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La maladie allemande (07/1)
(franz.: Ü: Die deutsche Krankheit)
Das Glück ist fort,
Humor und Heiterkeit,
Erotik, Geist und Ironie.
An diesem Hechel-Ort
im Büßerkleid,
der, wohlstandsdumpf
sich selbst entgleist,
versinkt in Banausie.
Gesinnungstrivial und reflexionsarm
längst doch Beute,
politmessianisch eitler Leute …
narzissmusstier bespringt sein Ideal
an unbegriffner Würde Faden.
Der Staat hört auf, der Stumpfsinn blüht
(doch rechtlich garantiert in diesem Land).
Das, tugendkrank, erregt sich müht,
sich möglichst selbst zu schaden …
zu frönen geistig kruder Anomie.
An Deutschland (07/2)
Scheindominierte Wirklichkeiten,
krude Tugendobsessionen …
Die dich aus dir selber leiten
in rein ideelle Zonen.
Die politisch dir entgleiten,
Selbstverlusten schaffen Kronen …
Deutschland, höre! Du bist krank;
hast dich wieder mal ergeben
bodenlos-absurdem Zank …
begriffsarm selbst dir zu entschweben.
Freilich weißt du es nicht besser;
fällst dir selbst zum Opfer - wieder mal:
Weltgeistdeuter, Seins-Vermesser,
würdelüstern klerikal.
Kultmessianisch immer blässer,
seelenlinkisch, selbstwertkahl;
leerer Phrasen schärfstes Messer …
betend an indes nur Geld und Zahl.
Das Geschenk des Geistes I (07/3)
Dank ihm darf ich mir selbst entrinnen,
mich soweit von mir lösen,
dass ich nicht ausgesetzt mir selbst muss fronen:
Sei’s Amoral, sei’s blindem Hass,
sei’s Deklassierungs- und Zerstörungswut,
sei’s auch Gewissenlosigkeit und Indolenz:
Bedauernd all die von sich Heimgesuchten:
Sich selbst zur Last und phrasensiech,
korrupt und fatalistisch infantil.
Unaufhaltsame Innenweltzertrümmerungen (07/4)/Sonett
Dass es noch Boden hätte, dieses Leben,
so was wie Sinn, Bedeutung, Geistsubstanz,
das lässt sich nicht erkennen. Noch sein Glanz
zeigt klar, es ist nichts weiter als Verschweben:
In Hedonismus und Prestigegeweben
aus Nichtigkeiten eines Drangsal-Banns
in trügerisch erträumte Relevanz …
Um fraglos seiner selbst sich zu begeben.
Fakt ist, dass Innenwelten still verdorren,
zerfallen schleichend alle Selbstbestände,
die Individuen sich inszenieren,
gewissenlos getrieben und verworren,
auf dass sich jeder gramnarzisstisch schände,
sich spaßverzückt dem Zeitgeist zu verlieren.
Einwand gegen das (07/5)
Es sind nicht viele in der Lage,
sich illusionslos
ihrer Existenz zu stellen;
zumal die oftmals eher Plage,
als eine ist,
die wäre ohne Dellen.
Zumal sie objektiv auf gar nichts ruht:
Nicht Gott, nicht Sinn;
noch irgend Zwecken;
ist weiter nichts als stille Glut
von Lebenslügen,
dies uns zu verdecken:
Dass sie ist ohne jede Hut,
ist Leibdrangsal,
meint alle Tage,
den Zwang, Verfall sich zu verdecken;
vor allem die Vergeblichkeit:
die gilt’s,
erlebnismonoman sich aufzuhellen:
Was für uns Trancewelt-Kunden
ist das höchste Gut.
Was ich tun muss (07/6)
Über mich selbst noch zu verfügen,
das ist mir nicht gegeben.
Schon weil ich muss mich täglich doch verbiegen
sei’s andern, Lagen, sei es Marktzwang-Streben.
Kurzum ich muss mein Tun und Lassen
nach Fakten, Macht und Zeitgeist richten:
Kapitalismus, Technik, Wissenschaft und Massen,
mich also fremdbestimmt gewichten.
Zumal nicht frei und auch nicht gut.
Indes normalerweise auch nicht böse.
Von jenen tief geprägte Daseinsglut:
Monaden-Ich als Atomar-Synthese.
Zerrissen psychisch, physisch ausgesetzt
Bedürftigkeit, Verfall und Tod.
Durch eine anonym-komplexe Welt gehetzt,
die, Ratio-Spuk, versagt als Halt und Lot.
Ich glaube nicht an Menschlichkeit, an Güte.
Zumal ich bin auch ganz allein,
nichts habe also, was behüte
mich vor mir selbst und jener Faktenpein.
An was auch könnte ich mich halten?
An Gott, Kultur, an Würde und Vernunft?
Längst doch versunken den Gewalten
von Nihilismus, Medien- und Erlebnis-Brunft.
Doch diese Leidenschaft, es zu begreifen,
es radikal, wie’s ist, zu denken:
Ihm all die Träume und Fiktionen abzustreifen,
die anonym uns alle lenken,
das scheint mir groß und lohnenswert:
Mich keinem Tugendterror zu verpflichten,
der sich als Geistesarmer Trost gewährt …
Vielmehr entlarven ihn; z. B. in Gedichten.
Prosafetzen (218) (07/7)
Entfesselungsdrastisch
und objektiv notwendig zugleich:
Die Ekstasen und Drogen
sich selbst optimierenden
Wohllebens …
Obgleich verwahrlosungsträchtig,
vermögen indes nur sie
uns zu bewahren
vor Barbarei und Bestialität:
Gewaltexzessen einer Diktatur.
Prägungen früher Tage (07/8)
Ein paar Erinnerungen
sind da schon geblieben,
an denen ich bis heute trage.
So die,
dass mich Verachtungslust hat aufgerieben
im Zentrum mancher Spottgelage.
Grad deshalb hab ich
viel gelernt in jenen Zeiten.
So etwa,
dass ich immer gut dran täte,
Naivität und Illusion zu meiden:
Zu glauben etwa an Moralgerede.
Sind doch wir Menschen
radikal verlogen,
auch ehrlos, seelenkalt
und unsrer selbst nicht mächtig,
Gewissen mimend,
in uns selbst verbogen,
charakterarm und kerngrobschlächtig.
Für Niccolò Machiavelli und Thomas Hobbes (07/9)/Für Verehrte
Die andern - wie sich selbst auch - sehen,
wie wir an sich sind
(nicht nur wollen scheinen),
erfordert,
tief in uns hinabzugehen,
um dann, gelingt das,
all das zu verneinen:
Dass frei wir seien,
würdefähig, gut.
Kurzum: Der Tugend Bannerträger.
Als diese uns Gewissens-Hut.
Nicht Ehrgeiz-, Selbstsucht-,
Lust- und Image-Pfleger.
Indes vergesst nicht,
liebe Artgenossen,
dass wir an sich sind - scheinbar -
rationale Egoisten,
die kratisch maximieren
noch das Glück der Gossen,
um sich als Sieger
vor sich selbst zu brüsten.
Die Fakten sich,
die eignen Miese zu verschleiern,
dies, dass man ist nur Mittelmaß:
Pleonexie-Gerangel doch,
das sich muss ständig selber feiern,
zumal bedeutungslos ist ... Bis ans Gras.
Heutige Lagen des Individuums (07/10)
Dass eine Farce es sei,
dies Wohlstand, Trance und Reizen Darben:
Heteronome Gaukelei
als Lustquell sekundärer Daseinsnarben,
das müsste man
an sich doch merken,
wenn man, was kommandiert,
erst mal begriff
als dauerangenehmes sich Verzwergen:
Als radikalen Schliff
durch Ratio, Artefakt
und sich Erleben
in einem Einheitskult des Trivialen:
Sich selbst entfremdet
zu verschweben …
Systemmonade: Knecht von Zahlen.
Durchschaut (07/11)
Bis in die Kerne
hab ich mich durchschaut:
Ein Stoff-Weh,
radikal bedeutungslos.
Mir meiner selbst bewusste
Trug-Zisterne,
die sich Behelfsfiktionen baut
aus Ironie-Anfällen,
Suff und Schoß …
Mich stellend so
auch geistig bloß;
als lächerlicher
Phrasen-Dreh.
New York - Aus meiner (geistigen) Sicht (07/12)
New York? So was wie eine Kult-Kloake
für solche, die sich nicht begreifen,
als crème* indes beweisen wollen alle Tage,
nicht ihre Nichtigkeit zu streifen.
The masters of the universe (die Mammon-Leute) …
Der Ichsucht feile Seelenlose,
narzisstischer Versklavung Beute;
so was wie Empathie-Arthrose.
Doch blüht nicht dort auch diese Pop-Kultur?
Ja - Als Bewirtschaftung von Emotionen;
als Trancegenuss, als Selbstdarstellungsshow …
entfesselungsberauscht als Star sich zu betonen.
Ich kann’s mir leisten, so zu denken
- zumal’s auch jene ständig krachen lassen -,
weil ich mein Augenmerk dann auch will lenken,
auf die man auch sieht: Arme Massen.
Die, tief verachtet, dennoch jenen gleichen,
weil sie - das ist ihr Traum - wie sie sein wollen:
die guten, schönen halbgottnahen Reichen.
*crème, franz.: Auslese, Elite
Das Leben II (07/13)
Das ist ja alles sehr diffus, was man so Leben nennt.
Es ist so was, wie eines Schattens Gruß,
der keine Adressaten kennt.
Ein permanentes Perspektivenspiel.
Und keiner, keiner kann das ändern.
Ein Rennen ohne Ziel:
Getriebenheit und Selbstwertkentern.
Und wenn man’s so erfassen darf in sich,
verbürgt vom Strom der Dinge, weiß:
Dann nur als letztlich leeren Stich
auf einem unsichtbaren Gleis.
Warum nur? (07/14)
Warum nur
schreibe ich
so viel?
Ist doch
das Ganze
längst verloren.
Apathisch laut
und schunddebil.
Und Normensturz
vergoren …
Ein Artefaktentaumel-Spiel …
Als seelische Tortur.
Unauflösbare Widersprüche/Für Archilochos von Paros* (07/15)/Für Verehrte
Ich kann mich gar nicht mehr bestehen.
Mir kam die Welt als sinnentleert abhanden.
Muss daher ständig um mich selbst mich drehen.
Hab keinen Boden mehr, zu landen.
Was auch erklären mag die Widersprüche,
die vor mir her mich treiben:
Gewalt-, Verrohungs-, Hass-Ausbrüche,
mir, unfrei, fremde Psychen aufzureiben.
Ich weiß, ich kann mir nicht entrinnen
- Wer wäre je entkommen seinen Losen? -.
Ich muss auf rohe Scheinbehelfe sinnen,
mich von mir selbst auch abzustoßen.
Kann keine Ausflucht indes suchen,
wie etwa die, dass ich ein Opfer sei
von andern, roh erpicht, mich zu verfluchen
und auszusetzen diesem Einerlei
von kosmisch uns verfügten Nihilismus-Zwängen,
durch deren Tiefen ich mich grabe,
weil sie zu Geist mich und Zerstörung drängen …
von mir nicht steuerbarem Zwiegehabe.
*Siehe Fremdwörterverzeichnis
Monadenexistenz (07/16)
Einsamkeitsverrieselte
Traumtorkeleien
durch ein Sozialgefüge,
in dem man lediglich
selbst vorkommt.
Unausdeutbar
sich selbst entfremdet
als exemplarisches
Allgemein-Ich.
So auch ich (07/17)
Ein Organismus, drastisch selbst sich Zweck.
Ein Stoffgefüge, Zeit und Raum,
verzwungen seinen Selbst-Gehalten …
Bewusstsein und Gesellschaftsdiktatur:
Der Konkurrenz der Artgenossen,
der subjektiven Schicksalshaftigkeit:
sei sie genetisch noch so ausgezeichnet,
sei umgekehrt sie mittelmäßig nur,
vielleicht gar zufallsdeklassiert …
Geprägt zumal von Herkunftszwängen,
allein in sich verpuppt ein Leben lang,
zugleich nie Herr je seiner selbst …
Das alles bin ich und auch dies:
Verfall, Vergessen, Nichts verfügt.
Seid mir, wieder einmal, herzlich gegrüßt -
In dankbarer Erinnerung an meine Eltern (1) (07/18)
In dankbarer Erinnerung an meine Eltern (2) (07/19)
In meiner Schuld habt niemals ihr gestanden.
Weil ihr euch etwa fehl verhalten hättet.
Ach, liebe Eltern, nein, das sicher nicht.
In jedem Augenblick mir tief verbunden.
Wart ihr doch selber euch abhanden,
in nichts, schon gar nicht in euch selber je gebettet.
Halt Machtflöz ohne Selbstgewicht.
Missbraucht, verachtet und geschunden.
Ihr wart ein Leben lang doch nur Trabanten,
an Dünkel, Zufall, Wahn gekettet …
Seid mir, wieder einmal, herzlich gegrüßt -
In dankbarer Erinnerung an meine Eltern (2) (07/19)
Noch mal: Die beiden lieben Alten,
nicht ansatzweise fähig,
sich zu lenken,
sich anders
als nach Herkunftszwängen zu gestalten:
sich dauerhilflos also
selbst zu kränken.
Ihr Beispiel hat mich klug gemacht:
Nicht an Moral
und Menschlichkeit zu glauben:
An diese bürgerliche
Selbstbetrugsandacht,
sich Selbsterhöhungstrug
zu rauben.
An euch von hier aus noch mal liebe Grüße,
gesprochen in die Leere:
des Todes unfühlbare Süße
nach trauerschierer Erdenschwere.
Erlösungsutopistische Selbstentmächtigung
der Art durch Künstliche Intelligenz* (07/20)
Wir werden uns gewiss nicht mehr entkommen.
Man konzipiere, welche Rettungswege immer.
Sie werden als Schimären sich erweisen.
Sind wir doch wesensmäßig autodestruktiv:
Als rationale Hybris- und Verblendungs-Zwerge.
Und so uns letztlich auch wohl selbst vernichten.
Sind wir gezwungen doch, uns zu bewahren
durch Technik (rational-abstrakte Effektivverfahren).
Auch vor uns selbst als hedonistisch siechen Reizverwertern.
Es bleibt nur dieser Weg: Die Knechtschaft durch KI.
Der Preis? Das Ende aller Hoch- und Geist-Kultur,
totalitäre Formung von Monaden-Innenwelten,
die sprachliche Verkümmerung zu Stumpfsinnlallen,
Vereinzelung bis in den Wesenskern … Die Auflösung
von Staat und Recht: Der Volksherrschaften Ende.
Wie kann man sich nur Ratio-Macht ergeben,
die, menschliches Produkt, wird schaffen sich
ein Wesen, nur noch ansatzweie Mensch,
organisierter All-Verlassenheit dann hilflos unterworfen …
vielleicht Vernichtungskälte wehrlos ausgesetzt?
Indes was liegt an uns, wenn ich genau es nehme:
Tatsächlich gar nichts, merkt man nämlich auf:
Gewahrt man als die tiefsten Daseinsstützen
naive Selbstverständlichkeiten, kollektiv geglaubt,
Gott, Selbstzwang, Demut, Pflicht, Bescheidenheit.
Und die sind fort, nicht fassbar mehr den seelisch toten,
Realitätsverlusten frönenden Subjektphantomen:
Geprägt von Sinnverlusten und von Tugendmärchen,
von Fortschrittsmären und Beglückungsdeklassierung,
erlösungs- und entmündigungsverzückt
egalitär erloschen.
*Ich erinnere hier - es passt hier gut - an Günther Anders Werk: „Die Antiquiertheit des Menschen“. Anmerkungen:
(1) Anders konstatiert die Möglichkeit einer Zerstörung der Humanität des Menschen durch den technischen Fortschritt; diesen Gedanken teile ich.
(2) Die Unvollkommenheit des Menschen einerseits und die Perfektion der von ihm geschaffenen Maschinen schaffe für den Menschen die Gefahr der Selbstzerstörung (etwa durch Atomwaffen). Auch diesen Gedanken teile ich.
(3) Die Hoffnung, die Anders in die Menschenwürde setzt, teile ich freilich nicht: Die Menschenwürde kann einem durch und durch
determinierten (freiheitsunfähigen) Wesen nicht zugeschrieben werden (s. S. 43)
Immerhin (07/21)
Ichschwach bis du,
feige auch,
tief verstockt
und krass perfide.
Freilich auch
mir Trance und Lust,
lindernd diese
Daseinsniete.
Vor der bisher
jeder kniete,
war sie auch
nur Selbstverlust.
Was mich gehalten hat - trotz allem (07/22)
Nun: Etwa Kindlichkeit und Gottvertrauen
(irrational fundiert in Dankbarkeit);
dann Argwohn gegenüber dieser Welt.
Vor allem Geist auch: Sachlichkeit,
was angeht unsre Existenz:
Dass sie prekär sein muss als solche,
nicht meisterbar durch Utopien,
sie seien ethische, politische,
sie seien welcher Art Fiktion auch immer …
Ist sie nichts weiter doch als Stoffgefüge,
Replikatoren-Zufallswurf in Stundenträume,
der sich in Nichtigkeit und Trance verflüchtigt,
vergeblich hin ins Anorganische.
Faktentreue Vorsorge für alle Tage (07/23)
„Nichtigkeit der Nichtigkeiten“,
sprach Kohelet, wiederholend es:
Sei doch alles null und nichtig.
So steht‘s auf meiner Kaffeetasse.
Unter dem Bild
einer im Gras lauernden
wunderschönen Katze.
Und beides,
die Worte des Predigers
wie auch der Anblick der Katze,
rüsten stets mich für den Tag:
Mir bedeutend,
dass auch heute wieder
letztlich ich vergeblich werde
hoffen, wollen, jagen, greifen …
Organismus doch, vergänglich;
Leibding einer eitlen Welt: …
Windhauch, Dunst,
und Wahn verfallen;
noch im Rausch
von Geist und Eros.
Für Zeitgeist-Jünger (07/24)
Sie reagieren auf Effekte,
auf Reize und auf Sensationen,
doch nicht auf Normen
- seinsverzweckte -
die fraglos würden
ihr Bewusstsein formen.
Nun Menschenwesen,
die sich als Person verfehlen,
die inszenieren sich nur zweiter Hand:
Als Dingwelt-Anamnesen,
Waren-Nutzen-Tand.
Entseelter Leergewissensspiele:
Produkterweckte Anomie,
sich durch ein Dasein ohne Sinn zu stehlen.
Man muss von gestern sein,
um dies zu spüren.
Kein Aufklärungs- und Ratio-Träger.
In mystisch-religiösen Wogen,
sich nicht verstellt und ganz allein,
ans Große Rätsel
spät auch noch zu rühren:
Dass man nur geistig meistert Faktenzwang:
Sich dann als Trieb zumal entzogen.
Ideen-Abbild*, nicht Erlebnisjäger.
*Ideen. Bei Platon die ewigen, rein geistigen Urbilder der materiellen Dinge, der ethischen Werte und der Güte des Seins überhaupt; s. Fremdwörterverzeichnis
Dorfschatten - Schon lange verscharrt (07/25)
Der hat sich damals aufgehängt.
Und jene nahm Tabletten.
Was man als Kind da denkt? -
Ich zog mir Zigaretten,
stahl mich auf lichtberauschte Sande,
blies Kringel ab im Kauern.
Obwohl ich beide kannte,
empfand ich nichts, um sie zu trauern.
Was lag mir denn an diesen Leuten?
Sie war’n mir einfach nur egal.
Zumal nicht einmal sie bereuten,
mich abzustempeln als krud asozial.
Das war so meine Lebensschule.
Verrohte. Viel zu primitive.
Als dass mich heute täuschte diese coole
Narzissten-Tugend ohne jede Tiefe.
Illusionslos (07/26)
Nicht, dass ich was Besondres wäre,
mir selbst erschiene irgend groß.
Zumal genau ich weiß, wovon ich zehre:
Von diesem hochprekären Wohlstands-Los …
Produkten, Formeln, Absatzzahlen
und Werten, die real nicht greifen,
Erlösungskinderei in Freizeitschalen,
um letztlich vor sich selbst zu kneifen.
Doch all das wird wohl müssen untergehen.
Demokratie und Rechtsstaat auch.
Geschichtlich überholt verwehen.
Schon jetzt nur Schall und Rauch.
Ob mich das freute? Nein. Mitnichten.
Nur dies: Ich werde, alt, entkommen
dem Toben jenseits rationaler Schichten.
Uns allen eigen. Auch den Tugendfrommen.
Prosafetzen (07/27)
Geist?
Das ist die Vergleichgültigung
aller Ausformungen
des sapienten Nihilismus:
Gottträchtige Selbstentfaltung
in nichtender Zeit
und dauerprekärer Selbstbelämmerung.
Prosafetzen (337)/Für Homo sapiens bambergensis (07/28)
Lass es dir gesagt sein, Blonde!
Die Schönheit, Anmut
und eidetische* Glut
deiner erotisch
kommandierenden Körperlichkeit,
zerschlägt allen Gram
und alle Trauer,
lässt verstummen alle Klage
über diese so verkommenheitssieche
Konsumdiktatur …
verneint sie in jedem einzelnen
dieser gottgefälligen Augenblicke
eines leib- und geistbegnadeten
ekstatischen Sommersonnennachmittags.
*Eidos, griech.: Urbild, Idee (bei Platon); eidetisch urbildhaft, soll heißen geistig vollendet
Selbstabdichtung (07/29)
Die kommunikationstechnologisch diktierte
Schalheit dieser Verbraucherexistenz
geht - es kann gar nicht anders sein -
nahtlos einher mit einem zeitgeistfanatisch
empörungslüstern flachen Innenleben.
Man muss, will man dem entrinnen,
permanent an sich halten,
sich hermetisch gleichsam abdichten,
um nicht hilflos überwältigt zu werden
von Propaganda, Leerformel-, Entseelungs-Terror
und kommandierendem Hypermoralismus,
marktvermittelter Geistlosigkeit (Spracharmut).
Und einem fanatischen Egalitarismus,
der es sinnlos macht,
sich noch um sich selbst
als kantische Person zu bemühen.
Indes kann das nicht anders sein:
Der späte Kapitalismus muss letztlich
eine verinnerlichte Marktknechtschaft erzwingen,
die einen dann substanzradikal
vor sich selbst stellt:
Entweder, woher auch immer,
die Kraft zu haben,
dieser Verdinglichungsdeklassierung zu widerstehen ...
oder sich der Desorientierten-Moral zu überlassen:
Sich erlösungsdumpf:
dionysisch zu inszenieren,
um, ekstatisch umnachtet,
einsichtslos durch sich selbst zu trudeln.
Lob des Marktes - meinetwegen (07/30)
Ob autodestruktiv, ob spaßzwangkulturell,
entglückend und verwahrlosungsaffin,
erlösungstrivial und schundbesessen,
verlogen, inszeniert, narzisstisch flach,
ob neppstrategisch, geistlos, Nietenmühle,
Erregungszufuhrmoloch und Phantasmen-Sause,
die kindisch macht, gewissensarm und psychendumpf …
Ich werde, ihn verfluchend, zugleich preisen
den Markt als Gut für mich, weil er nie zwang,
dass ich vollziehe, was als Gral ihm gilt:
Sich aufzugeben, um als Mammonbarde,
als Selbstwertgaukler und Konsumpotenz
zur Nichtigkeit erhöht,
sich grinsend selber zu bewundern.
Dorfschatten/Erinnerung an W. N. (07/31)
Ungelernter Handlanger und notorischer Säufer.
Sich selbst stets hilflos ausgeliefert.
Ein zwanghaft witzelndes Subjekt,
sich vor allem wohl vor sich selbst
und seiner trostlosen Existenz zu bewahren,
zu verdrängen die bedrückende Einsamkeit
und Orientierungslosigkeit,
boshaft-kalte Verachtung zumal der Dorfgenossen.
Herumgestoßen. Oft gemieden.
Nicht selten aggressiv angefeindet.
Indes man wäre menschlich sowieso nicht
an ihn herangekommen.
Der Suff allein, so schien es,
vermochte ihn zu halten: Das Delirium.
Dieses wirklichkeitsferne in sich selbst Taumeln.
Menschliches - und sei’s nur ein warmes Wort -
hätte ihn wohl seelisch auch gebrochen.
Hin und wieder denke ich an ihn,
diese armselig mittellose Existenz …
Doch auch ein Beispiel lebenslanger All-Verlassenheit.
So gesehen I (07/32)
Vorteile hat es ja schon,
wenn man,
an den Rand gedrängt,
diese fade Daseinsposse von diesem aus,
sozusagen im Abstand
weniger betroffen und geködert,
genauer sehen, fühlen
und geistig erfassen kann:
Als Drangsal-Spiel allumfassender Irrationalität,
Gram-Hort der Lebenslügen,
Triebdiktate, Selbsterniedrigungen und Trosträusche.
Zumal doch verfügt einer auf Daseinssurrogate
verpflichteten Gesellschaft,
darauf, sich ein Los zu ergattern
als Erlebnisbüttel und narzisstischer Ich-Schauspieler:
Mime eines metaphysisch toten Psychen-Wracks.
Daseinsambivalenz (07/33)/Sonett
Das, was uns allen zählt, das ist zwar nichtig …
So etwa, jeden Strohhalm zu ergreifen,
sich, was man nicht ist, tunlichst zu verhehlen,
ansonsten Illusionen zu verprassen …
Nun, ich bejahe es. Es ist schon richtig,
sich nicht auf Selbstentbergung zu versteifen,
weil man riskiert, die Welt so zu verfehlen …
Und auf sich selbst gestellt, ist man verlassen.
Ich muss es wissen, war ich doch gezwungen,
so ganz allein mit mir zurechtzukommen.
Zumal begabt auch, Lügen auszumachen.
So ist es mir am Ende nur gelungen,
zu ahnen, was wir haben uns genommen:
Glück, Sinn und Gott - Für ein paar Warenlachen.
Allein für mich … (07/34)
Allein hier still die Zeit wegzehren,
das ist doch auch was. Oder?
Ich muss mich, weltleer, nicht empören,
darf ignorieren allen Phrasenmoder,
darf fort mich träumen aus Konsumneurosen,
erlösungsutopistischen Manien,
aus Ich-Entmächtigungs-: Bedürfnis-Losen …
Auch von mir selbst mich abzuziehen …
Das ist doch alles nicht mehr zu ertragen,
dies Nihilismus-Spiel sapienter Autotranszendenz …
sich technisch anstatt metaphysisch dann zu überragen …
Das Ende doch humaner Existenz.
Das alles kann mich jetzt indes nicht rühren.
Ich halte rigoros es von mir fern:
Um noch mal kindlich zu erspüren
der tiefsten Stunden Geisteskern.
Dialektik existenzieller Ausweglosigkeit (07/35)/Sonett
Dass alles mir egal ist, wirklich alles,
spricht nicht für mich. Ja ganz im Gegenteil.
Entlarvt als zynisch mich und menschlich stumm.
Vor allem als moralisch antriebslos.
Doch ist dies Schicksal nicht das einen Falles,
vereinzelt, einsam, Zwangsgeschehen feil:
existenzielles Dilettantentum,
das nur als Ding noch zählt in Mammons Schoß?
Dass nicht ganz klar da ist, wovon ich rede,
das ist normal; sind wir doch Marktabklatsch
bis in Neurosen und Verlassenheiten:
Behelfsekstatiker geplanter Lethe*,
gesinnungspfiffiger Gewissens-Quatsch …
Nicht auch noch Wohlstandshalten zu entgleiten.
*Lethe, griech.: Vergessen
Systemnotwendiger Selbstzerfall (07/36)
Genialer Kniff, der Ichsucht Drangsal zu entfesseln,
um die Subjekte ihrer selbst sich zu entfremden,
sie hedonistisch-spracharm einzukesseln,
auf dass sie gierfanatisch sich enthemmten,
zerfielen sich erlebnismonoman,
vereinzelnd provozierten Kollektivmagien,
steril berauscht durch technisch-rituellen Wahn
im Schlepptau pseudorationaler Strategien …
Gefangen so in Emotionen,
die sie entlasten und beglücken …
sie einer unbegriffnen Wirklichkeit entrücken
verdorrter Psychen- und Gewissens-Zonen.
Prestigesüchtige Selbst-Vergaukelung (07/37)/Sonett
Wir brauchen alle doch Beschönigungen:
Uns vor uns selbst bewahrende Visionen.
Längst müssen wir Erlebniskunstwelt fronen,
damit uns unser Dasein sei gelungen:
Verpflichtungslos und kindlich ungezwungen
mit Geld, Prestige und Lüsten uns belohnen.
Und das heißt Spaß, Effekt und Trance gedungen:
Belämmernden Erlösungsillusionen.
Doch mögen wir’s, auch aggressiv, verneinen,
dass wir als Selbstverwerter nur noch streben,
uns auszubeuten und zu inszenieren
als Zeitgeistideal, von dem wir meinen,
wir gälten mehr dann, wenn dem hingegeben,
wir menschlich selbst uns schamlos deklassieren.
Usque ad finem* (07/38)
Das allerdings
wird bleiben.
Bis zur letzten Minute.
Hoffe ich.
Das Göttergeschenk Geist.
Für das allein es lohnt,
hier auszuharren.
*lat.: Ü: Bis zum Ende
Zeilen des Trostes (07/39)
Ob’s was tauge
oder nicht,
das ist letztlich
doch egal.
Wenn einst bricht
des Daseins Auge,
geht mit ihm
auch seine Qual,
gehen Freuden, Hoffen,
Ziele, Zwecke …
Was auch immer
von Belang …
Wieder Beute
stummen Stoffen …
ohne Deutung,
Sinn und Drang.
Dorfschatten/Erinnerung an A. F. (07/40)
Was doch mein Hirn da alles birgt
an solchen Schatten,
deren Mimik und Gestik ich
- als adipöse Körperunförmigkeit war ich,
um psychisch wenigstens halbwegs zu bestehen,
existenziell darauf angewiesen -
schon früh auszudeuten wusste
als nach außen, ins Leibliche,
gekehrte Seelenverfassungen.
Heute Nacht etwa fiel mir,
ich weiß nicht, warum, A. F. wieder ein,
ein scheuer, etwas zurückgebliebener Junge,
wohl auch deshalb von seiner Mutter,
trotz ihrer Armut, liebevoll umsorgt
(der Vater war wohl gefallen) …
Ach ja der linkische, überbedächtige,
ein wenig zu langsam sprechende A.
- selbst seine Bewegungen,
egal welche,
vollzog er sozusagen überlangsam -
stand wieder vor meinem inneren Auge …
Naiv liebenswürdig, ohne Antrieb,
sich über mich lustig zu machen,
erpicht,
mir die sonst bei anderen übliche
Häme und Bosheit zu bezeigen …
Und als er dann später seine große Liebe verlor
- sie hat es zuletzt doch vorgezogen einen anderen,
einen gewitzteren und beruflich erfolgreicheren Mann
als A. einer war, zu heiraten -
da senkte ich den Kopf,
nachdem ich es gehört hatte,
wohl wissend,
dass ihn das ins Mark getroffen haben musste …
Ich weiß nicht,
was dann aus ihm geworden ist,
schon gar nicht, ob er noch lebt.
Falls ja, dann schicke ich ihm jetzt
einen letzten Gruß der Dankbarkeit
über die leeren Jahrzehnte hinweg
in die ferne Vergangenheit.
Zu den Dorfschatten/Vom Verlust der Identität (07/41)
Nun ja. Ich komme aus einer anderen Welt,
einer Welt absoluter Faktenkommandos.
Sie ist als verinnerlichte Lebenshaltung
tragender Selbstverständlichkeiten
definitiv untergegangen.
Ärmlich war sie, worthülsen- und phrasenarm,
die Individuen noch Selbstzwang-Werten unterworfen:
Disziplin, Gehorsam, Leistung, Fleiß, Pflichterfüllung usw.
Vor allem daran auch erinnern mich die Dorfschatten,
die in mir sozusagen eine psychische Phalanx
von Antriebspotenzen bilden,
die mich so oder so, jedenfalls tief geprägt und,
das ist entscheidend,
weit über mich hinausgetrieben haben.
Ganz anders die heutigen:
Schauspieler eines erlebnis-abstrakt verwahrlosenden Daseins.
Moralgläubige Seelensöldner
eines hedonistischen Konsumismus,
verlogen sakralisierte,
steril erregte, ihrer selbst entmächtigte,
gleichgeschaltete Kreaturen
korrumpierender Verlassenheit …
Sexfetischisten marktinduzierten Behelfskopulierens (Entlastungsgeilheit) …
Opfer eines kitaisierenden Zeitgeistes,
Worthülsenjongleure,
Mimen einer leeren Pseudo-Existenz:
Sich selbst verratende und gesellschaftlich verweigernde,
geistig Mittellose panrepressiver Toleranz.
Aggressive Narzissten im Bann erlösender Selbstzerstörung.
Metaphysisch unbedarft: gott-, selbst- und seinsverlassen.
Prosafetzen (17) (07/42)
Aufrichtig sollte ich sein, mich nicht anreichern lassen
mit Gehalten, die ich weder bin noch habe.
Erdichten sollte ich weder die Ausrichtungen
meiner Innenwelt noch die anderer Menschen;
schon gar nicht das, was ich für Wirklichkeit halte.
Und doch mache ich all das. Ich mach’s
in jedem Augenblick: Notwendig interessegeleitet,
sozial und genetisch auch definitiv gezwungen.
Schießen doch in jedem Augenblick
all die Voraussetzungen, Erfahrungen,
Festlegungen, Herkunftszwänge und
Kernerfahrungssteuerungen und vor allem auch
die so bitter benötigten Entlastungsphantasmen
unentwirrbar als das in mir zusammen,
was ich mir selbst und allen anderen dann,
vollständig heteronom, zu sein und zu scheinen habe.
Prosafetzen (21) (07/43)
Nichts rüttelt mich auf.
Nichts überrascht mich.
Nichts macht mir Zuversicht.
Kindisch ist mein Urteilen
und Werten: Eine Art
sterile Gewohnheit ist es,
ein Entlastungsgehabe;
freilich von grundlegender
Bedeutung dafür, mich
gesellschaftlich und sozial
über Wasser zu halten …
Schließlich muss ich
mein Geld verdienen;
und das heißt täuschen,
liebedienern, Cliquen hofieren
mich selbst verraten, lügen,
mich vor mir selbst schämen
bis hin zur Selbstverachtung.
Dasein heute I (07/44)
Was dieses Dasein heute sei?
Nun ja, das ist nicht leicht zu sagen.
Muss man doch häufig sich mit Schein abplagen.
Sich beugen fadem Allerlei
von Trug, Gerede und Bewusstseinskrusten.
Und die sind schwer zu greifen.
Vielleicht gar Boten einer überreifen
Misere von Substanzverlusten.
Zu Deutschland passt das alles ziemlich gut.
Ein Land, sich selber längst entglitten:
Kulturlos, ohne Mitten
der Einfalt und des Stumpfsinns Glut.
Danksagung I/Meinen Eltern (07/45)
Wenn ich euch nicht gehabt hätte,
liebe, hilflose, weltunfähige Eltern,
kleine Leute, an der geschichtlichen
Wirkung und Faszination jenes
wagnerisierenden, dumpfgenialen,
barbareikundigen Charismatikers,
dem System dann der Wohllebensdrogen,
aber auch an euch selbst gescheitert …
Zumal auch ganz anders geartet als
diese artverräterischen Dorfschatten,
plumpen Gossenanbeter und von
Gewalt faszinierte Psychopathen,
Traumtänzer, Charakterlose, seelen-
und gewissenskalte Daseinsspreu,
naiv liebenswürdige freilich auch …
Ich wäre nie was geworden,
hätte mich nie dem Geist verschworen,
dieser unüberbietbaren Ich-Überschreitungsmacht,
wäre gewiss eine sozial gescheiterte,
eine Unterschichten-Niete geblieben …
Habt also - aufrichtigen - Dank dafür,
dass ihr mich ungewollt
zu mir: in mich selbst gehetzt habt.
In eine souveräne Selbstdistanz,
einen radikal aufrichtigen Realitätssinn,
die bedrückende Einsichtsfähigkeit,
dieses Wissen darum, dass es sich lohnt,
auch dann hier zu Gast gewesen zu sein,
wenn es sich darin erschöpfen muss,
vor der stillen Nichtigkeit seiner selbst
einsamkeitssiech kapitulieren zu müssen.
Dorfschatten - Entzauberte Gassen- und Kneipen-Wichte (07/46)
Taugten nichts,
war’n faul und spröde,
gaben viel
auf Schlägereien …
Eben Unterschichten-Mob,
suffgemein, brutal
und öde …
Hilflos aus
auf plumpes Schreien
Grambrunft grölend
so als ob
Faustrecht sei ein Daseinsgral.
Mochte sie
trotz all dem doch.
Und das gilt auch noch
bis heute.
Heimlich fühlend
dieses Joch,
dem sie waren Beute.
Selbstentlarvung I/(07/47)/Sonett
Was nach mir wird aus euch, das ist mir schnuppe.
Und wenn dies zynisch euch erscheine … bitte.
Ich kenne uns, weiß uns als schuldlos böse:
Als niedrig, hinterhältig und verlogen.
Nicht dass ich besser wäre, keine Puppe
von Ichsuchttaumeln ohne Maß und Mitte,
Sozialmonade ohne Sinn für Größe …
Subtiler Täuscher, von sich selbst betrogen.
Doch wollte ich nicht vor mir selbst versagen,
bin deshalb abgetaucht in meine Kerne,
um auszuloten, was an sich ich sei:
Getrieben, diese Welt zu überragen,
mich nicht zu scheren um die toten Sterne:
Ihr Trost in diesem leeren Einerlei.
Bildungsverluste (07/48)
Dass ich von unsrer Wirklichkeit erfasst was habe,
nun, das glaub ich schon.
Zumal es offen auch zu Tage liegt:
Dass wachsen Anomie-Lust, Dekadenz und Niedrigkeit.
Und zugleich schwindet die so wunderbare Gabe,
zu treffen Neigung, Feingefühl und Ton …
Und dass der Sinn für das, was ist, versiegt,
lässt zetern Geistesarmut, Neid und Korruption.
Über mich selbst I (07/49)/Sonett
Ein Spießer sei ich. Nun, das ist korrekt.
Auch obsolet; ja das auf jeden Fall.
Und dass mir Wohlleben ein Gräuel ist,
ist auch wahr; immerhin nicht würdelos.
Ich meide alles, was mich mir verdeckt:
Will nichts erleben, nicht sein Marktvasall,
nicht Opfer auch politdiffuser List.
Nicht einmal Sieger: Reich, berühmt und groß.
Will nur in meiner Einsamkeit verharren,
Gedichte schreiben und die Welt vergessen.
Und Einsicht dann in all das hier gewinnen.
So etwa die, dass wir uns selber narren,
auf Nichtigkeiten aus und Daseinsblässen …
Nie werden Rausch, Gewalt und Gram entrinnen.
Des blinden Zufalls Gnade (07/50)
So ganz allein zu sein,
das hat schon was.
Man muss sich beispielsweise nicht verbiegen,
verstellen oder auch verkaufen.
Was einen doch in Selbstverachtung triebe …
Doch sicher ist das nicht,
wenn man bedenkt,
dass man vereinzelt und entwurzelt ist,
Monade, die,
moralisch-kulturell entborgen,
geradezu notwendig dann
sich selbst im Stich wird lassen müssen.
Und da ich’s weiß, verbleibe ich in mir,
zuweilen im Gedicht
mich ungeschminkt zu sichten,
mich auszudeuten als
des blinden Zufalls Gnade,
schon alt genug,
den Zukunftslasten zu entrinnen.
Prosafetzen (344) (07/51)
Flachschalfühlig verwahrlost überwimmeln
die blickfanghörigen Stumpfsinnweltverbraucher
die ausgelaugten Wohlstandsfelder,
angewuchert doch längst von orgiastischer Brache
unzureichender Beglückungsgängelung,
sich unersättliche Standardmenschen
entglückungssüchtig gefügig zu machen.
Indes verbiete ich mir jedwede Kritik,
ist mir doch auf bedrückende Weise klar,
dass die Menschen zu all dem gezwungen sind …
Ist die Idee eines guten Lebens
doch längst verkommen zum inszenierten Vollzug
eines behelfsekstatischen Artefaktenanarchismus.
Nie fähig, selbst uns zu durchschauen (07/52)
Du fragst, was unsre Existenz ausmache
in dieser tragisch-rationalen Zeit?
Vereinzelung und innre Leere,
vor allem Wirklichkeits- und Sinnverluste
entgleisender Gewissenlosigkeit.
Und all das ungewollt systembedingt:
Verpfuschungsrationale Hirn-Sackgasse.
Mal abgesehen von der Wesensbarbarei:
Dem faszinierenden Vernichtungswüten.
Gewidmet Homo sapiens bambergensis (07/53)
Du: Vollendeter Materiewurf:
Feingliedrige Körperlichkeit,
narkotisierender Geruch,
Pandora magischen Übersinns …
Eine Drangsal, unbegreiflich denen,
die Seele anraunen, Werte, Charakter …
Bedeutungslos mir zerrinnend
in schlürflüsterner Vierlippigkeit.
Zungen- und leibrythmisches:
triebimperatives Ineinandertoben
an zeitträgen Nachmittagen
stofffrommer Alltagsübersteigung.
Depersonalisiert (07/54)/Sonett
Wo fände man in sich noch einen Seelenort,
Gesellschaftszwängen psychoethisch zu entrinnen?
Ist man doch ausgesetzt globalem Gegen-Hort,
dem untertan, kann niemand mehr sich selbst gewinnen.
Man ist, ist’s anonym, doch ständig wie von Sinnen,
wird heimgesucht von Sensationen, etwa Sport,
erfährt von Katastrophen, Kriegen, die beginnen,
von Diktatoren-Machenschaften da und dort.
Tatsächlich wird man ständig in Beschlag genommen,
ersehnt sich das geradezu, um zu vergessen,
dass man ist allumfassend seiner selbst benommen,
konditioniert durch Rock-Musik, Reklame-Messen,
durch Propaganda, der man mich mehr kann entkommen:
Sich zwanghaft inszenierend nach System-Finessen.
Das Ende von Maß, Mitte, Person und Realitätssinn (07/55)
Es fehlen längst die feinen Seelenlagen,
die metaphysisch-geistig-numinosen*,
um sich aus eignen Mitteln noch zu tragen.
Es dominieren letztlich doch die bloßen
Verreizungs-, Lustpflicht- und Gefühlsbestände,
die alle konsumtiv gefügig machen:
Verbraucher sollen falten ihre Hände,
sich selber anzubeten als beglückte Sachen.
Was sich da lärmend auslebt
ist Verdinglichungsgefolge,
das zeitgeisthörig sich verschwebt
in rauschsublimer Warenschemenwolke.
Zumal es doch auch nicht ertrüge,
dass fort sind alle Selbstverständlichkeiten:
Die Wirklichkeit ist nur noch Reizgefüge ...
erregt empörungslüstern selber sich zu meiden.
*numinos: göttlich
Resümee (07/56)
Wir wissen gar nicht,
was wir wollen sollen.
Denn das, was will,
das sind nicht wir.
Das kommt aus autonomen
Hyle-Stollen
ist Drangsalzweck als Wesensgier.
Entlassen
aus den Urknall-Knollen.
Wir sind uns selber nicht gegeben.
Wir träumen uns ja nur.
und das, was träumt,
ist nicht zu heben
in eine Selbstdistanzstruktur:
In Geist als einsichtsvolles Streben.
Zeit, Stoff und Drang,
sind wir Verfallsvollzüge,
sind Zufallsspielchen
ohne Seinsbelang.
Ein Leben lang verwiesen
auf Begriffs-Gefüge,
die weiter nichts sind
als Entlastungszwang,
Behelfs-Konstrukten zu zerfließen:
dem Sinnrausch
irgendeiner Daseinslüge.
Banale Lebensweisheiten (07/57)
Es passt halt selten alles, das ist klar.
So sind, was uns betrifft, wir recht verschieden.
Und doch hast du mir dies und das zu bieten,
denn was du von dir gibst, ist meistens wahr.
Du bist - und das ist gut - dir stets gewahr,
dass dieses Dasein birgt auch viele Nieten;
schon deshalb braucht beschwichtigende Riten,
ist man doch meistens tiefer Einsicht bar,
nutzt Lebenslügen, die schon jeder brauchte,
sich zu verhehlen, was doch täte weh,
wenn man es nicht auch ins Diffuse tauchte …
Verachtung zu vermeiden, Hass, den Dreh
der Rachsucht, die vor lauter Wut man hauchte ….
bereit zum Ausgleich, schmelzend Psychen-Schnee.
Psychen-Keller (07/58)
Zu viel begriffen und erfühlt,
vor allem Selbstbetrug
und Oberflächlichkeit.
Tatsächlich lebe ich in einer Zeit,
die sich, von Leibmagie berauscht,
aus ihrem richtungslosen Dasein stiehlt …
In einer Zeit,
die wertverlogen ist,
zeigt daher diesen feigen Zug,
dass sie Verblendungs-Emotionen tauscht …
Zu schaffen sich ein ideelles Kleid,
verhüllend tugendarrogante:
sehr deutsche Selbsthass-Trunkenheit.
Einst (07/59)
Der Sozialismus? - Brach-Reflex
bei monomanen Intellektuellen.
Mit Minirock und aus auf Gruppensex:
Kult bürgerlicher Dellen.
Flankierten so das Kapital
als nützliche Idioten.
Protestlervorhut zum Konsumspital
der dirigierten Psychen-Moden.
Sie wollten Emotionen neppen.
Und ihr Prolet war ein Phantom.
Sie übten ein, sich zu verschleppen
in Tugend-Onanien ohne Dom.
Heutige Existenz (07/60)/Sonett Nr. 299
Man steht allein. Wie gegen sich. So alle;
ist also folglich völlig auf sich selbst gestellt;
geht Flachsinn und Reklame in die Falle ...
Wie Anerkennung, Sex, Erfolg und Geld.
Und weil man so viel auf sich selber hält,
bemerkt man nicht, dass man zuletzt Gelalle:
Subtilem Zeitgeistdruck anheim doch fällt:
Der Wohlstandsdespotie und ihrer Kralle.
Ich hab das längst begriffen und vermeide,
mich nur nach Geltungsgrößen abzurichten,
damit ich nicht nur durch den Stumpfsinn gleite
sei's pop-cool deformierter Seelenschichten
(ich mich Entlastungstingeltangel weite),
um mich nach Marktdiktat dann zu gewichten.
Motto-Verse für meine Sonette-Produktion (07/61)
Wenn man was verkaufen will,
darf man nicht Sonette schreiben;
vielmehr hörig Zeitgeist-Drill,
selbstverliebt sich Schund verreiben.
Freilich: Ich will nichts verkaufen.
Weder Botschaft noch Moral.
Will mir nur entgegenlaufen,
Gleichung fern, Produkt und Zahl.
Zu mir kommen in Sonetten.
Was Distanz von Trieb bedeutet:
Lockern von subtilen Ketten,
deren Trost mein Sein ausbeutet.
Eines der Eingangssonette (07/62)/Sonett
Natürlich weiß ich, dass es sinnlos ist,
speziell sich mit Sonetten abzugeben.
Man schlingert hier durch eine Zufallsfrist,
die hinzunehmen ist als Alltagsstreben:
Effekthingabe an Sozialgerüst,
das einem Ordnung bietet: Selbsthalt eben,
den man so nötig hat als Seins-Statist,
gezwungen, permanent prekär zu leben.
Es ist ja faktisch auch ganz leicht zu machen.
Acht Stunden täglich bringt man ganz gut rum.
Zumal erledigend Routinesachen.
Indes Sonette lassen niemals stumm:
Sie greifen mitten in die Daseinslachen,
uns zeigend als System-Delirium.
Vermutungen (07/63)
Richtig habe ich's gemacht:
Dieser Welt mich zu entziehen;
ihrer stillen Schlacht
um entlastende Magien.
Hätte da gewiss verloren,
weil nicht greifend, worum's geht:
Macht, Erfolge, Drangsal-Koren*,
zu versinken Leibsekret?
Wollte immer nur erkennen,
das, was man nicht sieht:
Dass es tief absurdes Rennen:
Kampf ist um was lockend flieht.
*Kore, griech.: Mädchen, Jungfrau, junge Frau
Für Platon, Machiavelli und Kant (07/64)/Für Verehrte
Bin Rollenträger, Kunde, Selbstverbraucher,
bin Schundweltkonsument und Medienknecht.
Objekt zumal auch von Polit-Reklame.
Kurzum: Gesteuert meiner selbst benommen.
Und kann mich da nur sehr bedingt erwehren
der Apparate, die mir auferlegen:
Parteien-Exorzismus, Zeitgeistmächte,
vor allem auch Verdinglichungsinstanzen.
Indes ich bin auch unbedingt gewillt,
mich allen diesen Mächten zu versagen …
Von Platon, Machiavelli, Kant bestimmt,
mich als Person: als Nicht-Ding selbst zu tragen,
von dieser wunderbaren Trance erfüllt,
stets Herr zu sein in allen Daseinslagen.
Unabänderliche Tatsache (07/65)
Ich baue
immer schneller ab.
Und kann’s mir
nicht verhehlen:
Bin antriebslos,
schon morgens
schlapp.
Muss durch den Tag
mich quälen.
Werd immer mehr
zum Körperkloß …
aufs Ende wartend:
Den Erlösungsstoß.
Wirklichkeitsflüchtig (07/66)
Ich bin nicht stolz drauf,
es gewusst zu haben,
dass sich mein Land
zugrunde richtet.
Sich widmet seinem Ausverkauf,
auch um sich tugendrein zu laben
an Idiotismen erster Hand:
Indem es Wert statt Fakt gewichtet.
Weitere Gedichte auf Seite (07)
Wir schaffen das, es nicht zu schaffen (07/67)/3 Sonette
Man schwächt sich selbst mit Faktenmanipulation,
ideologisch selbsthasslüstern motiviert,
verletzt aus deutschstupider Tugendeitelkeit,
dann auch das Recht, das gilt, indes ganz folgenlos,
setzt pfarrhaushaltlosleerem Werte-Mohn
an dessen Stelle, dass dann auch der Staat verliert
Kontrolle, Klarheit, Selbstverfügungsmächtigkeit …
ein Meilenstein der deutschen Masochismus-Fron.
Inzwischen blühen hier Verrohung und Gewalt,
Verbrechertum in allen möglichen Facetten.
Auch das ein Grund, warum verloren geht der Halt …
Was dann die Leute förmlich legt in Seelenketten.
Indes die Phrasendeuter oben lässt, scheint’s, kalt.
Obwohl sie ihre Macht verlieren werden.
*
Wir schaffen’s immer wieder, Unheil uns zu schaffen,
- das ist das Menetekel aller Wertchaoten -,
uns weltanschaulichtugendeitel anzugaffen …
um dann am Ende selbst uns drastisch auszubooten.
Längst sind wir Teil von Warenkultschlaraffen
und werten so moralisch unsre Daseinsknoten.
Sind also so geworden unsre eignen Affen,
als die wir stumpfsinntrunken wirr uns selbst ausloten.
Na ja, ich trete sowieso recht bald schon ab.
Das ist, so sehe ich’s, der gute Lauf der Dinge.
Der schlechte, dass dem Land die Mittel werden knapp
und wächst die Zahl der unbegabten Markt-Ichlinge.
Und die, die werden irgendwann dann machen schlapp,
sodass das Ganze folgerichtig dann misslinge.
*
Wir Deutsche heute haben Wirklichkeitsprobleme,
die auch aus unserer Geschichte resultieren:
Dem Hitlerstaat und zwei brutalen Kriegen
und dann jahrzehntelanger Doppelstaatlichkeit.
Da sei es angebracht, dass man sich schäme,
beachte aufmerksam und lindre andrer Leid,
um jenes Deutschtum in sich zu besiegen,
sich nicht noch einmal sittlich zu verlieren.
Wir Deutsche sehen daher auf Moral,
im Glauben, dass Moral uns besser mache.
Doch das ist falsch. Uns formen Macht und Zahl,
Bedürfnis, Gelten, jeweils eigne Sache …
Wir sind uns stets so selber Last und Qual,
doch weiter nichts als nur ein Marktfellache.
In der Tat (07/68)
Ist doch egal, dass es so fad ist,
so sinnlos und verlogen,
dies Wohlstandsleben meine ich ...
Denn schließlich leben wir ja gut davon.
Alternativen zumal gibt es nicht.
Kapitalismus ist nun mal ein Glücksvernichter.
Ein jedes laugt man nämlich aus,
entfesselt es, bis es Gewohnheit wird,
dann nicht mehr steigerbar, zuletzt verschwindet.
Dann bleiben nur die Drogen noch,
sich provoziertes Pseudoglück zu schenken.
Das ist ein gängigfeiles Wohlstandsjoch
um sich in Asozialität zu lenken,
sich psychoethisch auch zu ruinieren …
Bis greifen dann zuletzt die schieren
verwahrlosungssubtilen Elendstränken.
Schwindende Demokratie (07/69)
Ob Volksherrschaft noch eine Zukunft habe?
Da bin ich skeptisch, glaub das eher nicht.
Uns fehlt als Wohlstandsabklatsch dafür auch die Gabe,
denn als ein solcher sind wir nichts als Spaßkult-Wicht.
Dem es um sich geht, so wie vorgeschrieben:
Wird er doch Tag und Nacht dafür auch angegangen:
Er wird gelockt, verführt, umhergetrieben,
in lüstern primitiver Objektivität gefangen.
Kurzum: Wir sind uns selbst systemvermittelt,
gewöhnlich das zu spüren, völlig außerstande,
wir werden digital, zumal politisch durchgeschüttelt:
psychisch missbraucht zu unsrer eignen Schande.
Und all das wird noch weiter fördern die KI.
Als Grundmacht aller Wirklichkeitsverluste.
Wir werden nicht mehr fassen können Was und Wie,
uns selbst gegeben sein als zugleich Kern und Kruste …
als personal dann deklassierte Agonie.
Einsichtsfundiertes Verständnis (07/70)/Sonett
Nun, dass die Leute ihren öden Alltag flüchten,
um möglichst dessen Psychenterror zu entgehen,
begreife ich … Die Leute müssen einfach sehen,
sich zu erholen im Genuss von Körpersüchten,
um so sich wenigstens ein Pseudoglück zu dichten.
Weil’s echtes nicht mehr gibt, das könnte so erhöhen,
dass wir uns nicht als Dekadente müssten lichten,
vielmehr als Freudeträger dürften stumm verstehen.
Indes ich selbst ganz anders: weltentfremdet lebe,
wohl wissend, dass dies Dasein ist nur Anspruchsschlacht,
die daseinszwanghaft ist, schon weil nur Kunstgewebe:
gebaut auf Gleichung, Waren, Geld und Technikmacht,
die einen, anonym durch sie um sich gebracht,
hat einer Trance verfügt ganz ohne Sinngewebe.
Zwangsvirtuosität (07/71)
Da bricht Vieles aus mir heraus
an Trauer, Einsamkeit,
Desorientierung, Angst
und Verzweiflung …
Aber auch an Mittgefühl,
Zartheit, Einsicht und
verletzlicher Verunsicherung,
gar feinste Nachvollziehbarkeit
von Selbstzerstörungsimpulsen.
Fraglich bleibt indes,
ob es denn überhaupt gelingen kann,
einem gewöhnlichen Individuum
seine seelischen Verwundungen
und Fragwürdigkeiten
mit klaren Worten anzudeuten
und so zum Verständnis zu bringen,
wird es diese doch vehement
verleugnen, um zu verhindern,
dass sie, erst einmal anerkannt,
das Seeelengefüge als Ganzes
in den Zusammenbruch führen.
Konsequentes Handeln (07/72)
Warum nur sollte ich
in Urlaub fahren?
Ich nähme mich
doch selber mit!
Und das, das will ich
mir ersparen,
bemühend mich,
zu bleiben geistig fit.
Die außengesteuerte Alltagsinnenwelt (07/73)/Sonett
Was glaube ich, was fühle, träume oder denke,
das ist, schreib ich Gedichte, erst mal völlig schnuppe.
Denn so nur bin ich nicht nur eine Zeitgeistpuppe,
die ausgeht davon, dass sie immer selbst sich lenke.
Gelenkt werd ich genetisch; heißt: von Zufallswürfen,
werd’s ökonomisch und gesellschaftlich-sozial.
Und das, das will ich dichtend geistig auf mir schürfen,
ist’s doch der Grund, warum mir fehlt die freie Wahl.
Begreift man das, muss man sich freilich eingestehen:
Als Mensch ist man sein Leben lang in sich gefangen
in undeutbar verschwommenen Bedürfnis-Wehen,
die einen Tag für Tag materiell belangen.
Und somit letztlich geistig nur sind zu verstehen:
Man ist ein Tier primär, gehüllt in Daseins-Bangen.
Provozierende Nervenexistenz heute - und bedenkliche Folgen (07/74)
Täglich werd ich angegangen
von Reklame, Sensationen,
Eilmeldungen, Börsendaten,
Katastrophen und Verbrechen,
unkenden Politparolen,
Tugendforderungen und
wortsensibler Faktenleugnung.
drastischer Empörungssucht,
eingebettet in Neurosen,
Selbstsuchtwogen und
Narzissmusdünkel …
permanente Hysterie,
geifergierig diffamierend.
Darin bin ich dann gefangen,
muss Betrug und Lügen fronen
und der Illusion entraten,
dass mich würde nicht verzechen
dies perverse Dauer-Johlen …
dieser Schund von Zeitgeist-Dung.
Denn ich kenne meine Tiefen,
weiß um kalte Geistesstillen:
Wut und Hass, Verachtungstriefen,
eingebettet in Vernichtungswillen.
Freude (07/75)
Möchte wissen, wo sie hin ist,
die, die einmal Freude hieß.
Diese stilltieffeine Emotion.
Eingebettet Einsichtsfrist,
nicht erlebt, nein: tief erfahren …
Sie war niemals ein Verlies,
auch nicht gleichschrittmonoton
dumpf vollzogen von den Scharen
diesem Warenkörperparadies.
Sittliche Vernunft (07/76)
Selbstglorifizierungskategorie,
leerformelhaft arrogant,
anmaßend verlogen,
demokratisch schlichte Floskel,
Emotionsaufheller, Politphraseschauer.
Doch gerade die muss man,
folgt man realistischerweise
dem wohlverstandenen Selbstinteresse,
auch noch öffentlich
als erhabenste geistige Errungenschaft
hoch halten.
Autorassismus? (07/77)
Manchmal kommt es mir so vor,
als würden die Deutschen selbst
sich zugrunde richten wollen.
Besonders oben, wo man sich
- nicht selten und unbelehrbar - einredet,
dass Moral der Schlüssel zur Lösung
der heutigen gesellschaftlichen Probleme sei:
Kriminalität, Parasitismus, Drogenhandel,
Brutalität, Enthemmungslüsternheit usw. usw.
Indes gegen die hilft weder Humanität,
noch das Konzept des Wegsehens
noch Selbstschädigungsbereitschaft
noch ideologischer Fanatismus
noch die Umdeutung der Realität durch
politische Selbstanpreisungsversuche.
Schon gar nicht das Gerede von Würde,
Gleichheit, Mündigkeit und Vernunft.
Am allerwenigsten der Verzicht
auf sicherheitsrelevante Gegenmaßnahmen.
Es ist eine Art neurotische Selbstzerstörungslust -
und die ist pervers, menschlich erbärmlich
und gehört zu den Verhaltensentgleisungen
die zutiefst verachtungswürdig, weil auch
selbstverschäbigungsstolz gewollt sind …
ohne Rücksicht auf die davon ausgehenden
Schädigungen und Benachteiligungen anderer.
Hilflose Indolenz (Trias, C 34) (07/78)
Es gibt Stunden, da ist man so einsam,
dass man sich nicht einmal wehren würde,
griffe einen jemand gewalttätig an.
So gleichgültig ist man,
wenn man, sich selber völlig entglitten,
die unheimliche Fremdheit und Indolenz
als wesenhafte selbstohnmächtig begreift.
Jahrzehntelanges Wiederholungsgeschehen (07/79)
Ein Tag wie jeder andere:
Geschwätz, Kundenmanipulation,
Sozialmaskerade, Verhaltenskalküle,
Seriositätsmimik, gespieltes Interesse,
Neid, Geschwätz, Langeweile, Zahlen,
Tabellen, Vorschriften, Routinevollzüge …
erotische Anwandlungen.
Und all das durchschaut man. Mühelos.
Wiederholt es dennoch täglich,
weil es für gelingenden Geschäftsablauf
unabdingbar ist.
Ich jedenfalls gestehe mir das ein,
wohl wissend, dass ich mitmachen muss:
Ich bin Bedürfniswesen … Tier,
das sich durchschlagen muss …
Jeden Tag, der wie jeder andere
einen formt, zwingt, beschämt,
aber doch auch trägt, ernährt
und, von Routine getragen, im Lot hält.
Nur für mich (07/80)
Ich hab das alles
nur für mich gemacht.
Mir dabei ganz allein
gehörend:
Mir war nach Einsamkeit
im Reich der Bosse;
ein Reich der dauerfaden
Ich-Andacht.
Mich gegen Durchschnittsterror
wehrend.
So ganz allein
dem Geist verbracht:
Der Transzendenz-Einheit
in unsrer Großen Gosse.
Oder (Variante der zwei letzten Zeilen):
Dem Gottersetz
auf höchster Daseinssprosse.
Reklame (07/81)
Lachgasmythologische
Erlösungskorruption
als pan-heteronomisierende
Vollendungsbanalität,
verdinglichungsentfesselt
personal zu verdorren.
Anspruch (07/82)
Mystifizieren will ich mich
auf keinen Fall.
Das nein.
Das würde mir doch
Selbstverachtung provozieren,
zumal ich kenne jeden Schein,
Bescheid weiß über
jeden Drall,
sich selbst als Halbgott
aufzuführen,
obwohl doch nur
ein armes Schwein,
ein ichschwach öder
Selbstdarsteller ..
Indes in diesem Affenkeller
als Teilchen-Ausschuss
aus dem All.
Was bin ich denn?
Mein Nihilismus sagt:
Bedürfnis, Zeit, Verfall und Tod.
Als Tier zumal mein eigner Fan.
Ansonsten nichts
als Nichtigkeits-Gebot.
Der Niedergang meines Landes - wieder einmal (07/83)
Braucht Deutschland einen Wertewandel?
Nein - eine Geisteswende.
Damit es sich nicht noch mehr schände
im machtcharakterlosen Tugend-Handel.
Durch Wirklichkeitsverluste und Beschönigungen,
durch Korruption und Umbenennungszwänge,
Ideologen-Kumpanei, Geschwätz gedungen
und Unvermögen bis in höchste Ränge.
Doch jene Geisteswende wird’s nicht geben.
Das einheitslose Land wird weiter sinken,
sich konfrontiert sehn immer tiefren Gräben,
so irgendwann in Selbstentmächtigung ertrinken.
Unverrückbare Feststellung (07/84)
Es ist ne Dummheit,
nach Wozu zu fragen,
weil eine Antwort darauf
kann’s nicht geben.
Das Dasein hat nun mal
kein Sinngeleit,
es wird nun mal
von nichts getragen,
ist immer
hochprekäres Leben:
Ein Zufalls-Nihilismus-Scheit.
So dahingeworfen (07/85)
Amerika sei eine Gott-Nation,
bestimmt, die Welt zu dominieren.
Indes in dreißig, vierzig Jahren schon,
wird China setzen dann den Ton,
wird seinerseits die Welt anführen,
wird aus sie beuten, dirigieren,
um irgendwann dann
auch sich selber zu verlieren.
An wen, das weiß ich nicht.
Vielleicht an niemand,
weil sie dann an sich selbst zerbricht.
Selbstzerstörung (07/86)
Fremd, sehr fremd
ist mir geworden
diese Welt von heute.
Permanent
sich selbst enthemmt,
arm zumal
an Einsichtsworten,
die erkennen ließen dies:
Dass man jene richtig deute
als ein Digitalverlies,
schaffend sich
Monadenhorden,
selbst sich zwanghaft
Daseinsbeute.
Ausweglos (07/87)
Alt genug, mich es zu fragen,
frage ich: Was ist’s gewesen?
Irrtum, Zwänge, Schein, Versagen
als des Daseins Grundsynthesen?
Nun, das wär zu kurz gegriffen,
gab’s doch auch ganz tiefe Stunden.
Geist- und Leibes-Freuden ausgeschliffen,
sich vollendungsselig aufzurunden.
Stunden, die dann ließen doch vergessen,
was als Zwang man weiß und spürte:
Dass man, auf sich selbst versessen,
kann sich von sich selbst nicht lösen.
Eben das ist Schicksalszwang:
Um einen selbst nur kann es gehen:
Sich zu sein Substanzbelang …
Quelle aller tiefsten Wehen.
Unabhängig (07/88)
Unabhängig ist man dann,
wenn man es auch von sich selber ist.
Wenn man auflöst jenen Bann,
der als Ichsucht einen tief zerfrisst.
Gelingt das nicht, ist man nichts weiter
als genetischer Vollzug
auf des Lebens Zufallsleiter,
selbst sich nie genug.
Deutschland (07/89)
Dieses Land ist längst dabei,
tugendwirr sich zu verlieren
als ein kultureller Brei,
der zum Selbstzerfall muss führen,
Jeder hat hier eine Würde,
gilt als Zweck an sich, Person …
Ob er sei als Gauner Bürde,
als Betrüger frecher Hohn.
Dieses Land ist tief verlogen,
will den Fakten sich verweigern,
hat sich selber so verbogen,
sich Kontrollverluste noch zu steigern.
Das ist antidemokratisch,
das ist rechtsbruchrelevant …
staatsversagensakrobatisch
ein Vergehen erster Hand.
Erfahrungstatsache (07/90)
Immer öfter treffe ich auf Spracharme,
Arbeitsunwillige und Konzentrationsschwache.
Sicher ist das auch systembedingt:
Der rekord- und erlebnissüchtig machende Kapitalismus
fördert notwendig intellektuelle Vereinfachungen
und die Sucht nach Emotionshülsenkonsum.
Überhaupt: Ein Dasein, abgestellt auf Reize,
Sensationen, maßlose Übertreibungen und Schund
muss innenweltprogressiv erbärmlicher werden:
amoralischer, oberflächlicher, einsichtsunfähiger.
Das Leben wird zur Show, zur Verflachungshülse,
zum Körpermystizismus für Starabklatschsubjekte.
Ist wohl unvermeidlich, zumal von den Heimgesuchten
knechtisch-ichgierig-rauschhaft-bewunderungsdebil angefleht …
Wie einst Gott in einem verzweiflungsquälerischen Gebet
um Hilfe angebettelt wurde von existenziell auf immer
und unabänderlich machtlosen Evolutionszufällen.
Neudeutsche Selbstschädigungssucht (07/91)
Am DiMiDo*
ist keiner froh.
Da beutelt einen
Leistungshetze,
Und die, die führt
zu Seelengrätze,
die deprimiert
dann alle.
Wir fordern deshalb
home office:
Fünf Tage - die auf Malle …
Und: Ein paar Extras
auf die Kralle.
Das wär für uns
ein guter Kompromiss!
*DiMiDo = Dienstgag, Mittwoch, Donnerstag
Augenblicks-Wohl (07/92)
Vergessen darf ich
schon manchmal,
wer und was ich
bin geworden.
Dann auch dies:
Woher ich stamme,
was zumal
erlebt ich habe,
das auch, was mich
ganz tief formte,
faktisch
bis in meine Kerne.
Vergesse das,
wenn ich Gedichte mache,
begreifend dann,
ich hatte nie die Wahl,
weil ich, komplex gewiss,
bin Nebensache
in diesem krankhaft
dekadenten Jammertal.
Unverrückbares Menschenbild (07/93)
Wovon auch immer ich hier rede …
Es bleibt dabei, ich seh uns so:
Dass wir sind ichsuchtstoffkonkrete
gebundne Masse, so genial wie roh.
Getriebne Macher unsrer Katastrophen.
Durch Ideale, etwa Wertdiktate,
durch Mammon,
machend uns zu Schlips-Ganoven,
durch Technik,
schaffend Kunstweltpfade,
Naturzerstörung und Ressourcenraub,
durch Machtsucht, Kriege, Wohlstandsleiden,
die letztlich machen menschlich taub,
bewirken, dass wir uns entgleiten.
Zu meiner Person (07/94)
Ich bin, was immer das bedeuten mag, von unten einer,
heißt: Realist geblieben.
Bin völlig illusionslos, eben ein Ertrag
von manchen Widrigkeiten: Unterschichten-Hieben.
Ich weiß um Seelenkälten und dass fast kein Tag
vergehen konnte, ohne dass ihn Tränen trieben,
weil ich begegnet war - ich sage Schlag auf Schlag -
sei’s Häme, Hass, sei’s Aggressions-Belieben.
Doch einen Vorteil gab’s, der niemals ging verloren:
Ich war gewappnet gegen alles Ideelle,
hielt also immer Abstand zu humanen Foren,
die predigten, man würde neu geboren,
wenn man sich unterstellte deutscher Würde-Helle …
Indes nicht fassend die als Selbstentmachtungsquelle.
Leben (07/95)
Leben? Nun, das ist ganz oft ja auch Gewalt,
Versagen, Irrtum, sogar schlimme Amoral.
Ist also kalt zuweilen, trügerisch und inhuman …
Als Quell von Macht, Bedürfen, Gelten, Zahl,
die ihm doch gäben erst - so manche - einen Seinsgehalt.
Indes ist es auch vieles andre noch
- und dies zu leugnen wäre ziemlich dumm - ,
ist Hoffnung, Leidenschaft, Faszination …
Man schleicht um Glücke und Entlastungstrost herum,
es zu vergessen als ein Alltags-Joch,
sehnsüchtig dürstend nach Bewusstseins-Mohn.
Und ganz zuletzt ist es auch dies noch: Geist.
Der freilich ganz, ganz selten ist.
Weshalb sein Träger manchmal asozial entgleist,
vereinsamt sich’s in tiefster Einsicht dann misst:
Dass es vergeblich Sinn und Halt und Ziel verheißt.
Katzentrost (07/96)
Munkel*!, Munkel!, liebe Katze,
bleib bei mir im Zimmerdunkel
lege dich auf meine Brust,
mir zu nehmen Trauer, Frust.
Mich dann schnurrend zu geleiten
in des Schlafes Traumgefilde …
Liebe Katze, tu’s für mich,
dass mich würden nicht mehr grämen
Worttrug, Wahn und Faktenlagen.
Vielmehr dauernd Glücke gurrend,
tröste mich das Daseins Milde,
frei von Lügen, Neid und Hämen
*Munkel: In frühen Kindheitstagen
ein Name für alle meine Katzen
Entfremdung (07/97)
Längst finde ich mich gar nicht mehr zurecht
in dieser haltlos wirren Welt von heute.
Die sich selbst auch mehr und mehr verzecht,
sich wirklichkeitsneurotisch selbst zur Beute.
Wieso? Wodurch? - Das ist schwer auszumachen.
Zumal es objektiv zeigt keinen Sinn.
Doch ist der Mensch ihr Sache unter Sachen;
sogar sich selbst; er sieht’s als Selbstgewinn,
sich starnarzisstisch Stunden-Wow-Gebet …
ein Marktknecht, der als dieser sich erfleht.
Mag sein, ich bilde mir das alles ein,
weil diese Welt ich ja nicht greifen kann,
ist sie doch rauschverdeckter Vielfach-Schein
zerwühlter Ichsuchtgier im Traumweltbann.
Von Vorvorgestern bin tatsächlich ich.
Ein Gegner dieser Seelenzuchthauszwänge,
Subjekte pressend in ihr Markt-Ansich,
dass ihnen Glück nicht, noch auch Sinn gelänge.
Hier hat der Mensch als Spielball sich entfaltet,
als austauschbare Selbstverfügungsmasche,
als Zweck an sich, meint: als Person erkaltet,
so nur noch Träger einer Würdeasche.
Spätlinge-Schicksal (07/98)/2 Sonette
Uns hat die Wohlstandsdekadenz geschwächt,
gewollte faktenfremde Illusionen
als absichtlich verdrehte Wirklichkeiten …
Zumal auch ökonomisches Versagen.
Wir? Menschentum, das selber sich verzecht,
verwechselt Freiheit mit Erlebnis-Mohnen,
kann, einsichtslos, sich selber nicht mehr leiten
und folglich auch sich selber nicht mehr tragen.
Indes lässt so sich auch nicht dies bewahren:
Demokratie, auf Abstand angewiesen
von Daseinsschiefen als Verfallsverfahren,
Charakterlosigkeit, Polit-Sottisen,
Ideologenstumpfsinn, Nietenscharen …
Zumal sie elitär ist: Geistgebaren.
*
Genau genommen, ist’s ein Niedergang,
den aufzuhalten, wird nicht mehr gelingen.
Es lässt sich nicht durchbrechen dieser Zwang
aus Fortschrittsphantasien: Technik-Zwingen.
Dann: Zu bestimmen, was soll sein Belang,
weil wir uns wehrlos in uns selbst verfingen:
Pleonexie und rationalem Drang,
Natur - wir mussten das - uns zu entringen
Zumal was Geist mal hieß, ist doch verschwunden.
Das Wissen, um das eigne Mehrfach-Wesen:
Dass man pflegt Amoral und Selbstsuchtwunden,
Gewalt als Schöpfer von Systemsynthesen …
Da fehlt die Einsicht, streng an Geist gebunden:
Dass man vom Tier sich kann nur geistig lösen.
Prosafetzen (256) (07/99)
Ich weiß,
dass es ausweglos ist,
weiß,
dass es immer
wechseln wird zwischen
Wertsuchtirrationalität,
Faktenleugnung,
Desorientierung,
Selbstgenuss,
Großillusionen
und bedrückender
Hinfälligkeit.
Ich, ein Außenseiter,
der stündlich
von seinen Lebenslügen
seinstief fasziniert
um passende Ausreden
würfelt.
Nur geistig nämlich
kann man selbst sich lenken.
Wenn es auch schwerfällt
und recht oft misslingt.
Doch andre lenken
kann man nicht …
nicht Wir, nicht Du,
nicht Staat, Gesellschaft gar.
Die muss man sich
ganz realistisch denken
als Fremdgefüge,
oft sich selbst tabu.
Zu meinen Gedichten (Trias A, 90) (07/100)
Manches mag sich finden, das was taugt.
Jedenfalls, vielleicht auch schön, was sagt.
Obwohl es ausnahmslos aus Wirklichkeit sich saugt
und diese gegengängig hinterfragt.
So etwa danach, was ihr Wesen sei:
Ob überhaupt sie noch ein solches habe.
Indes das ist wohl eher einerlei,
trägt man sie doch schon längst zu Grabe.
Genauer noch: Sie ist schon fort.
Sie, Wertgebilde, existiert nicht mehr.
Was man erlebt, das ist ein Artefakten-Ort.
und Kundenseelen, metaphysisch leer.