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(14) Kommen wir zum Wesentlichen:
Fakt ist, dass wir die objektiv(!) völlige Nichtigkeit der menschlichen Existenz nur dann einigermaßen zu bewerkstelligen in der Lage sind, wenn wir uns auf Fiktionen: Ideale, ideologische Konstrukte, kurzum auf uns sinnträchtig erscheinende Weltausdeutungen stützen, wie etwa:
(a) metaphysische (religiöse) glaubensfundierte: Die Existenz Gottes wie etwa die jüdisch-christliche Religion (AT und NT. Dazu noch einmal Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur, Fischer-Bücherei, 1970): „ Es ist wiederum nur die Religion, die die Frage nach einem Zweck des Lebens zu beantworten weiß. Man wir kaum irren, zu entscheiden, dass die Idee eines Lebenszwecks mit dem religiösen System steht und fällt.“. So ist es.
(b) weltanschaulich-nichtreligiöse (der alte Buddhismus)
(c) ideologisch-utopische (Kommunismus)
(d) vernunft-utopische (Kants Reich der Zwecke*) usw.,
um uns jene Tatsache eines absoluten Nihilismus (s. o.) zu verhehlen. Unser Dasein mag faktisch sein, welches auch immer: einen objektiven Sinn (einen subjektiven als Behelfs-Fiktion indes schon) kann es als Dasein einer Materie**-Einheit (s. Die Stellung des Menschen, S. 39 der Homepage) nicht haben. Das Dasein der Einzelnen ist also objektiv betrachtet völlig nichtig (was diese, das gilt es einzuräumen, zu ertragen und hinzunehmen freilich nicht vermöchten, lastete es ihnen als unabweisbare Einsicht auf der Seele).

Anm.* Kant, Grundlegung S. 56 und 58: „Ich verstehe aber unter einem Reiche die systematische Verbindung verschiedener vernünftiger Wesen durch gemeinschaftliche Gesetze ... Im Reiche der Zwecke hat alles entweder einen Preis oder eine Würde. Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat eine Würde … das aber, was die Bedingung ausmacht, unter der allein etwas Zweck an sich selbst sein, hat nicht bloß einen relativen Wert, d. i. einen Preis, sondern einen inneren Wert, d. i. Würde.“

Anm. ** Noch einmal: Das Universum entstand vor 13,82 Milliarden Jahren mit dem sog. „Urknall“/big bang“: 
Es umfasst/Wir müssen unterscheiden/Die Zahlen schwanken leicht:
(*) Dunkle Energie: 73/76%
(*) Dunkle Materie 21/23 %
(*) Baryonische Materie: 4/5%. Aufgebaut/Bestehend aus Quarks und Elektronen Aus dieser bestehen wir Menschen
(*) Neutrinos 0,1%. Diese Teilchen gehen durch alles hindurch: Sie sind sozusagen „gefangenschaftsresistent“
(*) Hintergrundstrahlung: 0,01%
------------------------Ende der Anmerkungen

(15) Problematisierung/Infragestellung/Beurteilung der vier Würde-Konzepte
(*) Des Würde-Konzeptes Kants
(*) Des Würde-Konzeptes von Mathias Schreiber
(*) Des Würde-Konzeptes des deutschen Grundgesetzes.
(*) Des auf der Schöpfung des Menschen durch Gott fußende Würde-Konzept: Das jüdisch-christliche Würde-Konzept, basierend auf der Schöpfung des Menschen durch einen der Materie vor- und übergeordneten absoluten göttlichen Geist, dessen Widerlegung* ich hier sofort anführe: Es gibt - jedenfalls können wir ein solches Wesen nicht fassen/begreifen, weil wir uns keinen Materie schaffenden Geist vorstellen und erklären können; wir können allenfalls an die Existenz eines solchen glauben – an einen der Materie vor- und übergeordneten allmächtigen, allgütigen, allwissenden und für uns eine Wiederauferstehung nach unserem Tod, dann ein ewiges Leben unter seiner Obhut, in seiner Geborgenheit, nach seinem perfekten Plan, gewährenden allmächtigen Gott: Er, dieser Gott, existiert nicht, ist also nicht unser Schöpfergott, Allbewahrer und ewiger Behüter. Geistwesen/Götter gibt es nicht. Uns wohnt keine unsterbliche 
(Geist-)Seele ein; dass wir materiell-geistige ZwieWesen seien, dieser Glaube war in der oder jener Form über Jahrtausende hin vorherrschend, die Menschen tröstend, dass sie nach ihrem irdischen Tod nicht würden vollständig und für immer nicht mehr sein.

*Anm.: Für gläubige Menschen ist diese sog. Widerlegung selbstverständlich Hybris/ Anmaßung/Frevel. Das akzeptiere ich.

(a) Bemerkungen zur Vollkommenheit des jüdisch-christlichen Gottes, der verstanden wurde/wird als
(*) allwissend
(*) allweise
(*) allmächtig
(*) allgütig
(*) ewig (ungeworden/außerhalb von Raum und Zeit seiend)
(*) allschöpferisch
(*) notwendig seiend, weil „notwendig seiend“ „seinsmächtiger“ 
ist als lediglich „zu sein“, oder gar nur „zufällig zu sein“
(*) vollkommen (unüberbietbar seinsmächtig; ein absoluter = losgelöster = nicht relativer, auf anderes bezogener Superlativ)

(b) Der jüdisch-christliche Gott gilt als/soll sein
(*) ens perfectissimum (vollkommenstes Wesen)
(*) ens necessarium (notwendiges Wesen)
(*) ens realissimum (allerrealstes Wesen)

(c) Genesis 1, 1 - 5  (AT)
Am Anfang schuf (ברה)* Gott den Himmel und die Erde. Und die Erde war wüst und leer und Finsternis lag über der Urtiefe und der Geist Gottes schwebte (war schwebend) über dem Wasser. Daraufhin sagte Gott: „Es werde Licht. Und es wurde Licht.“ Und Gott sah, dass das Licht gut war; daraufhin schied Gott zwischen dem Licht und der Finsternis. Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte Nacht; und aus dem Abend und dem Morgen wurde der erste Tag.
ברה* = schaffen (hier: die Wurzel aus drei Radikalen; dieses Verb „schaffen“ darf im Judentum nur im Hinblick auf Gott allein benutzt werden)

(d) Gott hat die Materie aus dem Nichts geschaffen:
(*) Die Worte Gottes materialisierten sich: „Gott sprach die Materie sozusagen in Sein und Werden“. Und Gott spricht das Wort (griech.: λόγος = Logos) als absoluter (losgelöster, für sich seiender) Geist. Das kann man glauben, aber nicht begreifen: Eine geistige Kausalität - sei dieser Geist auch ein göttlich-absoluter - können wir nicht greifen.
(*) Warum aber schuf er, Gott, das vollendete Geistwesen, diese materielle Welt? Um dann später den Menschen aus Erde/Materie als das eigentliche Ziel seiner Schöpfung hervorgehen zu lassen? Fakt ist, dass der Mensch aus Materie geschaffen wurde, denn (Gen. 3.19) heißt es unmissverständlich, dass er vom Staub genommen (worden) sei/wurde und zu Staub wieder werde. Von einer Seele des Menschen, gar einer unsterblichen, ist noch keine Rede.
Diese Idee der Unsterblichkeit der Seele (genauer eines bestimmten Seelenteils) ist ursprünglich ein Konzept des griechischen Philosophen Platon, der sich die menschliche Seele so vorstellte:
(e) Platons Seelenlehre:
Sie umfasst drei Seelenteile/Strebevermögen:
Epithymetikon (begehrlicher Seelenteil: Er zielt auf die Befriedigung körperbezogener Lust. Dieser Seelenteil ist sterblich).
Thymoeides (muthafter Seelenteil: Er zielt auf Überlegenheit, Ehre und Ansehen. Dieser Seelenteil ist sterblich.
Logistikon (vernünftiger Seelenteil: Er zielt auf Lernen und die Erkenntnis des Wahren; er ist der weisheitsliebende Seelenteil, soll heißen –nach Platon -: Das eigentliche Wesen des Menschen, der aufgrund des Logistikon Herr über sich selbst werden kann/ist: Dieser Seelenteil ist unsterblich*.

*Anm: Im 3. Jahrhundert n. Chr. (wenn ich mich recht erinnere) übernimmt das Christentum die Idee der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, freilich nicht die der Unsterblichkeit des platonischen Logistikon, sondern die der Unsterblichkeit der ganzen Seele als einheitlicher Geistsubstanz.
--------------------------------Ende der Anm.

(f) Der jüdisch-christliche Gott: Dieser absolute Geist (Gott), ist nun der Materie
(*) vor-
(*) übergeordnet und
(*) diese Materie wäre nicht (gäbe es sie nicht), wenn sie nicht Gott als absoluter Geist geschaffen hätte

Die Frage ist nun die/man kann sie zumindest stellen: Wenn Gott all das, was man von ihm aussagt, war/ist: Warum hat er dann uns - u n s! als eigentliches Ziel seiner Schöpfung - geschaffen? Uns, sozusagen die Diener des Epithymetikon, also uns, diese in der Regel so unfertigen/permanent kreatürlich-triebhaft: animalisch von sich heimgesuchten, ihrer oft selbst nicht mächtigen/moralisch halt- und existenziell dauertriebhaften, sich selbst schädigenden, hybrisarrogant unfreien Wesen, von deren radikaler Unvollkommenheit er, Gott, hätte als allwissend und allweise zumal wissen m ü s s e n, einmal abgesehen davon, dass ein vollendetes Geist-Wesen per se bedürfnislos/selbstgenügsam sein muss/müsste (bedürftige Wesen, wie wir, können gar nicht in welchem Sinne auch immer vollendet sein - im Gegenteil).
Kurzum: Welchen Grund sollte ein vollendetes 
Geist-Wesen haben, etwas Unvollkommenes zu schaffen, jedenfalls schon gar nicht eine materielle Welt und eine fragwürdige Kreatur wie den Menschen. Daraus folgt: Gott kann - als Schöpfer im überlieferten Sinne - nicht das gewesen sein, was wir glaubten/glauben, dass er es gewesen sei/sei: nämlich vollendet: Ein vollendetes Wesen hätte gar nicht, weil vollendet, das Bedürfnis, etwas außer ihm - und gar zumal noch Unvollkommenes zu schaffen. Also: Hatte er, Gott, Sehnsucht nach uns? Indes ein vollendetes Wesen hat/hätte Sehnsucht nach gar nichts, nicht einmal nach sich selbst, denn das wäre ein metaphysischer Narzissmus, der eines Gottes unwürdig ist/wäre: Ein, zumal geistig, vollendetes Wesen wäre bedürfnislos: würde nicht heimgesucht von Affekten, Emotionen, Gefühlen, wäre sich selbst genug (autark), weder „gut“ noch „böse“, wäre, kurz gesagt, uns unbegreiflich: allumfassend „nichtmenschlich“.
Indes: Menschen als sprachbegabte Wesen lassen keine Gelegenheit aus, sich d i e Vorstellungen als wahr seiende einzureden, die sie beruhigen, ihnen Ängste nehmen, sie entlasten, glorifizieren usw. So ist denn auch die Vorstellung eines die Welt und den Menschen hervorgebracht habenden geistigen Schöpfergottes: Die Vorstellung der Existenz eines allmächtigen und allwissenden göttlichen Geistwesens den Menschen eine - d i e - nützliche Entlastungsfiktion: Eine Entlastungs-Fiktion, hervorgegangen aus ihrer sie bedrückenden Erfahrung unabweisbarer Endlichkeit/Zeitlichkeit: als Mensch ein dem Tod geweihter Körper zu sein, ein Wissen, das belastend ist/Angst macht, womöglich in Nihilismus verfallen lässt, sodass folglich nachvollziehbar die Hoffnung/die Sehnsucht nach einem Weiterleben nach dem Tod sich sozusagen gleichsam einstellen musste: Also die tröstende, die Angst vor dem Tod relativierende Vorstellung eines ewigen - wie auch immer gearteten - (Weiter-)Lebens in einer anderen, von Gott (dem Nur-Geistwesen) vorgesehenen, jenseitigen Geistes-Welt.
Also: Es gibt keinen Gott, der uns „gewürdigt“ hätte dadurch, dass er uns schuf, d. h. eine uns metaphysisch/religiös: gottgegebene Würde zeichnet uns nicht aus. Wir sind nun mal - ausnahmslos - auf unsere (Scheintrost-)Fiktionen von Würde, Sinn, Autonomie usw. zurückverwiesen - und wir werden das auch bleiben - bis zum bitteren Ende.*

*Anm.: Und diese Ausführungen sollen nicht Ausdruck eines zynischen Nihilismus sein, sondern eine - gewiss bedauerlich-belastend-resignativ-deprimierende Aussage über Tatsachen(!). Es steht uns kein metaphysisch-geistiger Weg aus unserem determiniert-materiellen Sein/Sosein heraus offen: Es sei denn, man glaubt daran. Dann freilich sich etwas vormachend. Was zu tadeln allerdings lächerlich wäre, denn das ist für uns oft geradezu schicksalsentscheidend. Wer von uns belöge und betröge sich nicht zuweilen, wer verfügte auch nur ansetzweise über die Kraft, den objektiven Nihilismus unserer Existenz zu meistern/zu bewältigen/hinzunehmen?
----------------------------Ende der Anm.

(16) Nun zu den Forschungsergebnissen der Soziobiologie: Soziobiologie und Moral.
Was ist Soziobiologie? Nach Franz Wuketits, C.H.Beck Wissen, München, Beck, 2002/(zitiert: Wuketits)
(a)„Soziobiologie ist das Studium der Lebewesen auf evolutions-biologischer und genetischer Grundlage ... Sie beruht auf der Annahme, dass das soziale Verhalten in seinen verschiedenen Ausdrucksformen eine genetische Basis hat und Überlebensvorteile mit sich bringt“ (Wuketits, S. 12)
(b) „Im Gegensatz zur klassischen Verhaltensforschung sehen die Soziobiologen das Hauptproblem nicht in der Erhaltung der Art, sondern in der reproduktiven Eignung des Individuums“ (Wuketits, S. 30)
Anders ausgedrückt: Dem Individuum geht es stets und primär um sich selbst; und wenn es ihm um die anderen (seine Gruppe, seine Kirche, seinen Staat, seine Partei usw.) zu gehen scheint, dann nur, um auf diese Weise seines Einsatzes für die Gruppe usw. seinen eignen Nutzen zu maximieren: das Individuum verspricht sich Vorteile für sich durch seinen Einsatz für andere.
(c) „Die Forschungsstrategie der Soziobiologie besteht unter anderem in der Anwendung von Kosten-Nutzen-Kalkulationen“ (Wuketits, S. 30). Soziobiologen gehen denn auch davon aus, dass bei jedem Individuum das eigene Fortpflanzungsinteresse (die Weitergabe des eigenen genetischen Materials) und nicht das Artinteresse im Vordergrund steht.
(d) Dazu Wolfgang Wickler und Uta Seibt in ihrem Buch: Das Prinzip Eigennutz: „Die Erhaltung und Fortpflanzung des eigenen Erbguts hat Priori-tät vor der Erhaltung von Artgenossen ganz allgemein. Das zeigt sich darin, dass Artgenossen geopfert werden, wenn das der Ausbreitung des eigenen Erbgutes dienlich ist.“ (Wuketits S. 29)
(e) Was heißt das für die Moral?
Wir sehen uns einmal die Kernsätze der Weltethos-Erklärung von 1993 (bestätigt 1999 und 2001) an. Als dringend erforderlich sollen realisiert werden:
(*) Eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor dem Leben: „Habe Ehrfurcht vor dem Leben!“ „Nicht töten, foltern, quälen, verletzen!“
(*) Eine Kultur der Solidarität und einer gerechten Wirtschaftsordnung: „Handle gerecht und fair“. „Nicht stehlen“, ausbeuten, bestechen, korrumpieren!
(*) Eine Kultur der Toleranz und des Lebens in Wahrhaftigkeit: „Sprich und handle wahrhaftig.“ „Nicht lügen, täuschen, fälschen, manipulieren!“
(*) Eine Kultur der Gleichheit und der Partnerschaft von Frau und Mann: „Achtet und liebet einander.“ „Nicht Sexualität missbrauchen, nicht betrügen, erniedrigen, entwürdigen!“
(*) Das Humanitätsprinzip: Die Menschenwürde eines jeden Menschen zu achten
(*) Die Goldene Regel:
„Behandle die anderen so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest.“ Mt. (NT) 7,12: „Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch.“
NT, Latine: „Omnia ergo, quaecumque vultis ut faciant vobis homines, ita et vos facite eis“
(f) Die Soziobiologie lässt nun Zweifel aufkommen an der Realisierbarkeit dieses ethischen Programms; denn: nach der Soziobiologie sind folgenden moralischen Regeln keinerlei Erfolge beschieden (wer sich also diese moralischen Regeln als Handlungsgrundlagen - nicht: als verbale Selbstglorifizierungen - zu eigen machen würde, wäre, was seine existenziellen, seelischen und moralischen Bestände angeht, im Normalfall völlig überfordert)
(g) Moralische Forderungen, die sich also laut der Soziobiologie nicht durchhalten lassen (Wuketits,
S. 98) sind etwa diese:
- „Bevorzuge keinen Menschen (auch nicht die eigene Verwandten und enge Freunde), sondern steh zu allen Menschen gleich gut!“
- „Leiste stets Hilfe, ohne irgendeine Gegenleistung zu erwarten!“
- „Sei stets bereit, deine Interessen den Interessen der Gemeinschaft (Staat, Kirche und so weiter) unterzuordnen!“
- „Strebe nicht nach Lustgewinn, sondern halte dich an ‚ewige‘ Werte!“
Denn:
(*) Wir stehen n i c h t zu allen Menschen gleich gut. Können das auch nicht. Unsere Moral ist die einer Kleingruppe (von vielleicht 50 Individuen: Jäger und Sammler), die sich im Laufe von 2,5 Millionen Jahren entwickelt hat. Und: Je fester das Wir-Gefühl einer solchen Kleingruppe ist, desto größer die Neigung zur Diskriminierung anderer.
(*) Wir erwarten i m m e r eine Gegenleistung, wenn wir Hilfe geleistet haben. Zu echtem Altruismus („Selbstlosigkeit“ im buchstäblichen Wortsinne) sind wir n i c h t fähig.
(*) Das kooperative Verhalten der einzelnen Individuen resultiert aus deren egoistischem Überlebensdrang: Jeder ist sich selbst der Nächste. Das Individuum ist sich selbst ‚wichtiger’ als es der Staat, in dem es lebt, die Kirche, der es angehört, ihm je sein könnten.
(*) Die Individuen streben nach Nachkommenschaft (Weitergabe der eigenen Gene), Lust (und dem Meiden von Schmerz: physischem und psychischen), Sicherheit, Anerkennung, Auszeichnung (Ehre), Überlegenheit über andere, Geld (Vermögen, Haben), Luxus, Macht usw. - was sie nicht hindern muss (im Gegenteil!), die ‚ewigen Werte’ (Gott, Liebe, Gerechtigkeit, Solidarität, Toleranz, Gleichheit usw. usw.) immer wieder im Munde zu führen. Diesen soziobiologischen Forschungen stimme ich, Sa., ausnahmslos zu.

(17) An dieser Stelle: Die naturalistische Sichtweise: Fazit/Kurz und bündig formuliert: Ich lehne alle vier Würdekonzepte ab:
(1) Das religiöse Konzept, beruhend auf der (unhaltbaren) Annahme einer der Materie vor- und übergeordneten allmächtigen Schöpfer-Gottheit als reinem Geist
(2) Das Konzept Kants: Der naturalistische Determinismus, „nach dem alles aus der Natur und diese aus sich selbst ohne Annahme eines außer ihr gelegenen Weltgrundes“ (Gottes, Sa.) „zu erklären ist.“ (Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Meiner-Verlag, Hamburg, S. 441, Artikel ‚Naturalismus), der, dieser Naturalismus (nach dem der Mensch ein determiniertes Natur-/Materie-Gebilde sein muss), den Menschen also als „Naturgebilde ohne Willensfreiheit“ annimmt/annehmen muss, muss somit die Vorstellung des Menschen als eines (möglichen: KI-basierten) Zweckes an sich, der sich selbst - und nur sich selbst - 
w o l l e n können muss, um sich dadurch zugleich als Würdeträger (Träger eines einmaligen: unvergleichlichen Geistwertes zu qualifizieren) ablehnen
(3) Das Konzept Schreibers (wie (2)): Man kann sich (zufälliges Ergebnis einer evolutionsbiologischen – „rein naturalistischen“ - Entwicklung auf dem Planeten Erde)
nicht zum selbstbestimmten: autonomen Träger einer faktisch psychoethisch-sozialelitären Exzellenz machen/bestimmen … Man kann das nicht w o l l e n
(wenngleich - zufällig, auch „genetisch-herkunftlich-lebensgeschichtlich „privilegiert“:
„zufallsprivilegiert“ von vornherein gewesen und dann eben deswegen geworden sein)
(4) Das politisch-ideologische Konzept des deutschen GG lehne ich ab
(a) s. (2) und (3) und
(b) w e i l es ein - je nachdem ausdeutbares - politisch-ideologisches Konzept ist, das allen Mensch ausnahmslos eine ihnen gleichsam von Natur aus zukommende, wesenstypische Würde zuspricht, ohne dass klar wäre, was diese allen Menschen gleichermaßen zukommende/zugesprochene Würde denn sei/worin sie bestehe … Das Wort „Würde“ verbleibt ohne Inhalt: ein Wort ohne Begriff.
Siehe dazu unbedingt die Ausführungen S. 39 dieser Homepage

(18) Dazu nun Zitate:
(a) „Geist und Psyche sind nicht von der materiellen Natur zu trennen, sondern darauf zu reduzieren. Das ist die zentrale Vorstellung eines reduktionistischen Menschenbilds, das von der Hirnforschung genährt wird. Der Zellenhimmel der Neuronen unter unserer Schädeldecke ist demnach alles andere als nur ein Instrument. Er ist der eigentliche Herr unserer geistigen und psychischen Leistungen. Geist und Psyche werden zu einer Nervensache“ (Martin Hubert, Ist der Mensch noch frei? Düsseldorf, Patmos-Verlag, 2006, S. 20)
(b) „Nimmt man die Evolutionstheorie ernst, dann muss man - wie das bereits Darwin mit aller Konsequenz getan hat - auch die seelischen und geistigen Eigenschaften unserer Spezies als Resultate der Evolution ansehen und bestimmte dieser Eigenschaften ebenso
anderen Tierarten beiräumen (Franz. M. Wuketits, Der Affe in uns, in: Helmut Fink/Rainer Rosenzweig (Hrsg.), Freier Wille - frommer Wunsch?, mentis Verlag, Paderborn, 2006, S. 69).
(c) Wuketits: „Wie groß auch der Unterschied zwischen den Seelen der Menschen und der höheren Tiere sein mag, es ist doch nur ein gradueller und kein prinzipieller. Wir haben gesehen, dass die Gefühle und Anschauungen, die verschiedenen Affekte und Fähigkeiten, wie Liebe, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Neugierde, Nachahmungstrieb, Überlegungen …, derer sich der Mensch rühmt, in ihren Anlagen und manchmal auch in einem ziemlich entwickelten Zustand in den Tieren vorhanden sind“ 
So Darwin. Zit. Von Franz Wuketits, a. a. O. ebenda
(d) „Vor dem Hintergrund einer ausschließlich naturalistischen Betrachtungsweise verliert der Begriff „Menschenwürde“ seinen spezifischen Inhalt, und die unbedingte Verpflichtung zur Respektierung der Menschenwürde lässt sich nicht begründen.“
So - völlig korrekt – der bereits oben genannte Martin Kriele, Staatsrechtler, in: Wetz, S. 228. (…) „Die Idee (sc. der Menschenwürde) selbst ist (…) ohne ihre metaphysischen und religiösen Wurzeln* nicht zu begreifen.“ Kriele, a. a. O., S, 229. Vgl. dazu Hans Wagner (s. o. und Wetz, S. 237ff), der, wie Kriele, im Naturalismus (den ich, Sa., ohne Abstriche vertrete) eine Bedrohung der Idee der Menschenwürde sieht. Und das mit Recht: Dieser Naturalismus erlaubt es nicht, von einer Würde des Menschen zu reden.

*Anm.: Hat sie, die Würde, aber solche Wurzeln - und sie hat sie, wenn auch nicht offenkundig und leicht zu erkennen -, dann sollte sie rechtlich ignoriert werden, weil sie als solche metaphysisch-religiöse, rechtlich nicht greifbar ist/ohne Inhalt ist/wäre
------------------------------Ende der Anm.

(19) Gegenwärtige Umstände, Entwicklungen, Gegebenheiten, die indirekt für einen konsequenten Naturalismus sprechen)
(a) Nach Jürgen Kocka: Der Aufstieg des Finanzmarkt-, Finanz- oder Investoren-Kapitalismus = Inbegriff für alle Geschäfte, die nicht mit dem Tausch und der Produktion von Gütern zu tun haben, sondern Geschäfte sind, mit denen Geld gemacht wird - seitens Wechslern, Maklern, Banken, Börsen, Investoren und Kapitalmärkten - mit der Tendenz der Verselbständigung und Herauslösung wirtschaftlichen Handelns
(*) aus sozialen Kontexten(!)
(*) der Zuspitzung der Ziele auf Profit bei gleichzeitiger
(*) Indifferenz gegenüber sonstigen Zielen(!)
Soll heißen: Dieser Investoren-Kapitalismus wird nicht von sozialen Rücksichten geleitet, sondern umgekehrt: Er ignoriert diese im Interesse seiner Kapital-Gewinne
(b) Für jenen Naturalismus sprechen auch die weit verbreiteten rational-egoistischen, wohllebenssteigernden S e l b s t-Verwirklichungs-Zwecke/-Ziele (zumeist eudämonistisch-hedonistische), heißt: die Menschen der westlichen Überflussgesellschaften heben primär ab auf Lust- und Ich-Steigerung: auf eine Art sinnstiftenden Wohllebens-Subjektivismus: Das Epithymetikon Platons - und zwar ohne jede Rücksicht darauf, was der ethisch, kulturell, politisch, ökologisch usw. für die Gesamtgesellschaft (deren Stabilität und Fortbestand) bedeuten könnte
(c) Verfall des Wirklichkeitssinnes
Gründe: Die Menschen werden permanent heimgesucht, gleichsam übertölpelt
(*) von Reklame (für die gilt, dass sie machbare Perfektion verspricht: etwa durch Waren/Apparate/Medikamente/Verhaltensweisen usw. usw. usw.: Allein Konsum - so die allgegenwärtige, daueraufreizende Reklame - von was auch immer: alles dessen, was sich dafür anbietet/eignet, ob der seiner selbst, der anderer, der von Waren, Ansichten, Ideologemen usw. usw.) sei anzustreben, weil Lebenslust verschaffend, seelisch stabilisierend, anerkennungs- und selbstaufwertungsträchtig, letztlich: sinnstiftend seiend
(*) von täglichen Nachrichten über globale Ereignisse (politische Unruhen, prekäre Verhältnisse, wirtschaftliche Probleme, Kriege usw.) die sie beunruhigen, verängstigen, in Zweifel stürzen usw. usw.
(*) von Elendskonsum: Katastrophenmeldungen als Aufmerksamkeitsabbau (man kann nicht darauf reagieren, muss sich so, davon Kenntnis nehmend, abstrakt von den eigenen bedrückenden Affekten und Emotionen fluten lassen), beunruhigende Meldungen über – -immer häufiger werdende Wetterkapriolen und Naturzerstörungsereignisse aufgrund des Klimawandels, militärische Provokationen, wirtschaftliche Einbrüche (Firmenpleiten, Arbeitsplatzverluste), Polit- und Gewaltverbrechen, wachsende gesellschaftliche Verwerfungen, Attentate usw. usw.
(*) von allen möglichen Unterhaltungs-, Erregungs- und Empörungs-Medien, die einen entsprechend von sich selbst abziehen … in Scheinwelten locken, kulturell entmächtigen: verdummungsseicht-lachgaslüstern machen, dann: ideologisch-tugendaggressiv heimsuchen, einen intellektuell kapern wollen, einen implizit anklagen usw. usw.
(*) von enthemmend vergnüglich-belämmernden Darbietungen aller Art: populärmusikalischer Dauerberieselung (tatsächlich kann man der entsprechenden musikalischen Berieselung: das ist eine Art Stimmungsaufhellungs-Diktatur, Sensationen, Exzessen, seelischen Entblößungen, selbstinszenatorischem Subjektivismus usw. usw., kaum noch entgehen), zumal von Sportveranstaltungen (besonders Fußball, der im Stadion das Massengeborgenheits-Religiöse, vorm Fernseher das Nationale aufpeitscht)
Kurzum: Man wird davon abgehalten/indes auch davor bewahrt,
(*) sich mit sich selbst und seiner Position in dieser Gesellschaft zu beschäftigen, also davon
(*) über die eigene Gesellschaft nachzudenken: Eine Konsumdiktatur und deren mögliche und tatsächliche (fragwürdige) Folgen: etwa massive Bildungsverluste, zunehmende Realitätsverweigerungsrituale, Sozial-Parasitismus, Zunahme von Gewalt (schon bei Kindern und Jugendlichen - nun: Es gibt keine Kindheit mehr, über politideologische Fragwürdigkeiten/Unterlassungen/Wirklichkeitsverluste als möglicher Leerformel-Verfügungs-Strategien im Dienste von Machtinteressen, die zumal zuweilen eine massive politische (Handlungsunterlassungs-)Inkompetenz verdecken 
(*) Kurzum: Sich mit dem Phänomen der massiven Traditions- und Werte-Verluste - den Vereinzelungszwang verstärkend - vor allem damit zu beschäftigen (um zu wissen, was einen erwarten könnte … Beispiel heute: Pflegversicherungs-Fiasko), dass man objektiv längst zu einer abstrakten Umsatzgröße (Konsumpotenz) geworden ist
(*) sich zu überlegen, was aus dem Niedergang der Familie für die Einzelnen erfolgt, der Institution, die im 19. Jh. in der Regel noch als für die Individuen segensreiche, Geborgenheit schaffende angesehen wurde: kirchlich wie staatlich gestützt und als Haltgebungs-: psychosozialer „Hort“ galt und eingefordert  wurde. Die Institution der Familie, die sich dann im 20. Jh. (besonders in der zweiten Hälfte unter den Bedingungen einer wohlstandsprallen Konsumdiktatur und den ideologischen Invektiven seitens der 68er*: den nützlichen Idioten des Konsumkapitalismus) mehr und mehr einem schleichenden Bedeutungsverlust ausgesetzt sah, um jetzt, im 21. Jh., weiter an Haltgebungsmächtigkeit einzubüßen (man informiere sich über die Scheidungsraten in den Großstädten).
Und was sind die Gründe?
(*) Die Menschen - als abgerichtete Konsumenten "erlebniskonsumlüsternverflachungsbetört "-
wollen (und können zunehmend) ihr Leben kaum noch meistern (was z. B. auch die Arbeitsmoral als Selbstverpflichtungszwang angeht), sondern es möglichst störungsfrei genießen: Und was sie stört sind Verpflichtungen, Verantwortungsanforderungen, Selbstzurücknahmezwänge, kurzum: Ein Mindestmaß an „Sozialer Selbstverpflichtungsmächtigkeit“, denn: sie sind längst zu verdinglichten Systemmonaden geworden: infantil-hedonistisch realitätsfremd möglichst private Verantwortung zu meiden, denn - ich erinnere an Max Stirner - heutzutage gilt es, sich selbst und andere nicht zu erkennen/zu ergründen/moralisch zu heben/einsichtsmächtig zu machen, sondern: zu verwerten, also nicht sich selbstmachtfähig-faktenkonform der Gesellschaft zu verpflichten. Heute sind die Menschen gelernte Verbraucher (So David Riesman) als rationale Egoisten verfallen einem erlebnisprallen: hedonistischen Daseinsvollzug: Und eben der ruiniert den Wirklichkeits-/Realitätssinn.

*Anm.: Die 68er Studentenbewegung
Es waren übrigens die 68er, die alle traditionell überkommenen Werte (nach Helmut Klages, H.-J. Hippler und W. Herbert, Werte und Wandel, 1991), als „bourgeoise Werte“ angriffen, um sie durch „progressive“ zu ersetzen: Zu ersetzen Werte wie
(*) Disziplin (*) Gehorsam (*) Leistung (*) Pflichterfüllung (*) Treue (*) Unterordnung (*) Fleiß (*) Bescheidenheit (*) Selbstbeherrschung (*) Pünktlichkeit (*) Anpassungsbereitschaft (*) Fügsamkeit (*) Enthaltsamkeit durch die sogenannten „Neuen Werte“: Die Werte
(i) Der Idealistischen Gesellschaftskritik, umfassend folgende Werte
(*) Emanzipation (von Autoritäten) (*) Gleichbehandlung (*) Gleichheit (*) Demokratie (*) Partizipation (*) Autonomie (des einzelnen) (*) Hedonismus (*) Genuss (*) Abenteuer (*) Spannung (*) Abwechslung (*) das Ausleben emotionaler Bedürfnisse
(ii) Des Hedonismus, umfassend folgende Werte
(*) Genuss (*) Abenteuer (*) Spannung (*) Abwechslung (*) Das Ausleben emotionaler Bedürfnisse
(iii) Des Individualismus, umfassend folgende Werte
(*) Kreativität (*) Spontaneität (*) Selbstverwirklichung (*) Ungebundenheit (*) Eigenständigkeit
Diese Werte der "idealistischen Gesellschaftskritik" und des Hedonismus sind faktisch - damals zeitgeisttypisch antikapitalistisch-revolutionär aufgeladen - heute zu Leerformeln kapitalistisch unterfütterter Wohlstands-Mythologie geworden: sowohl was die Reklame, "progressive" Polit-Leerformeln, sowie das Lebensgefühl überhaupt betrifft, insbesondere dass die Freizeit allein nur zählen könne, man sich nur in der Freizeit selbst verwirklichen: genießen, ausleben und beglücken könne - während Arbeit einen faktisch daran hindere. Allein: Jene "Werte" sind zu Belämmerungsphrasen ichsüchtig-gieriger Wohllebensverträumter geworden.
Die 68er: Politbewegte Provokations-Virtuosen:
(iv) Selbstdarstellungsbedürftige Individuen, die sich an ihren eigenen sottisen berauschten: Befreier der Menschen - genauer: des Proletariats - von Zwängen, Vorurteilen, Ausbeutung, hemmenden Traditionen usw. sein zu wollen als
(v) politmessianisch begabte Rädelsführer
(vi) Progressive - vermeintlich antikapitalistisch-sozialistisch denkende und fühlende - Gesellschafts-Gegner
(vii) Weltverbesserungslüsterne Tugend-Ideologen (die zuweilen auch ihre Neurosen, sie politisch umdeutend, in den Griff zu bekommen hofften)
(viii) Propheten einer „besseren“ (sozialistischen) Gesellschaft,
(ix) die es zunächst einmal - bis der Sozialismus sich endlich etabliert habe - behelfskopulativ herbeizuvögeln galt. Hier ein Beispiel von vor 55 Jahren: Ende Mai 1968/Rektorat der Frankfurter
GOETHE-UNIVERSITÄT
ES IST VERBOTEN ZU VERBIETEN!
ERFINDET DAS LEBEN NEU!
JE MEHR ICH LIEBE MACHE, DESTO MEHR MACHE ICH DIE REVOLUTION!
DIE MENSCHHEIT WIRD ERST GLÜCKLICH, WENN DER LETZTE KAPITALIST AN DEN GEDÄRMEN DES LETZTEN BÜROKRATEN AUFGEHÄNGT IST! -
Kommentar, Sa.: Das sind Parolen deutscher Studenten, die in Frankfurt den Mai-Aufstand der französischen Studenten vom Mai 1968 kopieren wollten: Rauschhaft infantil, geistig primitiv (das Leben neu erfinden!), leerformel-pathetisch (es geht um das Glück der Menschheit!), hasserfüllt, massiv realitätsverlustig, verklemmt hedonistisch: die bürgerliche Jugend der formal Studierfähigen bedarf einer Begründung für ihre Unterleibsdrangsal: Kopulieren ja, aber im Dienste der Revolution (übrigens: was heißt „Revolution“? Gar nichts: Das Wort dient als dionysischer Emotionsaufheller für selbstentfesselungsbedürftige und also existenziell Unorientierte; ein Beurteiler der Pariser Ereignisse sprach - zu Recht - von einer „Revolution als spektakuläre Selbstdarstellung“, also als narzisstische Orgie ichgefangener bürgerlicher Individuen.

Noch einmal sei gesagt: Die 68er sind nicht nur gescheitert, sondern haben auch nicht begriffen - nicht ansatzweise -, dass Werte wie die 
(א) des Hedonismus: (*) Genuss (*) Abenteuer (*) Spannung (*) Abwechslung (*) Das Ausleben emotionaler Bedürfnisse und Werte wie
(ב) des Individualismus: (*) Kreativität (*) Spontaneität (*) Selbstverwirklichung (*) Ungebundenheit (*) Eigenständigkeit mitnichten gesellschaftsverändernde: „revolutionäre“ sein können, sondern eben nur konsumentfesselungskapitalistische, d. h. dem "Wohllebenskapitalismus" förderliche sein müssen (Ernesto „Che“ Guevara hatte das verstanden: sein homo novus ist eine geistasketische Idealfigur, kein bürgerlichintellektueller, pseudorevolutionärer Unterleibs-Dilettant), weil der, der Konsumkapitalismus - das ist ihm systemimmanent - sich Menschen heranziehen muss, die an seine Botschaft glauben, dass der hedonistisch-eudämonistisch-konsumtive Daseinsvollzug allein Sinn, Halt, Zweck und "Glück" bewirken, mithin allein Wohlstandssteigerung) die heutige Sinngebungs-Instanz sein könne.

(ג) Einfügung in die Anm.* über die 68er: Der Kapitalismus als Wohlstandsmaschinerie schafft/begünstigt/fördert/erfordert, auf dass sie, diese Wohlstandsmaschinerie, sich am Laufen halte - und zwar (in meinen, Sattigs, Augen) jedenfalls auf Dauer unvermeidlich …
bei den ihm unterworfenen Individuen
(*) innere Haltlosigkeit
(*) Orientierungslosigkeit
(*) Verrohung
(*) Unernst
(*) Sinkende Ansprüche an sich selbst
(*) Ich-Schwäche
(*) Geistig-seelische Verkümmerung/Verwahrlosung
(*) Eskapismus (Realitätsflucht)
(*) Entschämung und die Unfähigkeit zu jeder feineren seelischen Regung wie etwa Ehrfurcht, Scham, Verzeihen, das Sich-in-andere-hinein-Versetzen-Können, Mitleid
(*) Die Unfähigkeit, Einsamkeit und Stille ertragen zu können, bzw. sie als Quelle geborgen-weltloser Selbstbescheidung zu erfahren
(*) Kurzum: Ein seelenkalt-gewissenloses, narzisstisch inszeniertes Existenzschauspieler-Gehabe einer als selbstverdinglichte Sozialmonade von sich selbst als Person („Monade“) getrennten Subjektivität …
-----------------------Ende der Einfügung-------------------
(ד) Dazu Zitate:
Wilhelm Röpke (1899 – 1966, Volkswirtschaftler, 1933 Amtsenthebung; Röpke ging nach Istanbul, dann Genf, zitiert bei Barber, S. 56): „Gibt es einen sichereren Weg, die Seele des Menschen völlig auszudörren, als die durch unser Wirtschaftssystem geforderte Gewohnheit, unsere Gedanken ständig um Geld und Geldeswert kreisen zu lassen? Und ein schärferes Gift als eine Kommerzialisierung, die alles durchdringt“? Nein, gibt es nicht.
Robert E. Lane, Barber (s. u.) S. 56: Ihm gelang der inzwischen bestätigte Zusammenhang zwischen kapitalistischen Marktdemokratien und signifikanten Glücksverlusten: „Lanes Pessimismus wird von Umfrageergebnissen bestätigt: Das Worldwatch Institute meldete in seinem Bericht zur Lage der Welt 2004, dass in 65 untersuchten Ländern mit steigendem Einkommen und Konsum das Glück abnimmt …“
Mich, Sa., wundert das überhaupt nicht: Der Kapitalismus muss Lebensglück, Seelenruhe, Heiterkeit, Erotik, Geistesreichtum, kurzum: jede existenziell antikreatürlich hebende Erfahrung negativ beeinträchtigen/herunterbringen/zerstören.
Christopher Lasch, Das Zeitalter des Narzissmus, Campe, 1995: Kapitel „Die Verdrängung des religiösen durch therapeutisches Denken“, S. 33, wo es heißt: „Das selbstsüchtige, Erfahrungen gierig aufgreifende, herrische Ich bildet sich zurück zu einem Ich, das pompös, narzisstisch, infantil, leer ist.“ In der Tat.
Benjamin R. Barber, in seinem Buch „Consumed“, S. 58: „Es ist nach wie vor unklar, ob eine konsumistische Gesellschaft den Widerspruch zwischen einem kulturellen Konservativismus, der Werte wie Familienzusammenhalt, geistige Entfaltung und staatsbürgerliche Verantwortung hochhält, und einem konsumistischen Kapitalismus, der solche Werte zwangsläufig untergräbt und zerstört, auf Dauer aushält.“

(ה) Weiter mit den 68ern:
Dazu - zur geistigen Armut der 68er (die geschichtlich bereits überholt waren, bevor sie mit ihrer lärmenden Begriffsverwirrung die BRD heimsuchten) - als Beispiel noch dieses: Die Mitglieder der Kommune 1 vertraten die - völlig verantwortungslos-infantile - Meinung, dass das normale Leben nichts anderes sei als
(*) ein Reich der Wiederholung
(*) ein Reich der Belanglosigkeit
(*) ein Reich der Depression und der Langeweile
(*) dass Arbeit das Letzte sei
(*) ein gutes Leben erst nach einer sozialen Revolution möglich sei. Vor dieser Revolution könne es nur darum gehen:
(*) die Privatsphäre zu vernichten; dass
(*) alle auf einer Matratze schlafen sollten
(*) nicht arbeiten sollten
(*) die Spießer ärgern sollten
(*) die Weltrevolution gemacht werden sollte (soll wohl heißen: Dass auf diese Weltrevolution hingearbeitet werden sollte)
(*) dass man Spaß haben solle (Hedonismus)
(*) man ein neuer, besserer Mensch werden solle
(*) überhaupt solle man es vermeiden, je im Leben mit Stolz eine Krawatte zu tragen
(*) nonstop sollten Diskussionen stattfinden, um „Erfahrungen“ zu diskutieren (Das ist der Beginn des Psycho-Kultes)
(*) man eine Selbst-Entwurzelung anstreben solle:
(*) um das bürgerliche Leben und seine Wahnvorstellungen: Arbeit, Ordnung, Sicherheit und die Kleinfamilie hinter sich zu lassen: Weg mit eurer Sicherheit! Weg mit eurer alten Persönlichkeit! Weg mit der Liebe! Später hieß das im Kommune-Jargon:
(*) Revolutionierung des Alltags
(*) Abschaffung des Privateigentums
(*) Brechung des Leistungsprinzips
(*) Proklamation des Lustprinzips

(f) Kommentar, Sa.: Das sind nicht nur infantile, diffamierende, gehässige, neurotisch-narzisstisch-großkotzige, sondern auch nur simple, z. T. letztlich partiell parasitäre Einstellungen geistiger Flachschichtigkeit. Wie das damals in der Bevölkerung, besonders im „Proletariat“ ankam? Nun … Gar nicht; ganz und gar nicht; ich verzichte auf diesbezügliche Kommentare seitens der Arbeiterschaft.
Gewiss freilich hatten die Mitglieder der Kommune 1 eine kindliche Freude daran, zu provozieren; gewiss auch übertrieben sie zuweilen maßlos, auch weil sie merkten, dass sie damit das Interesse der Presse (von Springers „Bildzeitung“ etwa) weckten; und gewiss lagen viele von ihnen quer mit ihren Eltern (auch weil sie mit sich selbst Probleme hatten; psychische), die sie, ihre Eltern, u. a:, zuweilen scharf und ohne Hemmungen wegen ihrer Vergangenheit im dritten Reich anklagten; und gewiss auch tut man gut daran, ihre revolutionären Kindereien nicht auf die Goldwaage zu legen, zumal sie sozusagen den Flügel der Clowns und Stimmungsmacher der 68 darstellten.
Ich, Sa., der ich mich nie mit diesen Leuten (den 68ern überhaupt) identifizierte, weil ich mit den Gedanken, Zentralbegriffen und Parolen ihrer Vordenker (etwa Mao Tsetung, Ho Chi Minh, Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir Iljitsch Lenin und Ernesto „Che“ Guevara (der als einziger begriff, dass sich der einzelne Mensch radikal ändern müsse: zum hochmoralorientierten asketischen Geist-Menschen … den es freilich ebenso wenig geben kann wie einen Ochsen als Trainer am Bolschoi-Theater) bis heute nichts anfangen kann - und zwar letztlich deshalb nicht, weil ich „von unten“ komme und die dort herrschenden starken Bedenken gegenüber jeder Form von politischen Utopismen so sehr verinnerlicht habe, dass sie mir - immerhin - die Einsicht vermittelten, dass es ein Vorurteil ist, keine Vorurteile zu haben, d. h. auch, dass ich entsprechende Vorurteile gegenüber diesen Menschen hatte und bis heute auch behalten habe, genauer: sie haben sich noch verstärkt: Mir ist der von gesellschaftlichen Idealen bewegte Linke als Ideologe ein Gräuel; und zwar deswegen, weil er nicht begriff/begreift, dass nur der Kapitalismus den Lebensstandard des Proletariats (der Unterschichten überhaupt) würde verbessern können (s. das heutige China): etwa materiell (Einkommensniveau), (frei-)zeitlich (8-Stunden-Tag/Freizeit) und ideell (mehr Anerkennung), der Sozialismus mit seinen Idealen das aber nicht kann: Alle Ideale sind zum Scheitern verurteilt; insbesondere der Sozialismus ist das: er widerspricht völlig den Bestrebungen, Wünschen, Zielen, Träumen, Möglichkeiten und evolutionsbiologischen Konditionierungen des Menschen: Dieser will (muss wollen) sich möglichst ungestört ausleben, will sich selbst erhöhen, will gängigen Erfolg (ökonomisch, politisch, sexuell, sportlich usw.), will sein Leben genießen, will Anerkennung, will andere überragen, will/muss die prekären Seiten des menschlichen Daseins verdrängen (Verfall, Altern, Tod, Amoral, Niedrigkeit, Selbstverrat, Autodebilisierungsnarzissmus), braucht also Lebenslügen und Illusionen, will letztlich nur sich selbst möglichst ungestört und angenehm durch diese Existenz bringen/lavieren.
Weshalb der „Linke“ für eine Schimäre (den Sozialismus) kämpft, für Ideale, die an der Realität zerschellen müssen; klar ist auch, dass man sein Leben nicht mit Dauerdiskussionen meistern kann - die 68er diskutierten ständig - zumal solche Dauerdiskussionen ein gestörtes Verhältnis zu den unumstößlichen Tatsachen unserer Existenz anzeigen; sein Leben kann man nur meistern (falls dafür überhaupt gesellschaftliche und geschichtlich objektiv günstige Bedingungen gegeben sind) mit wirklichkeits/faktenkonformen: klugen und einsichtsorientierten Strategien der Lebensmeisterung. Deutlich ist auch, dass der Ideologe menschenverachtend ist (überhaupt: linkisch-tölpelhaft: ihm geht ab das verstehende Mitgefühl: die irrational fundierte Empathie, das tiefe Mitleid, das feine Gespür überhaupt für die Absurdität und Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz. Er opfert auf dem Altar seiner ihn mystisch bannenden Ideologie (für ihn nichts weiter als eine Ersatzreligion, was er aber nicht merkt) auch letztlich die Menschen, für die er angeblich kämpft: Die Arbeiter (Beispiel: Stalinzeit). Der Ideologe ist geistig arm, genauer: völlig mittellos: Er ist ein fundamentalistischer Phrasen-Tölpel - weltfremd, gewissen- und charakterlos, weil er seine Weltanschauungs-Phantasmagorien für wichtiger erachtet (erachten muss, weil er sie n ö t i g hat, wie andere einen Gott). Also: Dass wer politische Ideale braucht, menschlich gefährdet ist (und andere menschlich gefährdet), hat er sich doch nicht unmittelbar selbst, sondern nur vermittelt über seine Ideale: Ohne die ist er nämlich menschlich nichts. D a s ist freilich sehr menschlich: Sich selbst kann man nur sachkonform-redlich-geistig - nicht ideologisch „wiedergeboren“ – haben.
Weiter: Dass die britisch-amerikanische Rock-/Pop-Musik eine tragende Rolle für die Studentenbewegungen in den USA und in Deutschland spielte, zeigt ein weiteres Mal, dass die 68er nicht viel begriffen hatten, denn: Die Pop-Musik ist eine der erfolgreichsten Verdummungs-Maschinerien des Kapitalismus: Sie ekstatisiert die Individuen, um sie (auch) auf diese Weise zu idealen Verbrauchern(!) – nicht sozialistischen Menschen - zu erziehen
------------------------Ende der Anm. über die 68er

(20) Zeitenwenden
(*) Im 19. Jahrhundert wurden die „Innenwelten“ der Individuen noch weitgehend traditionell von kirchlichen und staatlich-rechtlichen Vorgaben gesteuert (über die Familie); heute werden sie vom Markt gesteuert und geprägt
(*) Im 20. Jahrhundert (hier etwa ab den 1960er Jahren - die Zeit der Weimarer Republik zwischen den beiden Weltkriegen lasse ich hier beiseite -, wohl wissend, dass die Lockerungen der vormals rigiden Sexualmoral bereits vor dem 1. Weltkrieg, also vor 1914, einsetzte) erfahren diese strikt außengeleiteten (durch Kirche, Staat, Traditionen) individuellen Innenwelten mehr und mehr eine Art „Befreiung“ aus allen traditionellen kirchlichen und staatlich-rechtlichen „Bevormundungen“: Es beginnt die Ära eines - heute geradezu zuweilen „totalitären Subjektivismus“ -, welcher angedeutet werden kann mit den (auch schon bei den 68ern bekannten) Schlagworten „Individualisierung“ „Emanzipation“, „Selbstverwirklichung“ und „Selbstbestimmung“, d. h. die Individuen sollen selbst bestimmen, wer und was sie sein, wie sie leben, ihr Leben führen, sich „selbstverwirklichen“ wollen - mit dem Ergebnis, dass sie zunehmend unter die Fuchtel Wohllebensintensivierung versprechender (und haltender) Marktverlockungen geraten, also mehr und mehr einer Art Marktknechtschaft verfielen/verfallen, deren „Werte, Ziele und Zwecke“ man unter dem Begriff „repetitiv sich steigernder Erlebnis-Konsum „ als sich selbst genießender und verzehrender Körper/Leib“ gekoppelt mit sich steigerndem Narzissmus als show-haft emotionaler: selbstdarstellerischer Selbstinszenierung bei gleichzeitig damit einhergehendem Verzicht auf alle kulturell-geistigen Formen der Selbstmeisterung und vor allem faktenkonformer(!) Selbstkontrolle; die Individuen wurden/werden zu heteronomen Darstellern eines marktvermittelten, auf Selbst- und Waren-Konsum abhebenden Daseins, das sie als selbstgewähltes empfinden und erleben.
Dazu Karl Marx, der bereits erkannte, „dass durch die Ausdehnung der Produkte und der Bedürfnisse der Mensch zum erfinderischen und stets kalkulierenden Sklaven unmenschlicher, raffinierter, unnatürlicher und eingebildeter Gelüste wird.“ In der Tat.
(*) Im 21. Jahrhundert mag man, was uns bevorsteht/bevorstehen könnte (Stichwort KI) z. B. - was die Möglichkeiten der Kontrolle der Individuen angeht an den freilich nicht-demokratischen - chinesischen Verhältnissen ablesen; dort scheint sich eine KI-gesteuerte Macht zu entfalten, die prinzipiell in der Lage ist, nicht nur zu bestimmen, was Wirklichkeit zu sein habe - in China dazu genutzt von einer allmächtig-totalitären Partei, die das bestimmt. Dann kann das letzte Ziel nur die totalitäre Lenkung subjektiver Innenwelten (in wessen Interesse auch immer; hier: der allmächtigen Staatspartei) sein; in den USA (die, habe ich, Sa., den Eindruck, dabei sind, sich selbst zu entmächtigen/zu ruinieren(?) dagegen mehr und mehr im Interesse der dortigen sog. Tycoons aus dem Silicon Valley, die zunehmend sich berufen fühlen, sich politisch zu betätigen, obwohl dazu doch eher nicht prädestiniert.
Eine beunruhigende Frage zum Schluss: Muss es vielleicht auch zu diesen Verhältnissen kommen, weil die geistig enteigneten Individuen (die der westlichen Konsumdiktaturen), schund-, selbstverdinglichungs- und erlebniskonsumtiv ihrer selbst bereits so weit benommen sind, dass sie über keine ausreichenden intellektuellen Kapazitäten verlässlicher Selbststeuerung mehr verfügen? Was Deutschland betrifft, möchte ich von einer schleichenden Bildungskrise, ja: einer möglicherweise bevorstehenden Bildungs-Katastrophe reden ... die Individuen werden progressiv selbststeuerungsunfähig …
(*) Dazu eine schon im Jahr 1997 von Politikern und Intellektuellen veröffentlichte Gesellschafts-Diagnose (die - korrekt benannten -Phänomene sind - nach meiner, Sattigs, Meinung in einer kapitalistischen Überflussgesellschaft gang und gäbe/unvermeidlich, zumal nötig, um das Konsumniveau hochzuhalten), die konstatiert:
Es seien verloren gegangen
(*) Sitte und Anstand
(*) Diskretion
(*) Treue
(*) Selbstzucht
(*) Respekt
(*) Gottesfurcht (So Bundespräsident Herzog und andere)
Man könne beobachten
(*) eine drastische Enttabuisierung
(*) eine zunehmende Brutalisierung
(*) eine Auflösung des Schamgefühls
(*) einen Zerfall von Familienstrukturen
Weitere Diagnosen:
(*) Eine radikale Ichbezogenheit
(*) Die Zunahme von „Egotrips
(*) Einen Tanz ums goldene Selbst (So, treffend, der Soziologe Ulrich Beck)
(*) Eine bemerkenswerte Atomisierung (gemeint sind: Vereinzelung und Zerfall in kleine Sozialeinheiten; so schon der Sache nach Alexis de Tocqueville, s. o))
(*) Entsolidarisierung
(*) Werteverfall
(*) Wachsender Egoismus
(*) Wachsendes Anspruchsdenken
(*) Seelischer wie körperlicher Exhibitionismus
(*) Narzissmus
(*) Versingelung und Lustmaximierung (hedonistische Bestrebungen)
Was den meisten als der sichere Weg nach oben gelte, also: welche Mittel, nach oben zu kommen, eingesetzt werden könnten/sollten/müssten, seien diese:
(*) Schönheit
(*) Fitness
(*) Egoismus
(*) Konsum

(21) Nun zum Thema „Individualisierung“/nach dem Soziologen Ulrich Beck.
Individualisierung ist - kurz gesagt - das Resultat des Verblassens oder gar des endgültigen Zusammenbruchs
(*) von eingelebten, geheiligten und für unantastbar geglaubten Traditionen (etwa religiöser Traditionen)
(*) aber auch weiter: des Zusammenbruchs von früher für unhinterfragbar gehaltenen Selbstverständlichkeiten (wie etwa der vom Vorrang des Staates vor dem Individuum)
(*) Und des Zusammenbruchs von für alle Individuen verbindlichen (verbindlich sein sollenden und von diesen Individuen auch gewöhnlich als „richtig“ akzeptierten) normativen Zwängen, Vorgaben und Kontrollen, sei es religiöser (kirchlicher), staatlicher, rechtlicher oder ethischer Provenienz … Mit der Folge, dass diese normativen Zwänge erst einmal (als Folge der Erziehung in der Familie) verinnerlicht, dann auch die Wertvorstellungen, Überzeugungen, Gefühlslagen, Handlungen usw. der betroffenen Einzelnen psychisch kommandierend prägten (‚determinierten’ und stabilisierten) und von diesen als eigene: selbstverständliche empfunden, geglaubt und gelebt wurden
(*) Zuletzt des Zusammenbruchs von also quasi-objektiven (fraglos gültigen) Werten, Normen usw., die als solche den unmaßgeblichen Bewertungen, dem Meinen und dem Urteilen von Individuen entzogen waren; kurzum: Was als
(**) gesellschaftlich-sozial (Klasse, Stand)
(**) kulturell (den geistigen Überbau betreffend)
(**) metaphysisch (die überweltlichen: religiösen Glaubensinhalte betreffend) oder
(**) sonst wie als gut oder böse/annehmbar oder verwerflich/gültig und ungültig oder auch: richtig und falsch/gesellschaftlich erlaubt und verpönt/im Verhalten als angemessen und als verwerflich zu betrachten war, ergab sich aus der Tradition, wurde bestätigt von übergeordneten Instanzen wie etwa Kirche, Staat und Recht; und die einzelnen hatten sich daran zu halten bzw.: die einzelnen kamen (gewöhnlich) erst gar nicht auf den Gedanken, das Herkömmliche, Gewohnte, Eingelebte usw. als „selbstverständlich“ und also „wahr“ Erachtete in Frage zu stellen.
Hier ein Beispiel (Quelle Ulrich Beck) aus der Zeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts, also etwa um 1890, aus einem Entwurf zum damaligen Bürgerlichen Gesetzbuch, betreffend das Eherecht: „Der christlichen Gesamtanschauung des deutschen Volkes entsprechend, geht der Entwurf davon aus, dass im Eherecht ... nicht das Prinzip der individuellen Freiheit herrschen darf, sondern die Ehe als eine vom Willen der Gatten unabhängige sittliche und rechtliche Ordnung anzusehen ist.“
M. a. W.: Die Institution der Ehe ist letztendlich „gottgewollt“ und so die sie ausmachenden/ bestimmenden Wertvorstellungen Ausfluss/Vorschriften/Leitlinien einer subjektiv unhinterfragbaren - metaphysisch, ethisch wie juridisch - normativen „Selbstverständlichkeit“: jene Wertvorstellungen sind dem Meinen und Wollen der Individuen entzogen und als solche denn auch geheiligt: unantastbar. Es war also nicht ins Belieben der Individuen gestellt, was als Grundlage einer Ehe zu gelten habe (n i c h t jedenfalls die Meinungen derer, die sie eingehen wollten); vielmehr stand das - völlig unabhängig von individuellen Meinungen, Sichtweisen, Standpunkten usw. - als traditional geheiligt: j e n s e i t s allen subjektiven Dafürhaltens fest. Und die Individuen hatten sich daran zu halten - und taten es auch gewöhnlich).
Dann wurden - gegen Ende des 19. und vor allem dann im 20. Jahrhundert - die Menschen von jenen metaphysischen, ethischen und staatlichen/juridischen „objektiven“ Vorgaben, wie etwa der, was eine Ehe zu sein habe befreit/emanzipiert - mit folgenden Ergebnissen
Die Menschen wurden
(*) durch eine progressive Individualisierung - letztlich ist das eine Konsequenz der Aufklärung des 18. Jahrhunderts - aus traditionellen Vorgaben herausgerissen,
(*) verloren die mit diesen - auch und vor allem - verbundenen geistigen-seelischen Sicherheiten: unhinterfragbaren Selbstverständlichkeiten und also Geborgenheitsentlastungen
(*) wurden aus den entsprechenden, sie kommandierenden Kontrollen
(*) aber auch den sie psychoethisch behütenden Zwängen dieser Kontrollen entlassen
(*) wurden also auf sich selbst gestellt: sie selbst sollten individuell entscheiden, welche - rechtlich nicht relevanten - Werte und Normen für sie gelten sollten
(*) sie wurden, kurzum, zu reflektierenden, autonomen (freien: sich selbst bestimmen könnenden und: sollenden), in Sachen Moral für sich selbst entscheidenden, ihre Biographie, ihren Lebensstil, ihre Daseinsziele wählenden Individuen, die freigesetzt wurden in einen nur von ihnen zu verantwortenden „Selbstbestimmungskosmos“, um über ihr Leben (so in der Theorie, sagt Beck), es gestaltend nach Wahl, frei zu verfügen.

(22) Weitere Umstände/Probleme/Unsicherheiten/ Verwirrungen, die gesellschaftsspaltend sich auswirk(t)en: :
(*) Die rechtlich garantierte Würde des deutschen GG ist zur politideologischen Spielmarke geworden, die die Akteure, die sie sich aneignen, längst - wie ich, Sa., es sehe - kratisch-ideologisch manipulieren und missbrauchen, anstatt sie sachlich-gesellschaftsdienlich als (vielleicht gar nützliche) Schimäre zu entlarven: sie, mit Kriele zu reden, mit ihren metaphysisch-religiösen Wurzeln verbindend, um sie als Gegenstand hoffnungsvollen Glaubens nach und nach - ihrer politideologischen Schädlichkeit benommen - neu zu etablieren. Oben wurden sieben verschiedene Auffassungen dieser grundgesetzlichen Würde vorgestellt - und alle widersprechen sich mehr oder weniger.
Weiter: 
(*)Die Deutschen wissen in der Regel gar nicht - und das ist kein Wunder -, was diese Würde sei, von der man ihnen, oft von sich selbst ergriffen, etwas vorsäuselt, was sich freilich nicht zum Begriff entwickeln lassen will.
(*) Dannr: Das rechtliche Konzept der Würde im GG könnte - inzwischen - auch - geworden sein eine ideologisch hyperemotional aufgeladene deutsche Lebenslüge, eben weil der allfällige Nihilismus der gegebenen deutschen Überflussgesellschaft sie faktisch ad absurdum führt.
(*) Und: Man treibt, deutsch-idealbesessen-wirklichkeitsverlustig, sein Schindluder mit der Würde als juridischer, politideologischer und ethischer Pseudo-Kategorie: mitten im entsprechenden Leerformel- und Phrasen-Krieg tauscht man sie - und selbst das hat man nicht begriffen - unbemerkt gegeneinander aus: je nach machtstrategischem Bedarf - zum Schaden der Gesellschaft selbst
(*) Auch dies: Politideologische Auseinandersetzungen mögen was immer aufweisen/an sich haben: von der ideologisch-moralischen Glaswort-Pflege bis zur gegenseitigen Diffamierungs-Phraseologie, von der Unterstellung bis zum aggressiven Unterstellungs-Hass, von der inszenierten Erregung bis zum reflexiven Einbruch, von der rhetorischen Irreführung bis zur Staatsschauspielerei, vom sich selbst der Lächerlichkeit preisgebenden bis zur narzisstischen Inszenierung eines Sich-selbst-Beweihräucherns, vom Machtsuchtgehabe bis zur Entlarvung seiner als allenfalls halbgebildet usw. usw. - eines geht diesen Phänomenen immer ab: die Würde. Ich meine die einer so wünschenswerten ernsten, faktenverpflichtet-verantwortlichen Handlungsweise derer, die sich berufen fühlen, sich anheischig zu machen, das Land politisch zu seinem Vorteil zu gestalten:
(*) Teile der deutschen Gesellschaft fühlen sich politisch mehr und mehr im Stich gelassen: Die politische Funktionselite versage - seit Jahren; dies höre ich immer öfter. Es stimmt. Ich erinnere an die Artikel in der Sammlung (s. o.) „spiegel special“ (oben: (14)/(p), Nr. 1/1999(!), Ein deutscher Sittenspiegel: Volk ohne Moral
Indes ich dann, angesichts der gerade angedeuteten gesellschaftlichen Phänomene der progressiven Monadisierung der Individuen zu bloßen „hedonistisch orientierten Erlebnis-Phantasie-Leibeinheiten“ (generell also: zu markthörigen Kunden in jeder Hinsicht), ihrer psychoethischen Verarmung und geistig-intellektuellen Impotenz als bloßen Wohllebenskonsumenten, fragen muss, ob die deutsche politische Funktionselite - oft angeprangert (auch von mir, Sa.), sie sei letztlich politisch inkompetent, weil wirklichkeitsverlustig und handlungsunwillig, sei als diese Funktionselite rein machtorientiert, wobei die einzelnen Parteien, die sie ausmachen, sich gegenseitig bekämpften allein um eben dieser Macht willen, seien zudem massiv ideologisch-weltanschaulich tugendhypertroph/-masochistisch, leerformelideologisch- phrasenbeliebig, eben ausschließlich an Macht, Ruhm, Selbstdarstellungsgelegenheiten, Privilegien, Diäten und Applaus und der Bekräftigung ihrer personalen Relevanz interessiert - in dieser Schärfe anzugreifen überhaupt angemessen und gar gerechtfertigt ist; nein, ist es nicht, denn: Die in einer Überflussgesellschaft unvermeidlichen, progressiv sich intensivierenden (bis hin zur anomischen Verrohung) geistig kulturellen und psychoethischen Formen innerer Verarmung und faktischer Verdinglichung der Individuen (die freilich nicht in der Lage sind, weil marktknechtschaftlich intellektuell massiv geschwächt und geistig völlig desorientiert, folglich: unschuldig) sind politisch n i c h t, nicht ansatzweise, zu meistern, müssen vielmehr politisch ignoriert, beschönigt, umgedeutet, ideologisch verharmlost oder moralrhetorisch vernebelt werden: Dann ist von der „Würde“ die Rede, dem „Respekt“, der den Menschen zu zollen sei, allen Menschen, von der „Menschlichkeit“ überhaupt, von der man sich nicht verabschieden solle und wolle - obwohl man, so verfahrend, eigentlich gar nichts sagt: Der grundgesetztliche Würde-Begriff, um es noch einmal zu sagen, ist unverständlich, diffus, wertmultiperspektivisch, also völlig uneindeutig, mithin tatsächlich leer.

(23) Einschub
Die deutsche Politik, zumindest nach Bundeskanzler Schröder, also die deutsche Politik der letzten zwei Jahrzehnte, kennzeichnen vor allem auch massive Wirklichkeitsverluste und -Verweigerungen, ideologisch und/oder machtstrategisch motivierte Handlungsunwilligkeit, weltfremde Fehleinschätzungen und polittugendtypisch-ideologisch-selbstquälerisch-moraldeutsche Hybris- und Verblendungs-Anfälligkeit: Man ignoriert einfach die Fakten, was z. B. die Asylpolitik anbelangt - auch zum Nachteil der zuweilen in Tugendhaft genommenen einheimischen Bevölkerung … eine, auf politischer Seite, unverschämte Selbstglorifizierungs -Hybris, zumal diese identisch ist mit einer narzisstischen Selbstverdummungsdeklassierung, wie sie nur Deutsche an den Tag legen können. Einmal abgesehen davon, dass immer mehr politisch unfähige Selbstdarsteller, Charakterlose und geistig Arme nach oben kamen …
Anderseits kann man nicht leugnen, dass ein beträchtlicher Teil der deutschen Gesellschaft geradezu peinlich hervorsticht durch
(*) Entfesselungs-Eskapismen (drastische Weltflucht, z. B. in Rock-/Pop-Musik, Drogen, Sex, Schein-Welten usw.)
(*) das Absinken moralischer Standards in allen Lebensbereichen (Steuer-Hinterziehung, Ehrlichkeitsverluste überhaupt, Cum-Ex-Geschäfte, Korruption, hedonistisch-narzisstische Selbstverdinglichungslüsternheit, Selbstherabwürdigung zum Ramsch-Begeisterten, die Missachtung der Verfügung über eine differenzierte Handhabungsfähigkeit der deutschen Sprache, die Sucht nach jeder Art von Oberflächendifferenzierung (= Riesman-Begriff) bei gleichzeitiger kollektiver „Exemplarisierung“ der Individuen (ungleiche Lebensbedingungen, aber exakt gleiche Lebensziele/-Daseinsvollzugsträume
(*) Dann: wegen der zunehmenden Ideologisierung, Gesinnungsflutung und Tugendaggressivität bei gleichzeitig zunehmender Verlogenheit (in allen Bereichen der Gesellschaft) eine Selbstgefährdung, die man nur als nihilistisch-melancholische Selbsthass-Orgie oder eben schlicht als dümmliche Fakten-Ignoranz begreifen kann …

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass diese Phänomene nicht zu vermeiden sind: Wer in Wohlstand einen Lebenssinn sieht (und die meisten Deutschen tun das, auch, weil ein religiös-geistiger nicht mehr zu erlangen ist), muss unweigerlich damit rechnen, dass er sich existenziell „vergreift“: Wohlstand schafft keinen Lebenssinn - es sei denn einen notdürftig sich zurecht gelogenen

Das eigentliche Problem: Unterschwellig-anonym wirkt der gossen-, anomie- und dekadenzaffine Zerfall der Gesellschaft, wirken die systembedingt wachsende: verdinglichungskonsumtiv fundierte Selbstentmächtigung der Individuen und die diesbezüglich entsprechende Ohnmacht der ihrerseits dem Zeitgeist verfallenen Politik, diese Niedergangs-Phänomene politisch anzugehen, notwendig antidemokratisch; und obwohl diese Prozesse als in einer zumal in eine digital-mediale Gefangenschaft geratenen Überflussgesellschaft als wohl nicht zu vermeidende und auch nicht zu meisternde angesehen werden müssen, werden sie von vielen, ihrerseits orientierungslosen, verängstigten, wütenden, sich vernachlässigt fühlenden Menschen einer politischen Funktions-Elite zur Last gelegt, die sie, wie gesagt, versuchte sie es, nicht ansatzweise würde aus der Welt schaffen können - zumal sie überhaupt auch nur zu begreifen eher nicht willig, wenn auch wohl in der Lage wäre. Also: Teile der deutschen Gesellschaft fühlen sich politisch mehr und mehr vernachlässigt, ja: ignoriert und im Stich gelassen; es gehe politisch mitnichten um ihre Interessen und Probleme, sondern um ideologisch-weltanschauliche oder sozialstaatliche oder weltfremd-moralische Angelegenheiten, die das Land gar nicht beträfen; oft werde auch mit zweierlei Maß gemessen und seien die Probleme anderer Staaten den deutschen Politikern offenbar wichtiger als die ihres eigenen Landes. In der Tat ...
Aber noch einmal - zur Verteidigung der politisch Tätigen -: Verantwortungsunfähig sind Politiker dann nicht - auch wenn sie das Folgende nicht begreifen oder nicht begreifen wollen, also ausblenden; vielleicht auch nicht begreifen dürfen/sollten, um nicht durch diese Phänomene noch handlungsunwilliger zu werden - Sie, die Politiker, sind also dann nicht verantwortungsunfähig, sondern einfach völlig machtlos, wenn es um systemimmanente existenziell-kulturelle Verwerfungen geht, Fehlentwicklungen, die in einer individualnarzisstisch gefluteten Überflussgesellschaft gar nicht zu vermeiden sind: nämlich der Reduzierung der Menschen zu Reiz-, Effekt-, Show-, event- und Sensationskonsumenten, zu abstrakten Umsatzgrößen, zu innerlich leeren, hedonistischen Erlebnisjägern, zu selbststeuerungsunfähigen Lustpflegern, Reklame, Medial-Schund und subtil gängelnden Selbstverdinglichungsverlockungen unterworfen, überschwemmt mit nicht einlösbaren Glücksversprechen im Hinblick auf welche Arten und Weisen von Glück auch immer, zumal zunehmend geratend in eine nicht kontrollierbare digitale Gefangenschaft, gesamtgesellschaftliche Fragwürdigkeiten, die allesamt die zentrale Lebenslüge der Konsumdiktaturen entlarven: Dass sie abhöben auf die Sicherheit, Zufriedenheit, geistig-psychoethische Gesundheit und Stabilität der Menschen, darauf, ihnen, den Menschen, ein Leben zu ermöglichen, das sie dauerhaft würde erfüllen können, kurzum: auf einen haltgebenden und in jeder Hinsicht sinnerfüllten Daseinsvollzug: Das genaue Gegenteil ist der Fall (und zwar notwendig: systemimmanent bedingt - und niemandem ist das zur Last zu legen; auch nicht den politisch Verantwortlichen): geistig-seelische Verwahrlosung, Anomie, Monadisierung, radikale Selbstverluste und -erniedrigungen, drastische Selbstentpflichtungszwänge, individuelle Hilf- und Orientierungslosigkeit, permanent gängelnder Druck, sich eskapistisch-emotional (etwa mittels Drogen, Pornographie, Selbstdeklassierungstrash, social media-Banalitäten usw. usw.) aus der versachlichten Alltagswirklichkeit zu katapultieren.
Die Politik vermag dagegen nichts, nicht das Mindeste (jedenfalls nicht in einer Demokratie, die zumal notwendig - um sich nicht selbst ad absurdum zu führen - die Individuen idealisieren, mit Eigenschaften ausstatten muss (wie etwa Würde, Vernunft, Selbststeuerungskompetenz, Einsichtswilligkeit, personaler Autonomie usw. und: dass sie, jene Subjekte, tolerant, gerecht, human seien usw. usw.), die zutiefst irreführend sind, schaut man auf die Fakten, etwa diese: Die heutigen Überflussgesellschaften sind oft amoralische Gebilde mammonistischer Substanz, in denen es um die Durchsetzung von Ich-, Hab-, Macht und Genuss-Sucht, also um Pleonexie geht - und können auch nichts anderes sein, weil der Mensch weder ein gottgeschaffenes noch ein Geist- noch ein sonst wie ausgezeichnetes - z. B. durch eine „Würde“- Wesen ist; dass es also mit dieser (Würde hier im Sinne von Mathias Schreiber, n i c h t im Sinne Kants verstanden) nicht zum Besten stehen  k a n n, das zeigen der Spiegel-Artikel von 1999 („siegel-special, s. o.) und die angeführte Politiker- und Intellektuellen-Analyse der Gesellschaft überdeutlich (und natürlich zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen) - wiewohl ich, Sa., noch einmal betonen möchte, dass die Menschen wegen ihres individuellen geistig-seelisch-moralischen und wegen des äußeren Zustandes ihrer Gesellschaft nicht zur Verantwortung gezogen werden können: niemand kann etwas für diese Zustände (auch nicht die ökonomischen Macher und die Politiker-Kaste), denn diese Zustände sind unvermeidlich, sind der zu zahlende Preis für eine moderne, überhaupt 
n u r! technisch-naturwissenschaftlich-kapitalistisch zu etablierende Wohlstandsgesellschaft, die a l l e in ihren nihilistischen(!) Bann - Gott ist tot (so schon Nietzsche; und ohne den kommen wir mit uns selbst auf keinen Fall zurecht: uns selbst ausgesetzt ein instrumentum diaboli = Teufels-Instrument) - reißt, der als rein diesseitiger dauerprekär und (wohl letztlich) allzerstörerisch sein 
m u s s.
Unter solchen - totalitär-atheistisch-nihilistischen - Voraussetzungen funktioniert auch eine Demokratie (die jedweder Form von Diktatur vorzuziehen ist und bleibt) als psychoethisch-kulturelles Phänomen nur auf der Grundlage
(*) von Selbstglorifizierungen des Wesens Mensch
(*) von Illusionen und Lebenslügen
(*) von massiven Außen-Steuerungen der Individuen durch Wohllebensvollzüge
(*) von Entlastungsfiktionen wie Freiheit, Emanzipation, Selbstbestimmungsfähigkeit, Selbstverwirklichungsmacht usw. usw.
(*) von Ausblendungen der ernüchternden Ergebnisse der rationalen (experimentellen) Intelligenz des Menschen, also der Ergebnisse der Naturwissenschaften, die den Menschen als das entlarvten, was er nicht ertragen kann: als einem radikalen Determinismus unterworfenes Materie-Gebilde: Tier …
(*) nur auf der Grundlage von Verdrängen, was angeht
(*) narzisstisch-plump-armselige Selbsterhöhungen, Selbstüberschätzungen und Selbstglorifizierungen; zuletzt
(*) von ekstatisch-emotionalen Seelengrundierungen: Erlebnis-, Selbst-Du-Konsum, dann: Entfesselungsberauschungen, wie sie typischerweise der Sport, die digitalen Belämmerungs-Medien, die Rock-/Pop-Musik usw. provozieren als dionysisch wirkende Existenz-Narkosen.

Und wenn es denn, wie ich, Sa., es sehe - weil wir radikal gottverlassen sind - keine Verantwortung /Schuld/Selbstmächtigkeit/Selbststeuerung/Wahlfreiheit (in welchem Sinne auch immer), keine auf Dauer zu stellende geistige Selbstzucht/keine Würde usw. usw. geben kann, sind wir in jedem Augenblick hilflos uns selbst ausgeliefert … aber (wahrscheinlich, ich vermute: spekulierend) unfähig, uns selbst zu erhalten - was nicht heißt, dass wir uns auslöschen werden; aber doch dies, dass wir uns so weit dezimieren könnten, dass uns das Wissen unserer rationalen Errungenschaften abhandenkommt: Naturwissenschaft und Technik, sodass für den homo sapiens doch die Chance bestünde, einen „Neuanfang“ machen zu können … wie gesagt: ich spekuliere.

Manches in dem gerade präsentierten Text ist bereits anderswo gesagt worden; indes: Ich lasse es stehen - schon wegen der nicht gerade häufig offen bekannten nihilistischen Hoffnungslosigkeit, die aus diesen Zeilen spricht, sodass es nützlich sein mag, sie mehrmals zu lesen, um sie immer wieder in Frage zu stellen und dann erneut zu überdenken.

 

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