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Die Seite enthält 12 Gedichte
Kurze Darstellung meiner Weltanschauung zum besseren Verständnis der Gedichte
Themenfelder:
(A) Die Stellung des Menschen
(B) Einführende Bemerkung: Geistige Selbstbewahrung - nicht Moral -Warum geistige Selbstbewahrung?
(C) Der Begriff „Überflussgesellschaft“/Bezug hier: die gegenwärtige deutsche Gesellschaft/der Westen/Europa/USA
(A) Die Stellung des Menschen
(1) Der Mensch ist das zufällige Produkt der biologischen Evolution auf der Erde
(2) Der Mensch ist nicht ausgezeichnet dadurch, dass ein allmächtiger Gott als Geistwesen ihn nach seinem Ebenbild geschaffen hätte: Die Existenz Gottes (hier: des jüdisch-christlichen) - der von den an ihn Glaubenden gedacht wird als der von ihm geschaffenen Materie vor- und übergeordneter, allwissender, allweiser, allgütiger, allmächtiger, allliebender, ewiger Geist - kann weder bewiesen noch widerlegt werden: Gott ist kein materielles Etwas, also unseren Sinnen, naturwissenschaftlichen Experimenten und mathematischen Operationen gar nicht zugänglich. Gott ist sozusagen eine neuronale Fiktion, deren (Entlastungs-)Funktionen für uns allerdings von grundlegender Bedeutung sind. Indes gehe ich dennoch und zugleich davon aus, dass, selbst wenn Gott nicht existieren sollte (was wir nicht wissen können, s. o.; deswegen der Konjunktiv), er doch die einzige Instanz wäre/ist, die uns, an ihn, Gott und seine Fürsorge für die von ihm aus dem Nichts geschaffene Welt und den von ihm nach seinem Ebenbild geformten Mensch (Gen. 1,27) glaubend, so etwas wie eine metaphysische Behausung, also: kurzum: eine Seelenheimat zu schenken in der Lage wäre/ist; heißt: Wir - substantiell sinnbedürftig - bräuchten/brauchen Gott, um unserem Leben einen Sinn zu geben - sei Gott auch nur eine von uns drastisch bedurfte (entlastungsgeniale) Ausgeburt unserer, der Menschen, Welt-, Selbsthalt-, Sinn- und Zweck- und Ziel Verlassenheit.
(a) Ich selbst glaube nicht - schon angesichts der schieren Größe des Universums, in dem wir leben …und vor allem angesichts dessen, was wir heute über es wissen, - und überhaupt der niemand gegebenen rationalen Fassbarkeit eines bloßen/reinen Geistwesens - ich glaube also nicht an einen göttlichen Geist, der dieses Universum aus dem Nichts geschaffen hätte (Gen. 1,1);
(b) glaube auch n i c h t an einen Sinn und Zweck unserer Existenz; vielmehr glaube ich,
(c) dass wir, zufällig entstanden, in einem völlig sinn- und zweckfreien Universum leben und dass dieses „sinn- und zweckfrei“ auch für unser individuelles Dasein ausnahmslos gilt. Sicher aber ist - noch einmal -: Der Glaube an Gott - und nur dieser - schenkt(e) - das sage ich als Atheist - uns/ließe uns erfahren
(i) metaphysische Geborgenheit, also
(ii) seelischen Halt und Sinn (Gott fungiert(e), wie gesagt, als Sinngebungsinstanz), gewährte uns die Hoffnung
(iii) auf eine Überwindung des physischen Todes durch ein Weiterleben nach dem irdischen Leben; mithin
(iv) ein ewiges Leben (wie ein solches auch immer vorzustellen wäre; denn Leben ist Materie, das Ergebnis sich selbst organisiert habender Materie, und Materie meint im Falle von Lebewesen: Bedürftigkeit, Zeit, Verfall und Tod). Freilich: Man kann nicht glauben
w o l l e n; so wenig, wie man lieben oder hassen w o l l e n kann.
(v) Für den heutigen Menschen als Waren-, Erlebnis- und Selbst-Verbraucher stellt sich die Frage nach einem Lebenssinn eher nicht: Er geht auf in ihm marktvermittelten Pseudo-Sinn-Phantasmen (Spaßdrastisch emotionalisierenden Selbstentäußerungen als wohllebens-hedonistischen Freizeit-„Erfüllungen“ …
(3) Ich lehne alle dergleichen Dualismen wie
(a) Materie - Geist
(b) Leib - Seele
(c) Diesseits - Jenseits usw. rundweg ab; es gibt/ existiert/ist real usw. n u r die sich ziel- und zweckfrei selbst organisierende Materie
(4) Dass der Mensch einst existierte (ins Leben träte), das war selbstverständlich n i c h t das Ziel des sog. Urknalls vor nunmehr 13,82 Milliarden Jahren; noch mal: Der Mensch ist ein Zufallsprodukt der Evolution der Lebewesen auf dem Planeten Erde: Der Mensch m u s s t e nicht entstehen
(5) Auch die Nukleo-Synthese (die Bildung komplexerer Atome - komplexer als es Wasserstoff- und Helium-Atome sind, mithin z. B. Sauerstoff-, Kohlenstoff-, Schwefel-Atome usw. usw. im Innern von Sternen (Sonnen; wie etwa die unseres Sonnensystems), um - am Ende des „Lebens“ einer Sonne - per Supernova-Explosion (unsere Sonne wird etwa 9 Milliarden existieren), dann „explodieren“/untergehen/in den interstellaren Raum geschleudert zu werden) erfolgte n i c h t, auf dass einst wir Menschen - also: atomare Gebilde, mit rationaler Intelligenz und auch „Geist“ (der ein sprachfundiertes „Nebenprodukt“ der Gehirnentwicklung ist) ausgestattet - entstünden: erfolgte also nicht ziel- und zweckgerichtet
(6) Alle Teleologie (= Zielursächlichkeit/Zielgerichtetheit) von materiellen Prozessen ist strikt abzulehnen. Die Selbstorganisation der Materie hat k e i n Ziel, verfolgt k e i n e n Zweck.
(7) Also: Der Mensch ist im Rahmen der biologischen Evolution, die hier auf der Erde stattfand und weiter stattfindet (Beginn vor mehr als 4 Milliarden Jahren), zufällig entstanden, ist entstanden vor ca. 2,5 Millionen Jahren in Afrika; als Werkzeughersteller, der sich aus dem Stamm der Primaten (Herrentiere, die so heißen, weil der Mensch zu ihnen gehört; vulgo: Affen) - der heutige Mensch ist die Art homo sapiens (der einsichtsvolle, verständige: „weise“ Mensch); homo sapiens ist die letzte noch existierende Menschenart, die nachweislich schon vor rund 315 000 Jahren in Afrika lebte/aufgekommen sein dürfte (diesbezügliche Angaben schwanken leicht).
(8) Zusammenfassung der wichtigsten Punkte: Der Mensch (Homo)
(a) musste nicht notwendig entstehen
(b) Er entstand also zufällig und
(c) Er wird wieder verschwinden (möglicherweise durch sich selbst verursacht, Stichwort „Überspezialisierung, nämlich: rationale“: wir könnten gleichsam zwanghaft unserer analytisch-technischen Rationalität: „Überbegabung“ folgend, Bedingungen auf der Erde schaffen, denen wir selbst zum Opfer fallen könnten. Fakt ist: Stellte man die weitere Entwicklung der Erde in Rechnung (in 250 Millionen Jahren wird sie so heiß sein, dass Leben auf ihr nicht mehr möglich sein wird: Wir würden dann: genauer lange vorher, die Erde verlassen müssen, um dann wohin zu fliegen? Manche Wissenschaftler glauben, wir werden einst die gesamte Galaxie, die Milchstraße besiedeln!?!?)
(d) Er, der Mensch ist durch und durch ein Materie-Gebilde/also ein atomar aufgebautes Gebilde (bestehend aus baryonischer Materie)
(e) Er, der Mensch verfügt über keinen freien Willen: Es gilt ausnahmslos: „Quidquid fit necessario fit.“ = "Alles, was geschieht, geschieht notwendig“; er ist also nicht frei (selbstbestimmungsfähig: autonom: selbstgesetzgebend usw.; er kann sich nicht wählen, kann nicht bestimmen, wer und was er gerne sein möchte; er kann überhaupt nicht frei wählen ...
(f) Er - als Individuum - ist jedenfalls genetisch einmalig und als diese Einmaligkeit, soll heißen: einmaliges Ergebnis einer genetischen Lotterie zu sein, selbstverständlich vollständig determiniert; ich will sagen: Der Mensch ist genetischer Zufall und zugleich als atomares = materielles Wesen radikaler Determiniertheit unterworfen
(g) Der Mensch ist gewöhnlich/in der Regel kein moralisches Wesen in dem Sinne, dass er
sich selbst als Bedürfnis-, Trieb- und Pleonexie-Knecht (der Ausdruck ‚Pleonexie’ meint das Ineinanderlaufen von Ich-, Hab-, Macht- und Genuss-Sucht; so, korrekt, Arnold Gehlen; griech: Pleonexie = Mehr und immer mehr haben wollen) zu steuern in der Lage wäre; alles, was er als dieser tut, tut er - er muss das - im eigenen Interesse; das ist ein evolutionärer Imperativ; genauer: der Mensch tut etwas nur dann im Interesse eines anderen Menschen, wenn er glaubt (oder weiß), dass ihm das auch selbst zum Vorteil gereichen wird.
Weiter ist der Mensch - oder kann es wenigstens sein; und ist es oft tatsächlich - dem Menschen ein Wolf (homo homini lupus), so etwa Thomas Hobbes, englischer Philosoph, 1588 - 1679, und Sigmund Freud (a. a. O., S. 102). Dass der Mensch in der Regel kein moralisches Wesen sei, ist eine Behauptung, die die meisten von uns empören, zumindest unangenehm berühren würde … Sei es doch zumal offenkundig, dass der Mensch auch ethisch (vulgo: moralisch) motiviert handle; das zeige die Lebenserfahrung. Noch mal: Dass der Mensch kein moralisches Wesen sei, dafür spricht Vieles (man sehe nur einmal kühl und sachlich auf eine beliebige heutige Gesellschaft: Man wird Amoral, Verbrechen, Korruption, Ausbeutung, Verführung, ein „Meer von Lügen“, Narzissmus, Machtsucht, Ideologen-Wahn, Selbstbeweihräucherungssucht usw. usw. genug finden, um sagen zu dürfen, dass der Mensch in der Regel(!) eher kein moralisches Wesen ist/sei (was er auch, als sich nicht selbst nicht verfügt: der ;Mensch verfügt nicht über einen freien Willen, sondern ist durch und durch determiniert, nicht sein kann).
(9) Hier - noch einmal - Rechtfertigungen dafür, dass ich mich - abgesehen von meiner eigenen Lebenserfahrung - berechtigt sehe, den Menschen eher nicht für ein moralisches Wesen zu halten: So wie es auch die Hirnforschung nahelegt:
(a) Der Wille des Menschen ist nicht frei; so jedenfalls auch die moderne Hirnforschung. Dazu Wolf Singer, Hirnforschung und Willensfreiheit, Frankfurt 2004, S. 30: „Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören, von Freiheit zu sprechen.“
S. 56: „Aufgrund evolutionärer Anpassung sind Gehirne daraufhin ausgelegt, fortwährend nach den je optimalen Verhaltensoptionen zu suchen.“ So ist es.
(b) Und Gerhard Roth, Das Gehirn und seine Freiheit, Göttingen 2006/2009, S. 23, im Rahmen des Beitrags „Willensfreiheit und Schuldfähigkeit“, S. 9 - S. 27: “Gehirne sind aber Organe, die ein Verhalten erzeugen sollen, welches das Leben und Überleben eines Organismus, beim Menschen insbesondere das soziale und psychische Leben und Überleben, garantiert. Gehirne müssen nicht nur Sachverhalte erfassen, sondern vor allem die Bedeutung von Sachverhalten. Ihre Netzwerke sind deshalb bedeutungserzeugende und bedeutungsverarbeitende Sachverhalte.“ (Fettdruck von mir, Sa.). In der Tat.
(c) Schopenhauer sagt irgendwo sinngemäß, dass man alles Mögliche wollen, aber nicht nicht wollen könne; dies bringe ich nun zusammen damit - auch das ist eine allgemeinmenschliche Lebenserfahrung -, dass man nicht nicht werten kann:
(d) wollen aber, das meint werten. Und daraus folgt dann:
(e) werten meint moralisch urteilen (alle moralischen Urteile sind, das ist eine Banalität, Werturteile, niemals Tatsachenaussagen); moralisch urteilen aber, das meint dann „wollend werten oder wertend wollen“, woraus sich ergibt, dass moralische Urteile Individual-, Gruppen- oder kollektive P e r s p e k t i v e n ausformulieren, die n i c h t frei gewollt werden k o n n t e n/k ö n n e n, sondern etwa Macht-Interessen/Idealen (auch solchen, die man selber nötig hat/Hoffnungen usw. dienen
(f) Kurzum: Alle Moral ist, einmal gefordert, wenn nicht vorurteils-, so doch selbstinteressiert perspektivenbehaftet; es gilt: Menschen haben nicht nur Ideale, sondern haben diese Ideale auch n ö t i g … und haben oft deswegen ihre Ideale, weil diese ihnen als psychoethisch-existenzielle Stabilisatoren dienen; daraus folgt: Dass Menschen, die Ideale haben, weil sie diese selber nötig haben, diese Ideale als Ideale gar nicht haben, sondern psychoethisch nur
n ö t i g haben
(g) egoistisch „interessegeflutet“, soll heißen: heteronom (unfrei), besser: Ausdruck von Einzel-, Gruppen- oder auch gesamtgesellschaftlichen Interessen. Interessen aber sind lebensdienliche Strategien der Daseinsmeisterung; und als solche niemals autonom (frei), sondern imperativ (evolutionsbiologisch fundiert, also: genetisch vorgegeben) einem anerzogen: „aufgezwungen“ usw.
(h) Moral, das ist ein (durch das Wort „Moral“ verbrämtes) subjektives Interesse dessen, der sie an den Tag legt, also gerade nicht Moral; und auch nicht erfolgte Betätigung eines freien Willens, sondern allenfalls eine Moral der „Goldenen Regel“ („Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“; was, nach Kant, ein Prinzip des Egoismus ist; und das stimmt)
(i) Der Mensch ist kein Geistwesen in dem Sinne, dass er, „Geist“ habend, von sich als Kreatur (Organismus) in einem dualistischen Sinne „losgelöst“, „befreit“ wäre; alle geistigen „Tätigkeiten“ des Menschen beruhen auf materiellen Vorgängen im Gehirn; der Geist - an die menschliche Lautsprache gebunden - ist, wie gesagt, ein Nebenprodukt der Gehirnentwicklung und ausnahmslos an diese gebunden
(j) Der Mensch ist ein Tier, dem es in seinem Sein einzig um den Erhalt dieses Seins gehen
m u s s
(k) Wie alle anderen Tierarten (Art = species), wird auch die Art Homo (Gattungsbezeichnung: Mensch) sapiens (Artbezeichnung: weise) wieder verschwinden - oder die Erde verlassen müssen (s. o.)
(10) Weitere grundlegende Ausführungen: Verschiedene Quellen mit zuweilen etwas schwankenden Angaben (die mich, den Nicht-Physiker/den Laien in Sachen Physik, eigentümlich faszinieren, weil sich sozusagen die physikalische Materie selbst „dichtet“/sich zu einem stimmigen Gebilde, das sich in/besser: als uns Menschen als sogar geistfähiges manifestiert; ich etwa schreibe Gedichte; ich könnte das - korrekt - auch so ausdrücken: Die baryonische Materie als ich, Sa., hat nicht nur ein Bewusstsein ihrer selbst erlangt, sondern vermag sogar geistige Gebilde – hier: Gedichte - zu schaffen)
(a) Die physikalische Materie, hier: baryonische Materie. Ich nenne hier nur die Teilchen der baryonischen Materie, die für den Aufbau des menschlichen Körpers relevant sind.
(*) Baryonen: Sammelbezeichnung für Teilchen, deren Masse größer oder gleich ist der Proton-Masse; hier, wie gesagt, interessiert nur die baryonische Materie (βαρύς: barýs = griech.: schwer), die aus Protonen und Neutronen besteht, die die Kerne der uns aufbauenden Atome ausmachen. Protonen und Neutronen sind die bekanntesten Baryonen.
(*) Die einfachen, nicht weiter zusammengesetzten Teilchen („Ur-Teilchen“/“Monaden“), aus denen wir Menschen bestehen, sind Quarks (Phantasie-Name aus einem literarischen Werk des irischen Schriftstellers James Joyce) und Elektronen; die Protonen im Atomkern (positiv geladen) enthalten 3 Quarks (insgesamt gibt es 6 verschiedene Quarks), die Elektronen (negativ geladen), in der Atomhülle um die Atomkerne kreisend, sind die zweite Art von
„Ur-Teilchen“, also nicht weiter zerlegbaren Teilchen. Quarks sind hypothetisch angenommene, fundamentale Teilchen, aus denen alle Hadronen (griech: ἁδρός = hadrós: voll ausgewachsen, tüchtig, groß stark), die an starken Wechselwirkungen beteiligt sind; so die (positiv geladenen) Protonen, die den Atomkern - zusammen mit den (neutralen) Neuronen - bilden der Atome aus denen wir bestehen, zusammengesetzt sein sollen. Elektronen sind Elementarteilchen mit der kleinsten Masse. Sämtliche chemischen Eigenschaften von Atomen und Molekülen beruhen auf den elektrischen Wechselwirkungen von Elektronen miteinander und mit den Atomkernen (Protonen = Hadronen); so Steven Weinberg, amerikanischer Physiker, in: Die ersten drei Minuten, Der Ursprung des Universums, München 1977)
(*) Elektronen = Leptonen (griech.: λεπτός = klein, fein, winzig, leicht) = Elementarteilchen mit der kleinsten Masse (daher: klein, fein, winzig, leicht)
Näheres s. auch: Brigitte Röthlein, Das Innerste der Dinge, Einführung in die Atomphysik, München 1998, S. 66: „Es gibt sechs verschiedene Arten von Quarks, ebenso wie es sechs verschiedene Arten von Leptonen gibt. Zum Aufbau der Materie, die uns im Alltag umgibt, tragen allerdings nur zwei Quarksorten bei, das u- und das d-Quark, ferner als einziges Lepton das Elektron. Die stabile Materie ist also nach heutigen Erkenntnissen aus diesen drei elementaren Bausteinen aufgebaut.“
Dann: Harald Fritsch, Vom Urknall zum Zerfall, München 1996, S. 34: „Alle Materie, eingeschlossen wir selbst, so lehrt die moderne Physik, besteht aus drei Urbauteilchen: aus zwei Quarks und dem Elektron.“
(b) Das Weltall/das Universum/der Kosmos entstand vor 13,82 Milliarden Jahren; zum Zeitpunk 0 Sekunden ist alle Materie als Energie in einem Punkt vereinigt und es ist unendlich heiß. Das Universum umfasst (ich nenne nicht alle Teile) u. a. ca.
(*) 5% Baryonische Materie, dann ca.
(*) 19% Dunkle Materie* und ca.
(*) 76% Dunkle Energie**.
Anm.*: Dunkle Materie: Bestehend aus einer noch unentdeckten Art von Elementarteilchen; sicher ist, dass sie keine Baryonen sein können. Vgl. dazu: Günther Hasinger, Das Schicksal des Universums - Eine Reise vom Anfang zum Ende, Beck-Verlag, 2007, S. 46 - 53
Anm. ** Dunkle Energie: Das ist eine Art abstoßende Gravitationskraft. Dazu Hasinger, S. 58: „Der Ehrlichkeit halber müssen wir jedoch feststellen, dass wir eigentlich noch keinen blassen Schimmer von der Natur der Dunklen Energie haben.“ Ob sich das bis heute (2023) geändert hat, weiß ich, Sa., nicht.
----------------------Ende Anm.* und Anm. **--------------------------------------------
(*) ChatGPT (eine KI) gibt mir am 4. November 2023 diese Auskunft:
„Bis zu meinem (ChatGPTs) Kenntnisstand im Januar 2022 war die: Nach 10 hoch -43 (das ist eine 1 dividiert durch eine Zahl, bestehend aus einer 1 mit 43 Nullen) Sekunden und einer Temperatur von 10 hoch 32 (eine 1 mit 32 Nullen) Grad Dunkle Energie ein faszinierendes, aber weitgehend mysteriöses Phänomen in der Kosmologie. Dunkle Energie ist eine hypothetische Form von Energie, die den Raum selbst antreibt, um sich zu beschleunigen und das Universum auszudehnen. Sie wurde postuliert, um die Beobachtungen zu erklären, dass sich das Universum in einem immer schnelleren Tempo ausdehnt.“
(c) Nach 10 hoch -43 (das ist eine 1 dividiert durch eine Zahl, bestehend aus einer 1 mit 43 Nullen) Sekunden und einer Temperatur von 10 hoch 32Grad entstehen die Quarks; es gibt 6 Quarks, jetzt genauer: 3 Familien von Quarks, z. B. up (u) und down (d)-Quarks, die eine der 3 Familien ausmachen; die beiden anderen Familien sind charm (c) und strange (s)-Quarks und top (t) und bottom (b)-Quarks.
Nach 10 hoch 10 Sekunden, bei einer Temperatur von 10 hoch 28 Grad entstehen positiv geladene Protonen, bestehend aus zwei u- und einem d-Quark, und elektrisch neutrale Neutronen, bestehend aus einem u- und zwei d-Quarks; beide, Protonen und Neutronen, sind also aus Quarks (noch einmal: das sind nicht weiter teilbare Elementarteilchen) zusammengesetzt
(d) In Sekunde 1 (und bei 10 Millionen Grad) gibt es stabile Elektronen, die negativ geladen sind: Quarks und Elektronen - noch einmal - sind also die unteilbaren (nicht zusammengesetzten) Fundamentalteilchen der Materie (Kenntnisstand heute); so habe ich es, Nicht-Physiker, hoffentlich richtig, verstanden, denn: es ist faszinierend
Fazit: Wir Menschen bestehen durch und durch aus sich selbst organisiert habender/ sich selbst organisierender baryonischer Materie, sind also durch und durch materielle Organismen/Kreaturen, bezüglich derer alle Dualismen (Leib - Seele//Geist - Körper usw.), ebenso die Vorstellung eines freien Willens als nicht gegeben zurückzuweisen sind; und eben darauf kommt es mir an: Mir keine Illusionen über die Existenz und das Wesen des Menschen zu machen (fürchte indes aber, dass das eine Illusion bleiben wird). Ich vertrete dabei ausnahmslos einen strikten Materialismus/ naturwissenschaftlich erwiesenen Naturalismus.*
Anm.*: Wobei ich sagen muss, dass mir freilich manche faszinierend-magische Formen von Irrationalität, Gottesnähe, mystisch-mythisch-magischer Gefühlstiefe (Verzauberungsbedürftigkeit), Ehrfurcht, ziellosen Sehnsüchten, ideenfaszinärer Transzendenzweltneugier, durchaus intim vertraut sind; wobei diese Ausdrücke hilflose Versuche sind, seelische Dispositionen anzudeuten, die mir aus einer einsamen und menschlich bedrückenden Kindheit(!) geblieben sind. Bis heute verbinde ich mit diesen - wie soll ich sagen? - metaphysisch gewendeten(!?), geistig-träumerischen Innenwelt-Dispositionen unmittelbar eine Sehnsucht nach der Selbstüberschreitung meiner als materiegebundener Kreatürlichkeit; und eben das ist „geistig“, denn: Dem, was ich hier „Geist“ nenne, eignen, anders als der Rationalität (meint: analytische Intelligenz, Verstand) auch affektfundierte Momente; ich gehe soweit, zu behaupten, dass selbst die Amygdala* an dem, was ich mein geistiges Wesen nenne, zuweilen primär, teilhat
Anm.*
Amygdala (Mandelkern) (Corpus amygdaloideum)/Sehr kurze Hinweise:
(1) Die Amygdala ist Teil des limbischen Systems
(2) Aus 13 Einzelkernen bestehend
(3) Fundamental für unseren „Emotionshaushalt“
(4) Stichworte: Erregungen, Affekte, Gefühle, Stimmungen - negativ (etwa Angst) oder positiv (etwa Lust).
Vgl. Gerhard Roth, Fühlen, Denken, Handeln, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, 1678,
S. 256 -284
---------------------------------------Ende der Anm.
(B) Einführende Bemerkungen: Geistige Selbstbewahrung, nicht Moral … Warum geistige Selbstbewahrung?
(1) Es geht mir hier nicht um die „Richtigkeit“ meiner Weltanschauung. Die folgenden Ausführungen haben nur einen Zweck: den, als Verständnishilfe für meine Gedichte zu dienen. Ich will niemanden von meiner Weltanschauung überzeugen, niemanden belehren, niemandes andere Weltanschauung diskreditieren
(2) Zumal es mir, was das Machen meiner Gedichte und die Ausarbeitung meiner Weltanschauung anbelangt, mitnichten um das Verfolgen ethischer (moralischer) Ziele (etwa um sittliche Ansprüche, die ich - an wen auch immer - stellen möchte, sondern allein um meine geistige Selbstbewahrung geht; nämlich die gegenüber
(a) mir selbst als Kreatur (Pleonexie-Büttel zu sein: ausgeliefert Ich-, Hab-, Macht- und Genuss-Sucht)
(b) meinen Artgenossen als Konkurrenten und (zuweilen) Gegnern
(c) der mich vereinnahmenden, tragenden und steuernden Markt-Gesellschaft
(d) den mich belehren wollenden Medien und dem unaufhörlich lockend-aggressiv sich verbreitenden Zeitgeist
(e) der mich nur als Umsatzgröße begreifenden Wirtschaft
(f) dem würdefundierten, also ein Abstraktum von Mensch sakralisierenden deutschen Recht (welches dadurch ideologieanfällig wird/werden musste), und
(g) den massiven Wirklichkeitsverlusten einer den Staat und die Gesellschaft vielfältig schwächenden, oft hilflos und handlungsunwillig, zuweilen irreführend pseudo-agierenden Politik, die das Land in den letzten 20 Jahren – auch - geradezu „sozialsakral-tugendmonoman-würdetrunken“ heruntergebracht/geschädigt hat
Fakt ist:
(*) Ich bin mir selbst als Organismus ausgesetzt
(*) Ich bin einer Gesellschaft ausgesetzt, die, heutzutage, durch und durch konsumkapitalistisch geprägt, zumal allpräsent und ohne Unterlass mit ihren Verwerfungen, Lebenslügen, Versprechungen, Verlockungen, ihren Bereichs-Pathologien und „pleonexiebüttel-typischen“ Gaunereien (Beispiel: Cum-Ex-Geschäfte) pausenlos über mich „hinweg- und durch mich hindurch schwappt“, kurzum: mit ihrer Trivial-Dekadenz permanent - auch von mir unbemerkt unterschwellig - auf mich einwirken will; und zwar in der Regel als psychoethische (seelisch-moralische) Entmächtigungs- und Selbstentfremdungs-Instanz, insbesondere im Hinblick auf nicht primär konsumtiv, vielmehr geistig orientierte Lebensvollzüge (die dem Grundziel jener Gesellschaft: Wohllebenssteigerung, diametral entgegengesetzt sind, nämlich als askeseträchtige), die, wie etwa in meinem Fall, zentrisch bestimmt sich objektivieren als künstlerisches Schaffen und als Bemühen um grundlegende Einsichten in die fundamentalen Grund- und Prägekräfte der heutigen, wie der menschlichen Existenz überhaupt. Und beide geistige Ausrichtungen lassen sich nur realisieren in der Einsamkeit und Ungestörtheit des Privatlebens; geschützt zumal von - idealerweise - den Grundsätzen rechtsstaatlicher Demokratie, ohne deren Schutz sie eher nicht möglich wären: keine nichtdemokratische Macht-Elite duldet(e) die für jene notwendige essentielle Parrhesie (ungehinderte Denk- und Redefreiheit). Und eben genau die sehe ich zunehmend auch in formal demokratisch verfassten Gesellschaften gefährdet, zumal sie dies schon wäre, wenn die Menschen nur glauben, sie sei gefährdet.
Unter geistiger Selbstbewahrung verstehe ich also den (von mir unabweisbaren) individuellen Versuch, mich vor den mich meiner selbst entfremdenden Einflüssen einer Überflussgesellschaft zu bewahren (mich zu schützen davor, dass diese Überflussgesellschaft mich nicht nur „kapern“: vereinnahmen, steuern und ausbeuten, sondern mich auch geistig-psychoethisch ihr untertan machen: mich zur daueremotional beglückten fun-debilisierten („spaß-verdummt-belämmerten“ Hurra- und Erlebnis-Monade machen will), also gegenüber Einflüssen widerständig zu machen, die solche sind
(*) einer entfesselungs-subjektivistisch-hedonistisch ausgerichteten
(*) parteienoligarchisch geschwächten Demokratie, welche rechtlich-staatspolitisch "verletzt" ist und
(*) sich in einem spätdekadenten Niedergang befindet, der womöglich (was ich aber nicht weiß) nicht mehr aufzuhalten ist und mich auch davon unabhängig, dass ich nicht mehr viele Jahre haben werde, beunruhigt. Erlangen kann ich diese Selbstbewahrung freilich nur
auf geistige Art und Weise:
(*) dadurch, dass ich Gedichte schreibe und
(*) versuche, fundamentale Einsichten in die komplexen Prozesse jener Überflussgesellschaft zu gewinnen. Dabei gilt für mich, dass
(*) die Aufklärung - eine antifeudale, wirtschaftsbürgerliche, intellektuell-vernunftethische Unternehmung des 18. Jahrhunderts - längst zu Ende gegangen ist (bzw. nach meiner Meinung von vornherein illusorisch war), also keine allgemein anerkannten Orientierungen mehr zu bieten hat. Etwa Kants „sapere aude“ „Wage zu wissen, zu erkennen! Denke selbst nach! Bilde dir ein eigenes Urteil!“; das kann, auf Dauer jedenfalls, kein substantielles Ziel menschlichen Strebens sein, wie etwa Wohlstand, um einer Gesellschaft von hoch emotionalisierten, hysterisch-ideologisch seelenarmen und tendenziell gewissensdorren, jedenfalls reflexions- und spracharmen Erlebnisspaßsammlern, die immer weniger fähig und willig sind, sich auf Sachlichkeit und faktenkonformes Denken einzulassen, sondern, narzisstisch getrieben dazu gemacht, primär auf Reize, Effekte, Sensationen, Inszenierungen, Schauspielereien usw. reagieren, Menschen also, die als geistentwöhnte Marktbeglückte, sich auf diese Weise permanent selbst betrügen und zuweilen gar regelrecht selbst verraten. Vor solchen will und muss ich mich selbst bewahren.
(3) Bemerkungen zu Marxismus und Kapitalismus: Als es in der UdSSR darum ging (darum zu gehen schien), ihn als radikales Korrektiv in die vorhergehende agrarische Zaren-Gesellschaft einzubringen, erwies er sich als mit Gewalt gepflasterter Irrweg: Der Sozialismus war von vornherein eine Illusion, weil das marxistische Ideengebäude (eine Art notwendiges Klassenkampf-Heilsgeschehen) und Menschenbild (s. Gedicht (Seite 38/Gedicht-Nummer: 2252) und Anmerkungen, S. 38 der Homepage) die Grundkonstanten des ganz unheiligen, widersprüchlichen selbstgefangenen menschlichen Wesens völlig ignoriert. Marxens Idee der realen (weil, wie er glaubte, historisch notwendigen) Schaffung eines kommunistischen Staates durch das Proletariat (nach dessen Diktatur, nachdem die letzten Verwerfungen des Bourgeois-Kapitalismus und das Klassenkampfes getilgt sein würden) scheitert(e) (und zwar notwendig) an dem ihr zugrundeliegenden idealistisch-heilsgeschichtlich orientierten Menschenbild: Es kann uns Menschen nicht um Selbstverwirklichung, nicht um die (asketischen!) Mühen sittlicher Hebung, nicht um eine gerade in geistig-moralischer Hinsicht vollendete Gesellschaft gehen, weil es uns primär um uns s e l b s t gehen m u s s (das ist so für einen Pleonexie-Lakaien, wie wir alle ihn sind, den also primär Ich-, Hab-, Macht- und Genuss-Sucht antreiben, der, nicht gleich sein wollen könnend, überragen/ ausstechen/ übertrumpfen usw. will, der sein Leben auskosten, im gängigen Sinne erfolgreich meistern will, soll heißen: Als Kreatur sich ausleben will/muss). Und das ist keine(!) sittliche (moralische) Verurteilung des Menschen, das ist eine Feststellung, an der der Realitätssinn nicht vorbeikommt. Vgl. dazu auch im Fremdwörterverzeichnis: „homo novus“ = der neue Mensch; nach Che Guevara.
(a) Einem solchen Menschentyp als einem gelernten Verbraucher (Ausdruck von David Riesman) kann es daher nicht um sittliche Exzellenz - schon gar nicht um geistige Selbstbewahrung gehen, zumal die ohne asketische Leistungen nicht zu erlangen ist -, sondern es muss ihm um einen materiell und gesellschaftlich-sozial progressiv sich verbessernden, vor allem um einen eudämonistisch-hedonistisch „dauerangereicherten“ Existenzvollzug gehen: Organismisch-kreatürliches Sich-Ausleben in jeder denkbaren Art und Weise
(b) Vor allem will ich mich (geistig! - faktisch-lebensweltlich ist es unmöglich) vor dem Kapitalismus bewahren, wie er mir erscheint: Als - das liegt in seinem Wesen: ist ihm sozusagen systemimmanent - autodestruktiv (selbstzerstörerisch)*. Er ist dies n i c h t, weil seine „Macher“ substanziell moralisch versagten (einzelne von ihnen freilich schon: „Glücksritter“ usw.), nein, er ist es als die menschliche Existenz (Denken, Fühlen, Wollen) umfänglich schaffende, prägende und steuernde System-Allmacht von Kapitalismus, Naturwissenschaften und Technik („Superstruktur“ nach Arnold Gehlen). Um nur diese Punkte zu nennen: Er bringt notwendig Individuen hervor, die sich, halbgebildet, spaßlüstern, panhedonistisch und leerformelhörig, in ihren (gleichen) Existenzvollzügen als Personen (eine Person, nach Kant, bemühte sich um geistige Selbststeuerung, versuchte also alle
kreatürlich ausgerichtete Fremdsteuerung - durch sich als Organismus, durch die Fun-, Medien- und social media-Diktatur der Überflussgesellschaften zu vermeiden; setzte überhaupt auf Sachlichkeit, Redlichkeit, Selbstdistanzfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft usw. … wäre also, in gleich welcher Gesellschaft, eine ganz seltene Ausnahme) verfehlen, indes als Kunden verdinglichen (selbst zu „Waren“ machen) und irgendwann dann, in schleichender Dekadenz versunken, nicht mehr die Kraft aufzubringen in der Lage sind, realitätskonform, den Unwägbarkeiten und Widersprüchen der menschlichen Existenz entsprechend vorausschauend zu denken, um am Ende dann sogar ihren Selbsterhalt zu
vernachlässigen (etwa durch Drogenkonsum).
(c) Der Kapitalismus sei autodestruktiv? Ja, ist er in meinen Augen:
(*) ökologisch direkt (Stichworte: Klimawandel, Artensterben …) und indirekt (ein eher anonymer Prozess); in ökologischer Sicht ist der Mensch als solcher schon notwendig autodestruktiv; nicht erst der Kapitalismus
(*) kulturell
(*) psychoethisch
(*) und so auch, zumindest indirekt: politisch-rechtlich und
(*) geistig-intellektuell:
Der Kapitalismus ist heute d i e Quelle einer Art von „psychoethisch desorientierendem Selbstschädigungs-Nihilismus ... Nihilismus, das ist die Sinnlosigkeit von Dasein, Geschichte, Welt usw.; kurz: „Es lohnt sich nichts (mehr)“; sich nicht selten auch ausdrückend in oft moralisch unterfütterten, aggressiv vorgetragenen Heils-Ideologien, wie etwa dem Marxismus, oder religiösen Fundamentalismen). Zum Thema „Nihilismus“ vgl. Wolfgang Kraus, Nihilismus heute oder die Geduld der Weltgeschichte, Wien-Hamburg, 1983, besonders
S. 79 - 87)
(d) Und auch deswegen will ich mich geistig selbst bewahren: Weil, ich wiederhole es noch einmal, die gegenwärtige deutsche kapitalistische Gesellschaft eine entfesslungslüstern-dekadente ist: Wohlstand ist den meisten Deutschen der zentrische: der alleinige Quell von so etwas wie Lebenssinn (s. oben) - und das ist begreiflich, zumal alle gesellschaftlichen Ideale: ethische, utopische, sozialistische, gar kommunistische, zum Scheitern verurteilt waren/sind: Ideal und Barbarei sind notwendig Geschwister (Beispiel: UdSSR, China unter Mao): Um es auf diese Formel zu bringen: Der Kapitalismus beschert(e) uns massive ökologische Verwerfungen, machte uns zu Markt- und Leerformel-Lakaien, gibt uns aber stündlich (wenn wir nicht durch seine Raster gefallen sind und etwa auf der Straße landen, psychisch krank sind oder seelisch tot) immerhin die Möglichkeit, uns konsumtiv und eskapistisch-hedonistisch und erlebnisumnachtet „auszuleben“, um auf diese Weise uns halbwegs von uns selbst, dem Kapitalismus und seinen Folgen, zu entlasten, d. h. uns um die Tatsachen unseres heutigen Daseins als Verbraucher „herum zu lügen.“
Indes der (reale) Kommunismus - neben massiver Umweltverschmutzung - nichts außer Partei-Diktatur, Partei-Willkür, Despoten-Barbarei, Arbeitslager, Zuchthaus, Verbannung, Folter, Mangelwirtschaft, Lügengespinste und großtuerische Zukunftsversprechen zu bieten hat(te), weshalb die UdSSR unterging und sich die KP Chinas gezwungen sah, das Wirtschaftssystem des ideologischen Gegners einzuführen (ab den 1980er Jahren), um sich zum einen überhaupt an der Macht halten zu können und zum andern Wohlstand für die Bevölkerung zu schaffen, um diese aus der materiellen Armut herauszuführen in die Segnungen einer Wohlstandsgesellschaft … Es gelang; und, wie es scheint, sehr gut.
(e) Dann aber auch deswegen: Weil sich - noch einmal - die deutsche Gesellschaft in einem ethisch-geistig-sprachlich-kulturellen und politischen Niedergang befindet: Weil eben verschwunden sind seelisch haltende, stabil ausrichtende und Sinn gebende, auch geistig-metaphysisch ausgerichtete Daseinsbewältigungs-Umstände und -Chancen aufgrund des der heutigen Überflussgesellschaft notwendig innewohnenden: spaßerlebnisdrastisch verdrängten, Nihilismus, Dauerreflexionsanforderungen (wenn nichts mehr selbstverständlich gilt, muss alles diskutiert werden, was auf Dauer nicht funktioniert), alltäglichem Elendskonsum (über die Medien, der abstumpft), Technologie-Verfallenheit (Stichwort: social media, KI) als Diffamierungs- und Entblößungs-Lust, Bildungsarmut und krass-hysterischer Empörungsanfälligkeit, Anomisierungs- (hier: Auflösung und Zerfall psychischer Halte) und also Innenwelt-Anarchisierungs-Gewalten, denen die außengesteuerten Individuen in der Regel nichts entgegenzusetzen haben.
(f) Um es frei herauszusagen: Für mich ist geistige Selbstbewahrung faktisch ein Imperativ: ein innerer Befehl, dem ich weder entgegentreten will (zumal das auch gar nicht könnte), noch dass ich seine Macht über mich überhaupt auch nur ansatzweise zu erklären befähigt wäre: Ich muss/musste ihn als existenzielles Kommando einfach hinnehmen: Er ist Teil meiner Persönlichkeit, eingelebte Daseins- und Lebensvollzugsweise: Ich bin einfach nicht interessiert an etwa kalkuliertem Streben nach Wohlstand, gesellschaftlicher Anerkennung, individuellem Erfolg überhaupt (Erfolg im gängigen Sinne), glaube zumal nicht an so etwas wie Glück; auch politischer Macht - so faszinierend es sein mag, sie auszuüben - vermag ich nichts abzugewinnen, denn sie ist letztlich doch eine Art Mittel der Entlastung von eigener Ich-Schwäche (denn: wer nach Macht strebt, geht unweigerlich zugleich das Risiko ein, sich von dieser Macht, erringt er sie, selbst abhängig zu machen). Es gibt schlechterdings keinen einzigen gängig-substantiellen Inhalt der menschlichen Existenz (Macht, Geld, Lust, Ich-Erhöhung, Anerkennung, Prestige, Ruhm usw.), der nicht doppeldeutig, widersprüchlich und letztlich, hat man ihn einmal begriffen, sich als einer herausstellen muss, der einen hohen Preis hat, nämlich den des Verlustes an Selbstbewahrungskompetenz: D i e s e n verhindert einzig und allein Geist als Weltmeidungs-Askese (und natürlich ihr günstige Gegebenheiten: Frieden, stabile, soll auch heißen: durchgesetzte Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, die diesen Namen verdient, also z. B. keine Parteien-Oligarchie oder eine Art institutionalisiertes Leerformel- und Phrasen-Exegese-System ist). Nur das Geistige vermag die Abhängigkeit von sich selbst als Kreatur zu unterbinden; einen zu bewahren vor dem Streben nach (einen deformierender) Macht, Mammon, Genuss und Anerkennung. So etwa bewirkt (auch demokratisch erworbene) Macht notwendig gewisse Formen der Selbstentfremdung, der Autokorrumpierung , der Staatsschauspielerei, der Selbstherabwürdigung, der Selbstbeweihräucherung und des Selbstverrates usw. - jedenfalls in d i e s e r heutigen Gesellschaft.
(g) Indes ich selbst nie etwas anderes wollte (wollen musste, auch wenn ich sie verfehlte) als intellektuelle und geistige Autonomie, was auch meint: Nicht nur meine Meinungen frei sagen zu dürfen, sondern sie auch faktenorientiert nachvollziehbar begründen(!) zu können (und zu müssen); auch meint: der Gesellschaft gegenüber, in der ich lebe, meinen Realitätssinn walten zu lassen: sie also n i c h t ideologisch, weltanschaulich, ideell oder ethisch zu verwerfen/zu untergraben - etwa weil ich ihre revolutionäre Umgestaltung hin zu mehr „Gerechtigkeit“ erstrebte; etwa weil ich vielleicht getrieben wäre von einem wirren „Idealismus“ oder einer metaphysisch fundierten Gesinnung -, sondern an dem zu messen, was ein durchschnittlicher Mensch will, kann, erstrebt und demgemäß als Lebensziel(e) verfolgen muss, um mir dann eindringlich klar zu machen, dass die kapitalistische Überflussgesellschaft die ist, die den Grundbestrebungen der menschlichen Natur - evolutionsbiologisch determiniert - am dienlichsten(!) ist, also deshalb unbedingt zu bewahren ist (o b w o h l sie, s. o., auto-destruktiv(!) ist/mir jedenfalls zu sein scheint); sie allein, sie ausnahmslos, vermag der Drangsal der menschlichen Pleonexie (Ich-, Hab-, Macht- und Genuss-Sucht) Genüge zu tun, nur sie, denn: Die meisten Menschen - bis in ihre Seins-Kerne oft habsüchtig, gierig und immer darauf aus, andere, was Haben und Gelten anbelangt, möglichst zu überragen - wollen (müssen ihn wollen) Wohlstand, immer mehr Wohlstand, möglichst im Überfluss, weil der ihnen erlaubt, sich, "entlastungsbeschirmt", etwa - und das ist entscheidend - die in der heutigen Zeit der „entlarvenden“ (gerade auch uns selbst) Naturwissenschaften offenkundig gewordene objektive Sinnlosigkeit ihrer Existenz zu verhehlen. Kurzum: Die Menschen wollen in der Regel - rauschhaft emotionalisiert und materiell bestmöglich versorgt - ihr Leben genießen, auskosten und es in jeder Hinsicht quantitativ steigern, lehnen es aber faktisch ab/verschmähen es/in der Regel: vermögen es nicht, sittliche, politische, kulturelle und humanitäre Ideale unter Hintanstellung ihrer kreatürlichen Daseinsantriebe zu verfolgen, wiewohl sie die Wichtigkeit und Bedeutung derselben bei jeder Gelegenheit mit warmen Worten durchaus loben (der Mensch ist nun mal - ist es notwendig - ein Existenzschauspieler). Also: Den menschlichen Fundamentalaspirationen und der menschlichen Widersprüchlichkeit und der menschlichen Gefangenschaft im Wissen darum, dass sie Zeit, Vergänglichkeit, Verfall und Tod geweiht sind, bin ich verpflichtet, intellektuell Rechnung tragen … und muss also allen existenziellen, kulturellen, ethischen, politischen, weltanschaulichen usw. usw. Idealen eine Absage zu erteilen. Das fordern Sachlichkeit, Redlichkeit und Einsichtsdruck*
*Anm.:
(א) Menschen sind zwar idealbedürftig, aber nicht idealfähig; soll heißen, ihre Ideale dienen den Menschen etwa als Entlastungsfiktionen: psychoethische Innenweltstabilisatoren usw., ohne dass sie, die Menschen, auch nur annähernd in der Lage wären, ihre Ideale auch nur ansatzweise in reale gesellschaftliche Verhältnisse umzumünzen (das auch gar nicht wollen können).
(ב) Weiter: Der Wohlstand schaffende Kapitalismus erlaubt es den Menschen, das Adiaphoron (griech.: das überflüssige, nutzlose, an sich nicht unbedingt gebrauchte Ding = z. B. eine Edel-Ware etwa) zu mystifizieren, somit indirekt ihren Selbstwert mittels Haben und Gelten zu steigern, kurzum: er ermöglicht es den Menschen, sich als bedürftige und triebgesteuerte Organismen: Kreaturen, anzunehmen und zugleich mittels Konsumpotenz sich zu erhöhen, um sich so als Kreaturen zu vergessen: im Selbstkonsum auf der Grundlage materiellen Überflusses.
Also: Der Kapitalismus ist dem Sozialismus oder gar dem Kommunismus deshalb unendlich überlegen, weil er den Menschen als das fasst/nimmt, was er - unverschuldet/ von Natur aus: als nackte Materie-Existenz - ist: ein selbstisch befangener, sich selbst als existenzielles summun bonum („höchstes Gut“) wollender, ja: „anbeten“ müssender, ein in der Regel auch amoralischer Pleonexie-Lakai. Indes Marx, der Theoretiker des Kommunismus, die durch die gesellschaftlichen Bedingungen unterdrückte und so verschüttete „moralisch gute“ Natur des Menschen wiedergewinnen wollte durch die Aufhebung der Entfremdung des Menschen von sich selbst durch Überwindung/Aufhebung/ Zerstörung der ihn verdinglichenden (zur Ware machenden) gesellschaftlichen kapitalistischen Bedingungen: im letzten historischen Klassenkampf, den das Proletariat für sich entscheiden werde - die Geschichte sei eine Abfolge von Klassenkämpfen -, überwinden werde die Entfremdung des Arbeiters durch den Kapitalismus (der den Arbeiter und seine Arbeitskraft zur Ware gemacht und so den Arbeiter von sich selbst entfremdet habe/hatte - was dann seine, des Menschen (des Arbeiters), natürliche! Güte und natürliche(!) Exzellenz-Moralität! wieder herstellen würde; und zwar für immer in einer endlich verwirklichten kommunistischen: allgerechten, humanen Gesellschaft - ohne Gott.
Einschub: Kapitalismus/Kommunismus (China als „Zwitter“ nicht berücksichtigt)
M. a. W.: Der reale Kapitalismus bietet den Menschen Wohlstand, mammonistisch generierten Saus und Braus, eudämonistisch-hedonistische Befriedigungen, die Chance, andere zu überragen (denn sie, die Menschen, wollen nicht gleich sein; können das gar nicht wollen); kurzum: bietet ihnen leibseelische Wohllebensfülle, die Chance auf ein materiell reiches und prestigeträchtiges und glamouröses, effektmagisches und reizintensives Leben … Der reale Kommunismus hingegen bietet nur ein vielleicht sehnsuchtserfüllt wünschbares kulturell-ethisches Ideal einer wiedererlangten güteerfüllten Natürlichkeit, also faktisch lediglich eine weltanschauliche Illusion (denn der Mensch ist von Natur aus nicht gütig), die als solche gerade nicht zur gesellschaftlichen Wirklichkeit werden kann, weil sie, diese philosophisch-utopische Illusion, mit Verlaub, das widersprüchlich-ichsüchtig-nichtgütige, auch gewalttätige Wesen des Menschen völlig verfehlt, folglich den Versuch der Einrichtung einer kommunistischen Gesellschaft zur Entfesselung radikaler Barbarei verkehren muss - wie es sich denn auch historisch gezeigt hat: Leninismus, Stalinismus, Maoismus etc.
-------------------------------------------Ende Anm. * -------------------------------------------
Weiter:
(h) Nicht nur, dass ich Verzichtsleistungen (generell: Formen der Askese als Lebensmeisterungs- und Selbstschutz-Mittel) für höchste Güter halte, nein: ich überließ mich ihnen in der Regel auch, ohne das Gefühl zu haben, was auch immer zu versäumen; indes mich dabei nicht sozusagen kasteiend: calvinistisch-tugendradikal von aller Lebensfreude ausschließend, sondern umgekehrt: mir, wiewohl schon früh in einer Art Selbst- und Seins-Entbergungs-Nihilismus verstrickt/gefangen, sie mir ausmalend als gelungene Daseinstiefe-Bereicherungen und -Freuden, soll heißen: als Arten und Weisen tatsächlich erlangten geistigen Bei-mir-selbst-Seins. Und das hat sich schon sehr früh angedeutet: Als Kind saß ich oft ganz allein am Feldwegrand in der Gemarkung „Talweide“ meines Heimatdorfes, beobachtete die kleinen Tiere: Insekten, Vögel, Echsen, Hasen, manchmal Mäuse oder auch mal eine Blindschleiche, hörte auf die Feld-Geräusche, blickte auf die Obstbäume, die Kornfelder oder zog mit einem Zweiglein oder einem spitzen Steinchen einzelne Striche in jenes Feldwegs grauen Sand - weltfern gebannt, innerlich träumerisch dahinströmend. Oder ich lauschte, war er aufgekommen, auf das Wehen des Windes. Gleichsam mystisch fasziniert war ich jedes Mal dann, wenn der Wind über das Land strich und gleichzeitig ein bestimmtes Läuten der Glocken der evangelischen Kirche zu hören war: ein dunkel-eintönig-schweres Läuten: das der „Totenglocke“, welches anzeigte, dass irgendjemand im Dorf das Zeitliche gesegnet hatte. Denn dann trug der wehende Wind das Läuten mit sich fort in die Ferne: es verlor sich sozusagen ein wenig in dieser, um dann, ließ der Wind wieder nach, als näheres erneut stärker zu ertönen. Und diese Wechsel zwischen winderzeugter Nähe und Ferne des Glockentons empfand(!) - ich konnte es noch nicht formulieren - ich, tatsächlich noch ein Kind, als hilfloses Hin-und-her-Geworfen-Werden der Seele der verstorbenen Person: als trostlose, dem blanken Zufall ausgesetzte Hilflosigkeit, mich dieser überlassend in dem faszinierenden Betörtsein durch eine mich dann innerlich flutende Entlastungssehnsucht (oder - zuweilen war sie offenkundig - Todessehnsucht, hervorgerufen von mir dauerungünstigen Lebensumständen), in der ich intuitiv irgendetwas mein Dasein fragwürdig Belastendes fasste: die innere Einsamkeit, die mir bleiben würde; und auch blieb: lebenslang.
(i) Eine Vermutung zum Thema „geistige Selbstbewahrung“, für die sehr vieles spricht, zum Schluss: Eigentlich habe ich jenen Feldwegrand nie verlassen, bin immer dort sitzen geblieben, innerlich bis heute, um, in der Gesellschaft kleiner Tiere, mir die Vergänglichkeit, Bedeutungslosigkeit, Leere und Nichtigkeit der menschlichen Existenz (mit diesen Begriffen, die mir damals selbstverständlich nicht zur Verfügung standen, hebe ich ab auf mir lebenslang intim vertraute: grundlegende Gefühls-, Affekt- und Stimmungs-Lagen als immer wiederkehrende „Seelen-/Innenwelt-Flutungen“. Damals, in der Kindheit - noch einmal - weitgehend diffus-ahnungsweise; heute: mir in einer geistigen Klarheit bewusst, die ich jederzeit auch durch Argumente zu untermauern in der Lage bin) zu vergegenwärtigen. Heute würde ich diese Kindheitserfahrung nicht mehr machen (können), denn: Die Kindheit ist verschwunden … „überfluss-gesellschaftlich-technisch“ in Beschlag genommen/ vereitelt/ konsumtiv gesteuert … ein Verlust, den ich zutiefst bedaure, denn die unmittelbaren - digital-medial nicht gefluteten/verstümmelten/verunmöglichten - Erfahrungen der Kindheit sind für die weitere Entwicklung des Individuums von gar nicht zu überschätzender Fundamentalbedeutung: sie prägen - besonders irrational-affekt- und gefühlsnuanciert – substantiell: existenztief.
(C) Der Begriff „Überflussgesellschaft“/Bezug hier: die gegenwärtige deutsche Gesellschaft
(1) Vorbemerkungen
Im Folgenden handelt es sich im Wesentlichen um kurz gehaltene Erläuterungen einiger Ausdrücke, Worte, Bezeichnungen im Umfeld des Begriffs „Überflussgesellschaft“ (von manchen auch als „Konsumdiktatur“ bezeichnet), welchen ich nicht selten benutze, um die gegenwärtige deutsche Wohlstandsgesellschaft allgemein zu charakterisieren … Ausdrücke, Worte, Bezeichnungen, welche in einer Zeit, in der bereits bloße Worte aufregen (oft, weil die Begriffe fehlen, so Goethe im Faust) zu Hysterien führen, ja: entrüsten oder gar maßlos empören, komplexe begriffliche Aussagen das aber nicht mehr tun, weil sich diese, zumal im Hinblick auf scheinbar widersprüchliche Faktenzusammenhänge, zu bilden und dann auch zu verstehen und rational-sachlich zu bedenken, man geistig-intellektuell-sprachlich immer öfter gar nicht mehr so recht in der Lage ist (oder es nicht sein will, etwa um unangenehme oder gar belastende Einsichten zu vermeiden); und dies schon deshalb nicht, weil die Individuen sozusagen ständig - via Reklame, Fernsehen, Internet, social media, „Gängelungs-Musik“ - ich achte oft darauf: man wird geradezu vereinnahmt durch eine Dauerberieselung mit emotional einen vereinnahmen sollenden Musik, meistens einlullender Rok-/Pop-Musik, der man nicht entkommen kann (schon gar nicht in der Werbung) - einer massiv konsumtiv-anregend-"hinterhältig" einen seelisch steuernden Musik, ich möchte sagen: psychomotorisch einer hocherregt animierenden Scheinwelt ausgesetzt sind, die sie, die Individuen, freilich in der Regel nicht als unverschämt überwältigungstotalitär, oder gar schlicht als Selbstverdummungsverlockungen- und -Schliche (um sie konsumtiv gefügig zu machen), sondern eben als anregend, die Laune hebend, Spaß fördernd und narzisstisch befriedigend erleben, als willkommene Gelegenheiten, die „Halligallisierung“ ihrer Innenwelten zu forcieren mit dem Ziel, aus dem unterschwellig sie narkostisierenden Stumpfsinn gerissen zu werden.
(2) In der Tat leben wir in einer Gesellschaft reißerisch entfesselter Entlastungs-Stupidität, die permanent gespeist wird von
(a) magisch-belämmernder, aufreizend-eskapistisch in Beschlag nehmenden Rock-/Pop-Musik (einer emotional entfesselnden Form der Verdummung)
(b) der (optimistisch-mitfühlend-empathisch-sentimental überladenen) Unterhaltungs- und Sinn-Industrie
(c) tugendhypertropher Dauer-Erregung
(d) Lobpreisungen von Stars jedweder Couleur (den Halbgöttern der zu Normalität und Mediokrität/Mittelmäßigkeit verurteilten/sich selbst verurteilenden Vielen)
(e)Tatsachen ignorierenden politethischen Botschaften, die auch anonym erzieherisch wirken sollen (auch in Reklame-Spots versteckt): etwa der Botschaft einer panegalitär-globalen Gleichheit der Menschen und
(f) marktschreierisch fiktionalisierender Reklame, die unterschwellig ohne Unterlass eine quasi-magische Allmachbarkeit existenzieller Leichtigkeit suggeriert … einer Leichtigkeit, erlangbar/herstellbar
(i) durch perfektionsfähig-entfesselungsmotorischen Waren-Konsum
(ii) als selbststeigerungsträchtige Glückseligkeit, unterschwellig verbunden zumal
(iii) mit einer Art von orgiastischer Erlösungsgarantie, was Alltag und Lebensrealität anbelangt … Was alles selbstverständlich in der Tat auch - sozusagen nebenbei - von der faktischen Welt der Gesellschaft und deren Mammon-Theologie, deren zuweilen banal-betrügerischen Machenschaften, deren intellektuell-geistiger Schlichtheit, deren Polit-Dilettantismus, deren wachsender Amoralität, deren Anfälligkeit für Primitivismen aller Art, ihrer Ungerechtigkeit, ihrer aggressiven Ideologie-Anfälligkeit und ihren korrupten Verwicklungen usw. usw. ablenken/abziehen soll
(3) Unter dem Begriff „Überflussgesellschaft“ fasse ich zusammen/verstehe ich: Eine - auch - dekadenzlüsterne Wohlstandsgesellschaft, in der sich der Genuss von Wohlleben als einzige Quelle/Grundlage von L e b e n s s i n n im Bewusstsein der allermeisten ihrer Bürger unverrückbar festgesetzt hat; indes materieller Wohlstand, auch das sei noch einmal gesagt - er mag immerhin auch in der Tat so manche Befriedung und Entlastungschance gewähren - keinen Lebenssinn gewähren kann, denn: nach und nach bewirkt auf Dauer gestelltes Wohlleben - das ist eine Erfahrungstatsache - als diesseitsfixiert-atheistisches (gottloses), materialistisches (trivialkonsumtives), utilitaristisches (rein nutzenorientiertes), hedonistisches (lustbezogenes)/ eudämonistisches (glücksbezogenes), infantilistisches und narzisstisches Vollzugsbegehren eine Art „Verkümmerungsentglückung“, die letzten Endes nur den Scheinausweg offen lässt, sich noch häufiger und intensiver den vielfältigen Formen eines tatsächlichen (unbemerkten!) S e l b s t konsums hinzugeben, um noch unzufriedener, freudloser, oberflächlicher, aggressiver und monadenhaft gleicher: in immer mehr Fällen seelisch und geistig mehr oder weniger „herunterzukommen“ - bis zur jener sterilen Innerlichkeit, die alle diese Erlebnisjäger tendenziell auszeichnet: die Gewissensarmut als Innenweltverdorrung, weiter: als psychisch anonym wühlender Nihilismus; der dadurch gekennzeichnet ist, dass er sich - etwa im Gegensatz zum geistig-metaphysisch gewirkten Nihilismus durch Glaubensverlust -
(a) recht gut, zuweilen lebenslang, verhehlen lässt dadurch, dass man sich sozusagen „Erlebnisketten“ hingibt, also währender intensiver Ablenkung (also durch auf Dauer gestellten „Erlebnis-Konsum“) von sich selbst und sich der geschönten Erlebnis-Gesellschaft und -Welt verschreibt und/oder
(b) sich einer der so zahlreich angebotenen Weltausdeutungs-Sinn-Schimären überlässt und/oder
(c) sich einer politischen Ideologie verschreibt, um den „objektiven Nihilismus“ einer verdinglichungsträchtigen, kapitalistisch allgeprägten Welt und die aus eben diesem Nihilismus resultierende Neigung zu psychischer Verwirrung (auch: seelischer Leere) förmlich zu ertränken; und/oder (die simplere Variante),
(d) gleichsam verehrungsgläubig, einen „Star“ (Pop-, Sport-, Film-Star, also einen Halbgott der präferenzemotional Desorientierten) anhimmelt, also, allgemein gesprochen,
(e) sich als eine durch den Markt außengelenkte Sozialmonade* scheinträchtigen Lebensvollzügen gelingender Ablenkung überlässt (wovon es heutzutage zahlreiche gibt), um sich auf diese Art psychoethisch existenziell „über Wasser zu halten“.
Um es noch einmal klar zu sagen: Die Menschen entkommen diesen Phänomenen nicht, sie werden von diesen hilflos überwältigt; es geht also nicht an, sie arrogant zu maßregeln oder sie gar für existenznaiv zu halten: man machte sich vor sich selbst lächerlich, täte man es.
Anm*:
Monaden/Atome (sehr allgemeine Hinweise). Von griech. μονάς = monás = Einheit, das Einfache, weil nicht aus mehreren Teilen Zusammengesetzte, das Unteilbare. In der griechischen Philosophie bezeichnet der Begriff „Monade“ oder „Henade“ = „Einheit“; z. B.
(1) Monaden sind geistige(!) Einheiten wie die platonischen Ideen, die ewigen (immerseienden), rein geistigen, unveränderlichen Wesenheiten als Urbilder der materiellen Einzeldinge, die Abbilder der Ideen sind. Nach Platon von Athen (427 – 347 v. Chr.) gilt:
Die Materie ist/nach Platon
(*) das Chaotische (*) das Strukturlose, das Ungeordnete (*) das Veränderliche (*) die Welt des Materiellen (*) das Teilbare (*) das Zeitliche (*) das Passive (Aufnehmende) (*) das Nichtgeistige (*) die Domäne der Abbilder (der Urbilder = Ideen: Die vielen realen (materiellen, also werdenden und vergehenden) Dinge sind Abbilder der Ideen: der ewigen, unwandelbaren, rein geistigen Urbilder) (*) Die Materie ist den Ideen nachgeordnet; sie ist das passive Prinzip. Die Ideen sind (*) rein geistiger Natur = rein geistige Strukturmächte/Geistformen und als solche (*) unveränderlich (*) ewig (zeitlos) also: immer seiend (*) unteilbar (*) Urbilder (nach denen die Dinge = Abbilder geschaffen worden sind (vom Demiurgos = griech.: Handwerker, Künstler, bei Platon: Weltbildner )
(*) Die Ideen sind der Materie in jedem denkbaren Sinne vorgeordnet
(2) Oder: Die Materie besteht aus materiellen(!) Monaden (Einheiten), nämlich: Atomen (átomos = unzerschneidbar, unteilbar); so nach Demokrit (von Abdera in Thrakien, 460 – 380/70 v. Chr.) und Leukipp (ihr Verhältnis zueinander ist unklar), aus denen alle sinnlich erfahrbaren Dinge zusammengesetzt sind (auch wir, die Menschen, wobei unsere Seelen aus sehr feinen Atomen bestehen; die freilich ebenfalls materielle Atome sind)
(a) Zunächst zum Namen ‚Atom’: atomos wörtlich: unzerschneidbar , temnein, schneiden;
a = privates Alpha = verneinend, wegnehmend, wie im Deutschen: un-, nicht-: unfähig, nichtswürdig)
(b) Die Atome sind
(i) das (materiell) seiende und volle Element, massiv, nicht affizierbar (können nichts ‚erleiden’), sind unentstanden, unvergänglich, numerisch (der Anzahl nach) unendlich viele, unteilbar (das sagt schon der Name)
(ii) Die Atome unterscheiden sich nach Form, Anordnung, Position, Größe (von dieser hängt das spezifische Gewicht ab und dieses wiederum hat Einfluss auf die Bewegung des Atoms)
(iii) Die Atome haben die Fähigkeit, sich zu Aggregaten zusammenzuschließen und so die wahrnehmbaren Körper (auch den menschlichen) zu bilden
(iv) Status der Atome: Die Existenz der Atome kann nicht unmittelbar beobachtet werden: sie sind so klein, dass sie nicht wahrgenommen werden können. Daher können die Existenz der Atome und die ihnen zugesprochenen Eigenschaften/Prädikate (vgl. oben (a)) nur durch Denken erschlossen werden.
Jedenfalls: Schon bei Demokrit/Leukipp finden wir die Ansicht, dass auch der Mensch und seine Seele aus materiellen(!) Atomen bestehen, nur dass sie noch nicht wussten, dass es noch kleinere materielle Teilchen gibt, die diese Atome aufbauen (die heutige Sicht: Nämlich Quarks und Elektronen). Und es gibt - natürlich - Unterschiede zwischen Demokrit/Leukipp und der heutigen Auffassung der Atome (heute: materiell-energetisch); auch sind, das wissen wir heute, die Atome entstanden (haben sich nach dem Urknall vor 13,82 Milliarden Jahren gebildet, sind also nicht ewig wie bei Demokrit/Leukipp).
(3) Oder: Monaden sind letzte geistige(!) Einheiten
So bei G: W. Leibniz; in dessen Monadologie sind die Monaden letzte geistige Einheiten (vollendete, sich selbst genügende Wesen, auch ohne Beziehung nach außen, oder Seelen: franz.: âmes oder auch Entelechien = griech.: Entelechie ist das, was sein Ziel in sich selbst hat; seit Aristoteles (Platonschüler, aus Stageira, Halbinsel Chalkidike, 384 – 322 v. Chr. die Form, die sich im Stoff verwirklicht), aus denen sich die Weltsubstanz zusammensetzt.
G. W. Leibniz, Monadologie, Reclam 7853: 1
„La M o n a d e, dont nous parlerons icy n’est autre chose, qv’une substance simple, qvi entre dans les composés; S i m p le, c’est à dire sans parties." Übersetzung von Hartmut Hecht: 1 „Die M o n a de, von der wir hier sprechen werden, ist nichts anderes als eine einfache Substanz, die in Zusammensetzung eingeht; e i n f a c h heißt: ohne Teile.“
(4) Monaden hier zu nennen, erlaube ich mir auch - angeregt von Leibnizens „einfachen“, aber geistigen Monaden - die materiellen Quarks und Elektronen, die ebenfalls einfach (ohne Teile sind), aber nicht(!) geistige, sondern physikalische/ materielle(!) Teilchen sind (s. oben (A): die Urteilchen der baryonischen Materie, aus denen wir selbst bestehen
(5) Erklärung: Der von mir in den Gedichten oft verwendete Ausdruck „Monade(n)“ meint hingegen auch uns Menschen als einzelne (subjektive, gesellschaftlich exemplarisierte, für sich seiende, ich- und selbst-einsame), auf sich selbst verwiesene Einzelne, gekennzeichnet durch genetische Einmaligkeit und ichtypisch-emotionalen Prägungen, beruhend auf Herkunfts-, Erfahrungs-, Begabungs- und seelisch-intellektuell-emotionalen Besonderheiten … meint also auf ihr eigenes einmaliges Sosein („Wesen“) zurückgeworfene Einzelne („Ich-Monaden“; obwohl unser Ich k e i n e Einheit ist), als die wir
(*) ausnahmslos agieren müssen in einer uns ihrerseits existenziell-psychoethisch nachhaltig steuernden/ ausrichtenden/kommandierenden - wie ich sie sehe: - nihilistischen Überflussgesellschaft, in der wir uns als die, die wir - sozusagen uns selbst ausgesetzt und ausgeliefert unabänderlich sind - unserer (zumindest genetisch determinierten) Individualität und unseren zufälligen Prägungen entsprechend zurecht finden müssen, unser Dasein demgemäß zu vollziehen (durch uns selbst für uns selbst bestmöglich zu meistern), also uns zurechtfinden müssen in einer modernen Welt, die uns sei es hemmt, weil wir, um sie für uns zuträglich zu bestehen, gar nicht über die individuellen Mittel verfügen, sei es uns, umgekehrt, soziale Entwicklungsmöglichkeiten bietet und dementsprechend trägt, leitet, erfüllt, sei es aber auch abstößt, bedrückt, heimsucht, weil sie, wie etwa für mich, kulturarm-geistlos, überfordernd-rücksichtslos, plump-aufdringlich-hysterisch (dies vor allem auch widersprüchlich: zugleich geradezu moralisch ergriffen, indes faktisch sittlich verkommen ist), überhaupt hyperkomplex (z. B. reflexionshypertroph: intellektuell überfordernd), konsumtiv dauererregend, subtil aggressiv, faktenflüchtig, glücksfeindlich usw. ist, also eine Zivilisation der Maßlosigkeit, der Gleichgültigkeit, des Phrasenkonsums, der narzisstischen Aufgeblasenheit usw., also eine Gesellschaft ist, die (wiederum: so sehe i c h es)
(*) uns als Individuen zu reduzieren droht zu narzisstisch-wirklichkeitsverlustig-ichschwachen, geistig-metaphysisch enteigneten, Selbst-, Du-, Wir- und Welt-Verbrauchern, die uns als Individuen zwinge will,
(*) uns selbst zu verdinglichen (zu Waren zu machen), uns zuweilen zwingt,
(*) auf uns selbst zurückgeworfen, permanent auf der Suche sein zu müssen nach so etwas wie erlebnisradikalem Entlastungsstumpfsinn (auch mittels Drogenkonsum), um uns
(*) emotional aufgewühlt, ja: ekstatisiert (berauscht), der Leere und der Banalität ihrer Lebensweltgefüge zu entziehen, um uns fallen zu lassen in Faktenweltausblendungen für seelisch verletzte, verkümmerte oder blasierte „sozial lädierte Gesellschafts-Monaden“, uns also zu reduzieren auf Erlebnissammler, für die durchweg gilt, dass sie sich auf konsumtives Glück allein kaprizieren, auf eine Art von Glück dauergleicher Berauschung also, die, kaum vergangen, uns schon wieder nach weiterer gieren lassen, zumal wir doch durchweg einer alltäglichen psychoethisch-existenziell sehr fordernden Bewältigung von Lebensumständen „eingebettet“ sind, die von uns kaum noch ohne Innenwelt-Verwerfungen in wachsender Einsamkeit (ein Phänomen, das sich in Überflussgesellschaften, die die Individuen als Kunden auf sich selbst: ihr „nacktes Sosein“, zurückwerfen, gar nicht zu vermeiden ist) … Zu all dem sage ich, wie ausgeführt, nein, versuchend mich wenigstens selbst zu bewahren (s. o.)
(*) Ich rede also von Monaden - uns: den Individuen der gegenwärtigen Überflussgesellschaft -, die sehr wohl und sehr deutlich spüren (wenn auch darüber nachzudenken, sich weigern, weil sie ahnen, die daraus dann einsichtsfundiert resultierende psychische Belastung nicht ertragen zu können), dass sie einer durch sie zunehmend immer weniger meisterbaren, in der Tat hochkomplexen, aber auch deswegen - scheinbar - immer unübersichtlicher werdenden Welt, zumal immer häufiger einer zunehmenden Ausnutzung durch kleingaunerhafte Tricksereien, einer wachsenden finanziellen Ausbeutung und zuweilen auch einer politkorruptiv-inkompetenten Indolenz, einer weltfremden Tugendhypertrophie und typisch ideologischen Tatsachengleichgültigkeit ausgesetzt sind, in deren Gefolge die Realitätsverluste auf Seiten ihrer politischen und wirtschaftlichen Funktions-Eliten immer größer zu werden scheinen.
Monaden, das sind also
(א) immer mehr ihrer zufälligen individuellen Grundprägungen verlustige und zumal fortschreitend vereinsamt auf sich selbst zurückgeworfene,
(ב) sich selbst zugleich als Erlebniskonsumeinheiten überantwortete und als diese
(ג) zugleich permanent den Verwerfungen ihrer Gesellschaft hilf- und mittellos ausgesetzte, folglich
(ד) geistig immer weniger widerstandsfähige, weil, hochkulturell verlassen, freigesetzte,
(ה) immer leichter - zumal die dazu benötigten Techniken immer ausgefeilter werden (KI) - steuerbare und folglich
(ו) sich, was ihre Daseinsaspirationen/-Ziele, -Zwecke, -Wünsche und -Sehnsüchte anbelangt, immer ähnlicher - und also zugleich immer „gemütsschlichter“ - werdende,
(ז) zunehmend „austauschbare“ Exemplare,
(ח) die seelisch immer mehr verdorren und am Ende im Extremfall -
(ט) so was wie Freiheit, Unabhängigkeit, Selbststeuerungsfähigkeit und Individualität werden eingebüßt haben
(6) Dazu nun ein kleiner Exkurs über „monadentypische“ Einsamkeit/idealtypisch formuliert (also: „geistpuristisch“ herauspräpariert: ohne Rücksicht auf empirische Brüche/ Widersprüche)
Eigentlich habe ich es schon gesagt: Die heute alles dominierende Überflussgesellschaft zieht sich - immer erfolgreicher - metaphysisch-psychoethisch alleingelassene und desorientierte „Erlebniskonsumenten“ heran, die, innerlich radikal an diese Gesellschaft gebunden und also quasi abstandslos in sie versunken, diese als komplexe „Welt“ erleben, aber nicht erfahren; meint: nicht intellektuell erfassen und geistig erkennen, vielmehr, „wohlstandsreligiös“ von dieser umgarnt, sie, hedonistisch außengelenkt, an sich tief innerlich vorbei gleiten lassen (müssen), gewissermaßen durch „All-Verbrauch“ vollständig von ihr gekapert/in Beschlag genommen; so denn als Sozialmonade - in dem speziellen Sinn von Selbstvergessen- und Selbstverlorenheit - einsam; einsam sich selbst verbrauchend in/im Erlebniskonsum - was freilich auch als seelische Schutzmaßnahme dienen mag: als konsumtiv fundierter Immunisierungsdruck gegen die Gefahr, sich selbst als „zerronnene“ Person erfahren zu müssen. Weiter: Die an sich - gesellschafts- und zeitgeistbedingt - auf sich selbst zurückgeworfenen (Sozial)-Monaden - ihre Beziehungen und Kontakte sind dauerbrüchig, da es solche sind zu anderen (pseudo-)rationalen, da marktabgerichteten, Egoisten, die sich gegenseitig ausbeuten oder auch missbrauchen, um das eigene, heute in der Regel narzisstische, Ich-Selbst zu erhöhen, zu glorifizieren, zu stabilisieren, zu stärken usw. usw. - handeln, agieren, inszenieren sich (müssen das geradezu zwanghaft) als autokonsumtiv-einsame Gesellschaftsatome - und das ist wohl auch ein (verdeckter/ verdrängter) Grund für die zunehmende(n) allgrassierenden zeitgeist-typischen Wirklichkeitsverluste … einmal abgesehen von dem progressiven Werteverfall, der unsre heutige Gesellschaft kennzeichnet, ein Werteverfall, der auch vor der Familie (diesem möglichen Hort letzter Geborgenheit) nicht haltmacht; man vergegenwärtige sich nur einmal die Scheidungsraten … deutliche Indizien dafür, dass die traditionellen Halte mehr und mehr verschwinden, die Individuen mehr und mehr auf sich selbst zurückgeworfen werden.
(7) Narzissmus (am klarsten an US-amerikanischen Verhältnissen und Gegebenheiten ablesbar, weil er, dieser Narzissmus, dort zuweilen offen ausgelebt/zur Schau gestellt wird)
Die heutzutage „pandemische“ (Reinhard Haller, Die Narzissmus-Falle, Salzburg, 2013)
Narzissmus
(a) umfasst v. a. Phänomene der Seelenkälte und Gewissenlosigkeit, derer der Narziss als Halt, Trost und „Medikament“ bedarf, um sich seine Hilflosigkeit vor den Fakten seines Daseins und seiner realitätsblinden Orientierungslosigkeit zu verbergen: Der typische Narzissmus ist primär Ausdruck einer geistig mittellosen Durchschnittsexistenz: Er will (muss) ein triviales Ich herausheben und erhöhen, um sich auf diese Weise Prestige bei anderen (gleich Betroffenen) zu ergaukeln
(b) Der grassierende Narzissmus ist (auch, nicht nur) die Weise eines faktisch orientierungslosen Selbstinszenierungszwanges als Reaktion auf die systemimmanent angelegte: subjektive Konditionierung zur Marktmonade im Rahmen kapitalistisch-naturwissenschaftlich-technischer Halt- und religiös-ideell-metaphysischer Verlassenheit: Bodenlosigkeit
(c) Und weiter: Tatsächlich ist der grassierende Narzissmus auch ein Beweis dafür, dass die exemplarisierten (psychisch auf Gleichheit „getrimmten“) Individuen ahnen, dass sie zu egalitären (hier: dasselbe wollenden, erstrebenden, fühlenden, wertschätzenden, begehrenden, verabscheuenden, meinenden, machenden, unterlassenden usw.), also auswechselbar(!) dieselben seienden - manchmal nur tendenziell, manchmal ausnahmslos - selbstbestandslosen, innenweltleeren und metaphysisch verlassenen = atheistisch-hedonistisch ehr-, halt- und zunehmend - es sei noch einmal gesagt - gewissensarmen Individuen als austauschbaren Exemplaren geworden sind -, ohne dass sie die Chance hätten, sich aus diesem „Gefängnis der Austauschbarkeit“ befreien zu können): Sie sind eben Geschöpfe des Marktes (wie wir alle), die eine von ihnen ersehnte Einmaligkeit, gar Außergewöhnlichkeit, nur noch mimen, darstellen, inszenieren: schauspielern können: Ihr Narzissmus ist eine Art Entlastungsrausch existenziell definitiv ihrer selbst benommener, ichschwacher Daseinshilfloser. Eigentlich ist der gängige Narziss eine Art Auftrags-Clown der Marktverhältnisse (typisch dafür: sich ständig selbst lobende Politiker oder der Pop-Star oder mancher Hollywood-Star).
(8) Die 4 Komponenten des Narzissmus (s. Reinhard Haller, S. 40):
(a) Egozentrizität (Ich-Bezogenheit/Im eigenen Ich „schwimmen“)
(b) Empfindlichkeit („krankhafte“)
(c) Empathie-Mangel („Seelenkälte“)
(d) Entwertung (anderer)
Diesen Narzissmus - als klinischen - charakterisiert der Psychoanalytiker Otto. F. Kernberg folgendermaßen (zitiert bei Reinhard Haller, S. 100f): „Die Hauptkennzeichen narzisstischer Persönlichkeiten sind also Größenideen, eine extrem egozentrische Einstellung und ein auffälliger Mangel an Einfühlung und Interesse für ihre Mitmenschen, so sehr sie doch andererseits nach deren Bewunderung und Anerkennung gieren. Sie empfinden starken Neid auf andere, die etwas haben, was sie nicht haben, und sei es einfach Freude am Leben. Es mangelt diesen Patienten nicht nur an Gefühlstiefe und an der Fähigkeit, komplexere Gefühle anderer Menschen zu verstehen, sondern ihr Gefühlsleben ist auch nur mangelhaft differenziert, die Emotionen flackern rasch auf und flauen gleich wieder ab. Was besonders auffällt, ist das Fehlen echter Gefühle von Traurigkeit, Sehnsucht, Bedauern; das Unvermögen zu echten depressiven Reaktionen ist ein Grundzug narzisstischer Persönlichkeiten“ .Von anderen verlassen oder enttäuscht, können sie wohl in einen Zustand geraten, der äußerlich wie eine Depression erscheint; bei genauerer Untersuchung erweist sich jedoch, dass Wut, Empörung und Rachebedürfnisse dabei die Hauptrolle spielen und gar nicht so sehr eine echte Traurigkeit über den Verlust eines geschätzten Menschen.“ (Hervorhebungen von mir, Sa.)
(9) Bemerkungen/Meine mir existenziell wichtigsten Ziele/Zwecke
(1) Gedichte schreiben = geistig-affektvirtuos reproduzierte „Selbst-Entbergungen“ nur unterschwellig greifbarer: affektfundierter Kommando-Chaotik
(2) möglichst wertfreies Erkennen (falls das nicht eine Illusion ist, denn man kann nicht nicht werten)
(a) meiner selbst als Individuum/Person/Gesellschaftswesen usw. usw.
(b) meines physikalisch-chemisch-biologischen Status als materieller: tierischer Daseins-Einheit
(c) meiner selbst als geschichtlich-gesellschaftliches Wesen
(d) meiner selbst als dauerverhilfloste System-Monade (Markt-Einheit als abstrakter Kunde: Umsatzpotential), die, unweigerlich auch affekt- und vorurteilsgetriebene Werte- und Perspektiven-Monade in einer hochproblematischen (von niemandem als diese gewollten) Welt der zunehmenden Selbstgefährdung der Art „homo sapiens“ (z. B. was die ökologischen, kulturellen, irrational macht-zentrisch politischen und religiös-fundamentalistischen Unwägbarkeiten usw. usw. anbelangt) sich - auch - zufälligen Prozessen ausgeliefert weiß, die sie nicht ansatzweise beeinflussen und abwehren kann.
Um es kurz zu machen: Was immer mir die Kraft gegeben haben mag, es mir einzugestehen - für mich ist es gewiss: Es gibt überhaupt keinen objektiven Lebenssinn, man mag ihn subjektiv suchen - es gibt da sehr viele Möglichkeiten -, worin auch immer (und vielleicht auch - man wird es jeder/jedem gönnen - finden): Im Glauben an Gott, im Schoß einer intakten Familie, in beruflichen Erfolg, in wirtschaftlicher Sicherheit, in sportlicher Aktivität, in der einem gegebenen Fähigkeit, sich nicht narzisstisch zu verlächerlichen, sondern anstandswillig-faktenorientiert-sozialkooperativ-leistungswillig zu versuchen, sein Leben zu führen und zu meistern …
Wenn man weiß, was und wer man ist und sein kann (oder nicht sein kann) oder zu sein scheint (aber nicht ist), weiß, dass man sich nur selten selbst überhaupt gegeben ist (weil man sich nur geistig gegeben sein kann) … weiß, dass man als Widersprüchlichkeiten ausgeliefertes und Sprach-Konstrukt-Wesen eine Kreatur ist, ein Kulturwesen, nach Nietzsche ein Traum- und Rausch ausgeliefertes Wesen, nach Pindar von Theben gar nur eines Schattens Traum sein kann: überhaupt ein unfest-dauerformbares, substantiell irrationales, verführbares und zeitgeisthörig geprägtes Wesen ist, dann gibt es nur noch eine einzige Form einer
(*) nicht metaphysisch
(*) nicht vernunft-
(*) nicht einsichtsprivilegiert-ehrenhaft-elitär
(*) und nicht rechtlich gebundnen/fundierten Würde, nämlich die Würde, die man sich zuschreiben darf, wenn man sich bemüht hat, sich nicht geistig korrumpiert und vereinnahmt gelassen zu haben von dem kapitalistisch geprägten gesellschaftlich-wirtschaftlichen System, um letztlich trancehaft dahinzuleben in wohllebenstrunkener Entlastungs-Verlassenheit.
(10) Weiteres zum Thema „Überflussgesellschaft“
Unter dem Begriff „Überflussgesellschaft“ verstehe ich weiter: Einen schleichenden kulturellen Niedergang der westlichen, demokratisch verfassten Gesellschaften, denn
(a) diese Gesellschaften sind durch und durch dekadent: erlebnishedonistisch-emotionalisiert: geistig-seelisch-sprachlich verkümmert, faktenflüchtig und reflexionsarm;
(b) an die Macht (durch Wahl) in diesen Gesellschaften gelang(t)en immer mehr halbgebildete, wirklichkeitsverlustige, karrieresüchtige, am Gesamtwohl ihrer Gesellschaft eher desinteressierte narzisstische Staatsschauspieler, Selbstbestandsarme, Tugend-Wirre und Gesinnungsarrogante
(c) diese Gesellschaften zeigen eine wachsende Kluft zwischen Reich und Arm; und: eine Erosion der Mittelschicht; deren Mitglieder verarmen; kurzum: Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter und weiter auseinander;
(d) so wie der amerikanische Traum sich als Illusion erwies - die er wohl für die meisten Menschen schon immer war -, so wird in Deutschland das Wohlstands-Niveau für immer mehr Menschen eher sinken: Mögliche zukünftige deutsche/westliche Probleme (ich spekuliere(!) … womöglich die zukünftigen Verwerfungen völlig verkennend/verfehlend, weil die Zukunft nur noch einen einzigen Herrn haben könnte: Den Krieg.
(i) wachsende Staatsverschuldung (Deutschland);
(ii) einer aufgrund dieser dann weiter zerfallenden Infrastruktur (Deutschland);
(iii) sich verschlimmernde Klimawandelprobleme (der Klimawandel wird nicht nachhaltig aufgehalten werden können - mit allen daraus sich ergebenden Verwerfungen) - weltweit
(iv) die zunehmende naturwissenschaftlich-technisch-ökonomisch-kulturelle Dominanz Chinas und Indiens (vor allem Chinas, dem Europa kaum noch etwas wird entgegenzusetzen haben); also: sich zuspitzende ökonomische Probleme auch in Deutschland
(v) finanziell nicht mehr meisterbare Kostendeckungslücken, etwa im Zusammenhang mit der signifikant angestiegenen Überalterung der Gesellschaft (Rente, Pflegeversicherung …) (Deutschland);
(vi) Fachkräftemangel, weil nicht genügend Fachkräfte werden in ein Land mit wachsenden Problemen kommen wollen (Deutschland) - einmal abgesehen von dessen nur sehr mühsam erlernbaren Sprache;
(vii) der endgültige(?) moralische, politische, kulturelle usw. Niedergang der USA;
(viii) in allen diesen westlichen Gesellschaften werden wir es zu tun haben mit Bevölkerungen, die massive Vertrauensverluste, was die Problemlösungskompetenz der Politik überhaupt anbelangt, erlitten haben werden
(ix) der Niedergang der Demokratie (Westen generell)
(x) als Folgen all dieser Probleme eine weiter zunehmende Anomisierung (soll auch heißen: Haltlosigkeit, geistig-seelische Verarmung, Orientierungslosigkeit, Kriminalisierung, sinkende psychische Widerstandsfähigkeit und massive Realitätsverluste: eine permanente Infantilisierung, Emotionalisierung und Verwahrlosung von größeren Teilen der Bevölkerung; diese sind schon heute auffällig als erlebnis-/entlastungserpicht, ichsüchtig, marktknechtschaftlich allgesteuert, belämmerungshedonistisch ungebildet, infantil und also bedenklich sprach- und reflexionsarm und: „nihilistisch befangen/entmutigt/gelähmt“ (Westen))
(xi) was auch heißt, dass sich der Fluch der Mediokrität - und mit ihm die Verführbarkeit der reiz-, effekt-, show- und parolenhörigen Menschen - immer weiter - zum Schaden besonders einer demokratischen Verfassung und ihrer Rechtsstaatlichkeit - ausbreiten wird: Die Menschen werden leerformel-, phrasen- und „guru“-hörig, folgen Verschwörungstheorien und politisch impotenten „Bauernfängern“: die Bevölkerungen werden psychoethisch geschwächt, ideologisch primitivisiert und politisch unmündig: unterliegen sie diesen Fragwürdigkeiten doch nicht weniger als ihre politischen Repräsentanten … es drohen Anarchie/ Unregierbarkeit/dann: Despotisierung und Diktatur … (Westen)
(11) O d e r: Der Westen fängt sich und gewinnt seine frühere ökonomische Dominanz weitgehend zurück.
O d e r: Der Westen und Osten tun sich zum gegenseitigen ökonomischen Vorteil zusammen.
O d e r: Die gesamte Welt tut das, auch weil die massiven Klimawandelprobleme sie dazu zwingen.
O d e r: Die westliche „anomisierend-anarchisierend-wirklichkeitsverlustige“ Dekadenz ergreift auch die übrige Welt … Folgen: Diktaturen
(12) verstehe ich unter dem Begriff „Überflussgesellschaft“ weiter diese, teilweise schon genannten, Phänomene:
(a) Emotionalisierung (Bezug: Sport, Medien, Politik)
(b) Sentimentalisierung (Betroffenheits-Inszenierungen)
(c) Infantilisierung (Bezug: Zeitgeist, Politik, Schnäppchenjäger-Mentalität)
(d) Narzisstische Inszenierung (Bezug: Promis, politische Figuren)
(e) Schaumschlägerei (Bezug: Reklame, Wirtschaft, Kulturindustrie)
(f) Depersonalisierung (Bezug: Das marktfundamentale Heranziehen/Abrichten von Körpermonaden qua Bedürfnisträgern statt autonomer Personen)
(g) Mystifizierung durchschnittlicher Menschen (Bezug: Pop-, Film- und Sport-Stars), die "verhalbgottet" werden.
(h) Das marktfundamentale Abrichten von Banalophilen = „Verflachungsbetörten“ (Bezug: Zerstreuungssüchtige, realitätsflüchtige = eskapistische Lustpfleger, fun morality-Anbeter, wörtlich: Liebhaber jeglicher Art von Verflachschichtigung)
(i) Standardisierung (des Geschmacks, des Denkens, Wollens, Fühlens, Hoffens, Sehnens usw.)
(j) Marktknechtschaft (die Knechte sehnen sich danach, Knechte zu sein: Sie sehnen sich nach einer als Freiheit empfundenen „friedlichen Knechtschaft“: „Une servitude paisible“, so Alexis de Tocqueville)
(k) Permanentes Absenken der Selbstansprüche: Man will sein Leben erleben, aber nicht mehr führen; und also auch nicht mehr erfahren, denn nur ein erfahrenes = reflektiertes, durchdachtes und in seiner unvermeidbaren Widersprüchlichkeit und prekären Dauerverfasstheit verstandenes und als solches hingenommenes Leben lässt sich auch führen (vielleicht; denn ein durchschautes Leben kann ja durchaus auch bedrücken bis zur seelischen Entkräftung und definitiven psychoethisch-geistigen Verkümmerung und selbstzerstörerischen Antriebslosigkeit)
(13) Unter dem Begriff „Überflussgesellschaft“ verstehe ich endlich: Eine Gesellschaft eines schleichenden Rechtstaatszerfalls und einer immer offenkundiger werden Gefährdung der Demokratie
Dazu 3 Zitate:
Jens Gnisa/Richter, Das Ende der Gerechtigkeit, Freiburg im Breisgau 2017, S. 13:
„Mangelnde innere Sicherheit, Rechtsverstöße durch die Politik und populistische Ausweichmanöver, wenn es um die Verantwortung für die Bürger dieses Landes geht: Für mich besteht kein Zweifel, dass ein zentraler Eckpfeiler unserer Gesellschaft in Gefahr ist: der Rechtsstaat.“
Ebenda, S. 21: „Unser Staat hat aufgehört, sich durchsetzen zu wollen. Das ist eine fatale Entwicklung. Denn Recht, das nicht durchgesetzt wird, findet keine Beachtung. Die Menschen respektieren es nicht mehr. Das widerspricht nicht nur dem Rechtsstaat an sich, sondern auch der Demokratie …“
Ralph Knispel/Oberstaatsanwalt, Rechtsstaat am Ende, Berlin 2021, S. 21: „Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass unser Rechtsstaat in Teilen nicht mehr funktionsfähig ist.“
(14) Oder ich habe vielleicht deswegen gehörigen Unsinn geredet, weil schon nächste Woche der Vater aller Dinge uns und unsere global Welt heimsuchen und richten könnte: Der Krieg.
(Heraklit von Ephesos (um 540 – bis um 480 v. Chr.), Spross einer Königsfamilie, sagte dies: „Krieg ist von allem der Vater, von allem der König, denn die einen hat er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien gemacht.“ In: Die Vorsokratiker/Griechisch/Deutsch, Reclam Nr. 18971, Stuttgart 1983, S 265)
Es folgen 12 Gedichte
Unschulds-Schrei (39/2288)1
Was dies mein Dasein sei,
was aus es mache,
ich meine objektiv, an sich.
Das wollt ich immer wissen,
abgesehn
von Träumen,
Lebenslügen und Fiktionen.
Nun ja: Sichselbstversäumen
eines Rollen-Ich
in einem hochprekären Kollektiv
von Scheinmoral,
Bedarfs- und Trieb-Geschehn,
Pleonexie beflissen,
dabei niemals frei.
Auf dass es sich als Gegen-Sinn entfache:
Als kommandierter Unschulds-Schrei.
Entseelungs-Nihilismus (39/2289)2
Die Seelen sind doch ausgedünnt,
Reflex nur noch auf ein Phantom-Gemenge
aus Reiz, Effekt und Emotions-Absinth,
auf dass man selber sich bedränge
mit allen Formen von Erlebnis-Hypes,
sich einzufühlen Zeitgeistkult-Magie
als Züchter seines Waren-Ich-Selbst-Leibs,
im Banne selbstverzückter Anomie.
Indes das muss so sein, dass komme runter
dies tiefabsurde Wohlstands-Kartenhaus.
Im Kern doch nichts als bloßer Plunder:
Als Affen-Selbstverfehlungs-Saus und Braus.
Zynische Großgesinntheit (39/2290)3
So greift denn zu, ihr Selbstkultwesen,
verschludert euch bedenkenlos.
Ist doch an dieser Welt so gut wie gar nichts groß:
Sie wird euch ewig Illusionen fräsen.
Fakt ist, ihr tragt an euch nicht Schuld:
Seid ihr doch hilflos selbst euch ausgesetzt
in diesem Nihilismus-Kult,
der euch in Gram-Exzesse hetzt.
Indes wer will das ernsthaft wissen?
Zumal wozu? So seid denn klug beflissen,
was immer geht, herauszuholen
aus dieser Daseinssucht, zumal dem Nichts befohlen.
All-Verlassenheit (39/2291)4
Zuweilen offenbart sich dieses Leben,
indem es ohne Trug sich zeigt:
Als sinnlos-leeres Streben,
als Farce in Trance und Illusion verzweigt;
als Einsamkeit in vielerlei Gestalten,
von denen man nichts wissen will,
lügt um sie sich in wieder weichende Gewalten,
wohl wissend, dass sie still:
Begleiter bis zum Ende bleiben:
Als All-Verlassenheit, die man doch ist:
Monadisches sich selbst Entgleiten
in undeutbarer Frist.
Der deutschen Sprache gewidmet (39/2292)5/Sonett*
Der deutschen Sprache Adel? Längst doch schon verloren;
vermag so kaum mehr irgendjemand zu bekunden,
dass anonym ihn steuern Trivialweltwunden,
die lassen sein ihn dann Erlebnisspaß vergoren.
So längst doch seiner selbst benommen und verschworen
Infantilismus, Selbstverlust und Geistesschrunden
im Bann von Schund- und Ich-Konsum-Entlastungs-Stunden:
so marktgewirkten Sinnfiktionen dumpf vergoren.
Ja: Sie ist dürr geworden, wortarm und gemein,
die schöne deutsche Sprache - kurzum primitiv;
kann nicht vermitteln mehr dem Sprecher jenes Sein,
das psychopsychisch trägt: beschwörend daseinstief.
Zumal sie’s deuten müsste als ein Zeitgeist-Nein:
Als Einsamkeits-, als Angst- und Nihilismus-Pein.
Siehe dazu den allerletzten Abschnitt in Golo Mann’s Werk: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Der lautet:
„Wir hoffen, das, was die Nation von anderen Nationen immer unterschied und unterscheiden wird, auch wenn ephemere Gegensätze verschwunden sind, unsere schöne Sprache, werde nicht dürr und gemein werden, sondern ihren Adel erneuern; und mit ihr alles, was im Wort seinen Ausdruck findet. Geschähe es nicht, was würde alle widergewonnene Großmacht und Scheinmacht uns dann helfen?“
Was ich tue (39/2293)6
Schreibe, wo ich geh und stehe,
auf, was ist, von Schein befreit …
Sätze, niederschmetternd simpel
Sätze, die dies Wirrspiel dunkeln,
das wir alle doch vergotten:
Diese wohlstandsdekadente,
infantile Mammon-Sause …
Sätze, die im Kern sie treffen,
sagen ihrer Leeren Macht.
Hilfloses Fragen (39/2294)7
Demokratie bewahren? Aber wie?
Wie könnte überzeugen man die Scharen,
die sich ergeben haben Indolenz,
ergeben haben Wohlstands-Glücksmanie?
Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich wird's
wie immer laufen: Die Tiefenschicht
wird die Vernunft verkaufen:
Das Es sich mit sich selber paaren.
Nur ER (39/2295)8
Nur ER, der undeutbare Geist,
könnte als dieser uns bewahren:
Uns, der Natur entlaufen,
so sich selbst entgleist
zu Ichsuchtknechten, also: Waren.
Wir sind dazu nicht selbst imstande,
weil uns nur Formeln und Fiktionen stützen,
uns wesensfremd sind andre Bande,
uns vor uns selbst und Gram zu schützen.
So werden wir wohl untergehen,
am Ende an uns selber scheitern,
verfügt der Hybris von Verstandes-Wehen ...,
die ratio-zwanghaft Selbstverlust erweitern.
Eine Tendenz deutscher Polit-Elite (39/2296)9/Sonett
Es nagt des Menschenwesens Arroganz -
sein intellektuelles Halbvermögen -
auch als moralischer Gewissens-Tanz
in weltumspannenden Erlösungs-Hegen.
Man sieht sich selbst als höchste Wert-Instanz,
wenn man erteilt dann den Sozialstaats-Segen,
flicht überhaupt sich jeden Tugend-Kranz,
den man dann trägt auf seiner Würde Wegen.
Indes tobt da auch heimlich Wesens-Tücke
in wortverstrickten Doppeldeutigkeiten:
Man mehrt dadurch auch eigne Machtsucht-Glücke,
versichernd, dass man stets moralisch leiten
sich selber lasse, weil nur das berücke:
Als guter Mensch für’s Beste sich zu weiten
Weltoffen (39/2297)10/Für Max Scheler
Weltoffen? Bin ich; bin es unbedingt:
Bin's selbstabständig-sachlich-objektiv;
auch wenn es mir nur schwer gelingt:
Bloß was zu fühlen, wäre primitiv.
So ist mir das Geschwätz von Vielfalt so zuwider;
und jenes, das von bunten Welten träumt.
Emotional-verlogne Einsichts-Gitter,
ideologisch-dünkelhaftt umschäumt.
Dem Geistigen kann's nur um Fakten gehen -
und eben nicht um die Partei-Moral.
Um sich nicht selbst zu hintergehen
und zu entlarven als verlogen-schal.
Gedichte VI (39/2298)11
Gedichte, das sind Selbst-Konstrukte:
Abgerungen Muttersprache,
Sinnverlusten, Trauer, Leeren,
Einsichtsqualen, Einsamkeit.
Manchmal voller Hass gedruckte
Seelen-Wunden dieser Brache,
Pseudo-Zwecke uns zu nähren:
Mammon-Allmacht-Kleid.
Gedichte sind Eroberungen,
geistesstill vollzogen.
Dass man sich selber sei gelungen
und nicht den Waren-Drogen.
Ist man diesen doch gedungen,
überspült von Ichgier-Wogen
konsumtiv korrupter Zungen,
schäbig allverlogen.
Geistige Ersatzrauschsucht (39/2299)12
Man ist sich selber los,
Gesellschaft, Welt:
All diese andern Artgenossen,
die einem fremd sind,
bleiben ewig rätselhaft,
wahrscheinlich haltlos,
wie man selber auch:
als Seelenschmerz-
und Gram-Verwerter,
Verfall verfügt als Exemplar,
als gleicher Trancen-Konsument.
Man ist das alles los,
schreibt man Gedichte,
sich selbst zu fassen,
seine Daseinslasten,
um sich so aufzulösen
in der Worte Fluten,
aus diesen sich zu klauben
einen Schein von Trost …
in ihren Sehnsuchtswirbeln
träumend sich zu greifen
als Nichtigkeitsgefüge,
nach Ersatz-Rausch süchtig.