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Diese Seite enthält Gedichte

Genau genommen (78/4222)1

Eigentlich sollte ich gar keine Gedichte schreiben:
Mein Fakten-Nihilismus lässt’s an sich nicht zu:
Er weiß vom Leben nur als tief absurdem Treiben,
von Selbstbetrug und Ausgesetztheit dem in jedem Nu. 

Von Lügen, Ausbeutung und schierer Amoral,
von Machtmissbrauch und von Charakterlosigkeit,
Pleonexie-Knechtschaft … der Diktatur der Zahl;
und dass man einsam bleibt, ob nun in Lust, ob Leid.

Doch wer Gedichte schreibt, will letztlich sich versagen:
sei es sich selbst, sei’s Fakten- und Gesellschaftszwängen,
indem er, geistig distanziert von allen Daseinslagen,
vergeblich sucht nach Gottes toten Sinnschaum-Mengen.

homo homini lupus (2) (78/4223)2

Man kann nur auf sich selber bauen.
Indes auch das nur allenfalls bedingt.
Wo wäre denn der Mensch, der sich gelingt,
der hielte stand dem Grauen,

das sich auf unsrer Seelen Grund auftut, 
wenn man in diesen tapfer blickt;
dann sieht der angelegten Barbareien Glut,
die alles das erstickt,

was wir so gerne von uns selber sagen,
dass gut wir seien, gütig auch:
uns würden gegenseitig tragen …
Doch Selbstbetrug und Wahn und Lügenhauch.

Der Niedergang der Demokratie? (78/4224)3

Ob dieses Land noch fraglos demokratisch sei?
Nun: rein formal-abstrakt gedacht, gewiss.
Doch faktisch auch? Ich tu mir ziemlich schwer,
da ohne Zögern auch gleich ja zu sagen.

Die Führung protzt zu oft mit Pseudo-Ethos-Litanei,
obgleich doch selbst verwickelt in so manchen Grund-Beschiss …
Ihr Sinn für Sachlichkeit läuft immer schneller leer.
Dieweil sie hofft, mit bloßem Wortbrei zu erjagen 
Beliebtheitswerte, die sie werden hoch dann tragen …
Oft aus rein machtstrategischem Kalkül:
Sie würde handelnd nämlich schnell verzagen,
weil so verriete sich, nur sich zu sein sei’s Zweck, sei’s Ziel. 

Ich glaube nicht, dass jene Führung will’s begreifen,
dass längst ist doch in der Substanz bedroht 
die Volksherrschaft, weil sie lässt zu viel Dinge schleifen:
Vor Selbstsuchtignoranz und Hybris ohne Lot.

Realitätskonform (78/4225)4

Dass objektiv bedeutungslos ich bin,
das hab ich immer schon gewusst.
Ist doch dies Dasein heute ohne jeden Sinn:
gesellschaftlicher Selbstverlust.

Doch Schuld daran kann ich da niemand geben:
Der Nihilismus ist systembedingt,
ist Teil von technisch-rational bestimmtem Streben,
das nur als destruktives noch gelingt.

Existenziell, politisch, kulturell,
ist es verlogen, pseudoethisch inszeniert.
Nichts weiter als Berauschungs-Karussell,
das schein- und phrasensüchtig deklassiert.

Was heiß denn Existieren heutzutage,
wenn nicht verflachungsschierer Einsamkeitsvollzug
als marktbefohlenes Verdinglichungsgelage,
an sich dann: selbstzerstörungsträchtiger Betrug.

                                     *

In einem psychoethisch-wertwirr infantilen,
erlebnisklerikal perfiden Trance-Gemenge
von Korruption, Empörung und Narzissten-Spielen
verkennt naiv man dann die anonymen Klänge,
die dies Gewebe leise säuselnd unterspülen;
verneinend, dass Verspaßung dauerhaft Gesellschaft trüge,
Subjektivismus schon an sich genüge,
dass immer weiter drehten sich die Wohlstands-Mühlen.

Indes die Innenwelten nach und nach zerfallen:
Die Menschen leiden unter den Vereinzelungen,
die sie erdulden müssen: seelenlose Markt-Vasallen,
als die sie doch nur Pseudo-Halten sind gedungen,
sodass in ihnen irgendwann verlockend widerhallen 
die leeren Worte von Despoten-Zungen. 

Der alte Mann (3) (78/4226)5

Wie lange mag das sein denn 
jetzt schon her,
dass ich ihn nicht mehr sah,
den alten Mann 
- den an der Haltestelle
für den Busverkehr -,
gewiss ein Jahr schon,
eher mehr.
Das ist sehr schade, 
denn er fehlt mir sehr:
Sein Lächeln fehlt mir,
dann dieser Gruß auch 
seiner welken Hand …
Ich wünsch ihm Glück daher,
Gesundheit, Gnade …
Doch sollte haben ihn 
der Tod gebannt,
dann ruf ich zu ihm:
„Jetzt fällt nichts mehr schwer;
Sie haben hinter sich 
nun unsre Fron,
von ihrem Druck 
von ihrer Kälte,
selbst ihrer Grausamkeit
für immer leer.“ 

Für Chrisbe in aufrichtiger Dankbarkeit (78/4227)6

Warst nicht gesegnet ja mit Lebensfreude.
Zumal behindert, unzufrieden und sehr kühl.
Als ob du hättest sagen wollen: Ich vergeude
mein Dasein als ein schales Sorgenspiel.

Und wenn die Schwester nicht gewesen wäre,
wärst du der Qual der Einsamkeit verfallen,
der Trauer einer permanenten Seelenleere,
dich windend in der Depressionen Krallen.

Jetzt bist du tot seit ungefähr zwei Jahren,
erlöst von dir und deinen Leidenszwängen,
vor denen ich dich durfte freilich oft bewahren,
weil tief gebannt in deinem Rauschsuchtdrängen.

Die Stunden mit dir werd ich nie vergessen:
Zumal du sie hast rücksichtslos genossen
als quasi lustsakrale Körper-Messen 
von Feuchtenschauern gierbesessen übergossen. 

Zum Ende hin (78/4228)7

Mein Leben neigt sich 
seinem Ende zu;
und das, das spüre ich 
schon täglich.
Als Leibverfall,
als Seelenleid.
als stilles Resignieren.
Um mich herum 
entstand ein Wall
von Weltabwehr, 
von Düsterheit …
von zynischem Negieren.
Wenn’s darum geht,
den Kern des Seins
als völlig sinnlos mir
vor Augen wieder mal 
zu führen.
Und ist es so,
dann hat man nichts,
rein gar nichts 
zu verlieren:
Dann geht man nur doch
wieder ein
in dieses Urknallwerks
Verlaufs-Nachhall.

Dasein heute - untergründig (78/4229)/Sonett

Es ist effektbanal, hysterisch und verlogen,
ist eine lautstark inszenierte Spaßzwangmühle,
Objekt der Ausbeutung für Wohlstands-Theologen,
gelenkt beschränkend sich auf nichts als Gierkalküle.
Es wird getrieben durch belämmerndes Gewühle
von Seelentrümmerzittern und Berauschungswogen;
entbehrt des Halts durch übersubjektive Ziele …
sei’s seiner selbst benommen, sei’s im Griff von Drogen.

Indes die Menschen durch Abstrakt-Gefüge hetzen,
so Einsamkeit, Entfremdung, Angst, Gewalt erfahren:
Orientierungslosigkeit, um sie zu netzen
mit Trostenthemmung, provoziert von Schein und Waren,
die sie, System-Monaden, dann perfekt ergötzen …
und trösten - so wie alles Kitsch- und Show-Gebaren.

Eingeständnis (78/4230)9

Wenn ich es ganz genau betrachte,
verzichte so auf Lebenslügen,
dann war es nichts 
als Einsamkeit und Leere,
durch Zufall mir 
vom Schicksal zugedachte 
alltägliche Vollzugs-Misere
in egal welchen 
Wir- und Welt-Gefügen.

Eines ganzen Lebens Stunden* (78/4231)10/Sonett

Dass alle sie verletzten, dann die letzte töte,
dem ist - ist man nur redlich - kaum zu widersprechen.
Zumal man heutzutage kann ganz leicht zerbrechen 
am Zeitgeist-Nihilismus dumpfer Seelennöte.
Auch andre quälen, ohne dass man kennte jede,
weil anonym sie greifen und kaum fühlbar stechen, 
um einen, langsam resignierend, zu verzechen.
Zielsicher einen treibend in Erlebnis-Lethe.

Der Mensch von heute? Psychische Verfügungsmasse
Reklame, Medien, social media-Rausch-Angriffen,
auf dass ihn jeder Sinn für Wirklichkeit verlasse,
er werde Wohlstandsmythen gläubig eingeschliffen;
er sich als hedonistische Vollendung fasse …
indes nur Spielball von systemkorrupten Kniffen.

*lat.: omnes vulnerant, ultima necat. Deutsch: Alle verletzen, die letzte tötet.

Vergeblichkeit (78/4232)11

Man muss sich selbst zur Ware machen,
sich anzupreisen, zu empfehlen,
um nicht zu bleiben Sache unter Sachen,
die die Verhältnisse ins Abseits quälen.

Man muss sich radikal verdinglichen,
sich also seiner selbst entfremden;
auf dass man werde zum mit allen Schlichen
sich gängig marktkonform enthemmten 

Gesellschaftsexemplar: erfolgreich und 
verfügt all diesen Höchstansprüchen,
die das System tut hilflos kund
als Schutz vor längst erfolgten Daseinsbrüchen.

Die Auflösung der Persönlichkeit (78/4233)12Sonett I

Zu trauerschwer, zu leer, zu indolent,
um Wichtiges jetzt zu Papier zu bringen.
Indes ist mir auch so noch evident:
Was mal Person hieß, kann nicht mehr gelingen,

ist psychisch von sich selber abgelenkt,
sich Melodien des Marktes einzusingen,
die sie von sich und ihrer Würde trennt,
weil sie um Sinn als Ich-Verbrauch muss ringen.

Der Selbstverlust ist nicht mehr umzukehren:
Den Seelen brach der Außenhalt zusammen:
Ob Gott, Natur, ob Ehrfurcht, Wert, Verehren …

An ihre Stelle traten Waren-Ammen,
trat nie zu stillendes Ersatz-Begehren:
Narzisstisch inszeniert sich zu zerstören. 

Die Auflösung der Persönlichkeit (78/4234)13/Sonett II

Ich bin ein Kind der Zeit - von ihr gezwungen:
So pseudorational und flach wie diese,
affektverarmt und effizient präzise,
Pleonexie und Quantität gedungen.

Ich inszeniere mich mit tausend Zungen;
als Medienkomödiant umlärmter Krise;
Objekt manch Seelenkundlerexpertise …
Kurzum: Ich bin dem Kapital gelungen.

Doch andrerseits hab ich die Farce begriffen:
Die Lebenslügen, auf Konsum gestellt,
dass ich Erlebnis nach Erlebnis kiffen

banalisieren soll mich selbst im Feld
von Leistungskompetenz und Zeitgeistkniffen …
Indes mein Dasein sinnleer mir zerfällt. 

Einige Antworten (78/4235)14

Wenn man mich fragte, 
wie nun - fast am Ende -
ich glaube,
unser Dasein sehn zu müssen,
dann würd ich sagen:
Hinter den Kulissen 
ist es dasselbe, 
das es war an allen Tagen:
Man muss sein Lotterie-Selbst küssen,
sich selbst sein ausweglos beflissen,
um sich vor sich 
als höchstes Gut zu hissen.

Was für die unten freilich
illusorisch bleibt:
Weil Mittel- und Bedeutungslosigkeit
sie lebenslang durch Ohnmacht treibt.

Dann würd ich - weiter - dies auch sagen:
Dass es uns eher schände,
dies Dasein, dessen Ichsucht-Brände
mit Widersprüchen müssen plagen:
Affektdrang: Heute Hype-Gelände,
das muss in Selbsterniedrigungen tragen,
weil Illusionen schreiben unsre Psychen-Bände.

Dies Dasein heute? 
Nun: Von Sinn und Halt getrennte
- wir sind da eigner Ratio Beute -,
verdrängte Atheismus-Wende,
vor der dann Würde auch, Vernunft,
Moral und Selbstdistanz …
Demokratie vor allem muss verzagen.
                           
(78/4236)15/Sonett

Das Dasein heute? Infantil verroht,
ideologisch seicht, hysterisch flach;
charakterlos, korrupt und hämelüstern …
Ein Schmierenstück, als Glücksquell inszeniert.

Funktionseliten, seelisch-geistig tot,
geschwätzig, provokant … nur machtsuchtwach.
Obwohl die Fakten es doch hörbar flüstern.
Dass Deutschland als Gesellschaft kollabiert.

Das scheint indes die oben nicht rühren, 
narzisstisch-mittelmäßig doch gefangen
in ihren theatralischen Allüren,
zu drücken sich vor Wirklichkeitsbelangen.
Zumal sie linkisch auf sich selbst nur stieren,
düpiert von Mammon und von Selbstsuchtzangen.

Für homo sapiens bambergensis (78/4237)16

Vergessen 
werde ich dich nie,
werd an dich denken 
noch in meinen letzten Stunden,
gelangt ans Ende 
dieser panbanalen Lotterie 
der Waren-Drogen und der 
schicksalslosen Kunden.
Werd noch mal deiner
als des Leibs gedenken 
der mir Vollendungslüste 
konnte schenken,
mir konnte heilen 
alle Daseins-Wunden …
Auch die, 
dass es ist Einsamkeit,
ist weiter nichts als
Nihilismus-Spende.

Existenztatsache (78/4238)17

Wenn alles gilt
und zugleich nichts,
weil nichts mehr 
selbstverständlich ist …
dann ist man 
ohne Seelenschild:
Behelfsmonade 
eines Knechtgewichts,
die sich durch Trance
und Phrasen frisst,
moralisch-menschlich
leere als Selbst-Abkehr.

Was ich faktisch bin (78/4239)18

Systemspielball der Wohlstands-Mythe,
die mich wie alle andern lenkt
durch einen Warenkosmos ohne Güte,
der mich aus Maß und Mitte drängt.

In Einsamkeit und Selbstverluste,
mir warenmagisch kompensiert. 
Was steuert noch das Unbewusste …
bis man sich nur noch inszeniert.
So hat sich endlich selbst verloren.
Dem Zeitgeistdruck perfekt gelungen:
Entfremdung - Selbstverdinglichung vergoren …
zum Schund-Narziss mit tausend Zungen.

Rechtfertigung (78/4240)19

Dass stets dasselbe ich hier sage:
von Dekadenz, Verfall, Verwahrlosungen rede,
heißt: einer objektiven Nihilismus-Lage.
die längst erreichte eine Stete, 
die nicht mehr aufgehalten werden kann,
hat den Grund, 
dass notwendig wir sind ihr gelungen,
sind wir doch wesensdestruktiver Ratio-Bann,
primär gewalt- und barbareiaffin,
determinierter Amoral verfügt,
zumal auch einem Dasein ohne Sinn und Ziel.
Sodass der Wertbewegte immer lügt,
wenn er Vernunftmacht beilegt
diesem Kosmoszufallsspiel.

Bemerkungen zum gegenwärtigen Deutschland (78/4241)20

Das deutsche Dasein? Infantil verroht,
ideologisch seicht, hysterisch flach;
charakterlos, korrupt, gar hasserfüllt …
Ein Schmierenstück, politisch inszeniert …

Funktionseliten, seelisch-geistig tot,
geschwätzig provokant … nur machtsuchtwach.
Obwohl die Faktenlage es doch klar enthüllt:
Dass Deutschland als Gesellschaft kollabiert.

Das Land ist tief gespalten - ohne Lot,
ist wirklichkeitsverlustig ohne Einsichts-Dach:
parteienasoziales Selbstwahnbild …
Von wertkorrupten Dilettanten vorgeführt.

Offene Worte - Ein Selbstgespräch (78/4242)21

Du wirst verdummt, beschissen und belogen.
Und das nach Strich und Faden …
Wirst von Gesindel ausgesogen,
für blöd verkauft von Demagogen, 
musst beugen dich Polit- und Markt-Diktaten;
wirst deiner selbst entfremdet durch Erlebnisdrogen. 
Du lebst in einem Dekadenzverband 
von Spaßfiktionen ohne Geistes-Saaten …
entmündigt, zeitgeisttypisch Welt verbogen.

Und das - man merke auf - im Land von Kant.
Wo jeder als Subjekt von Würde gilt.
Doch keine hat; nicht haben kann,
weil giert nach Selbstentfesselung: 
Nach Spaß, der das Gemüt mit Schwachsinn füllt:
Mit Wow-Exzessen und Orgiastik-Schwung.

Wie soll man da dazugehören,
wenn ahnend, was ist konsumtives Glück:
Befehl, sich selbst nur zu begehren:
systemverdinglicht zu betören
in einem ich-krass lockenden Geschick,
das letztlich kann nur dies uns lehren:
dass wir uns müssen selbst aufzehren
als Umsatzgrößen und Erlebnis-Blagen, 
soll Wohlstand weiter hier das Ganze tragen:

Er muss, soll die Gesellschaft nicht zerfallen,
nicht Beute werden von Despoten-Plagen,
ins Elend stürzen dann entglittner Lagen …
Man wird sich müssen weiter selbst anschmachten
im Rahmen kindischer Narzisstenschlachten,
sich beugen auch der Religion der Zahl,
sich selbst betrügen mit Moral-Andachten:
solch inszenierten als Empörungs-Qual …
umnachtungshedonistisch quasiklerikal …
Zumal doch Hirnzwang: analytisch-technisch-rational,
der längst begann, sich gegen uns zu kehren.

Bedrückend ist, dass ich recht gut es weiß
- ich habe es schon öfter angedeutet -,
in welcher torkelnden Gesellschaft ich hier lebe:
In einer, die verlor inzwischen jedes Gleis:
Es sei moralisch, metaphysisch, sei auch kulturell …
In einer, die sich tugenddilettantisch selbst vergeudet:
ideologisch primitiv, meint: zeitgeistseicht … 
Realitätsverleugnung - und nichts weiter - ist.
So weltanschaulich kranker Renitenz sich häutet …

Perspektiven nur; Gewissheit nie (78/4243)22

Nun ja: Ich sage, dass um nichts es geht.
War dessen immer mir bewusst.
Schon weil man sich doch perspektivisch nur besteht,
als Zwang von Hab-, Ich-, Macht-Sucht und von Lust.

Aus Perspektiven? Ja, gemeint sind Werte,
man kann’s auch sagen so: Bedarfsfiktionen,
vermeidend, dass man psychisch sich gefährde,
obwohl sie nur mit Pseudo-Sinn belohnen.

Denn objektiv gibt’s einen solchen nicht.
Erst die Synthese kultureller Halt-Geschenke
schafft unsrem Dasein Zweck-Gewicht:
Als Truggebilde seelisch-geistiger Gelenke.

Das Beste? Einsicht, Faktensinn und Selbstdistanz,
Askesefähigkeit und Geistesgaben.
Sonst kann man sich nicht vor sich selber schützen
weil man sich so 

Der deutsche Niedergang (78/4244)23

Man spürt ihn doch, den Niedergang,
weiß um die typisch deutsche Dekadenz: 
Sie wirkt als Selbsthasszwang
zu Tugendexzellenz.

Sei’s durch Erlösungshysterie,
sei’s linkisch geistesschlichte Wirklichkeitsverluste:
Die deutsche Strategie,
sich abzuhärmen auf der Kruste.

Man will ja seinen Kern nicht fassen.
Wohl ahnend, der ist fort;
will eher masochistisch sich verprassen
in Wertgestrüppen ohne Seelenhort.

Der deutsche Niedergang: Sonett (78/4245)24

das linkisch-aggressive Wert-Gebaren,
bezeugend Denkarmut: Das Unvermögen,
subtile Machtverstrickung zu durchschauen,
muss letztlich gegen dieses Land sich wenden.
Das, wohlstandsblind, sich hat naiv verfahren
auf selbstlobsimplen Tugend-Einbahnwegen,
die untergründig lösen auf Vertrauen,
um in Gewalt und Anomie zu enden.

Da greift mal wieder diese deutsche Weise,
sich zu verhehlen, was entlarven würde,
dass das Politische meint Pseudo-Gleise;
so gar nicht selber fassen kann als Bürde,
die macht, dass man, wie einst im Priesterkreise, 
ideologisch-primitiv sich irrte.

So ungefähr ist es (78/4246)25

Man kann im Leben manches meiden;
indes sich selber nie.
Ist so verfügt, ein Leben lang zu gleiten
durch sich als singuläres Was und Wie:
Als Gen-Zufall und Zeitgeist-Bote,
gesellschaftlich konditioniert
zu einer individuellen Note,
die sich als kollektiver Zwang aufführt.

Sich psychophysisch zu erhalten,
durch Arbeitsleistung und durch Freizeitdrogen
in dieser tugendsamen spaßgramkalten 
Verfallswelt … In sich selbst gebogen.

Um einst dann in sein Grab zu sinken;
definitiv von allem dann befreit:
Von diesem trügerischen Leeren Trinken,
von Selbstverrat und Niedrigkeit.

Deutsche Gegenwartswelt (78/4247)26

In einem Ramsch- und Schundparadies lebe ich,
wo schicksalslose Coole als erotisch tote Körperwaren
scham- und seelenklamm ihre Banalophilie ausleben …
Gewohnheitsinfantile Opfer kapitalistischer Zwiewelten:
Sie schaffen Verwahrlosung als Form höchsten Glücks …
Cool, entseelt, gewissenlos und vieldeutig agierend, 
wie ihre ichenden enthemmten Politshow-Pseudoeliten,
die sie ausbeuten, belügen und mit Wortschutt abkanzeln.
Entlastungssüchtige Daueremotionalisierte, 
die einsichts- und haltlos ihre Reizwelt-Süchte 
sich als höchste Güter vorgaukeln - Leere und Einsamkeit
als Identitätskerne inszenierter Selbste wowsiech verkennend. 

Lebenslügen: Werte (78/4248)27

Man schafft’s nicht ohne Lebenslügen;
muss sogar selbst sich eine sein.
So schon aus Selbstsucht sich betrügen …
verdrängen: Man ist ganz allein.
Ist Drang, Bedürfnis, ist Verfall und Schein.
Und diesen Fakten muss sich jeder fügen:
Muss machen sich mit seiner Zeit gemein:
Sich Macht, Gesellschaft, Wir und Du verbiegen …
Formal ein Umsatzziel in einem Wohlstands-Hain,
berauscht, Verdinglichungsverknechtung zu genügen.

Statt Lebenslügen mag man sagen „Werte“;
wie Zeitgeist-Mären: etwa Würde, Glück, Vernunft …
Man sollte gläubig folgen deren Fährte,
sich zu erhaschen Halt- und Sinn-Auskunft.

Und die, die sollte man nicht hinterfragen,
weil sonst muss irgendwann begreifen,
dass sie nur schönen kann uns unsre Lebenslagen,
die oft doch Leere und Vergeblich streifen.

Spätzeitgossenwidersprüche (78/4249)28

Wonach denn sollte ich noch Sehnsucht haben,
wohl wissend, dass sich nichts mehr lohnt
in dieser Spätzeitgosse ohne Geisteswaben,
wo man sich selbst als Knecht einwohnt?

Zum Schein vor jener sich zu retten
als inszeniertes Selbstsucht-Exemplar,
verstrickt in Waren-Lüste-Phrasen-Ketten,
als Ich-Schauspieler, jeder Einsicht bar.

Dass sie sich neigt wohl ihrem Ende zu,
bedaure ich indes, weil ich begriff:
Sie ist zwar weiter nichts als Wohlstands-Schmu:
Nur Selbstkonsum … nicht Diktaturen-Schliff.

Doch dazu könnte ziemlich leicht sie werden,
weil Amoral, Gewalt, gar Barbarei sie züchtet
- weshalb ich selbst kann mich in ihr nicht erden -,
wodurch sie drangsiech sich zu Grunde richtet.

Nihilismus-Sprachrohr (78/4250)29

Mich selbst lyrisch offen zu legen und also anderen begreiflich zu machen,
tue ich deswegen nicht, weil ich durch und durch ein Resultat,
geradezu ein Getriebener dieser nihilistischen Welt bin,
in der ich zurechtkommen muss im Bewusstsein,
dass gerade dies: psychoethisch-existenzielle Orientierung, 
dem Individuum nicht mehr gelingen kann.
Es wurde längst 
- permanent in Beschlag genommen durch subtile Steuerungen
mittels Dauer-Reklame, aufgebauschter Sensationen, politideologischer Leerformeln 
wie Würde, Selbstbestimmungsmacht, Freiheit, Vernunft, Demokratie, Humanität, Wohlstand, außenprovozierter Innenweltprägungen durch Sport, Gewaltverherrlichung,
Empörungsentfesslungen, sexuelle Abnormitäten und Perversionen etc. -
die Person zerstört, das Individuum reduziert zur verdinglichten Erlebnis-Monade …
Kurz: 
die Individuen verkommen und verelenden seelisch-moralisch immer mehr.
Und ich? Ich lebe in einer zur Lebenslüge gewordenen Geistwelt, 
mit Hilfe derer ich mir, wie gesagt: indem ich Gedichte schreibe,
die Einsichten zu verschaffen versuche, die es mir erlauben, 
die gegebene Welt als narzisstisch-pervers-verlogen-kranke Wohlstands-Farce 
besser zu begreifen und mich selbst als das zu fassen, was ich faktisch bin:
Ein geistnaives, auf sich selbst als lyrisch den Zeitgeist erschürfendes, 
auf sich selbst zurückgeworfenes Ich-Selbst als virtuoses Nihilismus-Sprachrohr.

Feststellungen (78/4251)30

Man muss kein Macher sein, kein Wirtschaftsweiser,
noch auch ein machtverbogener Phrasendealer …
Schon gar nicht irgendein Prophet, um auszudeuten, 
was faktisch sich hier grad vollzieht: Die Volksherrschaften gehen unter, 
zerstören sich von innen raus: Sie können sich nicht halten,
weil sie die Menschen ihrer selbst benehmen,
verführen sie, sich roh zu inszenieren:
zu infantilen Hedonisten ihrer Marktknechtschaften sich zu machen:
Zu warenhörigen Narzissten, zu Wirklichkeitsverweigerern,
Klamauk, Verrohung, Drogen, Show, Gewalt gediehen,
zu amoralisch-inhumanen Selbstdarstellern,
zu psychisch allverwirrten Halt- und Richtungslosen,
orientierungslos sich selber ichschwach ausgesetzt: 
verängstigt, einsam, ohne Geistesmittel …
und also solchen, die sich heimlich sehnen 
nach fremder Leitung, klarer Führung, ja: Erlösungsformeln …
Noch mal: Was sich vollzieht, ist etwas, was man kennt,
Aus der Geschichte kennt als unvermeidlich:
Die Wiederkehr totalitärer Despotie; 
und sei es auch als Wohlstandsfülle-Zuchthaus, allzeit kontrolliert,
in dem sich Menschen tummeln,
für die der Selbstverlust zuletzt Vollendung:
Seelische Geborgenheit und äußre Sicherheit gewährt.

Indes bedenke man, dass wir, was wir gern wären, 
doch gar nicht können jemals sein:
So dass uns nichts bleibt, als uns vorzugaukeln, 
dass wir all das zu sein, was wir zu sein erträumen 
- und nicht erträumen nur, auch als je Wahres bitter nötig haben - 
auch wirklich lebten: sei’s autonom, sei’s selbstverfügungsfähig, 
sei’s einsichtsmächtig, sei’s auch glücksbegabt zu sein; 
zumal auch fähig, richtig zu erfassen, was Wunsch, 
was Einbildung, was Perspektive … Lebenslüge ist.

Indes so ist es nicht: Wir glauben doch stets nur, 
wer und was - vermutlich - wir hier sind; 
genauer: wer und was wir seien
und was als scheinbar wirklich wir erfahren.
Wir bleiben Träumer, Selbstbetrüger, blindes Kind,
um zu bestehen, was ist potentiell Tortur:
Das eigne Leben: Zufalls- (Lotterie-)-Gebaren …
Determinismus ohne Würde, ohne Schuld.
Und jeden Augenblick nichts als Gefangenschaft
in Illusionen: Einem Trance- und Phrasen-Kult;
ein Dasein, lebenslang Gesellschafts-Haft,
die weder Sinn kennt … noch kann je befreien. 

Markteinheitsmasse (78/4252)32

Die Menschen verelenden immer mehr: 
Psychisch, moralisch, intellektuell;
sie resignieren, verzweifeln, sind aggressiv, 
bringen sich flachnarzisstisch runter.

Wer brächte auf denn noch die Gegenwehr
gegen den Markt als Vereinnahmungsquell,
der verkindlicht, verdinglicht und spaßmassiv
ordnet alle sich als gleiche Monaden unter.

Auf dass sie konsumentfesselt vergessen
wie einsam sie sind als Wohlstandsbeglückte:
sich selbst inszenierend Knechtsfinessen,
als warenidentische Zwangslustverzückte. 

Verkümmerungssensibel (78/4253)33

Brachseelisch, stumpfsinnig, arrogant, kundenleibfromm
- die verängstig-indolent ausdruckslosen Gesichter 
signalisieren Orientierungslosigkeit und Verzweiflungsanfälligkeit -
legen sich mir die verkümmerten Seelen schutzlos aus:
Systementfesselt allgieriges: auf Linie gebrachtes Menschentum
stammelt sich durch seine unbegriffenen Daseins-Leeren,
mit lasziv-arroganten, blickstarren Drohgebärden auf das pochend,
was es, dem Zeitgeist wehrlos untertan, zu sein hat: Wow-Ich:
inszeniertes Selbst … abklatschegalitäre Macht- und Wohllebens-Basis,
verführt, verdummt und belogen - notwendigerweise: 
Nur so kann der Kapitalismus funktionieren … als formaldemokratisch-autodestruktive, weil die Menschen psychoethisch verzwergende, verdinglichende, einsam, aggressiv, ängstlich, drogenbedürftig, großkotzig-ichsüchtig und debil-narzisstisch machende, technologisch gängelnde Positivismus- und Nihilismus-Orgie.

Redlichkeit/Trias (78/4254)34/Sonett

Wer hätte nicht sich manchmal schon korrupt betrogen:
Aus Gier, aus Machtsucht, Feigheit oder Dummheit gar?
Und wer sich nicht, was Leben wirklich ist, belogen:
Dass es oft nicht schön sei, viel eher Sorgenschar
aus Surrogaten, Zufallszwängen, Zweifeln, Drogen,
die es viel klarer zeigen, nämlich als Gefahr,
die schon so manchen hat bis in den Kern verbogen,
weil es ihm eben schicksalhaft Bestimmung war.

Ist es doch so, dass man es selbst nicht führen kann,
so wie man’s gerne hätte: um’s nur zu genießen.
Da prägt die Herkunftslast, treibt der Gesellschaftsbann.
Man ist zumal auf Staat und Recht auch angewiesen …
Ist Lotterie als Gen-Gefüge - Hirn-Leib dann,
der bis zum Tod muss sich als dieses Ich abbüßen.

Pleonexie-Knecht (78/4255)35

Hab viel zu viel 
zu tief begriffen.
Das hat mich 
zynisch-kalt gemacht,
hat Nihilismus 
mich verschliffen
in dieser inhumanen 
Selbstsuchtschlacht
um Mammon, Macht 
und Waren-Pracht …
Sich selbst 
als höchstes Gut zu kiffen
bis in die letzte,
in die Todes-Nacht. 

Außenseiter (78/4256)36

Wenn einen früh schon diese prägen:
Gewalt, Suff, Drogen, Krankheit, Häme. 
Dann fehlen lebenslang die Mittel gegen
Verzweiflung, Einsamkeit und Hass-Extreme.
Man bleibt für sich, man lebt am Rande,
entfremdet andern, weil Vertrauen fehlt.
Man lockert schon im Ansatz alle Bande …
Man weiß, dass einem niemand zählt.
Man hüllt sich vielmehr ein in eine eigne Welt,
um sich mit Hilfe dieser dann stabil zu halten:
Zu trotzen der, die physisch uns erhält:
Die kleiner Seelen auf Produkttrance-Halden.

Wozu Gedichte noch? (78/4257)37

Wozu Gedichte noch in diesem Land
der progressiven Selbstaufgabezwänge:
Erniedrigungen ohne Geistesband 
als Dekadenzsucht schierer Kundenmenge?

Erlebnishungrig von sich selbst betört,
so nicht mehr fähig auch, es zu begreifen,
dass sie sich selber schadet, gar zerstört,
da sie Narzisstenschundmagie muss keifen.

Gedichte also braucht hier niemand mehr,
zumal herunterkam die deutsche Sprache,
die Innenwelten gleich sind, seicht und leer,
zu meistern Lasten deutscher Zukunfts-Brache.

Resümee (78/4258)38

Mit mir wird’s bald zu Ende gehen:
Ich schlepp mich immer öfter nur noch so dahin.
Das merk ich psychisch, spür ich körperlich;
weshalb nicht selten ich schon denke: Gott sei Dank!
Bald also werd ich’s haben hinter mir …

Was wird’s gewesen sein? Ein Gram-Versehen:
ein Daseinskampf für mein gedrücktes Ich …
auch ein paar Glücke - freilich ohne Sinn.
Bedürfnisstillung nur und Affen-Zank.
Und Selbstbetrug mit Du und Wir.

Ich bleib dabei: Der Tod erlöst:
auch weil er keine Strafe ist.
Das Nichts, in das er einen stößt,
kennt weder Schmerz, noch Zahl, noch Frist …
noch perspektivische Bewusstsein List.

Kindheits-Lehre (78/4259)39

Abseits der Gesellschaft leben
(soweit es eben möglich war),
musste ich schon früh erstreben,
jedes Schutzes vor ihr bar:
Ihrer Kälte und Gewalt,
Amoral und Niedrigkeit,
ihren Lügen ohne Halt,
aus auf Schwacher Not und Leid.
So ist früh mir klar geworden,
dass notwendig schlecht sie ist,
Gierverschnitt von Ichsucht-Horden,
in dem jeder selbst sich küsst.

Und wieder: Zwangs-Narzisstisch drapierte All-Vergeblichkeit (78/4260)40

Zu viel erlebt, erlitten und begriffen:
Verrat, Gemeinheit, Ichsucht, Seelenkälte …
Amoralismus, selbst- und seinsverschliffen …
Ein heutzutage treffendes Gemälde
des homo sapiens oeconomicus:
von Kindesbeinen an doch abgerichtet
auf Selbstreklame, Show, Narzissmus-Plus, 
so dass er letztlich nur sich selbst gewichtet. 

Doch muss man freilich dies in Rechnung stellen,
dass der Gesellschaft, der er angehört,
abhanden kamen alle Geistesquellen …
Sie ist von Freizeit-Drogen all-betört,
ist es von Rausch- und Inszenierungs-Wellen …
Von Mammon, Haben, Gelten tief versehrt …
Was die Person zum Exemplar verkehrt,
getauft in seelenlosen Waren-Quellen

Vollendungsglücke (78/4261)41

Es gibt nur zwei Vollendungsglücke.
Und die sind beide geistiger Natur:
Erotik und in Schein aufgehen:
Der Rest ist reine Ichsucht-Tücke,
ist Macht-, Gesellschafts-, Rechts-Tortur:
Brutalität, Gewalt und Zwangs-Versehen.

Fakten-, Emotionen- und Gedanken-Flut (78/4262)42

Gleichgewichtstörungen, Kräfteverlust, 
dauernde Beinschmerzen, quälende Juckreize …
Trauer vor allem, Resignation, Depressionen …
Da denkt man schon mal daran,
seinem Dasein ein Ende zu machen,
zumal man um die Sinnlosigkeit, Fiktionen-Verhaftung 
und menschliche Schäbigkeit dieses Daseins weiß.
Was mich anbelangt, so weiß ich zudem
um eine recht prekäre, beängstigende Zukunft 
einer globalen Welt, die sich im Extremfall 
in einen dritten Weltkrieg verrennen könnte.
Aber selbst wenn dieser - man kann da nur hoffen -
ausbleiben sollte, dann erscheint mir recht sicher,
dass die die Weltherrschaft unbeirrbar anstrebende chinesische Parteiführung, 
dass Präsident Putin mit seinem Machttraum einer Wiederherstellung russsicher Größe,
dass die nunmehr politisierenden amerikanischen Tycoons die bisherige Überlegenheit der USA aufs Spiel setzen werden, indem sie diese in eine jeder Demokratie spottende Mammon-Oligarchie unter der Fuchtel asozialer, großmäuliger Narzissten, die, politisch völlig unbegabt, das Land dann in den Abgrund reißen könnten …
So indirekt China stärkend, das die Weltherrschaft erstrebt,
vor allem auch die Eroberung Taiwans, ein Ziel,
das in einen dritten Weltkrieg führen könnte, 
sollten sich die USA dann (falls sie es dann noch können) auf die Seite Taiwans stellen.
Aber auch ohne einen solchen Krieg wird die globale Welt
in manche Schieflage geraten: 
So etwa möchte Putin gerne Europa angreifen - indes: wann
(Putin ist auch nicht mehr der Jüngste) und mit welchen Mitteln (Atomwaffen?) …
Indes wahrscheinlich die NATO zerfallen wird 
(die USA könnten sie verlassen), Europa sich selbst ruinieren:
Ohne feste innere Einheit (politisch zerfallend), wirklichkeitsverlustig,
tugenddebil (wertfanatisch), dekadent, militärisch eher schwach,
ökonomisch auch gefährdet (China erpresst es) …
Kurzum: Es spricht vieles dafür, sich zu überlegen,
ob es nicht klug wäre, sich die letzten Jahre zu ersparen:
Schluss zu machen, sich ins Nichts flüchten, 
zumal das heutige Leben - ich sagte es schon oft; und ich bleibe dabei -
völlig sinnlos ist: Effekt-, Reiz-, Rausch-Vollzug, 
um sich um die existenziellen Fakten herumzulügen: 
Die, dass dieses heutige Leben der Individuen diesen gar nicht mehr gehört:
Es ist marktgewirktes Selbstentfremdungs-, Pseudo-Glücke-, 
Ablenkungs-Lüste-, Entfesselungs- und Einsamkeits-Ritual 
eines inszenierten individuellen Pseudo-Selbst … Ist kurzum:
Innenweltkonditionierung für Körper-Waren; 
permanenter Ich-Verweser-Betrug, der freilich nur so lange
spaßstalinistisch perfekt gelingt, bis man ihn begreift als 
All-Verdinglichungs-Masche eines im Kern autodestruktiven Wohlstandsterrors
(der er freilich sein muss, will er sein Wohlstandsversprechen einlösen).

Gedankenfetzen-Husch betreffs schon oft bedachter evolutionsbiologischer Gegebenheiten während der Beobachtung reger Parteienwerbungs-Betriebsamkeit auf einem kleinstädtischen Marktplatz/Anlässlich einer Landtagswahl (78/4263)43

Stadtmitte - Wahlen stehen bevor -: Demokratie-Lobpreisung.
Jede Partei beansprucht die Demokratie als höchstes Gut für sich, 
versichert, sie zu repräsentieren, zu schützen, 
zu stärken, zu ehren und ausnahmslos umzusetzen.
Die Helfer*innen bemühen sich redlich, ihre Partei 
diesbezüglich herauszuheben, indem sie auch von Freiheit,
Würde, dem Selbstbestimmungsrecht, der Vernunft und 
der Unantastbarkeit individueller Daseinsausrichtung sprechen.

Ich selbst beteilige mich nicht an dieser Diskussion,
weil ich mich nicht dem politideologischen Furor 
all dieser leidenschaftlichen Demokraten aussetzen will,
etwa die Frage stellend, ob denn eine Überflussgesellschaft
auf Dauer(!) demokratisch sein könne; lenke und präge sie doch
das Bewusstsein der Menschen - müsse das - in ihrem Sinne,
indem sie es vereinheitliche: gleichschalte, geistig enteigne, 
auf Effekte, Reize, Emotionen und Affekte konzentriere,
ihm eine nur die Marktinteressen fördernde Ideologie aufdränge:
Dass sich selbst konsumieren: sich erleben, genauer: ausleben 
das höchste Gut sei: Als Spaßvollzug, Selbstentfesselungsrausch, 
Pleonexie, ja gar: als Verwahrlosungs- und Belämmerungs-Narzissmus.

Absurd, falsch, oder gar versteckt demokratiefeindlich-arrogant,
wäre diese Frage nicht, besonders dann nicht, wenn man weiß,
welcher individuellen Voraussetzungen es bedarf, um so etwas 
wie Demokratie, eine Eliteverfassung, möglich zu machen:
Realitätssinn z. B., geistig tief begriffene Lebenserfahrung, Sachlichkeitswille, Selbstabstandsfähigkeit: Radikale Redlichkeit sich selbst gegenüber,
um auch andere vor einem selbst beschützen zu können und; zu wollen;
Freiheit von Arroganz, Narzissmus, Selbstdarstellungs- und Macht-Sucht.
Dann - vor allem - Einsicht in die tiefe Widersprüchlichkeit menschlicher 
Existenz: Sie kann ohne Lebenslügen, Illusionen, Bedarfsfiktionen (Werte)
nicht annähernd gemeistert werden, zumal unsere Existenz dauerprekär:
unserer eigenen Irrationalität, unserem Eigensinn … einem Determinismus 
ausgesetzt ist, den wir uns verbergen müssen, um nicht zu verzweifeln.
Verdrängen müssen wir zumal auch dies, dass wir hinfällig und sterblich sind,
eigentlich nichts anderes als Zeit, Verfall und Tod. Und auch dies müssen wir
uns verhehlen: Die absolute Nichtigkeit unseres Daseins in einem ebenfalls
sinnfreien Kosmos (aus dem wir, ihn rational entschleiernd, Gott vertrieben haben). 
Und: Dass wir lebenslang völlig allein sind, eine Tatsache, die man am besten 
dauerverdrängt, anstatt zu versuchen, sie zu überwinden.

Indes: Wer vermöchte all dem Genüge zu tun? Ich meine nicht abstrakt verbal, 
sondern durch sein Handeln. Und wenn es jemand könnte - Frau oder Mann -
verfiele sie/er dann nicht dem Neid, gar dem Hass derer, die das nicht vermöchten? 
Im politischen Bereich wäre damit indes zu rechnen: Das Schlüsselgut „Macht“ 
(die einzige Möglichkeit, sich die eigene Mittelmäßigkeit, Ich-Schwäche, Endlichkeit
und objektive All-Nichtigkeit zu verhehlen) treibt dazu an: Es tobt als Selbstverhalb-
gottungsantrieb in uns allen … weit stärker noch als Sexsucht.

Für mich ist die Antwort diese: Niemand. Warum nicht? Wir sind darauf angewiesen,
uns unsere Wesenskomplexität mit Hilfe von massiv verlogenen Bedarfs-Fiktionen (Werten) 
zu verhehlen.

Berechtigte Kritik (78/4264)44

Lassen Sie doch endlich Ihr Gerede!
Zumal sie permanent nur die beklagen:
Die Seinslast Ihrer Dauerfehde
mit geistlos dekadenten Spätzeitlagen.

Die deutsche Lage 2026 (78/4265)45

Politisch Unbegabte richten es zugrunde -
Ideologen, Wortverdreher und Korrupte -
dies deutsche Land der Freizeit- und der Urlaubs-Frommen,
erpicht darauf, sich spaßerfüllt zu inszenieren,
sich zu erleben als der ideale Kunde,
dem Selbstkonsum sich als das höchste Gut entpuppte,
geeignet, seinen tristen Lagen zu entkommen,
die wiesen aus ihn als ein fremdbestimmtes Gieren.

Indes: Er kann sich gar nicht mehr dagegen wehren:
schon lange lenken ihn der Technik Neuerungen,
die ihn verknechten, psychoethisch hilflos machen:
Er muss sich, grad weil ichsuchtlüstern, selbst entbehren,
soll heißen: fühlen sich als angepasst gelungen.
Wiewohl substanzverdinglicht Sache unter Sachen. 

Individuelles Pech als Chance, Daseinswürfelei und Dank an die liberale kapitalistische Gesellschaft der Gegenwart (78/4266)46/Sonett

Krankhafte Indolenz: Soziale Apathie …
vertraut geworden mir von Kindesbeinen an.
Weshalb auch Einsamkeit und Leere enden nie:
Zumal ich gar nicht mehr auf sie verzichten kann.
So denn am Rande lebe: seltenes Was und Wie.
Vermeidend Selbstbetrug, vor allem Waren-Bann,
kurz: alles, was nichts ist als Zeitgeist-Agonie:
Bewusstseinssteuerung, die’s Ich im Kern gewann.

Und doch verdanke ich das meinen Artgenossen,
die sich erleben wollen, also: konsumieren.
Für die das höchste Gut ist, Wohlstand sich zu raffen.
Und der, nur der, erlaubt mir, dass ich still verschlossen,
mich zu mir selber geistgeborgen darf verführen …
Darf marktbehütet Marktzwang mich verweigernd schaffen. 

Vor allem dies (78/4267)47

Geschrieben hab ich … und geschrieben;
und dabei stets gesagt, was Sache ist:
Dass man ein Leben lang wird umgetrieben
von Zeitgeist, Warengier, Verfall und Frist;
dass man nichts weiter ist als Geltungssucht,
als ichschwach-arroganter Dauer-Kunde,
der, drehend stets nur seine eigne Runde,
ist ängstlich vor sich selber auf der Flucht,
verfallen Einsamkeit und Marktnorm-List,
sich mammonhörig sinnlos selbst zu lieben
als spätzeitrationale - toter Seele - Wunde.

Versimpelungs-Trost (78/4268)48

War nie links/rechts,
nie oben/unten.
Geb vielmehr zu -
ganz unumwunden -,
dass ich das stets 
als primitiv ansah:
Als schier entlastendes 
Affekt-Manna
für Leute, 
die so Simples brauchen:
Orientierungslosigkeit 
zu stauchen,
Begriffsarmut 
und Angst 
zu stunden …
indem sie 
leere Worte hauchen. 

Zwangsnegative Spätzeit-Dialektik (78/4269)49/Sonett

Zuweilen drängt es mich, von hier davon zu laufen.
Weil Lügner doch und machtbesessne Dilettanten,
Ideologen auch und Würdeschein-Sophisten
zuletzt das ganze Land zu ruinieren drohen:
Ein hochmodernes Land, in dem man Sinn muss kaufen,
in dem auch immer mehr so in der Gosse landen,
in dem man permanent muss mit sich selber brüsten ,
um sich als Marktmonade scheinbar zu befrohen.
Ein Faktum, rationihilistisch nicht zu meiden;
das heißt, dass niemand schuld dran ist - zumal nicht frei -,
dass wir uns psychoethisch-kulturell entgleiten 
in eine Zukunft hochsubtiler Barbarei.
Weshalb ich Deutschland gönnte, sich noch mal zu rüsten
mit tief verdrängungseffektiven Wohlstands-Lohen.

Simpler Kommentar zu „Zwangsnegative Spätzeit-Dialektik“ (2) (78/4270)50

Der Mensch wird fort sein,
geistig tot.
Und nicht mal mehr 
in sich allein,
wird er gewahren 
seine anonyme Not:
Sich Tier 
auf einem lecken Boot.
Wer weiß, wohin …
von aller Sehnsucht leer.

Depersonalisierungszwänge (78/4271)51

Nicht kann man mehr dem Weltgeschehn entrinnen -
es flutet permanent die news-Kanäle -,
wird überhaupt beständig von sich abgezogen,
sei’s von Reklame heimgesucht, sei’s Sensationen
wie Sport, Produkt-Magie und Sex; 
dann stimmungslenkender Belämmerungs-Musik;
etwa am Telefon und dann in Einkaufsläden.
Man wird gewissermaßen sanft verführt, 
sich selbst zu narren durch gezielte Selbstaufgabe …
Wird, kurzum, seiner selbst benommen,
zum Spielball einer Reizkaskade,
die einen geistig von sich selbst abziehen,
beglücken soll dann durch gezielten Selbstverlust,
heißt: machen soll zum Zeitgeist-Exemplar, 
identitätslos fad und austauschbar, 
zum Konsumenten ihm diktierter Emotionen …
zu einem Dasein ohne subjektive Zwecke:
Das schamlos-aggressiv ist: Lügeneinerlei,
Konsumdiktaten nahtlos immanent.
Denn sie erzwingen, dass man sich ein Kultknecht sei …
verdinglichungsverwahrlost von sich selbst getrennt.

Gedanken über die Gegenwart Deutschlands 
und die seiner Sprache (78/4272)52

Ein Grundgesetz, ideologisch unterwandert 
durch diese ominöse Würde,
die rechtlich nur ein leeres Wort bedeutet,
so perspektivisch nur zu deuten ist. 
Ein Staat, längst Beute von Partei-Figuren,
die gar nichts können, ja: noch nicht mal dies.
Ein Volk, auf Freizeiträusche aus, 
ja: Urlaubs-Messen, die, hedonismusmystisch tief,
die Köpfe mehr beherrschen als ein Krieg.
Dann die Gesellschaft, die zerfallen ist,
die keine Einheit bildet, ganz im Gegenteil:
Sie wird die Folgen ihres Wert-Narzissmus
und ihrer Wirklichkeitsverluste,
die Konsequenzen ihrer Missdeutungen nicht mehr los,
die faktisch so stupid-naive Pfaffen-Säuselei.
Die Wirtschaft schwächelt und die Schulden steigen,
es stehen schwierige Reformen an …
Indessen stellt man, als sei’s selbstverständlich,
die eignen Interessen übers Ganze:
Man will die Macht um jeden Preis, 
wofür man lügt, verrät und phrasenhalbstark plappert.
Die Amoralität ist längst vollendet.
Das Ganze wird narzisstisch ruiniert ….

Deutschland, Deutschland … nun: verflache!
Es wird dir auch nichts andres übrig bleiben.
Du bist doch nur noch eine Phrasenlache,
die sich als solche wird und muss zerreiben.

Du selbst, da bin ich ehrlich, bist mir längst egal.
Das war mal anders rum, war mal das Gegenteil.
Inzwischen bist du oben geistig tot und schal.
Ansonsten unten immer öfter Armut feil.

Indes ich deine Sprache über alles liebe.
Und um die geht’s mir, die allein:
Die lässt vergessen mich all deine Tagediebe,
zumal dein lächerlich-vermessnes Sein.

Sie hilft mir, deinen Niedergang zu deuten 
und deine Scheinmoral zumal zu tragen;
dass du dich selbsthasssüchtig wirst vergeuden;
auch weil dir weiter schönen deine Lagen.

Du Land der daseinsfeigen Staatsschauspieler,
der Geldwertknechte und der Herzenskalten,
der geistig schlichten Ideal-Anwühler …
wohl außerstande, selbst sich zu gestalten. 

Faktenfluss (78/4273)53

Was du willst, kann ich nicht bieten:
Glücke und Geborgenheit,
Halte gar und irgend Treue.
Sehe ich doch all die Nieten:
Niedertracht und Psychenleid,
jeden Tag aufs Neue.
Nicht dass sich da Schuld entfalte,
zeige sich ein freier Wille.
Hier diktiert der Faktenfluss,
dieser unbarmherzig kalte …
Zwingherr subjektivem Muss …
Ein Verdinglichungsbescheid,
sich vor gar nichts mehr zu hüten:
Sich zu werfen vor die Säue.

Tatsachen, Gedanken und Eingebungen (78/4274)54

In einer warendiktatorisch-schundbesetzten Zeit,
will ich mich wappnen gegen deren Lusttiraden,
weil ich begreife deren Selbstentfesselungs-Bescheid
zu einem Sklavenleben ohne Zweck-Leitfaden.

Indes es kann - das weiß ich auch - kein andres Leben sein
als dieses gleichungs- und verfahrenstechnisch hochabstrakte.
in Zahl gebettet, Ichsucht, Schein
und gelddiktiert gelenkte Akte.

Wir sind nun mal Natur entlaufen:
Geniale Techniker und hochbegabte Selbst- und Welt-Ausdeuter.
Indes tatsächlich nur Quarks-Elektronen-Schlaufen,
uns also unverfügte Stoffzwangschleuder.

Zumal affektverknechtete Bedürftigkeit,
der’s um sich selbst, nur um sich selber geht;
dies muss, weil der Komplex von Macht, Verblendung, Gier und Neid
im Zentrum unsres Strebens steht.

Auch sind wir potentiell Vernichtungswille:
Uns treibt’s, zu unterdrücken und zu überragen.
Auch weil wir sterben müssen, lassen alle Fülle,
was keines von uns Tieren kann ertragen.

Und ob sich’s lohne oder nicht,
das fragt sich niemand, der nach Glücken jagt.
Er tut’s mit aller Lebensgier Gewicht.
Und fährt auch dann noch fort, wenn es sich längst versagt.

So muss man selbst sich sein Marionette,
was radikal indes man muss verdrängen.
Als ob man nicht einst gehe ein in letzte Stätte,
sich aufzulösen in der Sande Mengen.

Indes mir selbst war’s lebenslang bewusst 
- ist’s Trost doch auch; man sage, was man will -,
dass enden werden Trug, Versagen, Selbstverlust
in einem Augenblick, für immer still.

Es ist nun mal der Lauf der Dinge,
den zu bestimmen wir nur glauben können:
Es ist nicht möglich, dass uns dies gelinge,
ein sinnerfülltes Dasein uns zu gönnen.

Einsamkeit (78/4275)55

Mein ganzes Leben lang war ich allein.
Und dies schon in der Kindheit Frühen.
Für mich bedeutet Dasein einsam sein:
In Sehnsucht- und Phantasmen mir verblühen,
vergehen mir in Trancen und in Träumen,
den kruden Fakten zu entrinnen, 
um mich in Lebenslügen zu versäumen, 
ein leeres Selbst mir so zu spinnen.

Kein Wunder also, dass ich weiß zu greifen,
was Sache ist in diesem Leben:
Auf Wert, Moral, Bedeutung, Zweck zu pfeifen,
um mich ins absolute Sein zu heben,
in dem die Dinge sich als Agonien keifen.

Wer einsam ist, der mag gar weise sein,
wird wissen: Menschliches ist meistens Schein,
ist schäbig oft, ist oft Betrug …
Als Folge auch mal von Verzweiflungs-Zwang;
so allenfalls gemeinter Wertbelang,
der lügenlistig ins Bewusstsein schlug.

Mein politnaiv-wertverworren sich selbst gefährdendes Land/Geistperspektivisch andeutende Ausführungen in Prosa (78/4276)56

In dieser verkommenen, sich wertetrunken 
selbst ruinierenden deutschen Gesellschaft -
sie zerfällt politisch, kulturell, psychoethisch
und immer drastischer auch ökonomisch - 
stellt sich einem Außenseiter wie mir, der 
- zumal zunehmend altersschwach und krank - 
auf sein Ende zugeht, immer dringlicher die Frage,
wie er möglichst unbehelligt all diesen Verwerfungen
entkommen könnte.

Nun: Gar nicht.
Wenn ich Pech habe, werde ich in ein paar Jahren
- als ein völlig hilfloser, bloßer Kostenfaktor -
ausgeliefert sein staatlicher und gesellschaftlicher 
Gleichgültigkeit, also: Unmenschlichkeit, Seelenkälte,
Desinteresse (die heute schon offenbar sind,
aber mit verlogen-machtstrategischen Moralbekundungen
gleichsam verantwortungslos „zerschwätzt“ werden).

Trösten wird mich immerhin ein wenig dies: 
Dass ich nie an die erbärmlichen Lebenslügen 
dieser verwahrlosungsträchtigen Hedonismus-Posse
- ein kapitalistisches Schmierenstück schon deshalb,
weil diese Gesellschaft Sinn, Glück und Lebensfreude
zwar ständig verspricht, sie aber faktisch zerstört:
reduziert zum Entlastungskonsum sich markthörig
inszenierender Waren-Selbste - geglaubt habe, 
indes wohl aber wusste, dass sie alternativlos ist:
Sie ist notwendiger Ausfluss menschlichen Wesens:
Rationale Gott- und Naturtranszendenz (durch Technik 
und Naturwissenschaften) in die moralische, psychische
und am Ende wohl auch physische Selbstzerstörung …
nie geglaubt habe an so etwas wie Vernunft, Würde, 
individuelle Selbstbestimmungsmächtigkeit (Autonomie), 
gar eine wohlstandsfundierte Sinn-Existenz … Alles nur
Beschönigungs-, Entlastungs-  und Trost-Leerformeln, 
ein Dasein zu bewältigen, das ohne massive Verdrängungen, 
Markt-Illusionen, Selbstbelämmerungsperspektiven, Drogen,
Trancen, Lebenslügen gar nicht mehr auszuhalten ist …
des marktgängig produzierten Lenkungsnetzes bedarf -
Reklame, Rock-/Pop-Verdummung, Sensationskonsum,
Empörungs-Orgiastik, Körperverheiligung, Sport, Geilheitsanreize,
Ablenkung überhaupt durch filmische Gewaltexzesse, also etwa:
die Hollywoodisierung der Innenwelten durch Spannungskicks,
überhaupt: emotional und affektiv aufpeitschende 
Selbstverdinglichungsentfesselungen, kurzum: 
unmerklichsubtile Außensteuerungen usw., um sich 
vor Selbstzweifeln, Minderwertigkeitsgefühlen,
Neurosen, Aggressionsattacken, Gewaltgelüsten, 
Verkümmerungsattacken, Drogenkonsum, Einsamkeit, 
Leere usw. wenigstens gefühlt einigermaßen zu bewahren …

Und dies noch am Ende, mich selbst betreffend: Völlig 
desinteressiert - warum auch immer - an den heutzutage 
Daseins-Exzellenz verheißenden Existenzkategorien 
wie Macht, Reichtum, Anerkennung und Genuss, 
habe ich mich dem, was man traditionell Geist nennt, 
verschrieben. Doch der hat mir nichts weiter als den 
radikalen Nihilismus unserer heutigen Welt aufgezeigt - 
und dies, dass der dieser Welt Kern, Substanz und Wesen 
sein muss: Von Naturwissenschaften, Technik und Kapitalismus
notwendig dazu gemacht. Kurz gesagt: Unsere heutige 
Welt ist völlig sinnlos - man mag sie ideologisch-ethisch
tränken mit welchen Idealen auch immer: Man wird stets
ins Leere reden: Die Diktatur der Diesseitigkeit benimmt
die Individuen notwendig ihrer selbst: Wir werden der 
Komplexitätsträchtigkeit unserer eigenen Rationalität
wahrscheinlich irgendwann zum Opfer fallen: psychisch,
ethisch, kulturell, politisch, militärisch, wirtschaftlich,
ökologisch, ressourcenendlich, verzweiflungsindolent …

Faktenfluss (78/4274)53

Was du willst, kann ich nicht bieten:
Glücke und Geborgenheit,
Halte gar und irgend Treue.
Sehe ich doch all die Nieten:
Niedertracht und Psychenleid,
jeden Tag aufs Neue.
Nicht dass sich da Schuld entfalte,
zeige sich ein freier Wille.
Hier diktiert der Faktenfluss,
dieser unbarmherzig kalte …
Zwingherr subjektivem Muss …
Ein Verdinglichungsbescheid,
sich vor gar nichts mehr zu hüten:
Sich zu werfen vor die Säue.

Endgültiger Niedergang? (78/4280)59//(784281)60/(Petrarca-)Sonette

Es ist nicht leicht, die Gründe zu benennen,            (a)
warum man diese Frage stellen muss.                      (b)
Da schwelte jahrelang schon ein Verdruss,              (b)
den heute viele als Bedrückung kennen …              (a)
als von Politversagen nicht zu trennen:                    (a)
Realitätsverkennung, Machtgenuss ...                      (b)
und: Theologenpathos bis zum Schluss.                   (b)
Was sich nur fassen lässt als Weltverkennen.          (a)

Es gäbe vieles andre noch zu deuten:                       (c)
Narzissmus, Arroganz und Psychenkälte,                (d)
die keinerlei Betrug und Starkult scheuten,              (c)
will man begreifen, was vielleicht in Bälde             (d)
für uns dann könnte heißen: Selbstvergeuden,         (c)
so dass uns menschlich gar nichts mehr bezelte.      (d)

2
Kapitalismus? - Autodestruktion.
Politisch, psychoethisch, kulturell.
Sein Technik-Fortschritt ist davon ein Quell. 
Weil der schafft geistiger Verarmung Mohn.
Die Menschen werden sich zur Attraktion
als Körperwaren-Starsystem-Modell;
und das als dessen Abklatsch möglichst grell.
Kurzum: Der Einzelne wird Zeitgeist-Klon.

Weshalb ich glaube, dass der Niedergang
der Volksherrschaft ganz unvermeidlich ist.
Es wohnt derselben inne doch der Zwang,
- und nicht der Zwang nur; auch die stumme List -,
dass man sich selber nur noch ist Belang ….
verwahrlost seelisch tot sich selbst vergisst.








 

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