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Seite 42. Diese Seite enthält 37 Gedichte

(G) Warum schreibe ich Gedichte?
Was sind, wofür stehen, was intendieren, was leisten Gedichte? Kurze, zuweilen dunkel-präzise Angaben.

(1) Ich schreibe Gedichte
Weil ich muss: Für mich ist das Schreiben von Gedichten ein geistiger Imperativ. „Weil ich muss“ soll also heißen: Es liegt meinem Schreiben von Gedichten kein freier Wille zugrunde: Ich habe mich nicht aus freien Stücken entschlossen, Gedichte zu schreiben. Vielmehr muss ich es tun - um mich selbst zu bewahren, zu stabilisieren, zu wappnen gegen Gesellschaft und Welt; mich selbst zu bewahren vor allem vor den verlogen-unverschämt-lässig-primitiven Zugriffen (Reklame-, Polit-Mären, Gesinnungs-Korruption und -Emotionalität, Selbstbeweihräucherungs-Arroganz, Tugendanmaßungen, Wortklauberei-Entfesselungs-Hysterie, ideologischen Fanatismen usw. usw.) … kurzum: vor den narzisstischen Trivialisierungskräften der Überflussgesellschaft, in der ich mein Leben fristen muss (d . h. ich muss das nicht, bin aber nicht bereit, mich den politischen, kulturellen, ethischen, verwahrlosungsträchtigen, geistlos-schäbig-korrupt-narzisstisch-stumpfsinnigen  usw. usw. Anwandlungen und Fragwürdigkeiten dieser sich selbst schädigenden (etwa politisch, rechtlich, kulturell, psychoethisch usw.) Wohlstands-Gesellschaft zu beugen.
Wenn ich Gedichte schreibe, bin ich mich selbst (s. u.) diese Gesellschaft, ja: die Welt überhaupt los; also auch deren Bedrückungs-Intensität und v. a. ihren Nihilismus:
Gedichte schreiben, das ist für mich der geistige Versuch einer Selbstvollendungs-Irrationalität.

(2) Weil es die einzige Form von ungetrübtem Glück ist, die zu erfahren ich in der Lage bin … das konsumtive Glück erlebt man nur, erfährt es aber nicht: es ist materie-/körper-, triebabfuhr- , entlastungs-zentrisch und schein-gebunden … also: eine Form der zeitgeistpsychisch determinierten Monaden-Vernutzung. Ich meine dagegen geistiges Glück, das ich als „Nebenprodukt“ aus dem Erschaffen sprachlicher Kunstgebilde schöpfe; oder anders gesagt: Indem ich Gedichte schreibe, bin ich mich selbst als empirisches Individuum (Kreatur/Organismus, Widersprüchlichkeit/Einsamkeit/Einsichtsträger/ Ziel von Politverdummung/Gesellschaftsknecht usw. usw.) los; ebenso das heutzutage so gut wie immer selbstsüchtige Du.
Dazu noch einmal Arthur Schopenhauer (1788 – 1860), Aphorismen zur Lebensweisheit, Kröner-Verlag, 1974, S. 7) …“Denn die höchsten, die mannigfaltigsten und die anhaltendsten Genüsse sind die geistigen; wie sehr wir auch, in der Jugend, uns darüber täuschen mögen, diese aber hängen hauptsächlich von der geistigen Kraft ab.“
Und auch noch einmal Chamfort, maximes et pensées, Editions mille et une nuits 1997, S. 51: „Préjugé, vanité, calcul, voilà ce qui gouverne le monde. Celui qui connaît pour règle de sa conduite que raison, vérité, sentiment, n’a presque rien de commun avec la société. C’est en lui-même qu’il doit chercher et trouver presque tout son bonheur.“
Ü/Sa.: „Vorurteil, Eitelkeit, Berechnung … da haben wir, was die Welt regiert. Derjenige, der als Regel seines Verhaltens nur Vernunft, Wahrheit, Gefühl und Empfindung kennt, hat fast nichts mit der Gesellschaft gemein. Er muss fast all sein Glück in sich selbst suchen und finden.“

(3) Ich gehe, Gedichte „machend“, auf in einem packenden geistig-sprachlichen Prozess, im Rahmen dessen es mir gelingt, diffus-schwankende Bedeutungszusammenhänge aus mir hervorzutreiben, die zunächst nichts weiter als sprachlich fundierte Selbst- und Welt-Auslegungs-Versuche sind, die mich dann weiter orientieren; aber gleichermaßen „geistige Defensiv-Waffen“ sind gegen meine
(a) innere Unstete
(b) mein bedrückend zwiespältiges, sehr kritisches Verhältnis zu der Gesellschaft, in der ich lebe: einer Gesellschaft, die ich als in fast jeder Hinsicht als pseudomoralisch- selbstsuchtverworfene empfinde und
(c) gegen meine innere Leere, meinen Nihilismus und meine notorische Illusionslosigkeit

Gedichte schreiben meint also
(4) Selbststabilisierung, Relativierung der signifikanten Fremdheit, die ich Artgenossen gegenüber erfahre, also auch: Kompensationen der Tatsache (es ist dies eine für mich), dass man sich letztlich nicht mitteilen, noch andere tatsächlich verstehen und begreifen kann.

(5) Gedichte machen meint also weiter:
(a) Meiden meiner selbst (als eines zutiefst widersprüchlichen, zumal, was konsumtives Glück anbelangt, misstrauischen Wesens (konsumtives Glück ist notwendig auch kulturelle Vereinnahmung: die meiner als Kreatur)
(b) Meiden von Du und Wir
(c) Meiden der Gesellschaft, der ich nicht zu entrinnen vermag (s i e bestimmt mein Dasein grundlegend, ausnahmslos, vollumfänglich; ich vermag nichts auszurichten gegen z. B. ihren schleichenden (auch politischen) Niedergang; muss mich zumal in ihr bewegen, um meinen Lebensunterhalt durch eine berufliche Tätigkeit sichern. Das bin ich der deutschen Gesellschaft schuldig)
(d) Meiden von Welt überhaupt: Sie ist - wie an sich immer - ein Ort nicht zu verhindernder Schäbigkeit, Barbarei, Gier, also auch: ein Ort vollendeter Pleonexie, Verlogenheit, Korruption, ein Ort allfälligen Machtmissbrauchs, ein Ort des Verbrechens, der Gewalt, der Barbarei, des Krieges, der Tugendschauspielerei, der Heuchelei, der geistigen Feigheit: sie ist - notwendig - ein Ort menschlichen Versagens: Der Mensch ist in der Regel - ich sage es noch einmal - kein moralisches Wesen (jedenfalls keines im Sinne Kants; s. dazu den Abschnitt unten über Würde)

Weitere allgemeine Angaben
(6) Gedichte sind sprachliche (geistige) Schöpfungen ohne jedwede materiell-praktische Verwertbarkeit- soll heißen: sie haben weder eine utilitaristische, noch hedonistische, noch konsumtive, noch erzieherische, noch überhaupt gängigkeitsträchtige Funktion/Bedeutung/ Wertigkeit; anders ausgedrückt:
(a) sie bringen kein Geld, keine Macht (schon gar nicht politische), keine Ehre
(b) kein Ansehen/kein Prestige
(c) keinen Ruhm
(d) sind zumal, zumindest meine Gedichte, subjektiv sehr eigenwillige
(e) sprachlich sehr komplexe, also oft nur schwer verständliche Hervorbringungen eines gesellschaftlichen Außenseiters
(f) eines an seinem Dasein still leidenden, intellektuell krankhaft Hyperwachen, einem überhaupt
(g) an der Welt oft verzweifelnden Hochsensiblen, Eigenwilligen, Hadernden usw. usw., 
der Gedichte macht, die
(h) bei der großen Mehrheit der Zeitgenossen überhaupt keine Beachtung finden 
(können), vielmehr, würden sie gelesen, als Reaktionen in der Regel diese hervorriefen:
(i) Reserve
(ii) Misstrauen
(iii) Unverständnis
(iv) zwiespältige Verwunderung,
(v) Spott oder gar
(vi) Ablehnung überhaupt oder völlige Gleichgültigkeit; der Punkt ist nämlich, dass

(g) Die Zeit des geistigen Schaffens als eines drängenden, besser: kommandierenden, und zugleich tief faszinierenden Bedürfnisses nach Selbstschöpfung(!) vorbei ist. Gedichte sind geistige Wege, sich als dieses Selbst, das man an sich zu sein glaubt, glaubt, sein zu wollen oder zu sollen (diesen Wendungen liegt die Tatsache zugrunde, dass wir „Neuronen-Lakaien“: durch und durch heteronom - unfrei - sind, es meistens nur zu einem scheinbar klaren Bewusstsein unserer selbst bringen), zumal
(i) Gedichte als „Muttersprache-Sprößlinge“, auch das gilt es zu beachten, sich nämlich sozusagen auch von selbst machen, indem sie aus personalen Tiefen „hervorbrechen“, zu denen, würde man keine Gedichte verfassen, schwerlich einen Zugang fände, der sich nur in einem träumerischen Umgang mit Sprache/eine einen gerade überkommende Stimmung/ momentaner psychischer Verfasstheit und diffuser Augenblicksverhaftetheit öffnet.
(ii) Dann man auch nie vergessen, dass ein kollektiv hervorgebrachtes Kulturgut: die Muttersprache, einem dazu dienen muss (und dies auch allein nur vermag/kann: einem geistig zu Diensten zu stehen), subjektive „seelische Erschütterungen“ (Gefühle, Affekte, Stimmungen, Anwandlungen, augenblickliche Befindlichkeiten, Gedanken usw.) zunächst noch irrational-wirr zu greifen, dann mittels Worten und Begriffen zugänglich zu machen, um sie endlich in nachvollziehbare Sätze, Zeilen, Verse oder „Wortberge“ zu zwingen/zu ordnen. Und dabei geschieht etwas Entscheidendes: Das intim Subjektive als (etwa) „seelische Erschütterungen (= Affektverwirrungen, Gefühlswidersprüche und bedrückende Stimmungen)“ muss sich der kollektiv geschaffenen Muttersprache bedienen, um sie, diese seelischen Erschütterungen, sich zu Bewusstsein zu bringen, soll heißen: die Muttersprache färbt das Subjektive mit sich selbst ein: erlaubt es ihm überhaupt erst, Zugang zu sich zu finden.
(iii)  Und daraus ergibt sich dann auch die Frage, ob man zu sich selbst überhaupt einen direkten geistigen Zugang haben kann. Antwort: Nein. Es gibt nur den indirekten Zugang zu sich selbst über die Muttersprache

(7) Gedichte sind weiter
(a) Versuche einer allumfassenden Selbstentbergung(!) (Gedichte machend, lernt man sich selbst kennen: Man holt oft - schon mittels des Suchens nach Worten - Persönlichkeits-Anteile aus der Tiefe des eigenen Wesens, die man, keine Gedichte schreibend, schwerlich jemals kennengelernt hätte: Gedichte sind Arten und Weisen, sich als Selbst - empirisches: was man ist und sein muss, wie ideales: was man gerne wäre (in meinem Fall: Ich möchte als ideales Selbst das Selbst sein, das ich zu sein wollen muss, eben weil mir - genetisch-zufällig, d. h. aber auch: mich als apriorischer Lebensmeisterungs-Imperativ verpflichtend - das Geschenk geistiger Begabung zuteilwurde); und als Me* ins Bewusstsein zu heben

Anm.* Das „Me“ nach George Mead, Geist, Identität und Gesellschaft, Frankfurt 1980, suhrkamp-Verlag, S. 216: 22. Das „Ich“ und das „ICH“, s. Anm: The „I“ and the „Me“ = das sich selbst als Objekt erfahrende Ich). Mead, S. 218: „Das „ICH“ - heißt/meint: das Me - „ist die Reaktion des Organismus“ - das Ich als biologisches Wesen - „ auf die Haltungen anderer; das ICH ist die organisierte Gruppe von Haltungen anderer, die man selbst einnimmt. Die Haltungen der anderen bilden das organisierte „ICH“, und man reagiert darauf als ein „Ich“ … „Die Existenz dieser organisierten Gruppen von Haltungen ist es nun, die das „ICH“ ausmacht, auf das er, jener Organismus, als „Ich“ reagiert“ Und S. 219: „Die Haltungen der anderen, die man selbst einnimmt und die das eigene Verhalten beeinflussen, bilden das „ICH“. Wiederholung: Das ICH ist das Me. Weiter „Das ICH ist gegeben, die Reaktion darauf aber noch nicht gegeben.“ Und Mead, S. 221: „Das „Ich“ ruft das „ICH“ nicht nur hervor, es reagiert auch darauf. Zusammen bilden sie“ Ich und ICH (Me) eine Persönlichkeit, wie sie in der gesellschaftlichen Erfahrung erscheint.“ Es ist dazu der ganze Abschnitt 22 in Meads Buch zu lesen (S: 216 bis S. 221). Dazu auch - sehr erhellend -: Vittorio Hösle, Moral und Politik, München, Beck-Verlag 1997, S. 322: „Entscheidend sind unsere deskriptiven* und normativen* Selbstbildnisse geprägt durch die Bilder, die die anderen von uns haben** - bzw. durch die Annahmen, die wir über die Bilder der anderen von uns hegen. George Mead hat diese Annahmen “Me“ genannt - ein Wort, das im folgenden unübersetzt verwendet wird und das m. E. das dritte Identitätsmoment neben Ich und Selbst bezeichnet“

*deskripiv: beschreibend
*normativ: wertend
----------------------Ende der Anm.*

*: Müsste eigentlich heißen: die die anderen von uns zu haben glauben, glauben, haben zu sollen, haben wollen, haben müssen, denn: die anderen wissen n i c h t genau anzugeben, warum sie gerade diese Bilder von uns haben (wissen nicht, dass sie diese, unabhängig von uns, auch als Diener ihres(!) Selbst hervorgebracht haben.
Ich sage es immer wieder: Man kann - jedenfalls nicht erschöpfend - weder die anderen verstehen/begreifen noch sich selbst, noch in sich selbst, warum man die anderen so und nicht anders versteht/auffasst/begreift …
---------------------------Ende Anm. **

(8) Also: Gedichte sind Arten und Weisen, sich zugleich
(*) als Ich (Kreatur/biologischer Organismus)

(*) als empirisches Selbst: Die Alltagspersönlichkeit, die man ist/hat; z .B. als Kollege: hilfsbereit, zupackend, leistungswillig, freundlich usw.: „So ist er, der Helmut - ein netter Kerl, angenehmer Zeitgenosse.“): 
Also: Das empirische Selbst (dasjenige, das andere beurteilen und mir zurückmelden als soziales Selbst) meint das alltäglich sich zeigende Eigentliche, das (scheinbar, weil habituell erfahrbare) Wesenhafte, das Grundlegende eines Menschen, meint den gewöhnlich alltäglich greif-/erfahrbaren personalen Kern eines Menschen, meint also die Besonderheit und die Unverwechselbarkeit der Persönlichkeit eines Menschen; oder anders gesagt: Das empirische Selbst eines Menschen zeigt sich in seinem
(a) gewöhnlichen, sich durchhaltenden Denken
(b) Werten (also etwa seinen moralischen und politischen Einstellungen)
(c) Wollen (nicht freiem Bevorzugen und Ablehnen)
(d) Fühlen
(e) Hoffen
(f) Urteilen (über andere Menschen, sich, die Welt, das Dasein usw. usw.)
Also: In den grundlegenden Komponenten seiner/einer komplexen Persönlichkeit, die sich regelmäßig ausweisen mag z. B. als
(i) hart, schroff, morose, pessimistisch, zynisch, schwerblütig oder
(ii) gütig, zugänglich, selbstkritisch, ehrlich, bescheiden oder
(iii) weltgewandt, unternehmenslustig, unbekümmert, wagemutig, draufgängerisch
(iv) oder vergeistigt, grüblerisch, die scheinbar selbstverständlichsten Dinge in Frage stellend, weltflüchtig, randständig, scharfsichtig, radikal usw.
(v) oder naiv, lebenslustig, erlebnishungrig, in den Tag hinein lebend, optimistisch usw.
(vi) oder: als eine je besondere Mischung aus (i) bis (v)

(*) als ideales Selbst (was jemand/man gerne wäre, aber nicht ist: ein Filmstar, ein berühmte Sportlerin, ein erfolgreicher Geschäftsmann, ein guter Handwerker, ein erfolgreicher Politiker usw. usw.)

(*) als soziales Selbst = das Me; meint das Selbst, das einem andere(!) zuschreiben/ zumessen: „Na ja, er ist sehr ernst, hat ganz andere Interessen als die meisten heutigen Menschen sie haben; zuweilen ist er geradezu seltsam; so denkt das ganze Büro über ihn.“). Also: gegen die Zuschreibung dieses sozialen Selbst durch andere, kann man sich nicht wehren; man muss es akzeptieren; oder versuchen, sich zu ändern, damit auch andere eine andere Meinung von einem sich bilden. Man ist also eingelassen in eine existenzielle „Vierheit“ von Ich, empirischem Selbst, idealem Selbst und Me, dieser Vierheit sozusagen „verflochten“; jeder von uns ***

Anm.***: Ich möchte ein Beispiel dafür geben, warum man geradezu prädisponiert ist, zu werden, was man werden – ohne sich dagegen wehren zu können; auch um das Verständnis meiner Gedichte zu erleichtern: um einen wesentlichen Grundzug meiner Gedichte zu erhellen, nämlich: ihren allumfassenden, radikalen Nihilismus:
(1) Das Ich (als Kreatur/biologischer Organismus): Ich kam als Frühchen auf die Welt; blau angelaufen, die Nabelschnur um den Hals geschlungen und „scheintot“ am Anfang(?) des 8. Schwangerschaftsmonats mit 3,5 Pfund Gewicht (1750 Gramm also). Es war eine  (Heimgeburt). So wurde es mir erzählt. Ich überlebte. Warum, entzieht sich meiner Kenntnis; Frau Dr. R. jedenfalls gelang es, mich medizinisch in die Welt zu „maßnahmen“. 
(2) Fakt ist, dass ich sehr früh (im Alter von ca. 2 Jahren) von einer schweren Adipositas heimgesucht wurde, die auch mit den eben dargelegten Sachverhalten - vielleicht, ich vermute es: d. h. ich spekuliere da - in einem Zusammenhang stehen könnte; und eben diese Adipositas hat das Me (die Meinung der anderen über mich, besonders ihre Haltung zu mir) die anderen) zu einer geradezu alltäglich bedrückend heimsuchenden Bedeutungskraft für mich: zum übermächtigen Identitätsmoment werden lassen. Fakt ist, dass sie mich hat
(a) zum Außenseiter werden lassen
(b) zu einem „Virtuosen“ im Umgang mit Einsamkeit; die war (und ist) tatsächlich meine existenzielle Dauerbegleiterin als „lebensbegleitende All-Verlassenheit“
(c) zu einem Menschen, der innerlich immer weiter „verhungerte“, seine seelischen recht oft Regungen vergleichgültigen/unterdrücken musste, auf dass sie ihn nicht heimsuchten mit zunehmend deprimierender und auch gewaltträchtiger „Prägungs-Wucht“
(d) zu Auffassungen, Ansichten, Wertungen, träumerischen „Sonderlingsverhaltungen“ und, ich deutete sie oben bereits an, zu einer regelrechten Innenwelt-Verkümmerung und gleichzeitigen Innenwelt-Verfeinerung, die ich als „hypertrophe (übermäßige, ja: abnorme) Sozialsensibilität“ bezeichnen muss: es ist die - übrigens sehr belastende - Fähigkeit, die Innenwelten anderer geradezu intuitiv erfassen zu können, die, diese Fähigkeit - für mich - in der Regel deprimierend war, weil ich Verachtung, Häme, Niedertracht und die schäbige Lust tief befriedigender Herabminderung meiner Person (auch aufgrund meiner unterschichtlichen Herkunft) mühelos zu erspüren vermochte. Und: Um überhaupt noch menschliche Kontakte pflegen zu können, muss ich all diese frühen mir gegenüber an den Tag gelegten feindselig-verachtungsprallen Verhaltensweisen sozusagen ausblenden, zumal das definitive Ergebnis jenes adipös grundgelegten „Existenz-Spießrutenlaufes“ dies ist/war: Unaufhebbares Misstrauen, ja: Fremdheit anderen gegenüber; soll, genauer, heißen: Das Du ist mir als potentiell feindseliges „suspekt“ geblieben, zumindest „zwiespältige Menschlichkeit“:
Man kann - jedenfalls ich nicht - die über 16 Lebensjahre fast täglich erfahrene Häme, Spottlust, psychische Vergewaltigung, Gruppen-Aggression, die „hechelnde“ Lust zu erniedrigen, zu quälen usw. dann nicht mehr aus seinem „Seelenhaushalt“ eliminieren: All das bleibt in einem … auch als potentielle Lust an barbarischerAsozialität
(e) Mein empirisches Selbst als
(*) menschlich prägender Verlassenheitsvollzug
(*) Herkunftsbewältigungs-Instanz („seelische Verarbeitung“ etwa familiärer Verwerfungen)
(*) Sich-Abfinden-Müssen mit individuellen Zwängen, Heimsuchungen, mit Verzweiflungsattacken, mit den Grenzen, gesetzt von unterschichtlich geprägter Schicksalshaftigkeit, mit mancherlei leib-psychoethischen Defiziten, Einseitigkeiten usw. usw.
(*) Verweigerung jedweder Form dauerhafter und tieferer geselliger Kontakte: zwanghafte Ablehnung gesellschaftlicher Normalität, wann immer ohne Nachteile für mich möglich
(*) völliges Desinteresse an den gesellschaftlich als normal, gängig und wünschenswert geltenden, in einer Überflussgesellschaft so wichtigen und also auch individuell prägenden, Freizeitvollzügen - nicht, weil ich sie ablehnte, verachtete usw., nein: weil sie mir gleichgültig sind; ich habe keinerlei inneren Bezug zu ihnen
(f) Mein ideales Selbst: Als Vollzug mich kommandierender geistiger Imperative:
(i) Gedichte als in jeder Hinsicht selbst- und seinsexplikationsmächtige Geistesgebilde  zu schaffen und
(ii) möglichst umfassende Einsichten zu gewinnen
(iii) in die (rational naturwissenschaftlich-technisch gewonnenen) materiellen Grundlagen der menschlichen Existenz,
(iv) die anthropologisch uns - den homo sapiens - charakterisierenden Zwänge (z. B. technische Überlebensstrategien) und
(v) in die - auch und vor allem irrationalen - Kräfte menschlicher Schicksalshaftigkeit: progressive technologisch-kulturell fundierte Selbstentmächtigung bis hin zur möglichen Selbstzerstörung
(vi) um mich vor allem auch möglichst zu bewahren vor den subtilen, marktstrategisch-konsumdiktatorisch, den Individuen als ihre eigenen (tatsächlich ihnen - z. B. von der Reklame, den quasi-kollektiven Zeitgeist-Belämmerungen usw.) in die Seelen „geschwindelten“ Anpassungs-/Inbeschlagnahmungs-Daseinsvollzugs-Illusionen: Selbstverdinglichungsverzückungen als Selbstentfesselungs-Orgiastik und rauschhaften Emotions-Sentimentalitäten-Belämmerungen usw. usw.
(g) Das ME (Die Meinung(en) anderer Menschen über mich: Fremdzuschreibungen.
Nun: Ich muss zugeben, dass mir etwas Besseres als das, was ich als frühe Dauer-Bedrückungslage angedeutet habe, mir hätte gar nicht passieren können. Manchmal sage ich mir: „Zum Glück hast du so viel Pech gehabt; ohne dieses 
(i) wärst du ein anderer Mensch geworden (z. B. nicht ein so „geistbesessener“, „metaphysisch sehnsüchtiger“, „einsichtsgieriger“, „verzeihungsfähiger“ (ich habe bis heute Kontakt zu meinen Kindheits-Quälgeistern/Dorfschatten: ich trage ihnen nichts nach … warum auch immer; mir ist das unerklärlich (wahrscheinlich, weil sie die ersten waren, die mir ein Beispiel menschlicher Selbstverfügungsohnmacht gaben … ich weiß es nicht) 
(ii) hättest du wohl nie Gedichte geschrieben
(iii) nie die menschliche Existenz in ihrer Zweideutigkeit, Fragwürdigkeit, Dauergefährdung und ihrer objektiven Nichtigkeit erfassen können
(iv) wäre dir die herrliche Illusion der scheinsinnträchtigen existenztiefen Vierheit von 
(*) Gottessehnsucht (**) asozial-human-hingabevollendeter Erotik (***) geistigem Kunstschaffen- und (****) tief tröstender Einsichts-Mächtigkeit in die conditio humana 
fremd geblieben

Hier ein Gedicht: Geschrieben am 22. Januar 2026:

Daseinstatsachen (42/1)

Man ist nun mal sich selber ausgesetzt;
und das in jedem Augenblick.
Von Ich und Selbst, von Du und Wir gehetzt.
Lakai in einem anonymen Stück.

Auf sich allein dann angewiesen:
Auf Einsicht, Leistung, Faktenfluss.
Um nicht in Einbildungen zu zerfließen:
In Illusionen, Werten, Deutungs-Muss.

Um irgendwann dann zu verfallen
im Würgegriff der Altersschwächen.
Dann schon berührt von jenes Krallen,
der einen letztlich wird ans Nichts verzechen.

Und das wird’s dann gewesen sein:
Ein Zufallslauf durch Sinnfiktionen.
Auch davon abzulenken, dass man ganz allein
nur Scheinglück jagte: Knecht Bedürfnis-Zonen.

-----------------------------Ende der Anm.***

(9) Gedichte sind
(a) Versuche der (existenziell-gesellschaftlichen) Selbstpositionierung, auch sich selbst gegenüber (auf der Grundlage von (oben Anm.***: (f)/(i) und (ii))
(b) Versuche der Selbststeuerung (in der heutigen Zeit nur noch möglich als - mit Paul J. Tillich zu reden (zitiert in: David Riesman, Die einsame Masse, Hamburg 1958, S. 18 in der Einführung von Helmut Schelsky, S. 7 - 19) -: partielle Nicht-Partizipation an der heutigen Gesellschaft. In meinem Fall freilich nicht metaphysisch (wie - ich vermute das - bei dem Theologen Tillich); ausgerichtet, sondern lebensgeschichtlich und geistig-ästhetisch fundiert …
(c) Ich kann auch sagen: Gedichte verfassend, was dann meint eine Form der Selbststeuerung durch geistiges Schaffen, um sich dem heteronomisierenden (verknechtenden) und verdinglichenden „Zugriff“ der heutigen, unvermeidlich nihilismusträchtigen, gesellschaftlichen Gegebenheiten: existenziellen, sozialen, ethischen, politischen, kulturellen usw. auf diese Weise zu entziehen … hinein zu retten in die Einsamkeit geistigen Schaffens und Ringens um (auch) fundamentale Einsichten, wie gesagt, über sich selbst, die Gesellschaft, in der man lebt, die Welt, der man ausgesetzt ist … bis hinein - heute - in globale Zusammenhänge, weil die für einen persönlich massive Auswirkungen haben oder zumindest haben können. Ich denke dabei an die Tatsache, dass Deutschland sich in den letzten 30 bis 40 Jahre wirtschaftlich von China so sehr abhängig gemacht hat, dass es inzwischen erpressbar ist - in meinen Augen eine Resultat massiven Versagens der deutschen wirtschaftlichen und politischen Funktionseliten, deren an Dummheit grenzendes Versagen in diesem Fall mir völlig unerklärlich ist (gerade weil ich weiß, dass große Gewinne* durch billige Arbeitskräfte und politische Naivität dafür ausschlaggebend waren) - und bleiben wird

*Anm.: Es wäre klüger gewesen, auf diese Gewinne zu verzichten, um sich nicht in Abhängigkeiten zu begeben, die einem heute teuer zu stehen kommen: Man, Lehrmeister, ist nämlich zum abhängigen Schüler Chinas geworden - mit wachsenden Nachteilen
-----------------------Ende der Anm.*

(d) Die gegenwärtige deutsche Überflussgesellschaft ist (flachschichtig-trivial-dekadent) keine existenziell die Individuen „tragende“, sondern eine diese Individuen zu Erlebnissammlern-, Spaßjägern-, Narzissten- und Realitätsverweigerern reduzierendes (Zerfalls-) Gebilde - auch als Tugend-Republik wirklichkeitsverlustiger intellektueller Ideologen die einer Art von quasi totalitärem Subjektivismus huldigen - ein sich selbst schädigendes, weil unbemerkt selbst sich aufgebendes (herunterbringendes, herunterwirtschaftendes) Laisser-faire-Paradies (faktisch: -Verlies)

(10) Für viele meiner Gedichte gilt: Sie sind nur unter bestimmten Voraussetzungen zugänglich, um sie angemessen verstehen zu können: so muss man über ein gediegenes (primär Erfahrungs- und sekundär Bildungs-) Wissen von der Gesellschaft, in der man lebt, verfügen: Gedichte sind niemals nur subjektive Selbstentäußerungs-Enigmata (Enigma = Rätsel), sondern reichen tief in die Kerne der Zeitumstände und der Gesellschaft hinab, deren kollektives Unbewusstes multiperspektivisch und relativ verzerrt in die Gedichte eingeht (was dem Verfasser der Gedichte nicht unbedingt deutlich sein muss). Gedichte sind ja auch Arten und Weisen der (oft eigensinnigen) Enträtselung gesellschaftlicher Umstände, Probleme, Gefährdungen, Fehlentwicklungen usw. usw. Meine Gedichte z. B. sind sprachliche Objektivationen (hier: Hervorbringungen) komplexer allgemeingesellschaftlicher Verhältnisse (ökonomischer, politischer, moralischer, ideologischer, pathologischer usw.), die mir selber wiederum als Spiegel meiner subjektiven Innenweltverfassungen dienen, seien es belastende, seien es zunächst undeutbare, seien es zweideutige, seien es überhaupt ungreifbare usw., deren Ursachen mir zumindest ungefähr bekannt sind, um mich dann auf diesen Grundlagen als Individuum und Gesellschaftswesen sprachlich sozusagen zu rekonstruieren und zuweilen gar - deprimierend scharf - zu erkennen (oder auch: substantiell selbst zu täuschen, wie sich später herausstellt)

(11) Gedichte sind also - weiter -
(a) subjektiv perspektivierte Selbst- und Weltvergewisserungs-Versuche; freilich nicht
(b) vollständig erschließbare Bedeutungsträger; vor allem auch
(c) monomane Versuche, dem letztlich ungreifbaren und zutiefst widersprüchlichen menschlichen Dasein geistig: ordnungs-, entlastungs- und sinnbedürftig, Widerstand zu leisten; und zuletzt

(12) sind Gedichte existenzielle Revolten gegen die
(a) unabänderlich traum- und rauschhafte Verworrenheit
(b) schleichende Hinfälligkeit (seiner und der Gesellschaft)
(c) lückenlose Ausgeliefertheit (an sich selbst, Du, Wir, Gesellschaft, dann greifbarer 
u n d sich entziehender Welt)
(d) Vergänglichkeit und objektive (wie letztlich auch: subjektive) Sinnlosigkeit unseres heutigen Daseins …
(e) auch um zu vergessen, was man selbst an und für sich ist: ein hinfälliges Zufalls-Gewebe aus baryonischer Materie: Ein letztlich nur hilflos-devot hinzunehmendes Wimpernschlag-Sein allumfassender Bedeutungslosigkeit

(13) Andere Stimmen (ganz kleine Auswahl): Gedichte seien
(a) Manifeste/Programme (MAJAKOWSKI, Wladimir Wladimirowitsch, 1893 – 1930, Georgier, ein Anhänger des Kommunismus und des Sowjetsystems, für welche er auch warb mit Agitationsgedichten, Selbstmord 1930, am 14.4.)
(b) Ichbefragungen (BENN, Gottfried, deutscher Dichter der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts; 1886 - 1956)
(c) Epiphanien (= Erscheinungen einer Gottheit), EZRA POUND, 1885-1972, amerikanischer Schriftsteller)
(d) Erleuchtungen des Augenblicks (UNGARETTI, Giuseppe, 1888 – 1970, Italiener)

(H) Der politische Niedergang der BRD
(1) Max Weber und Max Scheler
Dazu zunächst Max Weber, Politik als Beruf, Gesammelte politische Schriften, Tübingen, 1980, S. 545 f.:
„Man kann sagen, dass drei Qualitäten vornehmlich entscheidend sind für den Politiker: Leidenschaft - Verantwortungsgefühl - Augenmaß. Leidenschaft im Sinne von Sachlichkeit: leidenschaftliche Hingabe an eine „Sache“, an den Gott oder Dämon, der ihr Gebieter ist. Nicht im Sinne jenes Gebarens, welcher mein verstorbener Freund GEORG SIMMEL als „sterile Aufgeregtheit“ zu bezeichnen pflegte, wie sie einen Typus vor allem russischer Intellektueller (nicht etwa: allen von ihnen!) eignete, und welches jetzt in diesem Karneval,
den man mit dem stolzen Namen einer „Revolution“ schmückt, eine so große Rolle auch bei unseren Intellektuellen spielt: eine ins Leere verlaufende „Romantik des intellektuell Interessanten“ ohne alles sachliche Verantwortungsgefühl. Denn mit der bloßen, als noch so echte empfundenen Leidenschaft ist es freilich nicht getan. Sie macht nicht zum Politiker, wenn sie nicht, als Dienst an einer „Sache“ auch die Verantwortlichkeit gegenüber ebendieser Sache zum entscheidenden Leitstern des Handelns macht. Und dazu bedarf es - und das ist die entscheidende psychologische Qualität des Politikers des Augenmaßes, der Fähigkeit, die Realitäten mit innerer Sammlung und Ruhe auf sich wirken zu lassen, also: der Distanz zu den Dingen und Menschen. „Distanzlosigkeit“, rein als solche, ist eine der Todsünden jedes Politikers und eine jener Qualitäten, deren Züchtung bei dem Nachwuchs unserer Intellektuellen sie zu politischer Unfähigkeit verurteilen wird. Denn das Problem ist eben: wie heiße Leidenschaft und kühles Augenmaß miteinander in derselben Seele zusammengezwungen werden können? Politik wird mit dem Kopfe gemacht, nicht mit anderen Teilen des Körpers oder der Seele. Und doch kann die Hingabe an sie, wenn sie nicht ein frivoles intellektuelles Spiel, sondern menschlich echtes Handeln sein soll, nur aus Leidenschaft geboren und gespeist werden. Jene starke Bändigung der Seele aber, die den leidenschaftlichen Politiker auszeichnet und ihn von den bloßen „steril aufgeregten“ Dilettanten unterscheidet, ist nur durch die Gewöhnung an Distanz - in jedem Sinne des Wortes - möglich. Die „Stärke einer politischen „Persönlichkeit“ bedeutet in allererster Linie den Besitz dieser Qualitäten. Einen ganz trivialen, allzu menschlichen Feind hat daher der Politiker täglich und stündlich in sich zu überwinden: die ganz gemeine Eitelkeit, die Todfeindin aller sachlichen Hingabe und aller Distanz, in diesem Fall: der Distanz sich selbst gegenüber.“

(2) Zusammenfassung: Unabdingbare Eigenschaften des Berufspolitikers nach Max Weber:
(a) Leidenschaft für eine Sache
(b) Verantwortungsgefühl 
(c) Augenmaß
(d) Distanz zu den Dingen, den Menschen, sich selbst
(e) Distanzlosigkeit ist eine Todsünde für jeden Politiker
(f) Das Zusammenzwingen von heißer Leidenschaft für eine Sache mit kühlem Augenmaß
(g) K e i n e sterile (= geistig unfruchtbar; ertragslos) Aufgeregtheit; das ist Dilettantismus
(h) Distanz sich selbst gegenüber; also:
(i) Bekämpfung der eigenen Eitelkeit* als der Todfeindin aller sachlichen Hingabe und aller Distanz (hier: sich selbst gegenüber)

Anm.* Eitelkeit versus Narzissmus. Der Narzissmus ist das entscheidende, auch, u. v. a., politische Problem heute, ist weit folgenreicher als die ganz normale menschliche Eitelkeit, denn: Narzissmus - im Gegensatz zur Eitelkeit - geht in der Regel einher mit
(a) massiven Wirklichkeitsverlusten
(b) maßloser Selbstüberschätzung
(c) machtstrategischer Seelenkälte
(d) ideologischer Gewissenlosigkeit
(e) Staats- und Tugend-Schauspielerei
(f) Messen mit mehrerlei Maß
(g) geistiger Korruption (Selbstglorifizierung, Arroganz, Unfehlbarkeit, ideologische Nutzung drängender Probleme: n i c h t um sie exakt zu benennen, nicht um sie zu lösen, sondern um sie p o l i t t a k t i s c h für die eigenen Machtinteressen auszubeuten, joviale Anbiederung, diffuse Phraseologie, Standpunktunklarheit, offenkundige Charakterlosigkeiten, die oftmals
folgenlos bleiben usw. usw.)
(h) Für den Narziss ist Machterwerb eine Bestätigung seiner Grandiosität (nach der eine typische Gier besteht bei allen Narzissten, die es nämlich nötig haben, sich selbst als Ideal nötig zu haben, d. i. all die Eigenschaften n i c h t aufweisen, die Max Weber oben als unabdingbare Eigenschaften des exzellenten Politikers aufzählte): Der Narzissmus ist heute 
d e r Prüfstein für politische Kompetenz; soll heißen: der Narziss ist, weil völlig geistlos und die Marionette seiner selbst qua ichknechtischer, realitätsblinder, intellektschlichter, verantwortungsunfähiger und orientierungsloser Pseudo-Person).
---------------------------Ende der Anm.*

(3) Und nun Max Scheler, Philosoph, 1874 - 1928, der die entscheidenden Kategorien nennt, die mit dem das Phänomen Geist unmittelbar notwendig verbunden sind: (Die Stellung des Menschen im Kosmos, 2010, S. 27 ff; insbesondere S. 40):
„Der Mensch ist das Lebewesen, das kraft seines Geistes sich zu seinem Leben, das heftig es durchschauert, prinzipiell asketisch … verhalten kann. Mit dem Tiere verglichen … ist der Mensch der „Neinsagenkönner“, der „Asket des Lebens“, der ewige Protestant gegen alle bloße Wirklichkeit.“
Und Scheler weiter:
S. 28: „ … dann ist die Grundbestimmung eines geistigen Wesens seine existenzielle Entbundenheit vom Organischen, vom „Leben“ und allem, was zum Leben gehört - also auch seiner eigenen triebhaften „Intelligenz“.
Ein „geistiges“ Wesen ist also nicht mehr trieb- und umweltgebunden, sondern „umweltfrei“ und, wie wir es nennen wollen, „weltoffen“: Ein solches Wesen hat „Welt“. Ein solches Wesen vermag ferner die auch ihm ursprünglich gegebenen „Widerstands- und Reaktionszentren seiner Umwelt, die das Tier allein und in die es ekstatisch aufgeht, zu „Gegenständen“ zu erheben und das Sosein dieser Gegenstände prinzipiell selbst zu erfassen, ohne die Beschränkung, die diese Gegenstandswelt oder ihre Gegebenheit durch das vitale Triebsystem und die ihm vorgelagerten Sinnesfunktionen und Sinnesorgane erfährt.
Geist ist daher Sachlichkeit, Bestimmbarkeit durch das Sosein von Sachen selbst. 
Geist „hat“ ein zu vollendeter Sachlichkeit fähiges Lebewesen. Schärfer gesagt: Nur eine solches Wesen ist „Träger“ des Geistes, dessen prinzipieller Verkehr mit der Wirklichkeit außerhalb seiner wie mit sich selber sich im Verhältnis zum Tier mit Einschluss seiner Intelligenz dynamisch geradezu umgekehrt hat.
S. 29: „Weltoffenheit“ meint „die prinzipielle Abschüttelung des Umweltbannes … „Der Mensch ist das X, das sich in unbegrenztem Maße „weltoffen“ verhalten kann. Menschwerdung ist Erhebung zur Weltoffenheit kraft des Geistes.“

(4) Nähere Ausführungen: Der Begriff der Sachlichkeit bei Max Scheler und bei Max Weber
(a) Scheler (s. o. (G), (19)) Geist ist daher Sachlichkeit, Bestimmbarkeit durch das Sosein von Sachen selbst. Geist „hat“ ein zu vollendeter Sachlichkeit fähiges Lebewesen. Schärfer gesagt: Nur eine solches Wesen ist „Träger“ des Geistes, dessen prinzipieller Verkehr mit der Wirklichkeit außerhalb seiner wie mit sich selber sich im Verhältnis zum Tier mit Einschluss seiner Intelligenz dynamisch geradezu umgekehrt hat.“
(b) Weber: „Man kann sagen, dass drei Qualitäten vornehmlich entscheidend sind für den Politiker: Leidenschaft - Verantwortungsgefühl - Augenmaß. Leidenschaft im Sinne von Sachlichkeit: leidenschaftliche Hingabe an eine „Sache“, an den Gott oder Dämon,
der ihr Gebieter ist … Denn mit der bloßen, als noch so echte empfundenen Leidenschaft ist es freilich nicht getan. Sie macht nicht zum Politiker, wenn sie nicht, als Dienst an einer „Sache“ auch die Verantwortlichkeit gegenüber eben dieser Sache zum entscheidenden Leitstern des Handelns macht … Politik wird mit dem Kopfe gemacht, nicht mit anderen Teilen des Körpers oder der Seele … Einen ganz trivialen, allzu menschlichen Feind hat daher der Politiker täglich und stündlich in sich zu überwinden: die ganz gemeine Eitelkeit, die Todfeindin aller sachlichen Hingabe und aller Distanz, in diesem Fall: der Distanz sich selbst gegenüber.“

Zu 
(c) Scheler:
Sachlichkeit scheint bei Scheler zu bedeuten: Die Freiheit von/den inneren Abstand zu
(i) Kreatürlichkeit (Pleonexie: Ich-, Hab-, Macht- und Genuss-Sucht, also: Gefangenschaft in Leidenschaften wie etwa selbstwertrelevant-wertperspektivischen, ökonomischen, kratischen, erotischen oder pathologisch-narzisstischen Verstrickungen)
(ii) Emotionaler Gefangenschaft durch - selbstredend: irrational fundierte - belastende (Minderwertigkeitsgefühle) oder angenehm-emotionale Anwandlungen (Hoffnung, Zuversicht) oder (auch) berauschende Gefühle („Liebe“ - falls diese ein Gefühl ist; ich will es hier mal so stehen lassen; Hoffnung, Zuversicht), Stimmungen (= emotional-diffuse Anwandlungen, die nicht , Affekte (Neid, Angst, Hass, Wut, Trauer, Rachsucht),,
(iii) Kurzum: von der psychoethische Gefangenschaft/von der Verstrickung in empirische Interessen, in einen steuernde Wertperspektiven und in bedürfnis- und/oder trieb-verankerte Daseinszwänge
(iv) Aber auch von rationalem Erkenntnisinteresse: analytisch-experimenteller und (den Menschen besonders auszeichnender, wiewohl auch Tiere Werkzeuge herstellen und benutzen) technischer Intelligenz (vgl. o. (G), (8)), die beide letztlich im Dienst menschlicher Kreatürlichkeit stehen (intellektuelle, natürliche Lebensbedingungen umschaffende Maßnahmen der Existenz-Erleichterung, -Verbesserung, -Entlastung und -Steigerung im Sinne der Schaffung (heute ausnahmslos) von Wohlstand sind)
M. a. W.: Für Scheler meint Geist als Sachlichkeit, Verantwortungsgefühl,
(א) eine völlige Distanz zu sich selbst als Unabhängigkeit von sich als „Tier“ = von evolutionsbiologisch determinierter, kreatürlicher All-Verstrickung, Determiniertheit und imperativer Steuerung zwecks Lebenserhalt und Lebensmeisterung
(ב) eine völlige Distanz (nicht: Unabhängigkeit; diese ist unmöglich) zu gesellschaftlich-sozialen Umständen und Prozessen, wie etwa der alltäglich-existenziellen Abhängigkeit von Artgenossen, die das eigene Dasein förmlich zu hemmen, zu lenken und zu überwältigen geeignet sind; vgl. oben ((B), Anm.*) die kurzen Ausführungen zum Me (ICH)
(ג) eine völlige Distanz zum eigenen „In-der-Welt-Sein“, sodass dieses sachlich-objektiv (ungetrübt von Ich- und Selbst- und Me-Befangenheit durch dasselbe) in seinem Sosein an sich ohne Wertungen und „Nutzungs-Interessen“ an ihm erfasst werden kann: eben geistig-sachlich unmittelbar: „seinsnackt“: ich/selbst-, gesellschaftlich-sozial und welthaft "ungetrübt.“
Zu, s. oben: (2 (d) Weber: „Distanz zu den Dingen, den Menschen, sich selbst“: Sachlichkeit als Grundeigenschaft des Politikers: Leidenschaft im Sinne von Sachlichkeit: leidenschaftliche Hingabe an eine Sache
(i) Gemeint ist die Art und Weise machtstrategischen Vorgehens, um ein politisches Ziel zu erreichen. Macht beinhaltet - als notwendig auf ein Ziel gerichtet, und sei dieses auch sie selbst: es gibt keine Macht ohne Zweck-Bezug: Macht ist ein evolutionsbiologisches Axiom menschlicher Existenz: Der Mensch kann nicht nicht Macht wollen: Er i s t sie -, weil als Kreatur i m m e r zweck- und ziel-gerichtete Leidenschaft: „determinierte Zweck-Besessenheit“
(ii) Bei der Sachlichkeit des Politikers geht es also um eine möglichst optimal erfolgsorientierte Macht-S t r a t e g i e, darum wie und mit welchen Mitteln sich das leidenschaftlich verfolgte und begehrte Macht-Ziel am besten erreichen ließe
(iii) Und das bedeutet: „Kopfarbeit“, die kühl kalkulierende Fähigkeit (und: Einsicht in die Notwendigkeit der Anwendung dieser kalkulierenden Fähigkeit, ist sie doch, kühl betrachtet, die beste Voraussetzung dafür, den leidenschaftlich verfolgten Macht-Zweck auch zu erreichen), d i e Kopfarbeit, die allein am besten garantieren kann, dass es einem gelingt - trotz Leidenschaft: diese, als irrationales Phänomen, primär zum Tragen kommend, würde, vielleicht zu Strategiefehlern fortreißend, die Erlangung des Machtzwecks gefährden -, die eigene Leidenschaft kanalisierend, den eigenen Machtwillen bändigend, sich selbst als „machtsüchtige Kreatürlichkeit“ zurücknehmend: Augenmaß walten lassend, das Machtziel zu erreichen.
(iii) Auch für Weber gilt (vgl. oben Scheler (ii)): Kreatürliche Pleonexie, emotionale Gefangenschaft und psychoethische Verstrickung in empirische Interessen würden die Sach- und Zweck-Rationalität des Politikers - und also die Umsetzung/Erlangung seiner Macht-Ziele m i n d e r n
(iv) M. a. W.: Der Politiker bedarf des G e i s t e s (im Sinne Schelers, vgl. oben (א), (ב) und (ג)), also geistiger Mittel und Komponenten - „strategisch-sittlich-verantwortlich ausgerichteter Kopfarbeitsanstrengungen“ - als optimaler Voraussetzungen für die erfolgreiche Verwirklichung/ Realisierung seiner - durchaus von ihm leidenschaftlich verfolgten - Macht-Zwecke/-Ziele, nämlich: Selbstdistanz, Augenmaß und Distanz zu sich selbst (zu seiner Eitelkeit, heute: zu seinem Narzissmus)

(5) Folgerungen aus (c) und (d)
(a) Erfolgreiches, berechenbares, nachvollziehbares, Vertrauen schaffendes usw. politisches Handeln muss primär (bloße, zumal auch diktatorische, Machtpolitik, bloße Leidenschaft mit der Folge sachlicher Irrationalität, also auch Verantwortungslosigkeit, ideologische Verblendung, Wirklichkeitsverluste, Tugend-Hypertrophie, idealistischer Utopismus, Reflexionsarmut usw. sind in ihrer Konsequenz auf Dauer notwendig zum Scheitern verurteilt, asozial, inhuman und zuletzt selbstzerstörerisch) g e i s t f u n d i e r t sein: Resultat „all-distanzfähiger Kopfarbeit“ (als bloßes politisches Abenteurertum, zumal als diktatorische, Machtpolitik, als „heiße“ Leidenschaft mit der Folge sachfremder Irrationalität, also auch als Verantwortungslosigkeit, als ideologische Verblendung, als verdrängter Wirklichkeitsverlust, als Tugend-Hypertrophie, als idealistischer Utopismus, als Reflexionsarmut usw. ist Politik notwendig zum Scheitern verurteilt, ist letztlich asozial, barbarisch, inhuman und zuletzt selbstzerstörerisch)

(b) Die Politik der westlichen Demokratien (Überflussgesellschaften) indes kann n i c h t auch g e i s t f u n d i e r t sein (selbst wenn sie das zu sein begehrte), weil sie
(i) antiasketische - atheistisch, materialistisch, utilitaristisch, eudämonistisch-hedonistisch, infantil und nihilistisch ausgerichtete und geprägte - Gesellschaften als Steigbügelhalterin ökonomischer Interessen mit gestalten und hinnehmen m u s s; heißt:
(ii) Der heutige Politiker ist dazu verurteilt, die Zeitgeisthörigkeit von immer mehr Menschen zu bedienen (ehrlicherweise: er m u s s es), oder, das ist oft der Fall, ist von dieser s e l b s t sozusagen vereinnahmt/infiziert - von Menschen (zumal auch mehr und mehr einem digitalen Analphabetismus sich aus ausliefernd, d. h. lenkbaren Menschen) gefordert, die in einer
(iii) emotional-eskapistisch-ekstatischen Fun-Knechtschaft befangen sind, die es der Politik -
(iv) häufig selbst unzureichend kompetent, korruptionsanfällig, viel zu oft intellektuell überfordert, existenziell desorientiert, halbgebildet, tendenziell verantwortungsarm, vor allem auch narzisstisch gefährdet (d. h. auch: gewissenlos seiend) ungemein schwer macht, überhaupt noch rationale (vertretbare, gesellschaftlich zuträgliche usw.) Entscheidungen zu treffen … und - da öffentlich/medial dauerexponiert - geradezu auch daran gehindert, solche zu treffen, allerdings auch, weil sprachlich-rhetorisch in der Regel überfordert, solche Entscheidungen rhetorisch überzeugend zu verteidigen: Die Politik tut sich immer schwerer, sich gegen die trivialkulturellen Auswüchse einer Gesellschaft im Niedergang zu wappnen; zumal sie selbst oft genug Motor dieses Niedergangs ist*

Anm.*: Und all das, was hier aufgezählt wurde, veranlasst mich in der Tat, die Demokratie (die sich in der gegenwärtigen BRD selbst abschafft, indem sie alles tut - bzw. nicht tut -, ihre Gegner stark zu machen) als - zumindest auf Dauer - gefährdete Staatsform zu betrachten. Sollte sie fallen, dann wäre das nicht nur eine politische, sondern eine rechtliche, gesellschaftliche, und überhaupt existenzielle Katastrophe, verbunden wahrscheinlich auch mit Gewalt oder gar Kriegen. Jedenfalls erscheint es mir sinnlos, in einer nichtdemokratischen Gesellschaft von Menschen zu leben, die, z. B., auf das Niveau von KI-gesteuerten Konsumschafen herabgedrückt werden/wurden. Demokratie, Rechtsstaat, Parrhesie (griech.: Redefreiheit, Freimütigkeit; ich füge hinzu: Redlichkeit) und die unantastbare Erlaubnis zu einem geistkulturell geprägten Daseinsvollzug müssen (jedenfalls für mich) gegeben sein, um ein ungestörtes Leben führen zu können. Vgl. dazu ((C), (ix), (ד))
--------------------------Ende der Anm.*

(6) Feststellung
Zu bemerken wäre, dass keine einzige der von Weber aufgezählten Eigenschaften, die ein Politiker nach Weber haben sollte (oben (1) bis (9)), bei den Individuen, die heute die politische Funktions-Elite ausmachen/stellen, auch nur ansatzweise zu finden ist.

Und warum nicht?
(a) Webers Kategorien werden in einer ziemlich geistlosen: dekadenten, auf bloßen Wohlstandsgenuss abzielenden hedonistischen Überflussgesellschaft (vgl. oben (C): Der Begriff „Überflussgesellschaft“) nicht mehr verstanden: Großteile der Bevölkerung, einseitig erlebniskonsumtiv ausgerichtet, erachten es als selbstverständlich, dass sie ein unantastbares Recht (zumal auch selbstverständlich die moralische Erlaubnis) auf ein materiell „gutes Leben“ haben, weshalb sie Großteile ihrer Freizeit gemäß diesem Ziel ausnutzen und keinen Gedanken verschwenden an so etwas wie Selbstansprüche, die jenem Ziel nicht dienten: etwa dem, sich eine bessere Bildung zu verschaffen oder dem, sich die in die Lage zu versetzen, gesellschaftliche Prozesse und politisches Handeln besser beurteilen zu können. M. a. W.: Für die meisten heutigen Menschen ist Wohllebensgenuss der einzige, der höchste und der ihrem Leben allein einen Sinn verleihende Daseinsvollzug*; und so s o l l e n sie ja auch denken, fühlen und wollen - aus Gründen des Systemerhalts (dieser wäre sofort gefährdet, wenn sich viele Menschen auf einen asketischen Lebensvollzug als Lebensziel einließen: Das BSP sänke beängstigend).

Anm.*: Ich sage es noch einmal:
(1) Ich will das kapitalistische System nicht ändern (schon aus wohlverstandenem Selbstinteresse nicht: Um mir mein nichtkonsumtiv, sondern geistig ausgerichtetes Leben überhaupt ungestört leisten zu können, benötige ich stabile demokratisch-rechtsstaatlich durchgesetzte politische Verhältnisse und ein für möglichst viele erreichbares hohes Wohlstandsniveau, damit nicht politische Kräfte hochkommen, die mich ins Visier nähmen, weil ihnen etwa meine Parrhesie-Bedürfnisse (also: freimütig meine Meinungen zu sagen) missfielen …
(2) Ich will niemandem vorschreiben, wie er zu leben habe
(3) Ich verstehe, dass man ein auf materiellen Wohlstand abgestelltes zufriedenstellendes, gar glückliches oder auch rauschhaftes Leben führen möchte; indes glaube ich, dies hinzufügen zu sollen: Eine Überflussgesellschaft wie sie die deutsche ist, vereinnahmt die Menschen sehr subtil:
(a) sie richtet sie förmlich ununterbrochen psychoethisch ab, sich ihr alternativlos an den „Hals zu werfen“ (auf alle Arten Weisen ihnen permanent eine Art Zeitgeistkonformismus - im Berufs- wie im Privat-Leben - anerziehend; dann:
(b) also dazu: ihr Leben genießen zu wollen - auch dies in allen erdenklichen Hinsichten - was menschlich ist; und als solches an sich kein moralisches Versagen, sondern eine evolutionsbiologisch fundierte Drangsal, zumal eine solche um ihre Endlichkeit wissender Wesen
(c) Außerdem müssen sich die Menschen einer Gesellschaft mit deren sie fundamental ausmachenden Wesensbestimmungen abfinden - im Falle einer Überflussgesellschaft:
(α) Materialismus (Mammonismus)
(β) Konsumismus
(γ) Utilitarismus (Nutzen-Fetischismus)
(δ) Eudämonismus/Hedonismus
(ε) Infantilismus (Emotionalismus, Egoismus, Eskapismus)
(ζ) Atheismus
(η) Narzissmus
(dem die ihrer Gesellschaft ausgelieferten Individuen schon deshalb nicht entkommen können, weil ihre Gesellschaft ein allgemeines Existenz-Schauspielertum im Sinne der Inszenierung einer marktuntertänigen Sekundär-Persönlichkeit, die faktisch, psychoethisch trivialkulturell aufgesogen, keine ist; (und auch keine sein kann, sondern eben eine Marktmarionette ist) fördern und privilegieren m u s s, um sie wenigstens als ichschwach in sich selbst verlaufen habende Daseins-Mimen eines illusorischen Sekundär-Subjektivismus halbwegs im Lot zu halten) und:
(θ) Nihilismus: In einer Überflussgesellschaft gibt es weder metaphysische noch kulturelle noch ethische Selbstverständlichkeiten, die absolut und unhintergehbar gälten; in einer solchen Gesellschaft wird vielmehr alles hinterfragt (außer das ununterbrochene Hinterfragen selbst), d. h. es gilt ideologisch-zeitgeisttypisch alles und also nichts: das ist ein Leichtlauf-Nihilismus, der die Individuen jener Gesellschaft zugleich zu sich selbst als Spaß-Monaden befreit und sie dadurch zugleich psychoethisch ruiniert -, um sich nicht zu isolieren; mithin als Mitglieder einer hochkomplex-dekadenten Überflussgesellschaft.

M. a. W.: Eine (partielle) nihilistische Selbstentmächtigung wird quasi zur Notwendigkeit, weil gerade sie die Individuen davor bewahrt, sich als das erfahren/erkennen/entlarven zu müssen, was man tatsächlich immer mehr wird: und irgendwann auch ist: eine zwangsgetriebener, vom System perfekt abgerichteter Selbstaufgabevirtuose, um sich dieses einen „verspielballende“ System als „Erlösungs-Verlies“ und um sich selbst vor sich selbst als „einsichts(fakten)flüchtige“ Umsatzeinheit zu verbergen. Und das ist ein notwendiger Prozess, der den getriebenen Individuen nicht als moralische Schuld angerechnet werden kann (sie sind außerstande, sich dagegen zu wehren); ich jedenfalls tue es nicht: Die Individuen sind dem Markt sozusagen bis in ihre Kerne ausgesetzt. Und dies schon in der frühesten Kindheit, einer Kindheit, die schon längst - dem Markt ausgeliefert - verschwunden ist: markt; woran man oft nicht denkt, wenn man nach den Gründen fragt, warum der durchschnittliche Verbraucher heutzutage so unzufrieden, ja: unglücklich, immer häufiger aggressiv, feindselig in sich selbst versunken, ohne jedwede Heiterkeit, stumpfsinnaffin, neiderfüllt, protzig, inszenierungssüchtig und maßlos: affektdrastisch emotional ist …doch schon Kunde, bevor er laufen kann*

Anm.* Ohne die wunderbar-magischen, märchenhaft rätselträchtigen und auch metaphysisch sehnsuchtserfüllten Tage einer naturnahen, stadtfernen, nicht von Lärm, Seelenkälte und Hässlichkeit geplagten Kindheit, wie sie mir glücklicherweise zuteil wurde, würde ich es wohl nicht geschafft haben, zu dem Menschen zu werden, den ich geworden bin: Ich wäre ein armselig-geistloser Seelenkrüppel geblieben – trotz der genetischen Gnade, von der ich zuweilen rede
--------------------------Ende der Anm.

Weiter
(b) Allerdings glaube ich bei einer Mehrheit der Deutschen - trotz ihrer signifikanten Dauervereinnahmung durch die „Segnungen“ ihrer Überflussgesellschaft - einen, was die politischen Verwerfungen im Land anbelangen, ungebrochenen Realitätssinn diagnostizieren zu dürfen: Diese Verwerfungen sind so signifikant, dass sie den Menschen gar nicht verborgen bleiben können. Fakt ist
(i) dass das Vertrauen der deutschen Bevölkerung, insbesondere in die politische Funktionselite, weitgehend verloren gegangen ist; und Fakt ist auch,
(ii) dass deswegen radikale Parteien  - aufgrund des realitätsblind-ideologischen Dilettantismus der demokratischen Parteien - immer mehr Zustimmung gewinnen; und Fakt ist auch,
(iii) dass man nicht übertreibt, wenn man eine inzwischen signifikante Entfremdung zwischen der politischen Funktionselite und der Wählerschaft feststellt; Fakt ist weiter,
(iv) dass die Demokratie - unterschwellig-anonym und nur schleichend - an Zustimmung verliert; zumal der Staat „sich nicht mehr durchsetzen will“ (Jens Gnisa, vgl. oben) und
(v) zumal der deutsche Rechtsstaat „in Teilen nicht mehr funktionsfähig ist“ (Ralph Knispel, vgl. oben).
(c) Indes wäre es unangebracht und auch irgendwie kleinkariert-charakterlos, würde ich im Folgenden selbstzufrieden-boshaft besserwisserisch auf den demokratischen Parteien „herumhacken“, um meine Wut auf sie zu befriedigen; das aber kommt nicht in Frage. Dass es mir freilich in der Tat schwerfällt, sine ira et studio (ohne Hass und Vorliebe, also: sachlich) über sie zu urteilen, will ich gerne eingestehen, tun sie doch zwar nicht alles, aber doch sehr viel, direkt oder indirekt ihre Position zu schwächen, müssten das auch begriffen und schon längst versucht haben, einen Teil des bei der Bevölkerung verspielten Vertrauens zurückzugewinnen … Indes offenbar genau das Gegenteil geschieht: Sie kündigen an, ohne zu vollziehen; sie versprechen, können aber nicht viel - oder gar nichts - halten, sie wiederholen gebetsmühlenhaft w und x, um dann y und z zu tun oder zu unterlassen. Kann es sein, dass die politischen Parteien nicht mehr aus ihren massiven Wirklichkeitsverlusten herausfinden, viele Gegebenheiten auch zu komplex sind, als dass man sie zeitnah lösen könnte, manche Probleme wiederum viel zu groß sind, als dass das zur Verfügung stehende Geld auch nur annähernd ausreichen würde, sie anzupacken? Oder gibt es andere Gründe für das allzu häufige Versagen der sich demokratisch nennenden Parteien? Etwa die allfällige Mittelmäßigkeit derer, die in ihnen das Sagen haben? Oder auch die Tatsache, dass heutzutage viele dem effektgierigen Zeitgeist verfallene Halbgebildete, Korruptionsanfällige, Schaumschläger, Kreisklassen-Narzissten, von sich selbst phrasensiech umstellte Emanzipations-Theolog*innen, schauspielerisch ein wenig, aber politisch überhaupt nicht begabte Selbstbestandslose sich in ihnen tummeln? Oder vielleicht auch den Grund, dass man permanent den Fehler (aller Ideologen) macht, irgendeine Große Tugend über das an gegebenen Fakten orientierte politische Denken, Wollen und Handeln zu stellen, sodass dieses verhindert wird und jene, die Große Tugend, wieder einmal, nur ihre kratische Untauglichkeit und machtstrategische Impotenz beweisen muss - wie etwa die sogenannte „Würde“? Oder liegt es am allzu häufigen Phrasenpingpong der sich gegenseitig im Hohen Haus der Unfähigkeit zeihenden Partei-Schwergewichte, die sich dadurch freilich zu allem Möglichen qualifizieren, nur nicht zu dem, was sie sein sollten- und müssten.

(7) Allgemeine Bemerkungen zur geistigen Verfassung der deutschen politischen Funktionselite (der demokratischen Parteien)/Annäherungen

Ich würde, aufgefordert, die gegenwärtigen deutsche Parteien und deren politische Grund- und Schlüssel-Absichten mit meinen eigenen Worten möglichst präzise zu beschreiben, etwa folgende - in der Tat freilich subjektive und deswegen sehr genau zu bedenkende*- Auskünfte geben: Nämlich die, dass es sich im Allgemeinen in einer Mediengesellschaft, in der die Individuen in der Regel nicht auf rational-komplexe Sach-Aussagen, sondern auf Reize, Effekte, Sensationen, Emotionen, Shows, Inszenierungen (auch moralische) usw. ansprechen - zumal überhaupt bis in ihre Seelenkerne spaßerlebnishungrig konditioniert sind -, nicht möglich ist, diese Tatsachen und Umstände nicht auch politisch in Rechnung zu stellen: Die politisch wirken wollenden Personen werden dementsprechend, öffentlich auftretend, sich auch inszenieren müssen: nämlich als unterhaltende, zuweilen empörte oder sittlich tief betroffene (nahezu sämtlichen Substantiven gehen, mimisch begleitet, Empörungs- und Betroffenheitsadjektive voraus) zu Selbstdarstellern, Emotions-Schauspielern und Phrasen-Stars, kurzum: zu narzisstischen Erregungs-Virtuosen. Daraus ergeben sich dann Unsachlichkeit und Verantwortungslosigkeit gleichsam von selbst, zumal die politisch vereinnahmten Tugendbegriffe (wie etwa Würde, Freiheit - Selbstbestimmung, Autonomie, Emanzipation etc. -, Vernunft, Respekt, Toleranz, Gleichheit, überhaupt: psychoethische Exzellenz) in diametralem Gegensatz zum tatsächlichen Gebaren der eskapistisch-hedonistisch-erlebnishungrigen meisten Individuen steht.

Anm.*: Ich bin mir freilich nicht sicher, ob meine teilweise doch sehr scharfe Kritik an den Repräsentanten dieser Funktionselite in jeder Hinsicht gerechtfertigt ist, weil - etwa -
(1) hat man Macht, man sich sehr wahrscheinlich schwerer tut, als solche Menschen, die keine haben, gewissen allzumenschlichen Versuchungen zu widerstehen (Selbstüberschätzung, Rechthaberei, Verblendung, Hybris überhaupt, ja: korrumpierenden Verlockungen), schon weil entsprechende Gelegenheiten im politischen Bereich faktisch ziemlich häufig sind.
Dann, weil
(2) diese Menschen ja doch auch intellektuell Gehetzte sind (z. B. von den Medien und von ihren politischen Gegnern), zumal in der Regel aber nicht über die rhetorische und d i e Art von Souveränität verfügen, wie sie nur gediegene Sachkunde/Sachlichkeit, feinste und höchste Bildung im Verein mit Selbstdistanzfähigkeit und - ja: auch - Humor gewähren kann, es einem erlauben, sich gegenüber seinen Machtkonkurrenten als zuweilen  politisch agierenden Leerformel-Virtuosen, also: als gegenüber jenen kompetenter, geeigneter, charakterfester usw. präsentieren zu können. Dann, weil
(3) diese Menschen womöglich doch weit mehr Gefangene des Zeitgeistes sind, als ich mir das - aus einer anderen Welt kommend - auszumalen vermag; zumal ich unbelehrbar, ja: geradezu stur, davon ausgehe, dass, wer sich mit dem herrschenden Zeitgeist einlässt (einlassen muss: weil vielleicht sowieso entsprechend sozialisiert), politisch inkompetent sein muss, denn: der Zeitgeist macht trash-affin, show-lastig, leerformel-hörig, effekt-gierig und ausdeutungsneurotisch-feige-verlogen realitätsblind: die hysterische Sensibilität gegenüber bloßen Worten zwecks Fakten-Vertuschung, -Umdeutung und Ausblendung bewirkt in der deutschen Politik eine Außerkraftsetzung rechtsstaatlichen Handelns, tatsächlich ein auf
Dauer gestelltes, tugendhysterisch fundiertes Staatsversagen, das zumal Phänomene fördert, die, als kulturfundamentalistische, massiv gesellschaftsschädlich sind, zumal man sie, was ihre Brisanz anbelangt, sich schönredet, soll heißen: sie nicht zur Kenntnis nehmen will, indes auch glaubt - illusionsanfällig, da selbsthasssiech-gesinnungssimpel - sie mit Bildungs-, Integrations- und Finanz-Leistungen aus der Welt schaffen zu können; allein es gibt keine kulturelle - geistige - Integration in eine wertsubstanznihilistische Überflussgesellschaft, die als diese auch die Quelle jenes wirklichkeitsverlustig-atheistisch-hedonistischen Zeitgeistes ist. Dann, weil
(4) diese Menschen offenbar keinerlei geistig grundgelegten und ausgerichteten Selbstansprüche zu haben scheinen, etwa diesen sehr selten gewordenen geistimmanenten Imperativ (Hegel: „Der Mensch, da er Geist ist, darf und soll sich selbst des Höchsten würdig achten .. „; vgl. dazu die obigen Ausführungen zu Max Weber und Max Scheler: Tatsächlich ist sachlich-verantwortungsvolles politisches Handeln ohne substantiell geistige Selbstansprüche gar nicht möglich; und die sehe ich nicht mehr gegeben. Es gibt diesen Selbstanspruch nach seriös-reifer, gar verfeinernder personaler Selbst-Transzendenz, um sich - ohne auf phrasenreiche Spiegelfechtereien zurückgreifen zu müssen - innerlich souveräner und geschmeidiger, rhetorisch geschickter und fachlich versierter, vor allem: verantwortungsfähig und -willig präsentieren: und selbstverständlich auch ausweisen zu können, nicht mehr. Dann, weil
(5) sich die deutschen Funktionseliten (die politische und die wirtschaftliche) auf Gegebenheiten, Verhältnisse und Bedingungen - um kurzzeitiger/gegenwärtiger Vorteile willen, von denen man wissen konnte, ja: musste, dass sie sich auf Dauer in massive Nachteile verkehren würden - eingelassen haben, die sie nunmehr eingeholt haben: sie erpressbar, zu Bittstellern und in ihre eigene Tugendnaivität und Gier Verstrickte entlarvt haben, zumal diese Funktionseliten wieder einmal bewiesen haben, wie gering doch ihr Realitätssinn ist, ihre Fähigkeit, gegebene Umstände und Verhältnisse sachgerecht zu beurteilen und dann dementsprechend politisch zu handeln … z. B. sich - was etwa die Beziehungen zu China anbelangt - „Wandel durch Handel“ naiverweise erhoffend, d. h. nicht ansatzweise in der Lage, von ihren Wunschvorstellungen zu lassen, begreifend, dass diese angesichts einer Partei-Elite (die zumal nie einen Hehl machte aus ihren Zielen, schon gar nicht aus ihren Überzeugungen - man hätte nur zuhören müssen, was man aber nicht tat) geradezu gefährlich sind.
Ich sage nur so viel: Die Wahrung der eigenen politischen und wirtschaftlichen Autarkie (auch wenn zunächst verbunden mit Milliarden-Verlusten und möglichen anderen Nachteilen), wäre angesichts der Tatsache, was sich nunmehr aus der Losung „Wandel durch Handel“ ergab (nämlich die Umkehrung des Verhältnisse vom einst vermeintlichen Herrn zum langjährigen Knecht, der sich längst seinerseits zum Herrn entwickelt/aufgeworfen hat- auch das hätte man voraussehen können angesichts eines hochbegabten, fleißigen Volkes, dem Vergleichbares der ehemalige Herr im Rahmen seiner dekadenten Überflussgesellschaft nichts mehr entgegenzusetzen hat), weitaus billiger und weitaus vorteilhafter gewesen (heute ist das offenkundig) für Deutschland, so sehr, dass ich nicht zögere, was die über vier Jahrzehnte sich hinziehende Ausgestaltung der Beziehung zu China anbelangt, von einem wirtschaftlichen wie politischen Versagen zu sprechen.
---------------------------------------Ende der Anm.*

(6) Bemerkungen zu den Parteien:
(1) In der Tat: Die Parteien können den infantil-eskapistisch-tugendhypertroph-hedonistisch-wirklichkeitsverlustigen Zeitgeist nicht einfach in den Wind schlagen: zumindest nicht ihr öffentlich sich häufig präsentieren müssendes Spitzenpersonal kann das nicht. Die Parteien bauen (müssen es wohl) auf narzisstische Karrieristen*, die sich gegenseitig bekämpfen (auch mal zum Schein), kritisieren, zuweilen verunglimpfen, mit Vorwürfen überhäufen, zuweilen auch dem der politischen Inkompetenz*; was freilich überhaupt
alle, die öffentlich mit dem Anspruch auftreten, irgend politisch Bedeutendes und die Bürger des Landes Betreffendes zu sagen/mitzuteilen zu haben, tun, sich freilich je nach Parteizugehörigkeit auf je andere politische Ziele beziehend; so finden man an politischen Zielen etwa

Anm.*: Das ist auch einkalkuliert machtstrategisches Verhalten, um von den eigenen Fehlern, Versäumnissen und Inkompetenzen abzulenken. Das ist parteienoligarchisch-übergeordnetes Verhalten einer „Blasen-Kaste“, die sich ihres kratischen Dilettantismus und ihrer Gesinnungs-Träumerei wohl durchaus bewusst ist. Politisches Ziel: Der eigene Machterhalt durch den Erhalt der Macht des politischen Gegners zugleich: eben „Blasen-Kasten-Verhalten“
---------------------------Ende der Anm.*

(b) in erster Linie ökoklerikal-ethisch-ideologisch (nicht primär an wirtschaftlich-wohlstands-zentrischen Zielen festhaltend), also tugendmacht-politmessianisch ausgerichtete Verfechter einer basisdemokratisch-humanitär geprägten Gesellschaft all-gleicher, freier, emanzipierter, selbstbestimmungsfähiger und also selbstmächtiger Individuen, wobei einige ihrer Werte (die sich in anderen Zusammenhängen bei Helmut Klages aufgelistet finden; ich habe sie als hier passende übernommen):
(*)Emanzipation (*)Gleichheit/Gleichbehandlung (*)Autonomie (Selbstverwirklichung, Freiheit, Ungebundenheit); dann vor allem: (*)Ökologisch korrektes Tun und Lassen 
(*)Priorisierung des Kampfes gegen den Klimawandel (u. U. auch gegen wirtschaftliche Interessen; allerdings weiß man, dass das Kernziel „Wohlstand“ nicht angegriffen werden darf, weil eine Deindustrialisierung die deutsche Gesellschaft, der es primär, ja: zentrisch auf Wohlstand ankommt (schon weil der für die meisten Deutschen zum Lebenssinn-Garanten geworden ist), sprengen würde; was nicht heißt, dass die Gesellschaft die ökologischen Ziele nicht teilte - doch, tut sie(?) in der Mehrheit - aber die Individuen handeln kaum danach, auch weil die oft scheinbar besserwisserisch und oberlehrerhaft daherkommende Partei mit zuweilen geradezu linkischer Arroganz die Dekarbonisierung zur Ersatz-Religion erhoben hat, was manche ihrer Jünger ermuntert, die Bürger mit sich selbst heimzusuchen. In der Tat kann man einen ökologisch fundierten Autoritarismus dieser Partei in Anschlag bringen - diametral entgegengesetzt ihren Freiheits-, Gleichheits- und Emanzipations-Werten. Dass freilich der Klimawandel ein fundamentales Problem für alle Staaten darstellt, ist ein Faktum; und auch dies ist ein Faktum: Dass wir Wohlstandsverzichte werden erbringen müssen, um den Planeten nicht definitiv - und zwar unumkehr- und nicht mehr steuerbar zu „verhunzen“ (der Ausdruck ist hier angebracht), so dass er uns wird „ausschwitzen“ müssen, d. i vernichten*

Anm.*: Tatsächlich gehe ich, Sa., davon aus, dass die erwartbar katastrophalen Folgen des Klimawandels (und des Wohlstands-Niveaus) am Ende nur mit drakonischen Maßnahmen (kommandierender politischer Macht) werden bekämpft werden können (wenn überhaupt dann noch), zumal ich nicht sehe, was das wie immer mustergültig menschheitsbeglückend-eifrige, aber kleine Deutschland, selbst wenn es denn 2045 klimaneutral sein sollte, zu jener „Menschheitsaufgabe“ wird substantiell beitragen können.
Und überhaupt bei dieser Gelegenheit: Die allenthalben hochgehaltenen Werte wie (*)Emanzipation (*)Gleichheit/Gleichbehandlung (*)Autonomie (Selbstverwirklichung, Freiheit, Ungebundenheit); usw. usw. sind letztlich längst Verbraucher-Leerformeln, die in erster Linie faktisch dazu dienen, den asozialen Egoismus der deutschen Erlebnissammler pseudomoralisch zum Glitzern zu bringen; den meisten dürfte es ausschließlich um 
(*)Genuss (*)Abenteuer (*)Spannung (*)Abwechslung und das (*)Ausleben emotionaler Bedürfnisse (*)Ungebundenheit und auch zuweilen (*)„Kreativität“ (etwa popmusikalische) zu tun sein; kurzum: also primär und ausnahmslos um sich selbst, nur(!) um sich selbst gehen, weil es anders gar nicht möglich ist: Man selbst muss sich Daseins-Zweck sein; das ist ein evolutionsbiologischer Zwang (und der eigene Wille ist nie frei: man ist vollständig heteronom).
Und zuletzt dies (ich sag’s nicht gern): An uns liegt gar nichts; sollten wir den Planeten so weit ruinieren, dass er menschliches Leben nicht mehr tragen kann (was ich übrigens nicht erwarte: das ist bei mir ein diffuses Gefühl, eine Befürchtung, eine Angst usw.; mehr nicht), dann müssen wir, es lapidar zu sagen: weichen; und ich glaube nicht, dass wir wem auch immer fehlen würden.

Zuletzt noch dies: Dass diese, sich so sehr um das Klima sorgenden Leute, freilich faktisch nicht weniger machtversessen sind als andere, versteht sich von selbst; denn: wer politisch überhaupt etwas bewirken will, braucht dazu Macht - das ist eine Binsenweisheit. Indes machen gerade diese Leute - wie auch die Sozialstaats-Pathetiker anderer Parteien - z. T. fundamentale Fehler: Sie handeln arrogant (der Polit-Tugend-Ideologe i s t arrogant, sich im Besitz unangreifbarer Wahrheiten wähnend), neigen zumal dazu - eben weil sozusagen nach eigener Überzeugung vom „Weltgeist“ als absoluter Vernunft und dem Gang der Geschichte selbst raunend instruiert -, den Leuten etwas aufzuzwingen, ohne vorher überhaupt mit ihnen zu reden; dies auch deswegen nicht, weil ihnen die Leute egal sind: Der Ideologe besitzt kein Einfühlungsvermögen: ihm fehlt es, wie jedem Narziss, an Empathie. Allerdings spielt etwas anderes auch eine gewichtige Rolle: Diese Leute sind linkisch-seelenhölzern-emotionssteif, verhalten sich manchmal geradezu tollpatschig und ermangeln jedweder Form von gelöster Heiterkeit, Humor, Scham, Ehrfurcht, Anmut usw. (was man besonders als kompromisslos-täppisch-aufmüpfige Emanzipationskälte spürt, die einen sozusagen psychisch frigidisierend anweht … dem wertpuristisch eifernden Ideologen fehlt jedenfalls jedwede Generosität, Selbstzurücknahme-Fähigkeit, Großgesinntheit und naive Gefühlswärme. Das ist überhaupt ganz typisch für Leute, die mit Leerformeln und utopisierenden Illusionen jonglieren, die sie für Tatsachen erschließende Zauberformeln halten, von denen verführt, sie gleichsam magisch ergriffen, sich dann selbst, ihren Artgenossen und der Erde eine Last werden/sind (frei nach Homer).
----------------------------Ende der Anm.*

Man findet weiter an politischen Zielen
(c) sozialstaatspathetisch angepriesene: zartbesaitet-all-mitfühlende Parteisoldaten fordern - stimmweich von sich selbst ergriffen - Respekt vor allen und jedem abstrakt ein, politisch Exponierte, die sich als d i e Anwälte der „kleinen Leute“ ausgeben, für diese aber kaum etwas tun können oder wollen (es sei denn finanziell); freilich - ähnlich wie die unter (b) genannten Tugend-Enthusiasten - von Idealen ergriffen, die wohl unterschwellig auf ein marxistisches Erbe - fußend letztlich auf den ökonomisch-philosophischen Manuskripten von Marx - zurückgehen, nämlich dem Ideal einer Gesellschaft von Natur aus gütigen und moralisch exzellenten, brüderlich füreinander einstehenden, gleich entfremdungsfreien Menschen sich erträumen; diese Illusion wirkt unterschwellig wohl bis heute weiter, ist ja auch, zugegebenermaßen, faszinierend, aber doch unfruchtbar: völlig illusorisch: ein Wolkenkuckucksheim (Aristophanes, Die Vögel, V. 819 und V. 1821 und an weiteren Stellen: Νεφελοκοκκυγία; meint eine von den Vögel in der Luft erbaute Stadt dieses Namens, unter deren Namen der Komödiendichter Aristophanes, 445 – 385 v. Chr., freilich Athen verspottet) reflexionsarmer Sehnsüchte.

Dann findet man Politiker, die,
(d) marktliberal-technologieaffin, auf die innovative Kompetenz der deutschen Wirtschaft setzen, dabei am Ideal des materiellen Wohlstands als individuellem Daseins-Ziel und -Sinn
festhaltende Vertreter einer historisch (in der alten BRD) sehr erfolgreichen, daher ökonomisch privilegierten Schicht, die sich heutzutage allerdings zunehmend einer erdrückenden chinesischen Konkurrenz ausgeliefert sieht, s. o.), zumal deswegen mit dem Gedanken spielen - das wohl müssen - ihre Produktion ins Ausland zu verlegen, weil sie in Deutschland, ökofundamentalistisch gleichsam heimgesucht und überhaupt staatlicherseits bürokratisch geknebelt, sich nicht mehr werden halten können. Da blitzt auf ein fundamentales Versagen der deutschen Funktionseliten, die, weil sie in China zunächst Milliardengewinne machten, hinnahmen, dass deutsches Know-How in chinesische Hände geriet, die die von den Chinesen ihnen auferlegten ungleichen Bedingungen akzeptierten, die zumal an die Mär von Wandel durch Handel glaubten (s. o.), was beweist, dass sie, deutsch-blauäugig wie inzwischen immer, nicht annähernd das Wesen des Totalitarismus begriffen, nicht im Traum an die alte Weisheit dachten, dass Autarkie vor allem auch dem Mammon vorzuziehen ist, denn: verliert man die, dann kann man auch viel Umsatz machend: Geld verdienend, schleichend in wachsende wirtschaftliche Abhängigkeiten geraten; was inzwischen der Fall ist - ich sag‘s noch einmal, weil ich es überhaupt nicht begreife -: Deutschland ist erpressbar geworden; wie dumm und wie gierig muss man eigentlich sein, sich, sich die Umstände schön redend, dieser Gefahr auszusetzen. Trösten wir uns also damit, dass wir stets die Menschenrechte anmahn(t)en,*

Anm.*: Die zumal von Deutschland, für den Rest der Welt geradezu vorbildhaft, vorgelebt werden, einmal abgesehen davon, dass manche offenbar noch menschlicher als andere zu behandeln, ja unbedingt zu sakralisieren (zu „verheiligen“) seien …; das vielleicht aber auch nur, um die deutsche Polit-Naivität zu bedienen, die inzwischen wohl zu einem fundamentalen Bedürfnis - und nicht nur der politischen Elite - geworden ist; z. B. als der mentalitätszentrische Wunsch nach bunter Vielfalt, der indes verständlich ist angesichts der grau-farblosen Einfalt, die das Land inzwischen bis in seine Kerne ausmacht
--------------------------Ende der Anm.*

obwohl China nie einen Hehl daraus gemacht hat - dieses Land muss sich, sehr erfolgreich geworden, nicht in die Tasche lügen wie andere Länder -, dass es sämtliche westlichen Werte ausnahmslos ablehnt.
Technologieaffin? Warum nicht? Indes die KI (wie der Kapitalismus überhaupt) kulturdestruktiv wirken muss, indes unsere Ressourcen, alle, endlich sind … usw. usw.

Für mich ist es eher wahrscheinlich, dass wir, wir Menschen sind gemeint (nicht nur wir Deutsche), die Moralflöte zwischen den dünn gewordenen Lippen, in die für uns wesenstypischen Fallen rennen werden: Pleonexie, Determinismus, Illusionen, Lebenslügen, Korruption, Verantwortungslosigkeit, Niedertracht, Krieg, Angst, Hass, Neid, Vernichtungs-Sucht, also Affekt-Barbarei usw. usw., als dass wir - zumal bereits über 8 Milliarden umfassend - aus den kommenden, historisch beispiellosen Verwerfungen, also:
*Klimawandel (der riesige Migrationsströme auslösen, also auch zu massiven Auseinandersetzungen zwischen Menschengruppen führen wird)
*Wohlstands-Folgen: Der Zwang, den Wohlstand abzusenken,
*Ressourcen-Endlichkeit: (selbstverständlich auch, was die seltenen Erden anbelangt), einmal abgesehen von
*kulturellen Verwerfungen (psychoethische Verwahrlosung, Desorientierung, Dekadenz-Verfallenheit, also: Anomisierung von immer mehr Individuen) …
Also politisch marktliberal-technologieaffin sich ausrichten, auf die innovative Kompetenz der deutschen Wirtschaft setzen und dabei am Ideal des materiellen Wohlstands als individuellem Daseins-Ziel festhalten - wie soll das angesichts der Tatsachen auf Dauer funktionieren?
Falls ich nicht kompletten Unsinn geredet habe, was anbelangt *Klimawandel *Wohlstands-Folgen, *Ressourcen-Endlichkeit und *kulturelle Verwerfungen, dann begreife ich nicht, wie man auf Marktliberalismus und Technologie-Entwicklung setzen kann, sofern diese die Entwicklung von industriellen Verfahren meint … Nun: Man setzt auf neue Technologien,
die helfen könnten, die angesprochenen Probleme zu relativieren.

(e) zu einer traditionell sich christlich-konservativ verstehenden Partei, die - genauer: ihr Spitzenpersonal -
(i) vier massive Staatsversagen (2015 und 2016) zu verantworten hat - auch weil sie diese, es wohl könnend - nicht unterband - und
(ii) überhaupt es zuließ, dass eine bloße Gesinnungshaltung über geltendes Recht gestellt wurde (ein erstaunlicher Vorgang in einer Demokratie), zumal es hinnahm, nach links rückend,
(iii) dass ihr „Profil“ jedweder Kontur entkleidet wurde, so dass sie
(iv) einem gewissen Beliebigkeitsschlendrian anheimfiel; nicht zu vergessen,
(v) dass sie, obwohl mehr als anderthalb Jahrzehnte in der Regierungsverantwortung, praktisch die gesamte Infrastruktur des Landes dem Verfall überließ, obwohl man in jener Zeit - glaube ich- noch mehr Geld gehabt hätte, dem entgegen zu wirken.
Fakt ist, dass dieser Partei es sehr schwer fallen wird, in einer atheistisch-entfesselungsprogressiv-dekadent sich selbst entmächtigenden Konsumdiktatur (wie lange deren Wohlstandssause noch aufrecht zu erhalten sein wird, muss ich dahingestellt sein lassen; indes die Wirtschaft tut sich zunehmend schwerer tut mit der Hoffnung, dass das Land irgendwann einmal wieder den alten Status einer einst sehr erfolgreichen Exportnation würde wieder einnehmen können … obwohl der solche Hoffnungen dämpfende Klimawandel heutzutage nicht mehr zu leugnen ist) konservative Positionen wieder „attraktiv“ zu machen; diesbezüglich bin ich sehr skeptisch, zumal schon der grassierende Narzissmus dies unbedingt zu verhindern versuchen muss, um seine ichschwach-dümmliche, wenngleich auch die Individuen entlastende Flausen-Magie, ausleben zu können …
Diese Partei hatte eine historische Chance: Ihr Spitzenpersonal daran zu hindern, apolitisch-human-würdegeblendet-politmessianisch-christlich von sich selbst ethisch, also apolitisch, verzaubert/verführt/trunken, dem Land eine Last aufzuerlegen, die sich als schwerer Fehler herausstellen würde, als sich das der agape-bewegte, naive Christ auszumalen fähig war (und ist); es tat diesen Schritt nicht; und das war ein fundamentaler Fehler: Rechts von dieser Partei gibt es nun Platz für andere …und die finden zunehmend Gehör

(f) Folgerungen: Dergleichen Parteien (alle die angesprochenen) waren/sind solche, die - verantwortungslos-unsachlich-machtdilettantisch - massiven politischen Wirklichkeitsverlusten ausgesetzt waren/sind: von ihnen kaum bemerkter (oder aus Feigheit von ihnen nicht bemerkt werden sollender) Wirklichkeitsverluste. Ich nenne:
(i) China (von dem Deutschland inzwischen abhängig ist bis zur Erpressbarkeit)
(ii) Afghanistan (dort war die Bundeswehr 20 Jahre lang im Einsatz, ohne zu wissen, zu welchem Zweck und mit welchen Zielen)
(iii) Russland (was war man nicht aufgeblasen stolz darauf, mit Präsident Putin zusammen auf einem Gruppen-Foto zu sehen zu sein)
(iv) Migration (Schlüsselwort für eine völlig verfehlte Politik; man lese dazu den Spiegelartikel Nr. 10 vom 2.3.2019 „Abschiebung - Ein deutsches Desaster“; und man erinnere sich zumal an das was oben gesagt wurde: der Zeitgeist macht trash-affin, show-lastig, leerformel-hörig, effekt-gierig und ausdeutungsneurotisch-feige-verlogen-realitätsblind: die hysterische Sensibilität gegenüber bloßen Worten zwecks Fakten-Vertuschung, -Umdeutung und Ausblendung bewirkt in der deutschen Politik eine Außerkraftsetzung rechtsstaatlichen Handelns, tatsächlich ein auf Dauer gestelltes, tugendhypertroph fundiertes Staatsversagen …
(v) Infrastrukturprobleme: Das völlige Verrotten praktisch der gesamten Infrastruktur; in diesem Zusammenhang sehe ich die Notwendigkeit, die Vorschriften der bisher bestehenden
Bürokratie mindestens zu vervierfachen, um in einem absehbaren Zeitraum von sagen wir 80 Jahren, das Problem - vielleicht - in den Griff zu bekommen - freilich vorausgesetzt, dass in Zukunft überhaupt noch welche lesen, schreiben und rechnen können und zumal auch bereit sein werden, ihre Ansprüche betreffs Work-Life-Balance hintanzustellen, also z. B. auf den in jener U-Bahn-Ruine ergatterten Schlafplatz zu verzichten, denn der würde, bei einer Arbeitszeit von 3 Stunden/Tag, sicherlich von einem anderen guten Menschen belegt werden.
(vi) Korruption (im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie-Bekämpfung und überhaupt). Zu behaupten, dass sie, diese Korruption, grassiere, wäre gewiss unangebracht; ich kenne nämlich nicht das Ausmaß korrupten Verhaltens im politischen, militärischen, rechtlichen, behördlichen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, sozialen und privaten Bereich, gehe aber davon aus, dass es signifikant sein dürfte. Wieso? Der entschämte Mensch - und das ist der heutige Mensch als Narziss - muss als solcher sehr korruptionsanfällig sein; und wer das ist, ist politisch unfähig: machgierig, unsachlich, narzisstisch, prinzipien- und verantwortungslos
(vii) Landesverteidigung: Präsident Putin bricht tatsächlich einen Krieg vom Zaun. Ab Februar 2022 (obwohl es doch - zeitgeistideologiekorrekt - hätte gar keinen Krieg mehr geben dürfen! Schließlich ist der heutige Mensch human, friedliebend, tugendsam, sozialsensibel, mitfühlend, hoch gebildet, kurzum: gut) - und die Bundeswehr ist nicht in der Lage - nicht annähernd -, das Land zu verteidigen. Und damit sei’s genug.

Fazit:
(g) Das Handeln - ob teilweise korrupt oder nicht - der deutschen politischen Funktionselite gereicht dem Land seit nunmehr über 20 Jahren zum - inzwischen offenkundigen - Nachteil; u. a. aufgrund
(i) narzisstisch-tugendmonoman-eigensinniger Rechthaberei
(ii) geistiger Armut (vgl. oben Weber-Scheler: Sachlichkeit)
(iii) defizitärer Bildung und überhaupt nur geringer Reflexionskraft (ablesbar an dem, was die in Verantwortung stehenden Figuren von sich geben: Sie setzen auf Tugendleerformeln, Allgemeinplätze, taktische Ausreden, Ausweichmanöver usw. - auch weil sie außerstande sind, machtstrategisch-faktenkonform-ethisch zu d e n k e n, zumal ein Menschenbild pflegen, das beängstigend idealistisch, also: naiv ist; und mit diesem
(iv) auf die Unterordnung des Politischen überhaupt unter - rein machtstrategisch betrachtet - völlig weltfremde ethische Ideale, die einen selbst verwirren, in Nachteil setzen und dann herunterbringen, aber die Welt keinen Deut besser machen; denn: was diese, die Menschen-Welt (Staat, Gesellschaft, Institutionen, individuelle Seelenverfassungen usw.) stabilisiert, sind sachorientierte Machtausübung, Achtung und Durchsetzung des Rechtsstaates, geistfundierte Verantwortungsfähig- und -willigkeit, anerkannte Fach-Autorität usw. … aber niemals bloße Tugendwerte (Ethik/Moral), denn immer gilt (und auch dann, wenn es offenkundig ist, nicht sichtbar wird): homo homini lupus
(v) Ethisch-ideologischer Dauer-Verblendung
(vi) der Tatsache, dass die Menschen und ihre Probleme dem Ideologen gleichgültig sind, er aber an seinen Idealen hängt - er hat seine Ideale n ö t i g - wie der inbrünstig Gläubige psychoethisch an den Worten seines Gottes klebt
(vi) Kurzum: Die in der deutschen politischen Funktionselite dauerwirkenden politklerikal-messianisch-ideologischen Tendenzen sind mir, offen gestanden, suspekt, ja: ich halte sie für definitiv nachteilig für das Land; und sie gelten mir schon deshalb als fragwürdig, weil sie als rein wert- und eben nicht machtbasierte zum Tragen kommen sollen/angeblich zum Tragen kommen, obwohl doch offenkundig ist, dass, so Max Weber, „Alle politischen Gebilde Gewaltgebilde“ sind.

(h) Zusammenstellung einiger zuweilen (immer öfter?) krass zutage tretender, abstoßend-auffällig-mittelmäßiger Verhaltens-Eigenschaften des Personals der deutschen politischen Funktionselite; es sind diese, Auswahl:
(i) narzisstisch-wirklichkeitsverlustige Weltfremdheit
(ii) ideologisch-ethische Verblendung und
(iii) Leerformelhörigkeit, Phrasengläubigkeit und Selbstanspruchslosigkeit
(iii) sprachlich-rhetorische Defizite
(iv) humorlose Verstockheit, ein störrischer Infantilismus und eine emanzipationsfrigide Seelenkälte - und: Gewissenlosigkeit
(v) was völlig fehlt, sind Humor, Selbstironie, Faktenanerkennungsbereitschaft, das sichere Gefühl für das Angebrachte und der Verzicht darauf, andere in Sachen deutscher Polit-Tugend belehren zu wollen; u n d auch das fehlt:
(vi) die Einsicht in das tiefste Geheimnis aller Macht: Dass sie eine Fiktion ist, eine Droge eines ichschwachen Existenz-Dilettanten, der sie zwar haben mag, aber umgekehrt sie auch immer ihn, dass sie etwas ist, was auch nichts, nicht das Geringste, vermag gegen die absolute Nichtigkeit des menschlichen Daseins, welche einzig und allein zuweilen geistig, in Einsamkeit, distanziert werden kann, indem man sie anerkennt, ohne irgendjemanden dafür verantwortlich zu machen, ohne an ihr zu zerbrechen (was aber keiner je in der Hand hat). Und eben das ist menschliche Größe: Hinzunehmen, was es als man selbst seiend hinzunehmen gilt als Nebenprodukt der Selbstorganisation der bewusstlos-unschuldigen Materie: ein Leben lang sich selbst, den anderen, der Gesellschaft, der Zeit, der Epoche und ihren Zufällen hilflos als „eines Schattens Traum“ (Pindar) ausgesetzt, wohl wissend, um die Niedrigkeit des Menschen (Gen., 8,21), „weil das Sinnen/Streben/Trachten des menschlichen Herzens von Jugend auf böse/schlecht/verwerflich ist“. Indes wird man nachsichtiger sein müssen, wenn man bedenkt, dass da der Fluch der Mediokrität berücksichtigt werden muss, der, trifft er einen, bewirkt, dass man sich selbst ausgeliefert ist: geistlos-zeitgeisthörig, sich in sich selbst verheddert: schuldlos ausgeliefert ist der radikalen Diktatur zufällig-individuellen: unabänderlichen Soseins … bis ans Ende seiner Tage“.
(i) Art. 21 GG (1): „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung mit.“ Tun sie das? Ich habe meine Zweifel.
Denn diese Parteien versagen dabei zu oft. Umgekehrt: Ihr Personal der ersten Reihe verhindert eher eine solche politische Willensbildung, indem es täuscht, manchmal regelrecht lügt (und zwar meistens durch Verschweigen der Fakten), zerredet, propagandistisch manipuliert, sprachlich verwässert, dabei regelmäßig in grammatikalische Gefangenschaft geratend, ablenkt, übertreibt, leugnet, dauermoralisiert, implizit oder explizit sich selbst lobt, sich aufs Podest der Ehre und Verantwortungsbereitschaft hievt, sich anempfiehlt als kompetent oder eben auch seine Gegner (wie die es umgekehrt auch machen) verunglimpft, beschimpft, provoziert, süffisant andeutet, von Demut und Aufopferungsbereitschaft schwiemelt, Versäumnisse beklagt (allerdings nicht die eigenen), seine Verdienste (tatsächliche und angemaßte) herauskehrt, betroffen mit sich ringt, zerknirscht sich gebend wegen der Machtsucht der Rivalen, deren Unfähigkeiten anprangernd, indem es über seine eigenen überragenden Fähigkeiten sich ichtrunken auslässt, eigene Fehler, die nicht verheimlicht werden können, klein redet, Versäumnisse nassforsch angriffslustig so gesteht, als seien diese doch geradezu ein Hinweis auf seine Charakterstärke und Kompetenz, zumal es überhaupt unfehlbar sei, Meister sei im Unterscheiden des Belanglosen und Unsachlichen von den eigentlichen, von seinen Widersachern noch gar nicht erkannten Problemlagen (etwa von gesellschaftlichen und sozialpsychologischen, von infrastrukturellen, außenpolitischen wie kitarelevanten und schulischen Verwerfungen … jedenfalls „könne“ es, da dürfe die Wählerschaft sicher sein, Kanzler*in, ja mehr noch, wenn diese richtig hinhöre, um dann zu staunen und endlich aha! sagen zu müssen, weil eingesehen habe, welch großartige Persönlichkeiten sich da um das höchste Amt bewerben, also: gleichsam prädestinierte Führer aus der tugendlosen Weltlage, die es auf den rechten Weg zu bringen gelte mit deutscher Würde, Weltoffenheit, Vielfalt, Buntheit und Parteizirkel-Weisheit, die nicht umhin könne zu konstatieren, dass Macht in der Regel so schäbig sei, dass nichts anderes übrig bleibe, als dass man sie selbst erobere, um sie vor sich selbst zu bewahren usw.
Welche Zukunft tut sich angesichts eines solchen Polit-Dilettantismus auf? Jedenfalls eine solche bisher nie gekannter deutscher Ideologen- Sach-Perfektionen und Glückseligkeiten … so, dass sich sogar vielleicht die Chance eröffnen könnte, die renitente Welt mit deutscher Tugend in ein neues Kanaan zu führen. Damit sei dann auch folgenden unverschämten, arroganten und besserwisserischen Ein-/Vorwürfen der Boden entzogen: Dass das deutsche politische Personal faktisch dilettantisch sei; dass die Auslese dieses Personals nicht mehr funktioniere, dass man nur noch Mittelmaß finde ohne ausreichende fachliche, charakterliche, rhetorische und geistig-intellektuelle Eignung, dass man zwar einen brennenden Ehrgeiz bei diesem Personal bemerke, der aber aufgrund der geistigen Mittellosigkeit desselben nicht ansatzweise zu befriedigen sei. …
Kurzum: Das Ganze ist/könnte sein die gefährliche Farce einer westlichen Macht-Groteske, abgespult von einem begrifflos mit bloßen Worten oberflächenintellektuell tingeltangelnden Traumweltausdeutertum, das nicht mehr in der Lage ist, in seinem - sicherlich ungewollten - zuweilen verantwortungslosen Tun und Lassen den Kern eines möglichen Unterganges der okzidentalen, demokratisch verfassten Rechtsstaaten auch nur ansatzweise zu erkennen: weltweit mehren sich die Polit-Diktaturen, werden die demokratisch-rechtsstaatlich verfassten Staaten seltener werden. Und der dekadent-eskapistisch-wohllebenssieche Souverän ist weit davon entfernt, dies korrigieren zu können. Und warum ist das so? Nun auch deswegen:

Goethe, Faust V. 1994: Mephistopheles spricht:
„Schon gut! Nur muss man sich nicht allzu ängstlich quälen;
Denn eben wo Begriffe fehlen,
Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
Mit Worten lässt sich trefflich streiten,
Mit Worten ein System bereiten,
An Worte lässt sich trefflich glauben,
Von einem Wort lässt sich kein Jota rauben.“

Es ist tatsächlich so, dass ich - weil erpicht darauf, mich böswillig krittelsüchtig, wutentbrannt-irrational und niederträchtig-geifernd-empörungsentfesselt auszutoben - den Mitgliedern der politischen Funktionselite mitnichten an sich und wie selbstverständlich Korruption, Charakterlosigkeit, Hybris, Verblendung, Selbstgefälligkeit, Arroganz, Unsachlichkeit usw. unterstellen will (dies zu tun, habe ich schon deshalb nicht das Recht, weil ich diese Leute gar nicht näher kenne, sondern nur beobachte, geistig abtaste und affektrigoros erfühle, wenn sie sich öffentlich zu Wort melden) …
Nein: Ich habe immer öfter den Eindruck, dass sie ganz einfach unfähig sind, die Relevanz ihres Handelns zu ermessen, unfähig sind, ihre Amtspflichten zu begreifen, als Personen nicht ansatzweise in der Lage sind, sich um exzellenzsittliche, selbstanspruchselitäre, kurzum um Haltungen und Verhaltensweisen zu bemühen, wie sie etwa Mathias Schreiber und dem Obergriff „Würde“ aufführt, Selbstansprüche, Haltungen und Verhaltensweisen, die, wären sie bei den Repräsentanten der deutschen Politelite öfter - nicht inszeniert, sondern faktisch gegeben - anzutreffen, mich sehr beruhigten und jenen weitaus geneigter machten, als ich es gegenwärtig bin; es sind diese: Anstand, Feingefühl, Zurückhaltung, Schicklichkeit, Angemessener Ernst, Geschmackssicherheit, Anmutige Vornehmheit, Bescheidenheit, Charakterstärke, Angemessenheit, Besonnenheit, Ausgewogenheit des Urteils … Also: geistige Qualifikationen, die sich zwanglos mit den Weber-Scheler-Kategorien (s. o.) vereinen lassen.

Es ist gewiss - obgleich sehr menschlich: wir sind nie das, was wir sein sollten, sondern immer nur das, was wir sein müssen - fragwürdig, ja oft verachtungswürdig, wenn man sich etwa von der eigenen Macht blenden lässt, sich z. B. permanent zu überschätzen; aber es ist noch schlimmer, sich von etwas blenden zu lassen, was man gar nicht hat (Macht), weil vielmehr das, was man zu haben meint (eben Macht), einen selbst hat und zum Narren hält; am schlimmsten aber ist es, wenn man sich eine Selbsteinschätzung anmaßt, etwas virtuos (sachlich fruchtbar und von Verantwortung geleitet) handhaben zu können, ohne dass man dazu auch nur das geringste „Talent“ hat - und nur der hat kratisches (hier: machtinstinktiv unfehlbares, machtkämpferisches, machtstrategisches, machtnützliches usw.) Talent, dem der Abstand zu Pleonexie, Narzissmus, Selbstgier, ideologischer Selbst-Berauschung und Selbstbeweihräucherung lückenlos gelingt.
Gibt man indes nur leere Worte wieder, diese hin und her jonglierend in der Überzeugung, die kulturellen Verwerfungen seiner Epoche tatsächlich erfasst zu haben … fehlt einem zudem die Kraft zur Selbstbeherrschung, dann wird man auch nicht die Größe haben, von einer Sache zu lassen, für die man nun mal nicht geeignet ist. Und eben das ist heutzutage ein Problem: Jeder hat das Recht und die Freiheit, sich Kompetenzen zuzuschreiben, die er gar nicht hat; folglich sie inszenieren muss, um seine Ziele zu erreichen; das aber wird wohl nicht gelingen: Das Leben bestraft den Träumer, den Schauspieler, den Realitätsblinden, den Existenzgaukler immer … würde ich gerne glauben! Aber so ist es heutzutage - in einer Welt der Trickserei, der Show, der Wirklichkeitsverluste, des Populismus, der eskapistischen Dekadenz, der Hully Gullysierung der Innenwelten, usw. usw. - gerade nicht. Umgekehrt: Die heutige Gesellschaft giert förmlich nach solchen Formen des Selbstbetrugs: sie ist ja auch teilweise selbst dessen Frucht, dessen Hervorbringung, dessen laesio perversa (= widersinnige Verletzung), dessen verschundungsmonströse Niedergangs-Tragödie.

Daseinstatsachen (42/2)

Man ist nun mal sich selber ausgesetzt;
und das in jedem Augenblick.
Von Ich und Selbst, von Du und Wir gehetzt.
Lakai in einem anonymen Stück.

Auf sich allein dann angewiesen:
Auf Einsicht, Leistung, Faktenfluss.
Um nicht in Einbildungen zu zerfließen:
In Illusionen, Werten, Deutungs-Muss.

Um irgendwann dann zu verfallen
im Würgegriff der Altersschwächen.
Dann schon berührt von jenes Krallen,
der einen letztlich wird ans Nichts verzechen.

Und das wird’s dann gewesen sein:
Ein Zufallslauf durch Sinnfiktionen.
Auch davon abzulenken, dass man ganz allein
nur Scheinglück jagte: Knecht Bedürfnis-Zonen.

Materie-Gebilde/Naturwesen unter anderen: Der Mensch (1) (42/3)

Dass Herr man seines Daseins sei,
das muss man glauben; ist es aber nicht.
Ist Selbstverfügung doch ein Trancegesicht:
Entlastungsträumerei.
Man ist in jedem Augenblick gefangen
in Multiperspektiven-Illusionen,
in Faktenzwängen, unbewussten Relationen,
gelenkt von Hoffen, Wünschen, Bangen.
Komplexitätsgefüge, permanent getrieben
von subsozialen Anwandlungen,
zumal als Selbsteinheit sich nie gelungen,
ist man ein Knecht von Stoff-Belieben:
Pleonexie, Narzissmus, Korruption
und schmeichlerischer Phraseologie,
die Würde propagiert als Kollektiv-Magie:
egalitären Kreaturen-Mohn.

Materie-Gebilde/Naturwesen unter anderen: Der Mensch (2) (42/4)

Was hab ich nicht schon alles festgestellt:
Schein, Lebenslügen, Illusionen;
Vor allem Hass auch, Neid, Vernichtungs-Lüste
und Selbsterhöhungsarroganz.
Ich bin ja selber so: Ein Feld
von pathologisch-wirren Seelenzonen.
Von denen ich am liebsten gar nichts wüsste.
Allein: Sie sind Human-Substanz.

Kurzum: Wenn mir’s auch nicht gefällt:
Die Eitelkeit will ihre Kronen.
Wer wär ich denn, wenn ich nicht selbst mich küsste
als höchstes Gut und hehrste Seins-Brillanz?

Materie-Gebilde/Naturwesen unter anderen: Der Mensch (3) (42/5)

Ich tu mir schwer,
mich zu bekennen
zu jenem Standpunkt,
der der wahre wäre.

Zumal als Kunde
ich bin würdeleer,
ein Nichts
in diesem Mammon-Rennen,
in dem ich selbst mich
permanent begehre
als Zeitgeist-, Markt-
und Spaß-Adjunkt,
als Teilchen-Ding,
das leibsiech prunkt.

Dann: Dass ich gar nichts zähle,
ist mir völlig klar.
Am wenigsten als Wesens-Dignität.
Geht’s letztlich darum doch,
dass ich mich quäle,
meint: rette,
in des Grabes Sand.
Als meiner Heimat
diesem wieder eingesät:
als Hyle,
die nach Hause fand.

An Deutschland (42/6)

Es wird schwierig, Deutschland;
bist du doch zu dekadent,
viel zu alt auch, primitiv
und: zu pseudotugendsam.
Ein Opfer hedonistischen Erlebens,
wohllebenssüchtig deklassiert,
zumal entschämungslüstern
dauerinfantil.
Dir fehlen Ziele, Halte,
Zukunftszwecke;
du bist vor allem
geistig ruiniert:
ein kulturell verarmtes Land.

Indes ich wein dir
keine Träne nach,
magst meinetwegen
auseinanderfallen.
Mich rührte das,
ergriffe das mitnichten.
Weil ich verachte dich,
schon drei Jahrzehnte,
dich Hülse einer Würdefloskel,
dich Lügen-, Illusionen-Feld.
Dich tief gesunkne
Staatsschauspielerbrache.

Indes die letzte Strophe
schrieb der Zorn;
und der ist maßlos,
rasend, blind.
Kein Wunder also,
dass er täglich tobt;
fühlt er am Werk doch
jene Müdigkeit,
die insgeheim so
typisch ist für dich:
Die jenes Lindenbaums,
der nun in Gossen steht,
von Dekadenz, von Mammon,
Selbstverlust auch rauscht.
Des Nihilismus
und der Anomie,
der Gaunereien,
der Erbärmlichkeit,
der Selbstverachtung
anonyme Frucht.

Heutiger Tag (42/7)

Seelen-Routine, Leere, Alleinsein,
Ekel, Teilnahmslosigkeit …
Man fragt sich, ob man überhaupt noch
weiter machen soll.
Man hat sich das schon oft gefragt.
Eine Antwort findet man nicht.
Es gibt einfach keine.
Keinen Grund, weiter zu machen,
keinen aber auch, ein Ende zu setzen.
Emotionale Wertfrage das,
rational gar nicht zu beantworten -
Aber auch übersät von Tiefbläue
und Wolkenweiß,
Erscheinungen von schönen Körpern.
Manifestationen bewusstloser Pracht
materieller Gebilde teilchengenerierten
Zusammenspiels -
Wenn auch schon angeschlagen
von hinterhältigen Kühlen
und treulosen Schatten, die sich,
skrupellos, dem Herbstdunst hingeben,
der so verräterisch
den späten Sommer durchzieht.
Auch hier Überwältigung,
Hinweise auf Vorüber und Ende.
Fraglose freilich, weil jenseits der Plage
des Unentscheidbaren.

Künstliche Intelligenz (KI) (42/8)/Sonett

Es gibt nun einmal keine Hochkultur
aufklärerischer Markt-Demokratie.
Die tugenddilettantisch gottlos sein,
in Nihilismus letztlich enden muss.

Ein Warenparadies der Täuschung nur,
des Zwangs zu glücksentwöhnter Apathie,
sich selbst zu retten, da doch ganz allein,
in Selbstverdinglichung qua Spaßkult-Plus.

Da kann am Ende helfen nur KI.
Zu wandeln einem diese Ich-Tortur
in anonyme Lenkung, technisch rein.

Die niemand mehr begreifen wird, da Vieh
der Perfidie perfekter Diktatur:
Erlösungsmacht als Paradies-Vorschein.

Der Lauf der Dinge (42/9)/Sonett

Was immer ich als ideales Selbst mir wäre,
ich muss primär mir als empirisches gelingen.
Verflochten Artgenossen und dem Zwang von Dingen.
Vor allem aber Einsamkeit und dieser Leere
der technologisch-wissenschaftlichen Misere
die rational mich hindert, mich noch durchzuringen,
mich geistig-kulturell so vor mich selbst zu bringen,
um mir zu nehmen ihres Nihilismus Schwere.

Zumal ich weiß: Sinn, Halt und Glück kann’s nicht mehr geben.
Noch Seelengröße, Heiterkeit und Selbstdistanz.
Man kann sich nur noch als Systemabklatsch ausleben:
Als reizgetriebne, inszenierte Ignoranz,
erlebnisfatalistisch Lagen zu verschweben
von progressiv letalbarbarischer* Brisanz.

*letal = tödlich

Mir selbst abhanden (42/10)

Substanzverdinglicht lungern wir dahin:
Als Kundenvarianten.
Zuweilen greifend nach Belämmerungen.
Nach solchen ohne Sinn.
Doch tröstet mich:
Es ist bald ausgestanden,
auf leerabstraktem Marktkultstrich,
mir selbst zu sein abhanden.
In diesem Dasein,
kaum mir doch gelungen:
Gehaltsentkerntes Reiz-Ansich.

Staatstheologie, Tugend-Masochismus 
und Realitätsverlust (42/11)/Sonett

Das ist so einer dieser tristen Nachmittage,
da ich mich angefremdelt von der Menge löse,
der Ausdrucksarmut siecher Innenstadtgelage
als Tugend-Masochismus, wabernd ins Monströse.
Geschuldet Staatstheologie ganz ohne Frage,
die sich in Straßen zeigt als korrumpierte Blöße:
Realitätsverlust, der Halbbegabten Plage …
Idealistenfeldzug deutscher Selbsthass-Größe.

Indes die Psychen schlichter Menschen sich verfließen
in Stumpfsinn, Einsichtslosigkeit und Eitelkeiten,
dem Fatalismus folgend ihrer kalten Augen,
die ihre Ausdruckslosigkeit ins Leere gießen,
entlarven sich als mittellose Markteinheiten,
die, geistig tot, aus Reizen sich und Einfalt saugen.

Ein anonymer Nihilismus (42/12)

Glaubst du,
ich wüsste nicht, was läuft?
Dass da
ein Nihilismus blüht,
der einen täglich
etwas mehr aussäuft?
Um den sich jeder täglich
selbst bemüht,
nicht fähig,
ihm noch auszuweichen,
Weil er nicht lesen kann
die Zeichen?

Hingeworfenes Gedichtchen (42/13)

Das Größte ist zuletzt die Einsamkeit,
ist man in ihr doch immerhin entronnen
der leeren Hysterie der Zeit,
die unvernünftig ist und dummdreist unbesonnen.
Geschickt indes, zu mehren sich ihr Leid.

Da ist doch nichts mehr ernst zu nehmen,
da tote Seelen und Charakterlose,
die Macher auch erfolgreich sich entschämen,
sich feiern als der Tugend Große,
korrupt sich Zeitgeist zu bequemen.

Die Einsamkeit das Größte? Allemal.
In ihr allein gehört man selber sich.
Verdingt sich nicht dem Kundengral:
Totalitärem Ich.
Gehört dem Geist. Und nicht der Zahl.

Unentrinnbares Schicksal (42/14)

Ichschwach sind die allermeisten.
Oben. Unten. In der Mitte.
Kurz: Die größre Zahl.
Derer, die sich selbst entgleisten.
Freilich sind sie nicht zu tadeln,
denn sie hatten keine Wahl.
Werden sie auch nie mehr haben:
Wer kann sich noch selbst sich leisten?
Knecht doch intellektueller Schritte?
Auch ist es, vereinzelnd, schwer,
dieser Posse Last zu schultern,
faktisch nämlich ist sie leer.
Nur der Geist noch kann da adeln,
bieten diese stillen Waben
anonymer Gegenwehr.

Zukunft nach KI (42/15)/Sonett

Beherrschen werden dich die Apparate
und anonym agierende Eliten.
Du wirst aus eignem Antrieb dir verbieten
jedwede Regung subjektiver Grade.
Wirst fristen müssen als Systemmonade
dein Dasein (falls dir eins denn wird beschieden),
dich nach KI-Zwang optimiert zu schmieden
zur um sich selber drehenden Fassade.

In jedem Fall wirst du als Sklave leben:
Prekär gegängelt, innerlich allein.
Nie werden Transzendenz und Zweck dich heben:
Du wirst nur noch Verfügungsmasse sein.
Ein Algorithmen-Paria, ergeben
sinnloser Ratio immanentem Nein.

Zynischer Pragmatismus (42/16)/Sonett

Ist nichts mehr da, um Sinn auch nur zu ahnen.
Entpuppt sich jeder doch als leere Delle
an stumpfer Seelen toter Geistesschwelle.
Das ist das Los der Spätzeit-Karawanen:
Des Zeitgeists Heeren, die sich online planen,
sich so zu träumen eine Daseinszelle
von Trivialbrisanz im Spaßgefälle,
sich inszeniert durch diese Farce zu bahnen.

Na wenn schon? Ist’s doch so: Sie funktionieren,
indem sie permanent sich selbst missbrauchen.
Sie mögen grölen, auf ein Smart Phone stieren …
Solang sie morgens im Betrieb auftauchen,
die Miete zahlen und am Recht nicht rühren,
mag sie als Psychen-Pool der Markt sich stauchen.

Ohnmachtsabklatsch (42/17)/Sonett

Tatsächlich bin ich geistig freigesetzt:
Kam doch das Wertreich ‚Wirklichkeit’ abhanden.
Ich treibe so dahin, zum Rand gehetzt.
Als Abklatsch eitler Daseinssimulanten.

Die, ichschwach, als Personen tief verletzt
sich haben hingegeben Spekulanten.
Die Regeln pervertierten und zuletzt
die Macht sich griffen als globale Banden.

Was mich das freilich subjektiv beträfe?
Narzissten steuern meine Existenz
und Ohnmacht kriecht mir an die Schläfe:

Kein Souverän. Kein Staat. Nur Marktdemenz.
Verwahrlosung der Kerne. Ich? Eleve*
im Gierlärm nihilistischer Lizenz.

*Eleve franz.: Schüler (élève)

Prosafetzen (103) (42/18)

Pausenlos wummern
die Emotionsorgeln:
Belämmerungssensibel
wertschätzende und
pansakralisierende
Polit- und Marktfinten,
realitätsflüchtige Verbraucher
ihren unbegriffenen
Selbstentäußerungen
verdinglichungsselig
gefügig zu machen.

In sich selbst gefangen (42/19)/Sonett

Dies Dasein ist nun mal ein Trug- und Zufalls-Spiel:
genetisch, von der Herkunft her und dann sozial;
existenziell indes eindeutig ohne Ziel.
Auch ist man selbst sich Knecht: Bedürfnis, Lust und Zahl.

Man hat sie nicht - wie man’s gern träumt und hofft - die Wahl
sich selbst es zu verschaffen: dieses Glücksgefühl,
das einen hebt, hält, trägt und leitet ohne Qual
durch’s Leben, weil es einem als Geschenk zufiel.

Zumal ja ausgeliefert ist den Illusionen,
die’s aus Vernunft doch braucht, zu steuern das Verlangen 
von uns Subjekten, die doch Macht und Haben fronen,
getrieben werden so von Homos Wesenszangen,
die gierig lauern in den unterdrückten Zonen,
in deren Tiefen wir sind hilflos selbstgefangen.

Was Glück sei (42/20)

Sich der metaphysischen Illusion
einer vollkommenen Geborgenheit in Gott
geistbegnadet und selbsttäuschungsvirtuos 
fraglos hingeben können …
Sich selbst: Dieses völlig heteronome,
sich radikal drangsal-, allbedürftig-
trieb- und also objektsüchtig verfügte
atomare Gebilde,
in faszinierender Sprachmächtigkeit
sinnträchtig transzendieren zu dürfen …
Die seelische Kraft, den unvermeidbaren Einsichten
in den Pan-Nihilismus unserer modernen Existenz:
Einer zukunftslosen, barbarischen Ratio-Agonie,
so gewachsen zu sein,
dass man nicht an ihnen zerbricht,
vielmehr die Auszeichnung begreift,
ihrer teilhaftig geworden zu sein …
Kunst machen zu können und so sich selber los zu sein:
Vollkommen entledigt seiner selbst.
In zeitlich unbestimmter,
innenweltwirrer Unbeständigkeit
aus der chaotischen Magie der Broca-Neuronen,
der Worte, der Grammatikstrukturen,
der werdenden Zeilen, der Begriffsmächtigkeit 
und der Welt entbindenden Berührung des Absoluten,
mühsam ein Gedicht aus sich selbst
heraus zu locken,
scheinbar welt- und selbstlos dabei …

Und deshalb vollendet glücklich zu sein,
weil schaffend und im Schaffen
das vor sich hinstellend,
was es an und für sich ist:
Daseinsdistanzierendes Erlösungshandeln.

Kleine Katze IV (42/21)

Trost mir, Sinn und Halt der Stunde,
kleine Katze, schönes Tier,
bist du … Selbst die Daseinswunde
linderst, mehr noch: schließt du mir.
Auch wenn du zu zaghaft bist,
streicheln, halten dich zu lassen,
wirkst du mir als Gottes-List,
mich zu betten Sehnsuchtsmassen.
Lässt du doch im Jetzt und Hier
mich vergessen, das, was ist:
Dass der deklassierte Kunde,
dieser Abklatsch voller Kassen,
der sich nur noch selber küsst,
muss sich radikal verpassen.
Kleine Katze, komm doch her;
lass dich in die Arme nehmen;
dann wird alles, was jetzt leer:
sinnlos ist, sich seiner schämen …
den Momenten dieser Stunde
abgewinnen sanfte Frist.

Bis zum bitteren Ende (42/22)

Privilegiert durch genetische Gnade,
bewahrt von der tragenden Fiktion
einer durch mein sprachlich
fiktionalisiertes Wesen gleitenden Gottheit,
die mich weit
über mein kreatürliches Dasein hinaustrieb,
einer Geistigkeit verpflichtet,
die mich feite gegen mich selbst,
meine niederschmetternden Einsichten
und zuletzt auch gegen diese
gewaltigen Hyle-Stillen,
durch dir wir alle,
in endlosen Illusionen befangen,
lebenslang sinnlos dahintrudeln,
werde ich mich, substanzneugierig,
psychisch aufrecht erhalten haben 
bis zum bitteren Ende.

Den Eltern (42/23)

Tage der Erinnerungen suchen mich heim,
bedrücken, trösten, wühlen mich auf:
Die besten an dich, Mutter,
angstverhärmte Herzensgute.
Die traurigsten an dich, Vater,
Beispiel einer in jeder Hinsicht
gescheiterten Existenz:
Asozialität verwoben von vornherein,
Tagelöhner, Hitlerknecht,
Gulagnummer, Hilfsarbeiter …
Seelentoter Kleinbürger zuletzt.

Ich hoffe indes, irgendwann noch 
die Worte zu finden, euch als Personen 
in einem Gedicht herauszuheben 
aus eurer deprimierenden Kleine-Leute-Misere,
einem Gedicht,
vergeblich dann freilich
hinter euch hergeschrieben.
Denn, ich muss es mir eingestehen,
ihr würdet es nicht schätzen,
es nicht verstehen können,
Daseinsschatten, ein Leben lang gebunden
an Hilflosigkeit, Demütigungen, Scheitern
und Gramschweigen.

Ein paar Zeilen freilich,
offen legend und redlich sagend,
was ihr wart:
Tapfer hilf- und mittellose,
existenziell, kulturell und politisch
alldeklassierte Erdulder
einer euch unbegreiflichen Welt …
Vor allem auch um meinetwillen.

Demokratie und Parteienoligarchie* (42/24)/Sonett

Noch immer kann ich’s: Geistig wach und scharf,
die Dinge kalt und faktentreu auch sehen.
Mich zu verweigern jedem Trugbedarf,
Beschönigungsballast mich hinzusäen.

Wie ethischem, der zeitgemäß dann darf
sich als politgenehme Wahrheit blähen.
Obwohl ihn Quote oder Taktik warf,
sich auszublenden das Realgeschehen.

Demokratie? Wie Würde* elitär.
Ja: Alles Hohe, Ernste, Seriöse.
Parteispielball bleibt sie indes nur Mär.

Entstellt, korrupt und geifernd ins Monströse.
Zu halten sich ein Infantilen-Heer.
Flach wie man selbst und ohne jede Größe.

*Würde als Einsichts-, Stolz- und Selbstbewahrungsfähigkeit - 
gegen die lückenlose Selbstverdinglichung seiner durch die verführerischen  
Markt-/Zeitgeist-Verlockungen: Rauschhafte Entlastungsbelämmerungen. 

Prosafetzen (285) (42/25)

Wäre freilich wahr,
dass jeder sich selbst
der Nächste ist,
müsste die Welt eigentlich
wesentlich besser sein.
Da sie es aber nicht ist,
liegt das wohl daran,
dass kaum jemand weiß,
was es heißt,
sich selber der Nächste zu sein.

Anonym (42/26)

Zufallsdasein, zu sich selbst verdammt,
und zumal nur Spielball noch
rationaler Spätexzesse,
ist man selber sich benommen,
muss sich dauernd inszenieren,
zeitgeistflach nach Marktvorgaben:
Formelauswurf, schicksalslos.
Ohne Selbstverständlichkeiten,
ausgesetzt dem Immergleichen,
kompensiert durch Reiz und Phrase.

Prosafetzen (98) (42/27)

Wieder einmal
nehme ich die Fährten
in meine Kerne auf.
Längst als
unausweichlich umstellte
von mir entlarvt:
Solche einer Zeitmonade,
multirational gedungen
einem Zufallslauf an sich.
Bereit indes,
mich meiner Ohnmacht
- der existenziellen wie sozialen,
der politischen wie kulturellen,
der ökonomischen wie der geistigen -
hilflos zu stellen.
Auf dass mir begegne
die Kälte der Welt,
der Unworte Trauer,
die Leere der Seelen,
die so sich verramschen,
die so sich vergessen
als gramreich verschäbigt.

Aufbegehren (42/28)

Das alles ist so ehrlos trivial:
Nur neoliberale Idiotie:
Gewissenloses Bacchanal
als Ratio-Agonie.
Evolutionsvertrackt Momentlabsal
für würdelose Ich-Magie.

Indes ich selber lebe auch davon.
Und das ganz gut bisher.
Ich giere auch nach Drogen-Mohn
in diesem Surrogate-Meer:
Längst sein Idiot doch schon,
obliegend infantilem Selbstverzehr.

Das will ich nicht zu Ende bringen,
nicht still mich selbst verlassen.
Das Ganze? Doch ein Ringen
um Glücke, nur als Negation zu fassen,
um technisch ingeniösen Schlingen
sich Ohmacht hörig zu verprassen.

Individualisierungs-Spreu (42/29)

Nun Selbstverständlichkeit,
die gibt’s nicht mehr.
Nur Perspektiven, Waren,
Gleichungs-Fakten.
Und Tugendformeln,
metaphysisch leer,
verarmte Psychen
sich zu takten.
Die von Verbrauchern,
die sich delirieren:
Die sich erleben,
nicht erfahren.
Und sich erlebend inszenieren, 
um so sich
vor sich selber zu bewahren.

Von dir, von mir
ist auch die Rede,
uns Krüppeln
dieser pseudorationalen Sause
in nihilistisch-aggressiver Späte:
Des Mittelmaßes Wohlstands-Flause.
Wir wissen beide,
selbst Fragmente,
verlebte Resignierte,
dass nichts mehr ist,
das uns noch
irgendwie verbände,
uns geldverknechtete
System-Blasierte.

Die objektive Lage (42/30)/Sonett

Beständig heimgesucht vom Gram der Tage,
verbringe ich sie völlig resigniert.
Auch weil sich mir die objektive Lage
als stets diffusere doch präsentiert.

So frag ich öfter mich, ob sie noch trage,
nicht vielmehr längst schon schleichend kollabiert?
Wer weiß? Ich spüre geistwach sie als Krake,
die, das steht fest, mich als Person negiert.

Und ist es so, wie sinnlos ist dann diese
vernichtungsanonyme Ich-Ananke,
die schrill daherkommt als des Daseins Süße.

Als ob, wer anders fühlt, an Inhalt kranke …
Bloß dass man nicht erahne, dass sie grüße
als zum Totalzerfall hin offne Flanke.

So kommt es mir vor (42/31)

Liebe als Polit-Askese,
so wie Rock-Musik und Sport …
Emotionen-Exegese
gegen Geist und Wort.

Kollektive Hirndressuren,
sich entfremdet auszurüsten
gegen hochkomplexe Spuren
als Konsum-Artisten.

Beute so den Zeitgeist-Keulen:
Medien, Kapital, kurz: Schund,
die zu schwache Psychen-Säulen
rammen in den Grund
subjektiver Phantasien:
Freiheit, Spaß und Selbstwert-Blasen -
Expressive Onanien
auf codierten Einbahnstraßen.

Selbstaufgabe I (42/32)

Selbstaufgabe: Würdeschimmer?
Zu entrinnen Spaß-Tiraden:
Schoflem Marktknechtschaftsgeflimmer,
durch ein Meer von Ramsch zu waten?

Kenne eine, die erlaubt,
noch sich selbst zu übersteigen,
wenn man Rat und Einsicht klaubt
aus Verdrängen, aus Verschweigen:
Aus des Daseins Niederungen,
aus der Ratio Grundgeschehen,
zufallstragisch ausbedungen
diesem Triebknecht steter Wehen.

Selbstaufgabe? Im Gedicht!
Welt entwunden Wort geborgen:
Ich-Flucht ohne Stoffgewicht,
geistgeführt durch Wahn und Sorgen.
Metaphysisch dann gewendet,
dass auch als Atomgefüge,
sehnsuchtsstill von Sinn geblendet,
man sich Nu-Vollendung wiege.

Homo homini lupus* (42/33)/Sonett

Wer sich der Einsicht fügt, hat Sinn vertan.
Und hat die Fähigkeit zu Glück verloren.
Das Hobbes*-Axiom erkennt als wahr er an
und fasst es so: Pleonexie geboren,
Gemeinheit hörig, Lust und Größenwahn,
ist er sei’s Angst, sei’s Niedrigkeit verschworen.
Den meisten, hilflos, bleibt nur diese Bahn:
Doch Zufallswürfe stofflicher Pandoren*.

Und doch: Nur selten radikal zerrissen,
war ich mein Leben lang an Glück gebunden.
Die Würfel fielen mir, wie sie es müssen,
wenn sie verhindern sollen Gram und Wunden:
Dass unter schwerster Last auch noch von Wissen,
man darf zu Heiterkeit und Geist sich runden.

*lat.: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“
*Hobbes, Thomas, englischer Philosoph, 1588-1679
*Pandoren griech.: „All(es)-Geberinnen“. Pandora 
war die von dem Gott Hephaistos geschaffene erste Frau. 
Sie trägt alles Unheil in einem Gefäß und bringt es 
unter die Menschen (Männer). Die stofflichen (materiellen) 
„Pandoren“ sind die bicht weiter teilbaren Teilchen der Quarks 
und Elektronen (aus denen wir bestehen; s. Weltanschauung (A))

Entrinnen (42/34)

Ich habe meistens gar nicht stattgefunden.
Warum, das weiß ich auch nicht so genau.
Synthetisierte nur, an nichts gebunden,
imaginären Ich-Abbau.

Als ob das Hirn sich Schleier würfe
und Nebel triebe zwischen Ich und Ding.
Ob’s was bedeute, ob ich’s dürfe:
Was fragt danach ein Sonderling?

Oft sitz ich da und starr ins Leere,
fühl Bilder an, Fiktionen und Begriff,
um zu entkommen der Sozialgaleere
und ihrem Artefakten-Schliff.

Unversöhnlicher Hass (42/35)

Ich sag’s dir, ohne Zeugen, einmal offen:
Ich weiß, du trägst nicht ein Gran Schuld.
Und trotzdem fiele meine Schein-Geduld.
Wär da Sanktion nicht … du wärst längst getroffen.

In den beiden letzten Jahrzehnten 
fast schon täglich mitbekommen (42/36)

Der Funktionär führt unverfroren jetzt das Wort:
Gleich diesem Amtsinhaber dreist vor Laune.
Man lobt sich selbst zuerst und dann den Sport.
Dass ich als Wahlstimmvieh da nur noch staune.
Längst herrscht das Mittelmaß. Egal, wobei.
Man spürt’s schon an dem faselnden Geraune.

Am besten schmückt ihr euch das Konterfei
(im Einvernehmen mit den Wirtschaftsbossen)
mit der bereits gewohnten - impliziten - Sauerei:
„Wir halten auf die Mäuler und die Flossen.
Wir stützen Seilschaft, Korruption und Klüngel.
Nach uns die Sintflut dann aus allen Gossen.“

Einsicht und Folge (42/37)

Was soll man ernsthaft noch erwarten
von einer Existenz, die nicht viel taugt;
die einen reduziert auf nur zwei Sparten:
den Markterfolg, der die Person aussaugt,
und Zwangsgenuss, der alle Glücke hemmt
und alle Freuden faktisch liquidiert;
indem er Surrogat und Traumwelt kämmt
in Einheitspsyche, mediendominiert?
Doch nichts. Mit radikaler Konsequenz
für sich zu bleiben ohne Illusionen;
und zu verzichten auf den Druck der Trends,
prekärer Augenblicklichkeit zu fronen.


 

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