereignisse“, spricht von einer „Atmosphäre der Unwirklichkeit“, meint mit Recht „Wenn Politiker und Verwaltungsbürokraten nur noch darauf abzielen, dem Publikum ihre Führungsqualitäten zu verkaufen, berauben sie sich selbst aller realen Maßstäbe“. Im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg (Kennedy, Johnson, Nixon) seien „ganz elementare Prinzipien der Staatskunst außer Kraft“ gesetzt worden, „etwa die Meidung außergewöhnlich hoher Risiken, das Abwägen der Wahrscheinlichkeit von Erfolg und Fehlschlag oder die Vorausberechnungen der strategischen und politischen Konsequenzen im Falle einer Niederlage.“ Lasch sagt weiter, S. 122: „Das in vieler Hinsicht bedeutsamste Ereignis der Kennedy-Ära - ihr Höhepunkt, alles andere war nur Abstieg - war sein Amtsantritt, ein Schauspiel.“
Und weiter, S. 123 „Mit Nixon erreichte die Politik des Schau-Spiels einen tragikomischen Höhepunkt. Ohne jedes Interesse für Prinzipien und Programme, einzig getrieben von Ehrgeiz und einem vagen Widerwillen gegen das liberale Establishment der Ostküste, verwandte Nixon den größten Teil seiner Laufbahn darauf, ein Publikum mit seinen Führungsqualitäten zu beeindrucken.“ Und S. 125: „Der Verfall der Politik zum Schau-Spiel hat den politischen Entscheidungsprozess zur Reklame werden lassen.“ Und, möchte ich, Sa., hinzufügen, den Sinn für Fakten/Wirklichkeit verkümmern lassen. Und eben diese Phänomene sich selbst narzisstisch beweihräuchernder oder als alltugendhaft-kritisch-progressiv sich gebender Politfiguren könnte - zunächst indirekt - zu einer wachsenden „Verunernstung“ des Politischen führen, und mit dieser zu einer Vernachlässigung 
s a c h l i c h e r Aufgaben. Und genau das ist in Deutschland passiert: Man fühlte sich - weit über Deutschland hinaus - moralisch zuständig für alle Missstände/ Ungleichbehandlungen/Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen, betreffend Gruppen wie Individuen, tat aber immer weniger z. B. für die Erhaltung der Infrastruktur des Landes selbst. Um nur daran zu erinnern. Weiter: Man stellte das Soziale über das Wirtschaftliche, man ruhte sich aus im Glanz der eigenen Wichtigkeit, indes das Land faktisch immer weiter verkam/die Politik handlungsunwilliger/arroganter/feiger: vertuschungswilliger/wortbrüchiger/bürokratiesüchtiger/unglaubwürdiger wurde - Und heute auch deshalb vor Problemen steht, die wohl kaum - und wenn doch - nur auf längere Sicht werden vielleicht halbwegs gelöst werden können: Möglicherweise zu spät für die noch herrschende Demokratie.

Was Lasch oben anspricht, bezeichnet also auch die Gefahr eines langsamen Verschwindens der Demokratie durch:
(*) Entwirklichung/Fiktionalisierung/Show/Reklame
(*) Digitale Selbstdarstellung, meint: Das sich arrogante Anbiedern an daueremotionalisierte Reiz- und Effekt-Konsumenten, deren sprachlich-rhetorische Inkompetenz offenkundig ist
(*) Stargehabe/Selbstglorifizierung/Sich-in-Szene-Setzen bei minimalster Reflexions-Begabung/-Neigung/ Selbstbeweihräucherung faktisch mittelmäßiger Bewerber um selbst höchste Ämter
(*) Halbbildung/Trickserei/Mangel an Lebenserfahrung/Ideologische Verblendung/ Tugendhypertrophie/allfällige Politisierung der Moral überhaupt auf allen Seiten des Parteienspektrums (Polit-Klerikalismus)/ Sozialstaatsallbeglückungsoffensiven usw. usw.
All das - und manches andere Bedenkliche - auf Seiten derer, die ständig das Lob der Demokratie im Munde führen, diese aber faktisch mehr und mehr durch ihr Show-Gehabe und vor allem ihre sachlich-politische Inkompetenz massiv gefährden.
Indes ich doch vor einigen Tagen etwas Hoffnung schöpfte, dass es wieder aufwärts gehen könnte mit unserer Demokratie, dozierte doch im Fernsehen eine sehr bekannte Dame aus dem sog. Ethikrat: „Demokratie ist sexy“. In der Tat, das beschreibt sie erschöpfend. Ich empfehle indes jetzt schon Maßnahmen, um sie, die „sexy“ seiende Demokratie, vor sexistischen Übergriffen, primitivem Catcalling und all den anderen unzähligen Formen männlicher Triebknechtschaft zu bewahren. Vor allem aber bitte ich darum, jener Dame ihren faux pas (Ausrutscher), jenen Spruch zu verzeihen, denn sie verfügt über außergewöhnliche intellektuelle Fähigkeiten und Fachkenntnisse (das lässt sich leicht erkennen, wenn sie, sachlich angemessen, sich sprachlich als sehr gewandt und ernst erweist); abgesehen davon redet man ja selbst manchmal noch größeren Stuss als diese Dame, z. B. ich hier auf diesen Seiten, indem ich - genau genommen - eine faktische Demokratie beschwöre, die wohl ein Wunsch/ein Phantom bleiben muss (weil wir zu ihr ganz einfach nicht fähig sind)
Weshalb ich mich beeile, zu behaupten, die Demokratie unterliege notwendig - niemand trage Schuld daran - einem zunehmenden Selbstfiktionalisierungs- /Entwirklichungs-Prozess. Stimmt das? Aber sicher: Und wenn dieser nicht längst griffe, müssten wir uns um sie noch nicht allzu sehr sorgen. Fakt ist: Die Demokratie ist, wie schon gesagt,
(*) die verletzlichste von allen Staatsverfassungen die am meisten gefährdete, eigentlich - paradoxerweise -
(*) die am meisten elitäre (sie setzt, um überhaupt funktionieren zu können, genau den Menschen voraus, der so überaus selten ist: den nicht korrumpierbaren, selbsterkenntnisfähigen und -willigen, machtwiderständigen(!), selbstverpflichtungsfähigen Menschen) - und: sie ist die
(*) zugleich subjektiv nützlichste politische Fiktion.

Allein wie soll diese Staatsform Bestand haben, eine solche seiend eines Menschentums, das - niemand ist davon auszuschließen - aus Gehirn-Lakaien besteht: Nicht gut, aber auch nicht schlecht, sondern (so Robert Musil) liquide Masse seiend, nicht selten primitiv sich selbst verfallend, manchmal gewaltlüstern, öfter perfide, neidisch, korrupt, verlogen, unfest, immer auch unterworfen Ich-, Hab-, Macht- und Genuss-Sucht, krankhaft ehrgeizig, narzisstisch usw. usw.?
Zumal sie, die Demokratie, schon deswegen (von innen heraus) gefährdet ist, weil in ihr - und zwar je länger sie besteht, umso mehr - vor allem auch Halbgebildete, Charakterarme/-schwache, Korruptionsanfällige, politisch Impotente, überhaupt ideologisch Verblendete, Seelen- und Gewissens-Arme, Gesinnungs-Arrogante, weltfremde Tugendpuristen und Reflexionsunfähige vergleichsweise mühelos hochkommen. Wie also soll sie bestehen, diese Demokratie, wenn es inzwischen den Parteien einzig um Macht, kaum um das Land, die Gesellschaft, den Staat und das Recht geht? Nicht gehen kann, weil sie nur auf diese Weise an Macht gelangen können: Diejenige Kategorie (s. o), die den Durchschnitt am meisten befriedigt, weil sie ihn erhöht, über andere hinaushebt, diese anderen von ihm abhängig macht, sie ihm unterwirft, ihm willfährig macht, sie zwingt, sich selbst zu korrumpieren - und was wäre befriedigender als dies: andere zwingen zu können, sich selbst zu verraten? Macht zu haben bedeutet auch, über Mittel zu verfügen, andere als Personen geistig zu vernichten.
Wie kann man dann angesichts dieser Verlockungen und Versuchungen gleichzeitig noch fähig sein, die Größe und Verantwortungsbereitschaft aufzubringen, seinen Aufgaben überhaupt gewachsen sein, denn d i e erfordern Sachlichkeit, Selbstabstand, Selbstaufopferungswillen, Redlichkeit, u. U. sachdiktierte Härte, argumentative Durchsetzungsfähigkeit, den Mut zur Anerkennung von unliebsamen Fakten - und vor allem: ein waches Bewusstsein von der Korrumpierungsgewalt aller Macht, um dieser nicht zum Opfer zu fallen, d. h. sich als von sich selbst verlassener: existenzdilettantischer „Hyle (= Materie)-Narr“ und Machtknecht zu erweisen.

(M) Das alles verlangt(e) eben die "Schreiber-Würde" (s. o): Unbedingte Seelengröße: geistig-kulturelle Souveränität, kurzum: die verantwortungsbereite Bescheidenheit(!) dessen, der - im Bewusstsein seiner eigenen objektiven Nichtigkeit - weiß, was er wollen kann, nicht tun darf und sagen muss. Aber wen ficht das an? Wen interessiert das überhaupt? Ich fürchte: Nur ganz wenige. Weshalb ich dabei bleibe: Entweder eine (auch einen vor sich selbst) schützende Demokratie oder - im Extremfall - physische und geistige Vernichtung durch Diktatoren-Willkür. Letztere, diesen Autoritarismus, sehe ich in fernerer Zukunft „vorne“ (was auch - von rationalen Überlegungen abgesehen - einem Bauchgefühl herrührt, gefüttert von zahlreichen Enttäuschungen … bis hin zur Hoffnungslosigkeit)

(N) Gedichte/Die folgenden Gedichte sind 
in der Regel „Weltanschauungsgedichte“

Eben notwendig so (47/2349)3

Zu viel begriffen; viel zu viel.
Das deprimiert,
nimmt oftmals Lebensfreude,
macht antriebslos und indolent.
Ich meide dieses öde Spiel,
verachte seinen Gernegroß,
der geld- und ichstier
ins Verderben rennt.
Er kann sich nun mal
nicht umschiffen,
zumal doch 
ohne Geistesfloß,
so dass notwendig er
sich selbst gerät zur Beute.

Doch Stoffgebilde,
Tier und Hirn-Lakai,
gebunden an
Fiktionen von Fiktionen
in einem 
drastisch-kruden Einerlei
von Bosheit, auch von Sauerei,
von Perfidie, Gewaltaktionen,
von Arroganz 
und von Moralgeschrei. 
Als Machtrausch-Spielball
einer Affen-Gilde.

Das Geistige (47/2350)4

Es ist ein genetischer Imperativ …
Und eine Zufalls-Gnade.
Und grade es weiß sich als Daseinsschwere:
als Körper-Gram, Verfall und Trance-Gewebe.

Als Triebdiktat, bedürfnisintensiv,
prekär im höchsten Grade.
Eines Atomgefüges Grund-Misere:
ein Raum- und Zeit-Ding ohne Deutungs-Strebe.

Indes: Das Geistige allein ist tief,
obwohl doch Antrieb einer Staub-Monade:
die weiter nichts ist als Schimäre
und Nihilismus-Knospe einer toten Rebe.

Noch einmal: Den verehrten Eltern (47/2351)5

An ihrem Beispiel
habe früh ich schon begriffen,
dass es Verantwortung
und Schuld nicht geben kann:
Da doch uns selber eingeschliffen
und Gesellschaftsbann,
diesem oft miesen
All-Bedrängungs-Spiel.
Zuweilen ungerecht,
doch immer rücksichtslos,
ist’s freilich trotzdem
weder gut noch schlecht,
ist’s vielmehr
immer Würfeln bloß,
ein Wirrwarr nur
von Zufalls-Kniffen …
Es hat nun mal
kein objektives Ziel.

Das Schicksal meiner Eltern
hat mich auch gelehrt,
dass wir nicht sind,
was sein wir sollten:
Vielmehr sind drastisch
wesenszwangsversehrt,
sei’s herkunfts-,
sei’s erfahrungsblind,
sei’s weil verachtet,
weil gescholten,
sei’s auch, weil sozial
- wie oft - entehrt:
Wer gälte was
als Unterschichten-Kind?
Ich meine faktisch,
nicht als Zähren-Schein:
Moral-Objekt
von Tugendbolden.

Was bin ich froh
um diese Daseins-Schule.
Obgleich sie schmerzhaft war,
verachtungsträchtig,
war hämisch, plump
und oft gewissensroh …
So weiß ich denn,
warum man gierig suhle
nach sich allein,
da krude ichandächtig,
heißt mancher,
auch mal aller Selbstmacht bar …
Weiß also dies vor allem:
Dass noch keiner war
Herr seiner selbst
und seiner Lebensbahn,
nicht knechtisch-hilflos untertan
Geschichte, Zeitgeist,
Selbstwert-, Glückskult-Wahn …
Noch einmal:
Völlig schuldlos so …
entpflichtet seiner
bis zur Krumen-Kuhle.

Selbstzerfall I (47/2352)6

Es ist nicht leicht,
ihn auszumachen,
den anonymen Selbstzerfall
der Individuen,
sich selber Sachen:
orientierungslos,
verängstigt, seicht.

Es fehlen doch
die Außenhalte,
die sämtlich 
weggebrochen sind.
Und das, was blieb, 
sind leere, kalte
Verspaßungsreize
für ein großes Kind.

Ein großes Kind,
sich selber ausgesetzt,
dem Markt-,
den Medienemotionen,
entfesselt und gehetzt;
weshalb sich selbst muss
als anom* betonen.

*Anomie: griech.: Gesetzlosigkeit; meint hier: psychoethisch-geistig-sozialer Zerfall

Morgengrauen (47/2353)7

Hell wird’s,
schärfend die Konturen
dieser hochabstrakten Welt:
Gegenheimat ohne Spuren
zu Magie und Seelenzelt.

Zersplitterungsruine (47/2354)8

Dass das noch zu meistern wäre,
dieses Sammelsurium
von systemischem Geschwätz,
Phrasenbrei, substanzfrigider,
schroffer Aggressivität,
Hysterie und Pan-Erregung,
Selbstsucht und Gewissenstod,
Tugend-Hybris, Arroganz,
Wortempfindlichkeit,
Verzwergungszwängen,
halte ich für ausgeschlossen,
sind wir doch gewichtet Gossen:
Phrasen-Legionäre.

Tränen-Meere (47/2355)9

Nichts mehr,
was noch lohnend wäre,
irgendeinen Sinn
noch machte.
Längst wirkt
eine Kunstwelt-Leere,
die uns 
mammonkryptisch* sachte
stürzt in ihre Tränen-Meere.

*mammonkryptisch hier: verborgen/verdeckt/"unter dem Teppich gehalten" vom existentiell, psychisch, gesellschaftlich, sozial, kulturell, politisch und historisch-global beherrschende Götzen "Geld"

Nie (47/2356)10

Hab nie an Sinn geglaubt,
an Zwecke
nie auch Ideale …
An gar nichts,
was uns, meint man,
könnte retten.
Damit ich nicht
mit Illusionen zahle:
für irgendeiner Freiheit
unfühlbare Ketten.

Gesellschaftswerte
waren mir egal;
ob oben ich,
ob unten sei.
Diktieren Wohlstand doch
und Zahl,
die Leibsucht
und das Einerlei
von Lüge und
von Deutungsfron,
indes wir schleifen
Gottes-Thron.

Selbstbewahrung II (47/2357)11

Mich raus zu schreiben
aus Geschwätz und Schund,
aus Selbstbelämmerungsphantasmen,
das war das Ziel, das ich erstrebte.
Primär mich geistig zu bewahren
im Deutungsdickicht meiner Muttersprache
vor Zeitgeist-Mystizismen
und vor Lebenslügen.
Mich zu los zu reißen von Gesellschafts-Mären
wie Würde, Rechtsstaat, Volksherrschaft,
Verdumpfungsformeln des Systems: 
Als Umsatzdiktatur der Spaßgelage.

Seelentot (47/2358)12

Der Mensch an sich ist ja nicht schlecht;
obwohl er Kreatur ist: Tier.
Als dieses ist nun mal Bedarfs-Geflecht:
Auf sich bezogen: ichsuchtschier.

Hat’s heutzutage ganz besonders schwer,
muss er als Kunde sich doch glücken:
Prekär verdinglichtes Malheur*
in einer Scheinwelt von Reklametücken.

Wer will’s ihm da verdenken, dass er frönt
sich selbst zuletzt als Körperding:
Mit Selbstverlust und Marktknechtschaft versöhnt,
in denen seelentot er sich verfing?

*malheur franz.: Unglück

faktendrastisch (47/2359)13

Hör auf zu winseln
und zu jammern!
Es ist nun einmal so:
Macht, Lust und Geld,
das sind die Klammern,
befeuernd dies Tarot,
das uns in magischer
Verblendung hält,
uns auslegt 
diesen Waren-Zoo:
Als höchstes Gut:
Als All-Erlösungs-Zelt.

Zweckentmächtigung (47/2360)14

Nur noch undeutbarer Ort
inszenierter Wirklichkeiten,
die zumal sich selbst entgleiten,
sich verweigern fort und fort
Innenwelt: verzwergt, verdorrt,
nicht mehr fähig, sich zu leiten:
Zweckentmächtigung zu meiden.

Was ist noch wirklich? (47/2361)15

Was soll ich von mir selbst schon sagen?
Dass ich nicht mehr verfüge über mich?
Vereinnahmt werde von prekären Lagen,
Objekt bin eines Laufs an sich?

Den zu begreifen ich zwar ein mir rede:
Lauf ins Geflecht multipler Wirklichkeiten,
die ich nur passiv könne noch erleiden:
Als traumweltrationale Geistes-Lethe -

Indes tatsächlich nehme doch nur an
als hochkomplexe Großhirnstrategie,
zu meistern dieser Mühle Was und Wie;
und sei’s auch nur in Dauer-Wahn.

Lethe: griech. Mythologie: Fluss des Vergessens

Unser Dasein (47/2362)16

Natürlich ist dies Dasein ganz vergebens;
ist es von vornherein.
Es gibt ihn nicht, den Sinn des Lebens,
nur Selbstbetrug und Schein.

Und die, die mögen auch genügen,
dies Dasein glimpflich zu bestehen:
erfolgreich sich was vorzulügen,
sich magisch zu vergehen.

Am Ende ist auch das egal.
Man geht der Hyle* wieder ein.
Ob man war Geist verpflichtet oder Zahl,
wird dann bedeutungslos: wird völlig nichtig sein.

Hyle griech.:= aristotelischer Begriff für Materie; 
wörtlich: „Ein Stück Holz“

Gefühlt vollendet (47/2363)17

Was es gefühlt vollendet war,
das weiß ich auch nicht so genau:
Lustsucht-Transzendenz in Haar?
Eines Verses Geistes-Bau?

Einer Einsicht Exzellenz,
die an Weisheitstiefe reichte?
Eine schiere Indolenz?
Mammon-Kult und Machtdrang-Seichte?

Wie gesagt: Ich weiß es nicht.
Niemand kann es wohl benennen.
Ist’s zumal doch Schicht für Schicht
Trance in einem toten Rennen.

Wohlstand oder Geist (47/2364)18

Das Gängige, so klug es sei;
und es auch ist: Ich rede offen:
Als Streben nach Erfolg und Macht,
nach Anerkennung, Lüsten
und Vermögenswerten.
Das war mir immer einerlei,
hat niemals meinen Kern betroffen.

Mir hat ein andres Glück sich dargebracht:
Das geistige, um mich in ihm zu erden:
In Einsicht, Kunst: komplexer Sprache,
mich nicht in Selbstverlusten zu verlieren:
in dieser anonymen Brache
von biologisch-fremdbestimmtem,
diktiertem nach sich selber Gieren.

Ein Trost immerhin (47/2365)19

Sowohl als auch; mal so, dann so.
Was Sache ist, 
das schert hier scheinbar niemand mehr.
hier, wo sie spielen dies Polit-Tarot,
zu deuten sich ein Phrasenmeer.

Dass mich das wunderte indes,
nun, das ist nicht der Fall.
Da griff doch längst
ein Reflexions-Regress,
sich hinzugeben jedem Tugend-Schwall.

Doch fällt’s mir leicht, das hinzunehmen.
Bin ich doch ziemlich alt.
Werd also bald mich müssen
nicht mehr grämen:
dann Toten-Asche atomarer Nichts-Gewalt.

Der Mensch als Verbraucher (47/2366)20

Das würde ich ihm nicht ankreiden,
dass er zu Würde gar nicht fähig ist;
ist er doch Lustknecht, Gram und Frist:
Orientierungsloses Gleiten.

Durch eine Existenz, nicht festzumachen
an Werten, Fakten, Rausch und Sinn.
Die nicht geeignet sind, zu überdachen
den, der er ist von Anbeginn:

Moralisch unbehauster Lüstesammler,
der hedonistisch sich erleben dürfen muss:
Als deklassierter Wohlstandsgammler
mit jedem Anrecht auf Entgrenzungs-Stuss.

Zersetzung einer Elite-Verfassung (47/2367)21

Demokratie, das ist die Zauber-Losung,
die, die sich Macht erschlichen, gern benutzen,
um ihre Korruptionsanfälligkeit zu decken
als smarte Profiteure dieser Spät-Gesellschaft.

Demokratie, die sie alltäglich ad absurdum führen
durch ihr narzisstisches Gehabe,
durch ihre Arroganz und Reflexionsarmut,
durch ihre Schicksals-Mittelmäßigkeit.

Sie wissen nicht, wovon sie ichdumpf reden,
so wie sie überhaupt auch nicht begreifen,
dass jener Totengräber sie doch sind:
Als in sich selbst gefangne Daseins-Dilettanten.

(0) Demokratie: Der Wille der politischen Funktionselite ist nie identisch mit dem Wählerwillen; jene zielt primär auf Macht, dieser ist sich selbst verborgen, reklameprovoziert oder schlicht emotional-irrational fundiert erschlichen: nämlich durch verführerische Polit-Reklame, den Gebrauch mehrdeutig-diffuser Worte statt faktenerhellender Begriffe, Staatsschauspielerei, Vertuschung, Nicht-Erwähnen, Umdeuten usw. usw.
Korruptionsanfälligkeit: Wer sein Amt nicht als Aufgabe, Selbstverpflichtungszwang, als Imperativ zu Aufopferungsbereitschaft begreift, sondern als Basis narzisstischer Selbsterhöhung, ist korrupt
Arroganz (Dünkelhaftigkeit, Anmaßung): Sie ist ein untrügliches Zeichen politischer Inkompetenz
Reflexionsarmut: Mangel an prüfungswilliger, vergleichungssicherer und fakten-, also problemkonform vertiefender Denkkraft
Schicksals-Mittelmäßigkeit: Gemeint ist der Fluch der Mediokrität, dem unabänderlich unterworfen, man nicht fähig ist, rationale Machtpolitik zu betreiben, denn die erfordert u. a.
(*) ein hohes Maß an Allgemeinbildung
(*) dies: über ein realistisches Menschenbild zu verfügen
(*) zurückgreifen zu können auf eine nicht ideologisch-tugendmonomane, korrekt ausgedeutete, reiche Lebenserfahrung
(*) den existenziellen Mut, sich an Tatsachen zu orientieren, sich also nicht gesinnungsgefügig verführen zu lassen, Tatsachen und wertorientierte Tatsachenausdeutung im Lichte subjektiver psychoethischer Überzeugungen und Präferenzen zu verwechseln
ichdumpf: Überheblichkeitsbefangenheit; diese ist politisch verwerflich; auch: empathiearm, gesinnungsschlicht, selbstwertlüstern, emanzipationsfrigide
In sich selbst gefangene Daseins-Dilettanten: Opfer zu sein der subjektiven Unfähigkeit
(*) von sich selbst substantiell absehen zu können
(*) sich ausnahmslos in den Dienst - weil politisch seinem Land und nicht etwa sich selbst verpflichtet - sachgerecht-objektiv orientierten politischen Handelns zu stellen
(*) den verlockenden Genuss der eigenen Macht als Gefahr zu erkennen, von eben gerade dieser eigenen Macht übermächtigt zu werden, also: sich an die eigene Kreatürlichkeit = Machtlosigkeit zu verlieren. Das wäre die - nicht revidierbare - definitive politische und menschliche Niederlage

Bekenntnis (47/2368)22

Da ist auch Seelenarmut, da ist Indolenz,
Zynismus auch, der kalt und roh
mich nun mal auch ausmacht, 
genauer: wesenstief. 
Da ich doch weiß, dass selbst der Geist
nichts mehr besagen kann, tatsächlich 
gar nichts mehr
in dieser stummen Welt, die Gott verstieß:
Sinn, Zweck und Halte, schöne Menschlichkeit …
Die Wohlstand sich verschrieb - sich ihm 
verschreiben musste - ganz rational erzwungen, 
Leib zu dienen, 
der Physis als der Daseinsquelle
von Macht und Lust und Rausch und Trancen,
sich zu verdrängen, dass wir doch nur sind
Verfügungsmasse eines Stoffgeschehens,
das wir zu meistern
außerstande sind.

Einsamkeit (47/2369)23

Was gäb’s denn Besseres als Einsamkeit:
Die Artgenossen los zu sein,
dies Reservoir von Niedertracht und Neid,
von Langeweile, Bosheit, Trug und Schein?

Mir ist sie faktisch eine Quelle
von Unabhängigkeit und Selbstgenügen.
Entfaltung ohne diese Delle
von traumweltkompatiblen Lebenslügen.

Ich werd sie pflegen bis zum Ende,
weil nur in ihr man sich als Selbst gelingt:
Verwalter seiner Geistbestände,
bis man in Nichts versinkt.

Macht (47/2370)24

Macht ist uns Menschen
ein verqueres Gut,
ein paradoxes
stillster Daseinslast:
Das man bewahrt sich nur,
wenn man auch fähig ist,
es abzuwehren,
wenn es droht, 
sich einen selbst auch
untertan zu machen.

Indes wer könnte das,
besäße gar 
die kühle Glut,
sich auszudeuten sie,
die homo sapiens-List,
dass man vor allem
brauche Geisteslot,
nicht aufzuwachen einst
als eigner Macht
gediehener Helot*.

Ich würde so weit gehen,
zu behaupten,
dass nur ein solcher
kann politisch denken,
der auch gefeit ist
gegen eigne Macht,
der fähig ist,
als Machtknecht sich zu sehen,
allein nur geistig 
will sich handelnd lenken.

*Helot: spartanischer Staatssklave

Kleine Katze I (47/2371)25

Kleine Katze,
leises Tier,
europäisch Kurzhaar,
grau …
lass dich streicheln,
kraulen, küssen,
schmiege
meinem Arm dich ein.
Dass du wirst
für immer wissen
meiner Liebe reines Schier,
nie mehr endend:
bleibend wahr; 
niemals brüchig
werdend lau.
Zeigend nie
verlogne Fratze.

Gelungenes Leben (47/2372)26

Alles nur
für mich geschrieben;
wissend wohl:
Für nichts.
Ganz allein
von Geist getrieben,
Vater des Gedichts.
Nie zum Spiel nur,
nie frivol,
Ernst bis in die Kerne:
Einsichtsperlen
als Tortur.
Seinsgrund 
auch der Welten-Ferne:
Würde-, Selbstwert-
Gott-Symbol.

Auf Dauer nicht hinnehmbar (47/2373)27

Das kann’s nicht sein,
das darf es nicht:
Entlastungsmystik
für Begabungslose:
Ein dorrender
Sozialstaats-Hain
für jede Form
von Wert-Neurosen.
Subjektivismus-Irrenhaus
für geistig Armer
Psychen-Gaus.

Selbstaufgabe (47/2374)28

Nicht mehr fähig,
meiner Gleichgültigkeit
dieser Welt gegenüber
noch Ausdruck zu verleihen,
pflücke ich Stillen herab
aus ihrer lärmenden Öde,
hervor auch
aus dem Stumpfsinn
den sie unermüdlich schuf,
endlich ihm ganz
zu verfallen,
belämmerungsselig
mich meiner
selbst entziehend.

Entlarvtes Vergeblich (47/2375)29

Man mag sie verlästern, diese Gedichte
mit boshafter Tücke selbst;
und dennoch wird man nicht entgehen,
dem Geistessog ihrer Entlarvungskraft;
nicht der Gewalt entschiedener Einsicht,
nicht begrifflicher Härte,
schon gar nicht der klärenden Kraft
intuitiver Hellsichtbilanz.

Ein Epigone freilich bin ich gewiss,
unnötig, es zu sagen.
Pflege ich doch, still gefasst,
Bindung zu Anfang und Ziel:
Frühesten Frühs und spätesten Späts
entblößtem Vergeblich.
Endlos schöpfend Gewalt,
ohne dass Schuld es je kennt.

Zufalls-Gabe (47/2376)30

Schweifen lass ich die Erinnerungen
treiben sich durch manche Jahre.
Einsamkeit, tristesse gedungen,
Ohnmachtsschlägen kalter Kindheits-Mahre.

Denk an düstere Spelunken,
Außenseiter und Gestalten,
Hoffnungslosigkeit und Scham versunken,
ohne Kraft, sich selbst im Lot zu halten.

Freilich auch an die Momente,
da ich hinter mir es ließ
- spürend sie, der Tyche-Geistesspende -
dieses Seelentrümmerjoch-Verlies.

Weltmeidungs-Imperativ (47/2377)31

Allein wer ließe sich schon,
auch nur halbwegs bei Verstand,
vereinnahmen
durch Warenverklärung,
Verwahrlosungswucht und
leerformelvages Verzückungsvolumen
hyperversiegelter Verfügungsdespotie?

Niemand doch,
so er luzide die Fakten sichtet, 
erkennt so 
die Augenblicksgebundenheit
jeder sich selbst verbrämenden Vollendung.
Sei wortmagisch sie,
erotisch,
ästhetisch oder auch
metaphysisch.

Immer jedoch jenseits jener
weinerlich welttrivialen
Deklassierungs-Vasallität
pleonexieverstrickter
Verrohungs-Wichte.

Seiner selbst entraten (47/2378)32

Was hab ich mir
nicht alles aufgeladen
mit diesem Streben
nach Erkenntnisfülle,
mit dieser Sucht,
mich selbst nicht
zu verraten!
Riech ich doch überscharf jetzt
unsre Wohlstandsgülle,
seh ich auch überscharf
das fade Leben,
das wir als Warenfetischisten
müssen führen,
weil Tag für Tag
es doch als Last ausbaden.
Um dann erlebnismonoman
uns wieder selbst zu schaden.
Wobei wir unsre
Selbstachtung verlieren,
den Willen,
uns nicht alles zu vergeben,
den Stolz zuletzt,
als Knecht und Ding
auch unsrer selbst dann
zu entraten.

(P) Noch einmal zur Verteidigung all derer, die eine andere als diese sie ständig in Beschlag nehmende Überflussgesellschaft nicht kennen: Die bedenklichen psychoethisch-kulturellen Auswirkungen der gesellschaftlich gängigen „Trivialwelt-Heimsuchngen“ auf die Individuen durch: „Markt-Welten“ und „Reklame-Kosmoi“ (Alternativen zu diesen werden kaum geboten) sind etwa folgende: Die Individuen
(*) werden geistig ausgehungert
(*) verdorren seelisch und
(*) verkümmern zu passiver Gewissenlosigkeit
(*) sie sind ihrer selbst benommen, so sehr, dass man sie in manchen Fällen als mittellose Sozial-Monaden bezeichnen kann, die ziel-, zweck- und haltlos in sich selbst herumtorkeln (und also u. a. Drogen benötigen, sich in Delirien zu ertränken/zu retten), sobald die drastisch hedonistisch: dionysisch belämmernden (Pseudo-)Außenstabilisierungen aufhören.


 

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