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Diese Seite enthält 63 Gedichte

Ausweglosigkeit (3/157b)1

Was kam mir hier nicht alles schon zu Ohren!
In diesem Hirnreich gaunerhafter Tricksereien,
das, hilflos Dekadenz vergoren,
schafft Hochkorrupte und Lakaien.

Man unterliegt hier einem objektiven Zwang,
sich seiner zu entfremden;
sich anzudienen permissiv Enthemmten:
Gewinnern ohne Selbstbelang.

Gesteuert von subtilen Despotien
verzückungspraller Daseinsdrogen.
Zu höchsten Gütern protzend hingebogen,
dass noch die rohsten Seelen glühen.

Während der Wartezeit in einer Hausarztpraxis (1)
(3/158)2

Es fällt mir manchmal schwer zu atmen;
es quälen Juckreiz mich und Rheumaschmerzen,
die mich dann hemmen auch beim Laufen.
Und auch das Herz macht Schwierigkeiten.

Freilich kann ich kaum was machen;
ständig heimgesucht, geschwächt,
physisch drastisch so herabgemindert.

Nun: Ich bin Verfall verfügt;
freilich schon das ganze Leben,
nur jetzt spürbar Tag für Tag.
Auch weil sich das Ende naht.

Also alles auf mich nehmen,
Antriebslosigkeit bekämpfen,
jeden Daseinsekel meiden.
So seh ich die ganze Sache -
kann man völlig anders sehen.

Jedenfalls: Ich lenk mich ab,
denk vor allem drüber nach,
wo ich wie denn nunmehr lebe:
In mir ziemlich fremder Welt,
die ich zu begreifen suche,
in Gedichten mich ihr nähernd.

Viel ist dazu nicht zu sagen,
außer vielleicht Folgendes:
Mir erscheint sie ziemlich fad:
Trimmt die Menschen auf Konsum,
bietet nur noch dessen Glück:
Immergleich sich zu erleben,
abzulenken von sich selbst.

Muss das freilich, geht nicht anders,
weil der Wohlstand drauf beruht:
Der kann nur erhalten werden,
wenn sich Menschen selbst aufgeben,
dienen Markt und nicht sich selbst.

Während der Wartezeit in einer Hausarztpraxis/
Beobachtungen von Straßengetümmel 
von einem Balkon herab (3/159)3/Sonett

In sich versunkne, allgestresste Leute,
fast hektisch aggressiv und alltagsfad;
halt eben indirekte Wohlstandsbeute
nach allgemein verdrillter Psychen-Naht:

Man giert nach Spaß, kennt aber keine Freude;
ist lustlos passiv ohne Kraft zur Tat:
Der Anstrengung, dass man sich selber deute
als wirtschaftlich erwünschtes Resultat.

Indes ist’s schwer, sich subjektiv zu greifen:
Als radikal verdinglichte Monade,
gezwungen, hilflos durch sich selbst zu schweifen.

Orientierungslos in einem Grade,
in dem sich Waren, Trieb und Selbst verschleifen,
sich zu vereinen nach des Marktes Gnade.

Fundamentale Täuschung (3/160)4

Monologe. Nichts als Monologe.
Ein ganzes Leben lang nur Wort-Gefangenschaft.
In Deutungs-, Stimmungs-, Wir-Gewoge.
In die man sich als Leibgefüge rafft.
Tatsächlich spricht man nie mit sich.
Berührt sich allenfalls im Bann der Einsamkeit.
Man kämpft sich durch als fremd gesetztes Ich:
Gesellschaftlicher Scheit.
Und trifft man dann sich doch einmal,
erkennt man all die tiefen Widersprüche,
die man, sich festgelegte Qual,
erkennen muss als Wesensbrüche. 

Realitätskonformer Gedanke (3/161)5

Ach diese gähnend-dumpfe Langeweile.
Ich habe wirklich nichts zu tun.
Vielleicht ja könnte eine Zeile
mir jene nehmen … Nun
ich will es gerne mal probieren.
Es mag ja sein, mir fällt was ein.
Es muss ja nicht gleich faszinieren,
schon gar nicht eine Weisheit sein.
Nur ein Gedanke eben, der korrekt
die Lagen wiedergibt,
sie also grade nicht versteckt …
und folglich nicht an Lügen nippt.
So etwa der, der dies dir rät:
Vermeide diese Zeitgeisttyrannei,
die an der Psychen Gleichgewichte nagt …
schafft marktverfügtes Traumwelteinerlei,
das  dann Gedankenarmut sät,
von sich ergriffen, da von Einsicht frei.

Man-Magie (3/162)6/Sonett
(Gemeint: Das Man* in Heideggers „Sein und Zeit“ 1927, §§27, 38)

Stets ist man in sich selbst zurückgebogen,
erfasst so kaum noch das, was objektiv
sich abspielt als verschlungenes Geschehen.
So dass man immer nur vermuten kann:
Ist’s Einsicht, sind’s Entlastungsdrogen,
was man sich aus sog aus dem Kollektiv
der Mutmaßungen und der Wertewehen,
aus deren Deutung stets Diffuses rann.

Indes mit einer Klarheit ohnegleichen
begreife ich die Lage immer dann,
wenn ich mir deute meine eignen Zeichen:
Pleonexie verfügt zu sein im Bann
von Kerndiktaten, die mich selbst durchstreichen.
Mich meiner selbst entfremden: Wahn des Man.

Man* (das): Das unpersönliche gesellschaftliche 
Kollektiv-Subjekt der durchschnittlichen Meinungen, 
Haltungen, Präferenzen, Wertungen, Stellungnahmen, 
Reaktionen usw. usw.

Unvereinbare Perspektiven (3/163)7/Sonett

Geht’s Ihnen auch so, dass Sie manchmal glauben,
das Beste wär’s gewesen, nicht geboren,
nicht hier zu sein, wo man sich selbst ausrauben,
verraten muss, an andere verloren?
Wo man aus Deutungswirren Wert muss klauben,
auf Sieg und Trieb und Status eingeschworen,
der Bürde Mitmensch hilflos muss erlauben,
zu unterstützen machtverzückte Toren?

Nicht Ihnen! Von solch Anwandlungen frei.
Auf Geld und Anerkennung doch fixiert,
erblicken ständig Sie Ihr Konterfei,
das, austauschbar, aus allen andern stiert.
Sie ahnen nicht der Zweifel Vielerlei,
in dem man, geistgetrieben, sich verliert.

Produkt-Underdog (3/164)8

Reklame-Kommando:
Genieße die Lust 
der Konsum-Orgiastik!
Und Erregungszufuhr
wird dich erlösen.
Produktontologisch.
Für immer.

Fundamentaler Perspektivenwechsel:
Vom Geistträger zum austauschbaren
Erlebnissammler (3/165)9

Diese geifernd-hechelnde Überempfindlichkeit
gegenüber Worten, Begriffen, Namen,
Wendungen, ethischen Universalformeln
(wie etwa Würde),
historischen Bezügen, Assoziationen usw.,
bedeutet letztlich nichts anderes,
als dass eine kollektiv akzeptierte,
als selbstverständlich angesehene
und nicht als diskussionsbedürftig
empfundene Wirklichkeit
überhaupt nicht mehr gegeben ist.
Indes war eine solche Wirklichkeit
noch nie gegeben.
Nur die Werte, Geltungen und Perspektiven,
die sie in den Köpfen der Menschen
als Halt- und Sinn-Gefüge,
als nicht weiter hinterfragbare
unreflektiert auswies.
Der entscheidende Unterschied zu heute
ist freilich der,
dass die systembedingte
Absolutsetzung der Diesseitigkeit
alle indirekten,
traditionell: metaphysischen
Innenwelt-Stabilisatoren
- ökonomisch,
naturwissenschaftlich-technisch
und pseudoaufgeklärt entwertet,
um selbstbestimmungslüsterne Körper
im Namen des Fortschritts
und der Wohlstandssteigerung
zu sich selbst kalkulierenden
Artefakten- und Verfahrens-Knechten 
zu verdinglichen -
definitiv weggeschlagen hat,
sodass Personen zu Subjekten
und diese sich selbst zu Mitteln wurden.
Eine Existenz zu bewältigen,
die sie weder durchschauen
noch selbst in der Hand haben:
Gottes Ebenbild, der Geistträger,
der über Platons Höhle hinaussehnende,
der an der Vernunft teilhabende,
seiner selbst mächtige,
mit einem freien Willen begabte,
sich selbst erkennen sollende,
tragisch vor sich selbst
hingestellte Mensch ist fort.
Und wird nie wieder kommen.
Sind wir doch völlig außerstande,
uns selbst Halt und Sinn zu sein.
Unmittelbar uns selbst
- neuronalem Determinismus,
Selbstverheiligungs-
und Selbstvergottungs-Wahn,
Molochisierungs-Hilflosigkeit,
versehentlicher Substanz-Zerstörung,
kurzum: der rücksichtslosen Drangsal
evolutionär verfügter Auto-Objektivierung
- brachprall hingesudelt, brechen wir alle
inneren Wege über uns selbst hinaus ab,
schütten sie zu, trampeln sie,
hybrisverkrebste Zielverwaiste, tot.
Notwendigerweise.
Allein wir konnten es nicht sehen;
vermochten’s wirklich nicht:
Dass wir als rein diesseitsergriffene
Erlebnissammler und Gramlustoptimierer
radikal mittellos würden:
Heteronome Nihilismus-Produzenten.
Verluderungsspaß-Anome, irgendwann erpicht,
sich selbst zum Trost ihr Grab zu schaufeln.

Einsamkeit und Nichts (3/166)10/Sonett

Da Daseinsgier von schuldlos Infantilen
nur mit Gewalt man könnte niederhalten
(dient sie doch auch, den Fakt zu überspielen,
dass völlig sinnlos ist dies Weltgestalten:
Dem Dasein bietet nur Erlebnismühlen,
die immer nur das Gleiche doch entfalten
und es als Neues in die Seelen spülen),
muss man sich dieses Kundenrauschs enthalten
und jener Emotionsgefolge meiden,
das doch die Kraft nicht hat, sich abzusetzen,
um sich in Einsichtseinsamkeit zu weiten,
die es in Angst und Depressionen hetzen
und oft in Selbstmordphantasien leiten …
es psychisch würde abgrundtief verletzen.

Erlebnishedonistische Pan-Tyrannei (3/167)11

An was denn könnte man naiv noch glauben;
sich auch vor diesem Gleichungs-Nihilismus zu bewahren,
der einen seines Selbstwerts muss zuletzt berauben,
verortend einen doch im Atomaren?
An Gott, Vernunft, das Gute, Ideale?
Doch hieße das nicht, selbst sich zu betrügen?
Diktiert doch allen längst das analytisch Schale
als Stumpfsinnfuchtel auf Erlösungszügen.
Man ist nun mal ein Spielball rationaler Pleiten,
die einen traumsanft von sich selbst abtrennen,
blasiert in Zeitgeistmythen leiten,
sich als Person zu überrennen.

Konsequent redlich (3/168)12

Ich bleib mir niemals treu,
wenn mich die Einsicht zwingt,
von irgendeiner Illusion zu lassen.
Zumal ich bin Materie-Spreu,
die sich als solche nie gelingt,
weil nicht mal selber sich kann fassen,
und so notwendig Leeren-Zwang versinkt .

Es sei denn, fähig ist,
sich jenem absoluten Geist,
sich jenem Gegen-Sein 
vollendet zu verprassen,
in seine Trance-Gefilde
gehend ein …
sich selbst dann los
und diesen Phrasen-Hain.

Seelisch tot (3/169)13

Steriles Dasein. Stumpfsinnprall geflutet.
Ein Schwall von Oberflächlichkeiten.
Medial gefiltert zugemutet
gelenkten Spaßeinheiten.
Die, menschlich arm, sich treiben lassen
durch einen Strom berückender Fragmente
von Reiz- und Waren-Klassen
in präpariertem Traumgelände.
Zu längst globalen Öden
im Kern der Massenparadiese.
Beschallt von Wohlstands- und Erlösungs-Flöten,
mir tönend rauschpräzise:
Hier wirst du nie mehr machen auch nur einen Stich.
Zumal doch unfrei hin und her geschoben.
Ein in sich selbst gesperrtes Ich,
sich selber seelisch tot enthoben.

Immerhin (3/170)14

Ein wenig tristesse*,
ein wenig regret*,
Sentimentalität
und folgenlose
Melancholie …
Aber der Abend
ist still und einsam,
bar vor allem
jener morosen* Phantasielosigkeit
verbrauchertypischer Seelenschwere;
bar auch
jenes artifiziellen*
Lachgas-Optimismus,
den ein untergehender
Konsumkapitalismus
medial und kommunikationstechnologisch
frenetisierten* Monadenheeren
als phänomenalen Betrug
in die Brachherzen schminkt.

*tristesse franz.: Traurigkeit
*regret franz.: Bedauern
*morose franz.: mürrisch
*artifiziell/artificiel franz.: künstlich
*frenetisieren franz. (la frénésie = die Raserei): rasend, tobend machen

Wer weiß, wer kann’s ergründen? (3/171)15

Es ist Bedürfnis und Vollzug.
Mehr ist es nicht.
Und tröstlicher Betrug:
Magie, Geschwätz, Gericht.
Sich Zwangsabläufen zu verdingen
verhirnter Abstraktionen.
Entseelung und Verschlingen.
Kalkül zu fronen.
Soziale Einheit aller morgen
durch algorithmische Prägnanz?
Moral gefangen, sich zu borgen
ein Selbst parteigenehmen Banns?
Die Art kann untergehen.
Weil sie muss? -
Doch Kerngeschehen:
Stoffausfluss.

Existentielle Rechnungslegung (3/172)16

Ich habe all den Dreck begriffen,
in dem, entlastungsscharf, wir suhlen.
Wertlosen Selbstwert kiffen.
Um Surrogate buhlen.
Der Illusion ist: Zeitgeist-Groomen
sich Nepp verfügter Artgenossen,
die sich Person-Sein zoomen
in Exo-Selbst-Karossen.
An mir bleibt’s wieder einmal hängen,
die Fakten aufzulisten.
Hier sind sie: Leere Mengen,
narzisstisch-ichschwach 
sich als As zu brüsten.

Gedicht über die Daseinsfakten (3/173)17

Völlig unbehaust bin ich geblieben.
Metaphysisch wie weltanschaulich.
Nie habe ich an irgendein Ideal geglaubt.
Sei es ein ethisches, sei es ein politisches
oder kulturelles.
Denn selbst meine Verehrung des Geistigen
sehe ich als privatistische Schimäre,
folgenlos, zeitfremd, bedenklich gar
angesichts der vollendeten Diktatur
von Kapitalismus, Technik
und Naturwissenschaften.
Für mich ist der Mensch radikal unfrei,
selbstsüchtig und lustgetrieben.
Er kann freilich nicht anders,
unfähig, über sich selbst zu verfügen.
Angewiesen so auf Verdrängungskraft,
Leerformeln und Entlastungsbelämmerungen.

Die entscheidende Gabe (3/174)18

Indes muss immer deutlich bleiben,
dass letztlich nichts mich beugte.
Sich mir nicht eine Selbstverkennung zeugte,
mich Überschätzung aufzureiben.
Und das schuf eine Selbstwertmacht,
die alle Illusionen widerlegte.
Von Augenmaß gelenkt und faktensacht
mir jede Hybris aus der Seele fegte.

Standardisierte Gegenwarts-Individualität (3/175)19

Phlegmatisch, cool, orientierungslos:
Ein Sekundärsubjekt lancierter Psychen-Schwunde.
Begleiterscheinung eines Niedergangs,
absolutistisch lachgaskulturell.
Es inszeniert sich wertentbunden als grandios,
vollzugsprekäre asoziale Lunte
und dritter Ich-Aufguss medialen Zwangs.
Der Wohlstandsbarbarei verlässlich Hechel-Quell.
Basal ein Opfer, aller Mittel bloß,
sich zu bewahren auch nur eine Stunde
vor den Verlockungsfesseln dieses Dauerdrangs
zu allpräsentem Innenweltbordell.
Verbindlich wabert Einsamkeitsberücken,
bewusstseinsschläferndes; nur Triebdruck immanent.
Frenetisch ortend alle Lücken,
in denen sich der Kunde dann verkennt.
Erlösungsläufig gramquereklatant,
erreicht er noch der Spätzeit herrischen Akut:
Sinn-Perfidien ohne Band,
ergeben impotenter Wut.

                    *

Gepresst in diese Gaukelwirre,
hat mich ja selber dieses Los getroffen:
Dass ich durch Surreales irre,
versuche mich an Geist und Stoffen.
Um toter Seelen Ramsch zu stufen:
Ihn in Gedichte mir zu kleiden:
So Ordnungsmaß hervorzurufen:
Mir Selbststurz zu vermeiden.

Ohnmacht (3/176)20/Sonett

Der Dinge Kerne wesenhaft zu fühlen:
Als dauerschwankend und uns streng entzogen,
macht, dass wir, auf uns selbst zurückgebogen,
notwendig müssen auf das Unsre zielen …
Und so das Ganze, was uns schützt, verspielen.
Und es erklärt, warum wir, Trance gewogen,
uns, gramschier, trösten mit Bedeutungsdrogen,
uns also Traum, Idee und Wert einwühlen.

Doch kann uns derlei Ungreifbares tragen?
Wohl kaum. Doch das, das gilt es zu verschweigen.
Schon um nicht überhaupt doch zu verzagen.
Was nämlich hieße, sich Verzweiflung neigen.
Wir müssen also schönen unsre Lagen:
Bis ihre Ausweglosigkeit sie zeigen.

Variante. Zeilen 9 – 14:
Lässt sich ein solches Ungreifbares tragen?
Wohl kaum. Man wird es sich diskret verschweigen.
Schon um nicht, daseinsmüde, zu verzagen.
Das heißt Verzweiflung sich und Angst zu neigen.
So wird man schönen sich die Alltagslagen:
Statt Ohnmacht Kompetenz und Selbstmacht zeigen.

Einsamkeit (3/177)/Sonett

Mein ganzes Leben lang war täglich sie präsent.
Und das von Kindesbeinen an, von vornherein.
Sie hat mich tief geprägt, so mit zu dem gemacht,
was ich als dieser Sonderling geworden bin:
Ein in sich selbst Verschlossener, der gut sich kennt,
der kaum sich lassen kann auf andre Menschen ein,
für den die Welt von heute kommt nicht in Betracht,
weil er durchschaute sie als eine ohne Sinn.

Nicht, dass ich nicht verstünde, dass sie so sein muss.
Im Gegenteil, ich kann das sehr gut nachvollziehen.
Ergab im Abseits sich doch grad schon früh der Schluss,
dass wir uns sollten um sozialen Trug bemühen,
zu meiden Fakten, Einsicht … jede Art Verdruss,
weil so dann dem, was ist, fraglos naiv gediehen.

Genau so ist es (3/178)22

Eins steht fest,
ist unumstößlich:
Dass die Freiheit
als totale,
ist subtile Sklaverei:
Die in Selbstverluste presst,
hilflos macht
zum Knecht an sich:
Opfer leerer Ideale.

Kulturelle Niedergänge: 
Ohne Halte, Maß und Mitte (3/179)23/Sonett

Nicht dass mit Absicht ich mich gern verlöre
in Kernbesinnung, um herauszufinden,
was dieses Dasein heutzutage sei.
Nein umgekehrt. Da treiben Zweifel mich.
Längst nämlich höre ich zu viele Chöre,
die ihre Sicht begriffsdiffus begründen
als faktenfremdes Traumwelteinerlei.
Ich selber spüre den Zerfall des Ich.

Das gar nicht mehr in festen Werten ruht,
genau besehn, auf Reize reagiert,
Effekte, Sensationen, Stimmungswogen.
Das geistig tot ist. Nur Empörungsglut.
Und gar nicht merkt, dass es sich selbst negiert.
Entmündigungsservil Affekt verbogen.

Zweck-Pfad I (3/180)24/Sonett/Für Friedrich Nietzsche

Wenn ich es kühl und objektiv abwäge,
in Rechnung stelle auch die Niederlagen,
mitnichten schöne Scheitern und Versagen,
mein Sein mir also ohne Trug zerlege,
darf ich erkennen: Alle meine Wege,
die ich einst einschlug ohne Hinterfragen
- sie einfach ging, um mich auch selbst zu wagen -
warn richtig. Trotz so mancher Nackenschläge.
Ich habe meine Herkunft überwunden.
Und alle ideellen Illusionen.
Begriffen, dass an Lotterie gebunden,
Pleonexie wir sind - um der zu fronen,
dass Traum und Rausch* entlasten uns als Kunden.
Mit Nihilismus uns dann zu belohnen.

*Es war Friedrich Nietzsche (deutscher Philosoph, 1844 - 1900) 
der meinte, dass das menschliche Dasein Traum und Rausch sei

Zweck-Pfad II/Sonett (3/181)25/Sonett

Was drängte da, mich selbst zu überrennen,
mich diesem Traum von Geist zu überlassen?
Obwohl ich stamme aus dem Bauch der Massen,
die, resigniert, oft nicht mal darauf brennen,
von Blaumann und Fabrik-Los sich zu trennen.
Sich eher auf Entlastungstrug einlassen,
verdammt, sich als soziale Scham zu fassen -
ein Los, das man nicht zu genau will kennen.

Ich weiß es nicht, nur dass es eine Gnade,
ein Schicksalswink war anonymer Mächte:
Dass ich mich rollen durfte von dem Rade
der Niedrigkeiten und der Truggeflechte …
Was mich in Hellsicht riss von solchem Grade,
dass leicht sie trägt noch leere Selbst-Gefechte.

Die Sakralisierung ichsüchtigen Mittelmaßes (3/182)26/Sonett

Mich nur nach Marktverführung auszuleben,
das wäre doch ein Selbstverlust der Weise,
dass mich bestimmten Urlaub, Spaß und Preise.
Dann würden die mir ihren Takt vorgeben.
Wie schon Reklame und mediale Gräben.
Kurzum: Die Ichsucht spurte mir die Gleise,
diktierte mir, was gutes Leben heiße:
Den Sog der Gängigkeiten anzustreben.

Ich brauche geistige Verfeinerungen,
brauch Einsicht, Selbstdistanz und radikale
Bestandsaufnahmen dieser Niederungen,
die ich entlarvte längst als panbanale
Verheiligungsphantasmen, ausgewrungen
den Tugendfloskeln leerer Würdeschale.

Konsumkapitalistische Dialektik (3/183)27

Jeder darf,
was er will,
damit er tut,
was er soll.

Verwahrlosungszwänge (3/184)28/Sonett

Ich vegetiere in sterilen Zeiten
dahin durch Alltagstrivialitäten
nach Leerverkäufen grauer Seelengräten
gewollter wie bedurfter Ramscheinheiten.
Nicht mal mehr fähig, selber mich zu meiden,
bin ich Objekt für sie in einem steten
Prozess der Psychen- und Gewissens-Schäden,
immunisierend gegen Geistesweiten.

Dergleichen m u s s ich in mir selbst vorfinden.
Ist sicher doch, dass ich mich nicht mehr habe.
Vielmehr ergehe in recht seichten Finten,
die ich aus meiner kleinen Seele schabe,
auf dass sie deutungsmagisch Selbstwert künden
und so vertuschen kann ihr Seichtgehabe.

Sich wohlstandsbrünstig treiben lassen -
Zeitgeistdiktat als Erlösungs-Sause und 
Selbstzerstörungs-Orgie (3/185)29/Sonett

Es gibt ihn nicht, den rationalen Willen.
Nur subjektiv fundierte Emotionen:
Bedürfniszwänge und Sozialschablonen,
entlastungsdirigiert sich zu erfüllen:
Sich Wohlstandsduseleien einzuhüllen,
die dann mit Faktenausblendung belohnen:
Sich konsumistisch-hedonistisch drillen …
Effekte haschend, Spaß und Sinnfiktionen.

Das muss so sein. Ich will es anerkennen.
Nur so lässt das System sich aufrecht halten:
Wenn wir erlebnisdionysisch brennen,
uns Augenblicksekstasen zu entfalten.
Obwohl so nicht die Leere überrennen,
die zum Fiasko es muss uns gestalten.

Das Leben I (3/186)30

Ob es gut sei
oder schlecht,
ob sich’s
lohnen mag,
ob nicht …
Keine Ahnung,
schwer
zu sagen …
Ist uns
immerhin
so recht,
dass wir uns
an Schläuchen
plagen,
enddevot
nach Jenseits
fragen,
sehnen,
es sei Geistgeflecht,
ungreifbar
dem Tod.

Universeller Sinn-Trug (3/187)31

Auch wenn ich nur
ein kleiner Kunde bin,
so träum ich doch
mich manchmal über mich hinaus.
Von was auch immer
dazu angeregt.
Wahrscheinlich suche ich dann
allgemeinen Sinn
im Numinosen dieses Weltenbaus.
Ist solche Sehnsucht doch auch
in uns angelegt.
So wie dies Gier-Kommando
unsrer Selbstwertschlacht:
Im Überragen anderer,
als Wichte uns so zu vergessen.
Uns groß zu fühlen,
siegreich, zweckgeborgen.
Indes auch das ist nichts
als leere Ich-Andacht,
uns Selbstgewicht,
Bedeutung abzupressen
im Sinn-Trug von Neuronen-Spielen …
Uns auch als Spielball dann,
als Zeit- und Trancegespinst
beruhigt zu versorgen.

Entfremdung (3/188)32

Zeit wird's, dass ich untergehe.
Ist meine Weltsicht längst doch überholt,
den meisten fad und ungreifbar geworden.
Die sind mir undeutbare fremde Wesen,
orientierungslos, beglückt entspurungslüstern.
Sie brauchen keine Werte mehr: Sie laufen ab,
sind selbstbestandsarm faktenflüchtig,
zerfallen psychisch, geistig und sozial.
Verzweiflungsradikale Selbstentpflichtung,
was sich da, alldiktiert, vollzieht …
Zu Ich-Entfesselung und zu Gewalt,
zu einem Einerlei blasierter Mammon-Tücke.

Untergänge (3/189)33

Gott fort, Seele, Eros, Geist …
Alles, was verfeinerte.
Schönheit auch und Anmutsgesten.
Stumpfsinn blieb und Aggressionen,
Rohheit, Hybris, Perfidie.
Technik, Kapital und Formelmacht.
Weißt du, Freude, was das heißt?
Alle diese ichverwesten
Träger öder Illusionen
werden sein die triste Fracht
feinster Datendespotie.

Tiere* (3/190)34

Wie oft habt ihr genommen mir
sei's Trauer, Wut,
sei's gar Verzweiflungsdichte
durch eure sprachlos festgelegte,
so wirklichkeitskonforme schlichte,
spezialisierte Überlebensglut.

Euch halte ich so für ein Meisterwerk -
der Mensch kann das unmöglich sein -,
ist der doch hinterhältig, Selbstsuchtzwerg,
sich selber Feind, gar oftmals Niedertracht und Pein.

Dagegen ihr, ihr täuscht nicht, lügt nicht,
tut zumal ausnahmslos das, was ihr müsst.
Nie seid verlogen ihr wie dieser Homo-Wicht ...
wart deshalb Trost mir, ja gar Daseins-Hut.

*Tiere: Katzen, Hunde, Vögel, Pferde, Hasen usw.,
hochkomplexe, wunderschöne
und vertrauensfähige biologische Wesen.
Wenn die nicht - tiefste Bereicherungen meines 
frühen Daseins - gewesen wären, ich wäre wohl 
psychisch kollabiert.

Unumstößliche Tatsachen (3/191)35/Sonett

Wie könnten wir uns geistig* noch gelingen,
sind marktgesteuert doch die Innenwelten,
sind unterworfen wirtschaftlichem Gelten:
Pleonexie sich nur noch zu verdingen?
Wir können nicht mehr meiden deren Zwingen,
weil sie* allein nur noch kann uns bezelten*
- trotz Zwangs-Verdinglichung und Psychen-Kälten -.
So müssen alle ihre Weisen singen.

Indes ist dies auch offen einzuräumen,
dass wir doch eine Existenz begehren,
die sich genießen soll, soll nichts versäumen,
soll sich als leibverzückter Rausch verzehren
und seelisch allentpflichtet sich verträumen …
Des Lebens Gram sich magisch zu entschweren.

*geistig hier: selbst-, wir- und welt-abständig: 
Als Personen fähig, das, was unsere Existenz trägt, 
bestimmt, prägt und zu dieser macht, zu erkennen, 
zu verarbeiten, zu bewerten und also auch (vielleicht) 
zu distanzieren.
*sie: diese Pleonexie
*bezelten: „behüten“, „bewahren“. So, dass wir unsere 
psychophysische Existenz zu meistern in die Lage versetzt würden.

Nicht zu meistern (3/192)36

Ich bin ja durchaus schon bereit, es zuzugeben:
Man kann sein Leben gar nicht selber führen.
Na ja, man ist ja dafür auch nicht grad gemacht:
Sich selber Last in einem hochprekären Streben.
Substanzgier doch, gezwungen, sich zu küren
zum Herrscher über seine kleine Daseinsschlacht.
Da braucht’s Verständnis, Nachsicht und viel Güte,
kurzum die Fähigkeit, auch zu verzeihen.
Denn wo denn wären Halte und wo glühte
zumal ein Sinnstrahl, deutend an nur e i n Gedeihen?
In diesem Wettlauf, zweckfrei angestoßen
von einem Teilchenspiel mit bloßen Zufallslosen.

Ambivalente Weltbezogenheit (3/193)37Sonett

Materie? - Nur sie ist uns zu fassen.
Determinismus? - Ja. Auch der soll gelten.
Und Nihilismus? Grundton aller Welten.
So will’s als wahr für mich ich stehen lassen.
So gibt’s die nicht: Gesellschaft ohne Klassen,
Versagen, Niedertracht und Psychen-Kälten.
Schon gar nicht Würde. Fehlt doch Stoff Gefällten
die Kraft, sich nicht an Zwänge zu verprassen.

Und doch will mich ein Selbstzweckrausch betören,
all diese Fakten dann zu ignorieren,
wenn Sehnsuchtswelten mir den Sinn verkehren:
Ich solle mich, in Geist gebannt, verführen,
mich aufzulehnen gegen Gier und Leeren,
mich nicht an Gram und Trauer zu verlieren.

Die anonyme Misere (3/194)38/Sonett

Vergänglichkeit, Vergeblichkeit und Scheitern.
Die machen unser Dasein aus im Ganzen.
Sind gleichsam homotypische Instanzen,
die in den Tiefen unsrer Psychen eitern.
Entlasten mag, zu klettern auf den Leitern
sozialen Aufstiegs zu Erfolgsbilanzen.
Dann darf als Sieger man sich selbst umtanzen.
Doch es ist sinnlos, so sich zu erweitern.

Zumal man träumen muss, man sei gerettet
vor diesem Dauerzugriff des Absurden.
Indem man sich in Illusionen bettet,
um zu entgehen dann in ihren Gurten,
dem, was an Ich-Gefangenschaft uns kettet:
Dass wir Verstand: Zu Kunstweltschöpfern wurden.

Unverrückbares Menschenbild (3/195)39/Sonett

Da zwingen ideelle Emotionen
von großer Hoffnung auf ein Weltgestalten
mit letztlich metaphysischen Gehalten.
Es geht um tugendernste Heilsmissionen.
Man will mir, fast schon aggressiv, betonen,
dass könnten Freiheit, Glück und Friede walten …
Gerechtigkeit gar, wenn zusammenhielten
die Menschen - welches Land sie auch bewohnen.

Ein Anspruch doch von sittlich Aufgewühlten,
den ich muss, faktentreu, als Traum erkennen.
Und blicke ich in unsre Psychen-Räume,
dann sehe ich doch nur Gelüste brennen
subtil barbarischer Entfaltungsschäume:
Auf Macht aus, Lustgewinn und Überrennen. 

Zu uns selbst schuldlos verdammt (3/196)40

Daten-, Börsen-, Umsatz-Zahlen.
Und Verflachungshedonismus.
Die immer deutlicher
sich offenbarenden Entmündigungsdiktaturen
- kulturdestruktiv und wirklichkeitsverlustig -
inszenieren nunmehr ihren letzten Akt:
Die Schaffung des Untertieres …
Schlägt doch ihre totalitäre Glückseligkeit
(die nämlich propagieren sie unermüdlich
- eine heiterkeitslos-aggressive)
nunmehr in vorparadiesischen
Verelendungsstumpfsinn:
atheistisch geistbrachiale Ratio-Entfesselung um.
Nach und nach wird die Art an sich selbst zerbrechen.
Sich dann nur noch selbst ausgeliefert,
ist die metaphysische Haltlosigkeit
nicht mehr zu verhindern.

Verirrtes Ich,
von Scheininhalten formelhaft gesteuert:
Ein Markt-Ansich,
das sich als autonom beteuert.
Politisch, wirtschaftlich,
sozial doch schon verloren.

Indes das war nicht aufzuhalten.
Als unsrer selbst nicht mächtig,
werden wir geboren.
Uns - selbst uns schädigend -
dann maßlos zu entfalten,
der Überschätzung unsrer selbst 
doch wesenstief verschworen.

Andeutungen über diese Welt (3/197)41

Narzisstisch, allprofan, verluderungsfanatisch.
Ein ratiohypertrophes Kunst-Gebilde:
Verfahren, Formeln, Daten - Abstraktionen.
Auf Abruf. Das, wie’s scheint, für immer.
Indes muss da Bedenken sich entfalten
ob dieses neuronalen Kartenhauses
und seiner substantiellen Machtsucht-Hybris:
Wir treiben's immer weiter; immer schlimmer.
Wahrscheinlich wesensmäßig dazu angehalten,
zumal totalitär politemphatisch ...
als könnten wir uns mit uns selbst verschonen.

Schiere Haltlosigkeit (3/198)42

Die Große Gleichgültigkeit,
die ich so deutlich spüre,
zerwuchert meine
Wir abfühlende Restseele.
Längst gurgle ich
die ersatzpolemischen Engperlen
gleichungsfundiert entwerteter Wirklichkeit.
Ein paar Ich-Pleiten mehr,
und ich stoße auch
ihre stumpfsten Begriffsmesser,
asozial vor Daseinsekel,
in die Broca- und Wernicke-Areale
dieser ins Absurde
radebrechenden Spätzeithirne.

Der körperlich-seelische Niedergang (3/199)43/Sonett

Muss nur mal eine Ladung Müll wegfahren,
um fast erschöpft zu sein; zumindest müde.
Doch bringt es nichts, wenn ich darüber brüte.
Ist’s doch, wie’s ist. Man kann sich nicht bewahren
die Leib- und Seelen-Kräfte … Mit den Jahren
verliert man immer mehr an Daseinsgüte.
Wird schwach und schwächer. Nun ich sag’s mal rüde:
Das Fleisch plagt Heimweh nach dem Atomaren.

Doch kann die Augen ich davor verschließen?
Nein, kann ich nicht. Wär’s doch auch kindisch feige.
Es gibt nun einmal nichts mehr zu genießen.
Mir gingen alle Glücke doch zur Neige.
Und das heißt letztlich, dass mir sind gewiesen
die Wege hin vor eines Grabes Zweige.

Gott I (3/200)44

Wann und wo immer du dich
mir auch kundtun magst,
allgegenwärtig Unfassbarer …
In mir aufscheinende Schimäre,
Entlastungsillusion,
mich früh bergende Neuronen-Ausgeburt
meiner trostlosen
Kindheits- und Jugendjahre …
Das kann mich nicht kümmern.
Zerbricht doch vor dir bis heute
meine geistige Brücke
in rauschleere Vollendungswirren,
zerfällt diese barbarisch-unschuldige Welt
in jene Bedeutungslosigkeit,
die ihr Wesen ist:
Flüchtiger Gemeinheit
surreale Selbstverheiligung
im Stoffbann
kommandierender Vergänglichkeit …
Indes ich dir zuliebe,
trotz Einsichtsschwere,
diesem Nihilismus zu trotzen versuche.
Trunken vor Nichts die Augenblicke zähle,
die gramgedehnt an mir vorüberrauschen.
Zuweilen mir auch zuwinken,
resigniert verzweifelt,
ob all der von mir verworfenen Glücke,
die sie doch mit sich führten.
Gerade für mich, wie sie,
wohl wahnlüstern,
es mir zuweilen vorlallen.

Kleine Blume (3/201)45

Unscheinbare kleine Blume,
Zartheitswunder da am Rand
dicht befahrenen Asphalts.
Lichte dich nicht gierig ab,
Bilder dann zu übertragen,
die dich rücksichtslos entblößten
Begaffern deiner Seltenheit.
Lass dich von mir unberührt.
Auf dem Weg gedenkend deiner
Ausgesetztheit uns Barbaren.
Infantile Reizverwerter,
Rücksichtslose ohne Scham,
geistesarme Daseinszeugen,
toten Stillen leichte Beute.

Selbst-Zufall (3/202)46

Ich war’s, der Gram.
Zog winkend vorbei
an allem, was kam:
Lotterie-Einerlei.
Verfall stellend fest
und Abwehrgebärden
Was nie mehr verlässt,
mich Einsichtsgenährten.
Mich Unzweck, mich Zufall
der Kern-Diktaturen:
Geplänkel um Sinn-Drall
nie deutbarer Spuren.

Zukunft des Homo sapiens (3/203)47

Dass ich noch Hoffnung in mir trüge,
das zu behaupten, wäre dreist.
Zumal die Tugend selbst ist Lüge
in einer Welt, die ausweglos
nur um sich selber - muss das - kreist.
Der homo sapiens müsse überleben.
Das sagt man einfach so dahin.
Er muss es nicht, zumal sein Streben
war objektiv schon immer ohne Sinn.
Ihn treiben drastisch Macht-, Genuss-
und Hirn-Ekstasen.
Ihn willen-, hilf- und würdelos zu treiben
durch eingebildete Entlastungs-Blasen,
Realitätsverlust und Schoß.
Nicht gottgeplant, Evolutionszweck nicht,
sind wir nur eine Teilchenwunde.
Und zwar die gramverfügte,
die am tiefsten sticht.
Doch weiter giert nach jeder Stunde.

Bemerkungen zur Würde (3/204)48

An Würde mögen andre glauben.
Ich tu das nicht, zumal ich weiß:
Kaum jemand kann sie selbst sich schenken,
zu schwach, zu seinem Nachteil sich
zu übermächtigen für einen absoluten Wert.
Und dass sie ausnahmslos gar allen käme zu,
weil frei, vernünftig, gleich und mündig jeder sei,
ist eine Rechtsfiktion, die rabulistisch überhöht
die Niedertracht, die wir zu oft doch sind.

Elitärer Wunsch (3/205)49/Sonett

Da ist doch nichts mehr, was mich noch verbände
mit dieser Spaß- und Star- und Phrasen-Horde
effektbeflissner Ramschweltkonsumenten,
die sich verwerten, von sich selbst verlassen …
Als ob man ichbetont Erlösung fände
in diesem Lustgefängnis ohne Worte,
sich könne wertleer von sich selbst abwenden,
um sich narzisstisch selbstsmartcool zu hassen …

Mir fehlt der Sinn für Trivialitäten,
für Tugend- und Sozialschauspielereien.
Auch will ich nicht mich unfrei selbst anbeten,
um dieser Marktknechtschaft mich einzureihen …
Was ich will, ist begreifen diese späten
Gelüste nach Verwahrlosungsgedeihen.

(V) Annäherungen/13 Sonette: Die Sonette von „Getrieben“ bis „Das Geschenk des Realitätssinns“) sind gut geeignet, sich mit den existenziellen, gesellschaftlichen, kulturellen, politischen, zeitgeistverdeckten (bzw.: -verdrängten), weltanschaulichen usw. Grundlagen meiner Gedichte vertraut zu machen.
Es sind dies die Sonette: 
Getrieben (206)
Tabu (207)
Durchschnittliche Wohlstandsjünger (208)
Selbsttäuschungen (209)
Sich selbst ausgeliefert (210)
Fundamentale Wahrheit (211)
Vollendungsformen (212)
Unaufrichtig (213)
Definitives Alleinsein (214)
Verwertet, getrieben, entmächtigt (215)
Das infame Kartell (216)
In die Zukunft verlängerter Grundtrend (217)
Das Geschenk des Realitätssinnes (218)

Getrieben (3/206)50/Sonett

Wer kann denn sagen, ihm sei es gelungen,
sein Dasein ohne Bruch und Angst zu führen?
Wer wäre nicht verfallen manchmal schieren
Verkommenheiten platter Anfechtungen?
Wer wäre so weit in sich vorgedrungen,
dass er erfasste all die kleinen Schmieren,
die ganz subtil ihn heimlich korrumpieren,
charakterlich und auch sozial erzwungen?

Wohl niemand kann das. Schon weil schwer zu fassen
persönliche Motive sind, die treiben.
Sei es in Hybris, sei’s in rohes Prassen.
Wohin auch immer. Stets doch wird man bleiben
Getriebener, sich selber überlassen:
Verfügt, Vergeblichkeit sich aufzureiben.

Tabu (3/207)51/Sonett

Wenn ich das Ganze unverstellt bedenke,
dann muss ich es für durchweg sinnlos halten.
Da uns Gewalt und Illusionen spalten,
Pleonexie und Macht uns schmieden Ränke.
Auch ist es falsch, dass die Vernunft uns lenke:
Sind wir verwiesen doch auf Umgestalten
von Welt durch technisches Verstandeswalten.
Uns schwinden so die geistigen Gelenke.

Und dennoch könnte ich’s zuletzt erdulden,
wenn nur nicht diese reißerisch diktierte
Schaumschlägerei der Zeitgeisthybris wäre.
Mit ihren hedonistisch faden Kulten
als trivialnarzisstisch dumpf blasierte
Enthemmungsmystik trancenpraller Leere.

Durchschnittliche Wohlstandsjünger (3/208)52/Sonett

Pleonexie? Nun ja, sie ist das Wesen
des Durchschnitts, der in Luxus leben will.
Erleben (protzen, schlemmen, was bedeuten),
verdrängen Zufall, Frevelmut und Tod.
Er gibt sich dem hin, was ihn hält mit Späßen,
mit Hully Gully, Star-System und thrill.
Kurzum: Der Augenblicke seichten Freuden.
So hält das Ganze er indes im Lot.

Und ich erkenne an, ihn treibt Ananke.
Er hat die Kraft nicht, ins Gesicht zu sehen
Alleinsein, Scheitern, Brüchen, Selbstbetrug.
Verdrängt das Seelenelend und das Kranke,
die sich als Alptraum durch dies Dasein blähen,
das unsres ist: Ein Danaidenkrug*.

*Danaiden s. Fremdwörterverzeichnis

Selbsttäuschungen (3/209)53/Sonett

Wir sind drauf angelegt, uns zu zerstören.
Und als Globalkraft werden wir das schaffen.
Wir, die sich permanent nur selbst begaffen
und auf sich selbst als Daseinskrone schwören.
Wir wissen freilich nichts mehr von Verehren.
Sind nur noch anspruchsvolle Überaffen,
verdammt, aus Lebenslügen Halt zu raffen.
So unsre Welt als Trugmohn zu verzehren.

Warum auch nicht? Denn dass an uns was läge,
schafft ein Begriffsspiel von Entlastungssüchten:
Dass Geist, Vernunft uns, Wert und Güte präge.
Nein: Selbstsucht müssen wir stets gewichten,
zumal doch hilflos, ohne Halt und Hege:
Und das heißt: Knechte toter Seelenschichten.

Leichte Variante:
Selbsttäuschungen (3a/209a)54/Sonett

Wir sind drauf angelegt, uns zu zerstören.
Und als Globalkraft werden wir das schaffen.
Wir, die sich permanent nur selbst begaffen
und auf sich selbst als Daseinskrone schwören.
Wir wissen freilich nichts mehr von Verehren.
Sind nur noch anspruchsvolle Überaffen,
verdammt, aus Lebenslügen Halt zu raffen.
So unsre Welt als Trug-Mohn zu verzehren.

Warum auch nicht? Denn dass an uns was läge,
das ist ein Trostschub aus Bewusstseinswirren:
Dass Würde, Freiheit, Geist, Vernunft uns präge.
Tatsächlich sind wir Trieb verflochtnes Irren.
Und phantasieren uns in Scheinauswege.
Indes von Lust und Sinn und Glück wir girren.

Selbst sich ausgeliefert (3/210)55/Sonett

Ob seiner selbst sei keiner mir gescholten.
Verfügt doch keiner über sich, ertrüge
auch nur im Ansatz ohne Lebenslüge
sein Daseinsjoch mit all dem Ungewollten:
Sei’s Niederlage, sei’s prekär gesollten
Versuch, sich Geltung im Sozialgefüge
markant zu sichern … Geht es doch um Siege,
die’s Selbst erheben und zum Gral vergolden.

Wer solches läse, würde vielleicht schreien:
„Man ist doch frei. Und das in höchsten Graden.
Wär sonst doch Schuld nicht möglich noch Verzeihen!“
Wir sind mitnichten Schöpfer unsrer Taten:
Nicht einer unsrer Akte zählt zu freien.
Wir können, Stoffhirn, Zwängen nur geraten.

Fundamentale Wahrheit (3/211)56/Sonett

Ich kann mich nicht begeistern für die Massen.
Schon deshalb nicht, weil ich sie so gut kenne.
Sie wollen auch, wie ihre Herren, prassen,
weshalb ich beide erst mal gar nicht trenne.
Ob man Milieus betrachtet, Schichten, Klassen …
Man will dasselbe, was ich so benenne:
Will Geltung, Lust, Bedeutung, volle Kassen
und dass die Lebenskerze lange brenne.

Für mich ist Masse, was sich tummelt oben,
und die, die jene oben imitieren:
Die Machtversessnen und die Wohlstandsgroben.
Die beide geistlos sind und delirieren,
sich Gier, Narzissmus und Klamauk austoben,
ihr leeres Selbst bombastisch inszenieren.

Vollendungsformen (3/212)57/Sonett

Vollendungsformen gibt’s für mich nur vier:
Gott, Einsichtsgnade, Eros und Gedicht.
Der Rest ist Triebzwang, Konzession ans Tier.
Indes von absolutem Seins-Gewicht.
Ist’s doch der Stoffdurst, der uns ausmacht: Gier,
zusammen mit der Perspektiven Sicht,
sich einzufügen hochprekärem Wir.
So zu beschützen. Auch durch Scheinverzicht.

Wer sich in Gott versenkt, ist allgetragen,
kann Einsicht sich in das, was ist, dann leisten.
Wen Eros treibt, darf sich in Du-Rausch wagen.
Und Kunst mag trösten die sich selbst Verwaisten;
erlaubend, sich des Stoffzwangs zu entschlagen,
sich, Geist* geborgen, Selbstsein zu erdreisten.

*Geist als
(1) Verwehen in Gott (eine irrrational-mystisch-metaphysische Erfahrung; nicht mitteilbar; in der Kindheit verwurzelt)
(2) Grundlage des Machens von Kunst (etwa Gedichte schreiben)
(3) Geist als spezifische (auf genetischer Gnade beruhende) Einsichtsfähigkeit/Wirklichkeits-Fakten-Realitäts-Erfassung/Anti-Narzissmus/Selbstabstandswilligkeit
(4) Geist als Selbst- und Weltmeidungs-Strategie (s. o. (2))
(5) Die Überwindung dessen, was ich Pleonexie (Ich-, Hab-, Macht- und Genuss-Sucht, so Arnold Gehlen) nenne, wobei ich "Macht" dann als nicht geistige, sondern als politische begreife.
Eigentliche Geistesmacht (als sittliche, nicht politische) gibt es z. B. als
(a) einsichtsfundierte Selbststeuerungsfähigkeit
(b) differenziertes Begreifen von "Welt" (Realitäten und Wirklichkeit faktisch - nicht ideologisch-weltanschaulich - erfassen) und
(c) Ausübung asketischen Selbstzwangs

Unaufrichtig (3/213)58/Sonett

Wenn man von unten kommt, sieht man die Dinge
doch ziemlich anders als die Werteträger
der Intellektuellen und Parteien.
Die in den Medien sich als Virtuosen
der Weltausdeutung - wie es uns gelinge
als Tugendhüter und Problemankläger
zu festigen der Guten hehre Reihen,
damit sich Böses beuge unsern Posen -
so gern gerieren. Nun: Ich möchte sagen:
Es sind Gewaltverhältnisse, die lenken
Gesellschaft, Wirtschaft, Staat. Und selbst die Psychen.
Sie sind es, die uns unabwendbar plagen,
uns vor uns selber ruchlos zu verrenken:
Vor Ethikdrogen täuschungsflach zu kriechen.

Definitives Alleinsein (3/214)59/Sonett

Man ist allein in jedem Augenblick.
Und bleibt das auch bis hin zum Lebensende.
Man fällt unweigerlich auf sich zurück,
selbst wenn man streift ganz zarte Hände.
Die manchmal trösten und vergessen lassen,
dass man doch spielt in einem miesen Stück,
in dem man niemals einen Halt nur fände,
begriffe man, es handelt nie von Glück …

Das sowieso bereits im Werden schwände.
Indes wer will schon diese Wahrheit fassen?
Zu unerträglich. Auch nicht aufzuheben.
Bringt sie doch auf den Punkt, was, ungelogen,
wir sind, sein müssen, um nicht aufzugeben:
Phantasten, lügend uns durch Wohlstandsdrogen.

Verwertet, getrieben, entmächtigt (3/215)60/Sonett

Was soll ich dir von mir denn groß erzählen?
Von einem Selbst, dem, wertbasal vermittelt,
durch Rechtserlass, der’s als Person betitelt,
bestätigt wird, es könne frei sich wählen.
Indes kann ich mir selber nicht verhehlen,
dass objektiv ein Gier-Prozess mich schüttelt
und ohne Rücksicht kommandierend drittelt
in Kunde, Normen-X und Sinn-Verfehlen.

Als Marktteilnehmer muss ich mich verraten,
geistig verneinen, um als Exponent
des faden Allgemeinen mich sei’s Daten,
sei es Prozenten oder Zeitgeist-Trend
verfügt, dann hinzugeben und zu waten
durch diesen Humbug, der Substanz nicht kennt. 

Das infame Kartell (3/216)61/Sonett

Ich sehe Leute um sich selber kreisen
und höre oft ihr aufgesetztes Lachen.
Auch spür ich deutlich die verzweiflungsleisen
Verstellungsattitüden vor den Sachen.
Da nagen Spaßklamauk, den Märkte preisen,
die Ich-Bezüge, die zu Kindern machen,
des Nichtungsstumpfsinns simple Fadheitsweisen,
Entwirklichungsgelüste zu entfachen.
Auch ich muss mimen meine Anteilnahme.
Schon der Berufsalltag stößt mich doch drauf.
Doch geistig steh ich gegen dies infame
Kartell von Cleverness und Selbstverkauf.
Das zwänge, dass ich nach Ersatz-Glück krame,
nähme ich teil an seinem Hohn-Leerlauf.

In die Zukunft verlängerter Grundtrend (3/217)62/Sonett

Es ist Zerstörungswüten ohnegleichen,
was wir begehen, um uns zu gelingen.
Uns, neuronal getrieben, aufzuschwingen
in Einheitszwang von hochabstrakten Reichen.
Uns drastischem Geschehen einzubleichen,
das gipfeln könnte in finalem Ringen
um Restbestände von geschundnen Dingen.
Nicht fähig doch, uns selber auszuweichen.

Ich wüsste nicht, was es zu trauern gäbe,
wenn wir tatsächlich uns zum Opfer fielen
und dann verschwänden aus dem Stoffgewebe.
Denn darauf muss das Menschenwesen zielen:
Deterministisch-nihilistisch Schwebe
als Ich zu sein im Bann von Molekülen.

Das Geschenk des Realitätssinnes (3/218)63/Sonett

Was mir am meisten zählt, sei nicht verschwiegen:
Dass es mir letztlich immer war gegeben,
den Fakten, niemals Tagtraumwelt zu leben:
Nicht meinen Selbst-Konstrukten zu erliegen,
um mir die Welt und Selbst nach Wunsch zu biegen.
Denn nichts kann dies prekäre Dasein heben,
nach dem umsonst wir als geglücktem streben.
Schon weil wir Zeit und Scheitern unterliegen.

Das Ganze überhaupt ist Zufallswalten.
Und Gaukelspiel, von dem ich immer wusste.
Man mag sich träumerisch das ausgestalten …
Es bleibt auch dann nur ausweglos gemusste
Verflüchtigung in Trance von Scheingehalten:
Schimären ohne Kern und ohne Kruste.

Weitere Gedichte auf Seite (03):

Tatsachen und Befürchtungen (1) 

Die Zeit, in der ich lebe, ist - das ist notwendig -
kapitalistisch-technisch-rational geprägt,
so kommandierend trivial und rechenhaft,
Versachlichungs-Gewalt, kalt, seelisch arm,
macht Menschen allbegehrlich infantil,
schon früh auf Dekadenz-Gehabe angelegt …
Die Menschen werden Abklatsch-Schwarm
von Austauschbaren, die systemservil
- Bewusstseinsträger von Konsumknechtschaft -
vollziehen abgerichtet so ein Nihilismus-Spiel,
das - ohne geistig-kulturelle Halte unbeständig -
sich selber werden könnte Todessehnsuchtsziel.

Einige titellose Sprach-Exzesse des Dezembers ab 2001/
(Seite 106ff; Band Prosagedichte)

(Seite 106) 
(2)
Meine Muttersprache?
Geistig ausgedünnt,
ja: vulgarisiert, vereinfachungslüstern,
getrimmt auf Satzteilchen-
Kommunikation (anglizismengespickt).
Deutschsinnig entkernt 
durch seelenwund-trivialen
Effektgenuss und 
medial dauerproduzierte, 
berauschungsverlüsternde Emotionsorgiastik
durch die Rock-/Pop-Musik.
Zumal auch die Hirne 
sich längst dem Denken verweigern;
das müssen: sprachlich zu verseichten
passt an, macht verdummungsselig,
ist also Dazugehörigkeitsgarantie …
eine verschundungsnarzisstische,
vergossungsmächtige,
zumal ochlokratisierende …
Ganz zu schweigen
vom politischen Sprachgebrauch:
rein machtstrategisch eingesetztes 
Entsachlichungs- und Ablenkungsgeschwätz
biederer Kreisklassenrhetoriker,
die noch nicht mal begreifen,
dass sie nichts begriffen haben:
Die Kernbegriffe dieser Gesellschaft 
sind zu Worthülsen, Leerformeln,
Empörungsstichworten, 
Verlogenheitsfloskeln geworden …
Der deutsche Niedergang lässt sich 
vor allem auch am Verfall 
der deutschen Sprache ablesen: 
Die Deutschen bezeugen mit der Art
der Verachtung ihre Sprache,
dass sie sich - selbsthasssiech -
mal wieder selbst aufgeben,
leiden wollen, um sich so
als gute Menschen zu erweisen:
Die Deutschen halten es für eine Tugend,
sich verachten, beschimpfen, vor allem auch:
ausbeuten, belügen, betrügen zu lassen. 
Das macht sie gottgefällig, gut, schuldbewusst 
… obwohl es nur die versteckte Eitelkeit solcher ist,
die sich für weltgeistfähig halten: für Überpfaffen. 

Seite 107
Wisse es (3)

Sogar im Fühlen 
bist du Epigone.
Einer von gestern,
nicht mehr jetztkonform.
Doch grade das schafft 
dir die Abstandskühlen,
die intellektuelle Zone,
zu deuten 
- ohne zu verlästern -,
was heute ist 
schon fast die Norm:
Dass immer mehr 
sich durch ein Leben wühlen,
das einsam macht,
orientierungslos; 
das Ängste schürt,
das sinnlos scheint,
wird einen einst
auch unterspülen
mit Not und Armut …
ohne Zukunfts-Floß,
weil Krieg das Ganze 
dann verneint.

Seite 115
Hoffnung (4)/

Sommerabendspaziergang,
Kleinstadtstillen
in den besseren Vierteln.
Vor den breiten Garagen 
gestanzter Status,
Ränge, in Blech gewalzt.
Überhaupt zeigt sich da
eine Wohlstandsfülle,
die Glück verspricht, 
Sicherheit und Beständigkeit …

Hoffentlich bleibt dieser Überfluss
noch wenigstens 20 Jahre erhalten.

Dann nämlich 
werde ich’s wohl
geschafft haben.

Verzicht (5)/Sonett 

Viel gibt es geistig heute nicht mehr zu gewinnen.
Und bin ich ehrlich, muss ich sogar dies noch sagen:
Wozu denn sollte man, sich plagend, noch besinnen?
Muss man doch Teil sein eher von Konsum-Gelagen,
statt irgendeine tiefe Einsicht sich zu spinnen.
Ist’s überhaupt belastend doch zu hinterfragen,
warum uns alle Werte mehr und mehr zerrinnen,
uns Zweck und Halte: Sinn so immer mehr abtragen.

Nun ja, die technisch-rationale Welt von heute
schafft solche Menschen, die sind standhaft ichbezogen,
Narzissten, die sich selbst erhöhen permanent,
so dann gewissermaßen werden selbst sich Beute,
behauptend, niemals würden sie von sich betrogen …
obwohl nicht einer, dass er Ware ist, erkennt.

*Das Grund-Problem

Denn eine Ware ist nicht frei, hat keine Würde:
Sie ist ein Ding, nur Ding, kein Selbstzweck als Person.
Und muss sich so dann selber werden doch zur Bürde.
Doch das begreift sie nicht auf ihrem Macher-Thron.

*Schluss-Sonett:

Der Nihilismus heute erzwingt Lebenslügen,
die er sich unbedingt und stets verhehlen muss;
wir müssen uns in dieser Mammon-Welt betrügen …
wie etwa ich mit Einsichts-, Kunst- und Geist-Genuss.

Tatsächlich muss ich ziehen einen andern Schluss:
Ich bin gezwungen, mir als Geistmensch zu genügen,
weil ich um’s Ganze weiß: Für uns ein Elends-Guss
aus Technik, Rationalität und Machtsucht-Siegen.

Zwar kann ich all das als Notwendigkeit begreifen,
doch mit ihr leben, nun das kann ich wirklich nicht.
So bleibt mir nur, mich, wie ich’s mache, zu versteifen
auf diese Weltvermeidungsstrategie ‚Gedicht’,
um wenigstens die Todessehnsucht abzustreifen ….
Ist diese doch mein allerletzter Trumpf, der sticht.

komplexitätskorrupt (6)/Sonett

Nicht selten muss ich in der Tat verdrängen,
wie paradoxverkehrt die Welt doch wurde:
Ein Dauerchaos, strebend ins Absurde,
das flutet uns mit Bildern und mit Zwängen,
uns presst in seine anonymen Gurte 
von Lügen, Hoffnung, Reizen, Mengen,
die das System dahinter allen zurrte.

Versprechend Wohlstand, Sicherheit und Recht,
Demokratie und was die möglich mache.
Allein, was ist da nicht schon längst verzecht,
durch Korruption verfault in Dreck und Lache …
Sei’s ausgenutzt in einem Machtgefecht
oder in sonst charakterloser Sache.

*

Bin ich nicht ständig ausgeliefert einem Drängen
nach tiefster Einsamkeit in kranken Deutungsmengen,
gezielter Lumperei auch (der durch Machtekstasen),
von Würdeträumereien, die mit Wertgesängen
versuchen, mich zu ihrem Vorteil abzuhängen …?
Inzwischen deutschnormal: es fehlen Anstandsbasen,
die hie und da vielleicht noch würden welche drängen,
sich nicht mit Lumpereigehabe anzusengen.

Wie soll ich mich denn da noch halbwegs selbst bewahren?
Durchschaue ich doch auch die eignen Illusionen.
Die nichts vermögen gegen gängige Verfahren
der Wirklichkeitsverweigerer mit Denkschablonen 
die rechtlich sich erschwindeln Kompetenz-Gebaren,
tatsächlich Wolkenkuckucksheime nur bewohnen. 

Bundeskanzler Helmut Schmidt zu Ehren (7)

Wenn man sich selber ruiniert -
ob rechtlich, kulturell, politisch gar -
wie das die Deutschen machen 
seit Jahrzehnten schon -
dann ist korrupt man,
wurde von sich selbst verführt …
ist dumm, neurotisch … deplaziert 
in jedem Amt, das klipp und klar
erfordert Handeln, das, verantwortbar,
das Wohl des Landes intendiert,
dem man verpflichtet ist,
wie es noch - selbstverständlich -
Helmut Schmidt einst war. 

Abkehr (8)

Ich merke deutlich, dass ich müde bin,
die deutsche Selbsterniedrigung 
noch weiter mitzutragen.
Ein Unterfangen, radikal verächtlich 
und ohne einsehbaren Sinn.
Indes die Deutschen brauchen Illusionen,
weil sie, moralkrankselbsthasssiech,
gern schielen nach den Weltgeistkronen,
um andern klipp und klar zu sagen,
wo sie sich hinzuwenden hätten,
wenn’s geht um exklusive Steigerung …
an quasi metaphysisch hehren Stätten,
aus denen bisher freilich keine Botschaft wich.

Schlichtes Existenzgemenge (9)

Was lügt man sich nicht alles vor;
auch Zeug, was einen selbst betrifft.
Indes ist das Evolutionsmitgift,
sich selbst zu wissen auch als Tor.

Man muss halt singen mit im Chor,
der Phrasen und Phantasmen kifft,
damit er Wirklichkeit umschifft
in einem Traum, in dem er sich verlor.

In welchen Trancen selber ich vergor,
das weiß ich nicht; bin sicher Unterschichtentrift,
die lesen kann des Daseins Schrift,
sich deshalb Einsicht auch und Geist verschwor.

Sportstudio (10)/S. 5, Prosa (vom 21.01.2008)

Manchmal falle ich
der Vergeblichkeit in den Arm.
Und manchmal lässt sie sich 
das auch gefallen.
Z. B. wenn meine Körperkraft nachbebt
in den schweren, blauschwarzen Hantelscheiben,
in der mühelosen Bewältigung auch
einer hochwiderständigen Stepperstufe,
einem geschmeidigen Bewegungsablauf,
den selbst das tote Gerät zu schätzen scheint.

Manchmal falle ich 
der Vergänglichkeit in den Arm:
In jenen herrlichen Augenblicken 
der Materie ganz verbrüderter
Körperlichkeit.

Lebenspraktische Abwägung (11)/S. 132, Prosa vom 30. Jan. 2006)

Es ist besser, mit den Wölfen zu heulen,
die üblichen Phrasen auf Lager zu haben,
sich zugänglich, optimistisch und 
witzig zu geben:
vor allem zu signalisieren,
dass man auch nicht anders sei
als all diese anderen da,
wesensgleich sei mit allen diesen 
Heuchlern,
Selbstdarstellern,
Existenzschauspielern,
Aufmerksamkeitslüsternen
und von der kapitalistischen Marktknute
auf das Abhaken von Vergnügungsgelegenheiten 
abgerichteten Hedophilen.

Warum nämlich sollte ich 
Hass und Aggressionen 
auf mich ziehen,
ohne dass mir daraus
auch nur der geringste 
Vorteil erwüchse?

Zerrissen (12)/S. 441, Reime, 16.09.2003)

Es ist ganz klar, warum ich schreibe:
Um das, was ist, zu distanzieren …
Dass mich nicht ganz sich einverleibe
dies Abfall-Silo der Allüren.

Enthält mich eh schon, denn ich brauche Geld,
wofür ich mich verraten muss.
Wie sehr mir das indes missfällt,
ich fahr nicht schwarz mit aller Bus.

Und sage, was ich nicht mal glaube,
versichre, was doch Unsinn ist.
Wogegen nachts ich aus mir klaube
ein tragendes: Ein-Gerüst.

Um was es mir geht (13)/S. 724, Reime, 2.6.2009)

Um was es geht, ist mir nicht klar 
- wenn’s überhaupt um etwas geht -.
Was gälte schon, was wäre wahr,
wenn man sich nicht mal selbst besteht,
sich ziehen lässt von Illusionen,
Primitivismen, Wahn, Genussucht, Wut,
sich aufzugeben in den Zonen
verbrüdernder Enthemmungs-Flut?
Für mich geht’s darum, mich zu schützen
vor Artgenossen, ihren Idealen;
und deshalb Wohlstandsgeifern noch zu stützen:
Als Transzendenz in Schoß und Zahlen.
Denn nur, wenn sie sich konsumieren,
halluzinieren dürfen als Subjekt,
darf ich mich meiner Gegenwelt verlieren.
Wenngleich erlebnisarm, weil Geist verzweckt.

Vierzeiler  (14)/Seite 752, Reime 24.6.2009

Große Sache, unser Leben.
Halte ich für ausgemacht.
Wenn auch sinnlos leeres Streben,
tobend sich als Leidensfracht.

Über mich selbst (15)/Seite 255, Reime 21.10.2002

Befehlende innere Leere;
so öde, so fad und so teilnahmslos.
Womit ich mich grübelnd 
auch immer beschwere,
mit wem ich auch
menschlich vertrauter verkehre …
Immer legt sich Allensein bloß, 
zeigt sich Entfremdung,
wird Einsamkeit groß. 

Die bedrückende Lage Deutschlands (16) (5.6.26)

Manchmal gelingt mir’s noch, mich völlig zu entziehen
dem wachsenden Zerfall moralischen Strukturen:
Sei’s Lügen, Amtsmissbrauch, sei es Verkommenheit,
auch der Vereinnahmung durch Zwangsbespaßungsmessen …
Dann bin ich nicht mehr Außenlenkungsdruck gediehen,
darf auch vergessen diese Machtsucht-Prozeduren
von krass narzisstischer Charakterlosigkeit …
soll heißen Geistesarmen, von sich selbst besessen. 

Indes kann dieser Selbstgewinn nie länger dauern,
weil mir mein Faktensinn ihn bald als Schein ausweist …
Ich spüre deutlich Unzufriedenheit und Trauern,
weil da ein Land ist längst sich selber doch entgleist,
weil oben lange hingab eitlen Tugendschauern,
dumm powerfeministisch wirklichkeitsverwaist.

Über Glück (17)

Dass ich mir selbst bedeutend wäre,
das kann ich so nicht sagen.
Zumal ich weiß von diesem Leben,
dass es nicht selten ist nur Schwäre.
Gewöhnlich weiter nichts als Streben,
sich angenehm durch es zu tragen.
                               *
Zumal das Glück doch heutzutage schwindet:
Es bleibt gewöhnlich flüchtig klein.
Ist’s doch längst weg als tiefes Sein,
das sich ganz selten nur noch findet,
weil nicht zu kaufen oder zu erzwingen.
Als solches nämlich wird’s notwendig Schein:
Orgiastisches, nicht menschliches Gelingen
Zumal ja austauschbar, Beliebigsein:
Konsummonadenkörperringen. 
Konsummonaden sind auch Kunstpersonen.
Im Grunde nichts als Leibsuchtwaren,
die gar nicht mehr sich selbst einwohnen,
vielmehr sind Teil der Zeitgeistscharen.
                             *
Es lässt sich nun mal Glück nicht intendieren,
auch weil es Selbstaufgabefähigkeit verlangt.
Denn nur durch die kann sich dann auch verlieren
die Große Einsamkeit, an der das Leben kernhaft krankt. 

Reklame (18)

Sie will das Absolute suggerieren 
an Geltung, Freiheit und an Lust,
will einem alle Grenzen auch negieren,
befreien von des Alltags Frust

Muss dafür Emotionen schaffen,
die nicht zu überbieten seien,
uns ließen magisch in Vollendung gaffen,
in der vor Glück wir würden schreien.

Weshalb auch Körper sie lässt tanzen
nach musikalischen Kommandofüllen
ekstatisch hingegeben einem Ganzen,
die Selbstwertleeren Gleicher so zu stillen.

Frühe, bedrückend-hilflose Entfremdungserfahrung (19)

Ich weiß, dass viele nicht die Kraft mehr haben,
sich gegen diese Waren-Flut zu stellen,
die sie beglücken soll, erheitern, laben,
bis ihnen endlich alle Sinne gellen;

den Drang auch nehmen, zu verfeinern sich,
um Kreaturenstreben zu verfallen,
zu pochen nur noch auf ihr kleines Ich,
das Ich von Jubel- und Effekt-Vasallen.

Sie würden freilich mich verfluchen,
wenn ich sie würde drauf verweisen,
dass sie ein falsches Leben wollen buchen:
für ein verfehltes sich zerreißen.

Indes schon in der Kindheit hatte ich’s erfahren:
Die meisten sind dem hilflos ausgesetzt.
Sie können sich nur so bewahren,
obwohl’s erleidend, menschlich tief verletzt.

Für homo sapiens bambergensis (20)

Gedenke immer wieder deiner!
Werd’s bis zum Ende tun.
Falls ich noch bei mir sollte sein,
meint: nicht dement.
War doch dein Körper wie sonst keiner,
war er mir doch ... 
Wie soll ich sagen? - Nun:
War er mir doch ein Eros-Schrein,
ein Stoffgebet, ein Gott-Akzent …
Vollendung, Sinntrance, Geistesschrein.

Existenzexpertise (21)

Ich habe keinen Grund zu jammern,
mich zu beklagen, zu beschweren.
Ich kenne alle Daseinskammern:
Die, die belasten, die entehren,
die deprimieren, die gesunden lassen,
die kummerschweren Seelengassen,
die man nicht leicht zu Ende läuft;
sei’s weil verwahrlost ist, sei’s säuft,
an Selbstmord denkt, an Druck, der häuft
die Sucht, sich selbst im Stich zu lassen,
an wirklich alles, was zutiefst bedrückt,
weil man sich selber nicht mehr glückt,
weil sich verachten muss, sich hassen …

Indes auch jene, die dies Dasein fassen 
als Chance, sich selbst zu überwinden,
sich einsichtsmächtig selbst zu überschreiten,
um sich von sich als Niete abzubinden,
um dankbar in Vollendungsmohn zu gleiten,
vermögen’s nur dank ihrer Geistesfinten. 

*
Man mag das Leben 
wie auch immer sehen;
es ist und bleibt ein Rätsel -
letztlich undeutbar …
Ein Zufallsspiel,
das niemand greifen kann;
kurz: Es ist fraglich,
ob’s denn überhaupt sich lohnt.

Ich selber halte es für ein Gefüge
aus Einsamkeit und Asozialität,
Bedürfniszwang, Gewalt und Trug,
für eine Wert- und Perspektiven-Lüge,
die uns nur Deutungsillusionen sät,
die tröstend uns dann täuschen mögen 
bis hin zum letzten Atemzug.
*

In meinen tiefsten Seinsmomenten,
hab ich mir immer eingestehen müssen,
dass jeden Augenblick wir selbst uns küssen,
uns selbst Zweck sind in allen Daseinsbränden.
Wir also müssen alle unsre Werte schänden
aufgrund der objektiven Seinsprämissen:
Als Teilchennichtigkeit, sich zwanghaft selbst beflissen.

Wahrscheinlich (22)

So wie es ist, so musste es wohl enden.
Es gab für uns nur dieses Resultat:
Kapitalismus-, Technik-, Gleichungs-Wenden 
auf rationalen Nihilismus-Pfad.

Wir wissen nicht mehr, uns zu lenken,
wir schwimmen längst als Dekadenzgefälle
in Trance an Hedonismus-Tränken …
Auf einer radikalen Selbstzerstörungswelle.

Wir werden so uns kommen dann abhanden 
als Knechte unsrer Großhirnwerke;
als dann KI-gelenkte Dilettanten:
Orientierungslose Spätzeitzwerge.

Der Zerfall des Individuums (23)

Das Individuum zerfällt
als Würdeträger (als Person),
globalen Mächten unterstellt
von Internet, Narzisstenmohn,
von Lügenterror, Zeitgeistzucht,
die es als bloßen Körper lenken
und somit nähren seine Sucht,
sich magisch infantil zu kränken 
und wohlstandsgierig anzupassen
an ein Monadenkollektiv …
Dem es sich träumend muss verprassen:
selbst-, geist-, gewissens-destruktiv.

Totalitäre Zerstörungsgetriebenheit (24)

Wieso das eine Volksherrschaft 
im allerbesten Sinn sein soll,
ich geb es zu: verschließt sich mir. 
Ermangelt doch der Selbstherrschaft
der Staat des bloßen Kunden-Wir.
Nicht Souverän des Ich-Abstands,
den’s braucht, sich geistig zu erhöhen, 
noch jenseits nackten Selbstsucht-Brands
Pleonexie sich wegzudrehen;
im Zaum zu halten bis zuletzt.
Weil sonst der Durchschnittssinn gewinnt
verfällt Totalgier, die ihn hetzt,
rein amoralisch dann gesinnt.

Substanzmängel (25)

Unser Weg ist doch ein Kreuzweg
geistig-moralischer Mittellosigkeit,
zumal gleichungsvirtuos angereichert 
bis zu Kernbarbarei 
endgültiger Selbstauslöschung.

Wer freilich hätte noch die Kraft,
fähig, geistig die menschliche 
Macht-, Überbietungs- und Zerstörungslust
sich illusionslos vor Augen zu führen,
der noch entgegenzuwirken?  

Angesichts des Maßes an Bestialität,
Artgenossenniedertracht,
Orientierungslosigkeit 
und dem bedrückenden Flüstern 
substanzschierer Vergeblichkeit?

Anfangswunde (26)

Nur Trauerschub, nur Resignieren
vor ausweglosem Nein,
das sich in jede Regung grub,
erfassend dieses Sein 
als uns entfesselndes Vernichtungs-Gieren,
doch schon im Anfang für uns Kern-Anschub.

Selbstformungssehnsucht (27)

Wohl dem, 
der etwas hat und liebt,
wofür er sich
auch ruinierte.
Bloß weil er glaubt,
es lohne sich,
sich selbst für etwas 
aufzugeben:
sie’s für Idee,
sei’s Werk,
sei’s Kunst.
Denn in der Tat:
Ein reiches Leben 
ist, was allein 
nur Geist erlaubt:
Die Macht  
zur Transzendenz.

des Ich:
Vollendungssog,
nicht Kunden-Dreh.
Die Sehnsuchtspitze,
die sich generierte
Materie als 
Auto-Exzellenz. 

Intellektuelle (28)

Mal der Führung, mal den Massen,
haben sie sich angebiedert.
Stammten meist bessren Klassen;
wortreich wie begriffsbefiedert 
standen sie für Utopien
- jedenfalls zum Durchschnitt quer -:
Sozialismus, Menschlichkeit,
Gleichheit und Gerechtigkeit,
Überwindung aller Mühen,
für ein selbstbestimmtes Leben
gaben sie so Heilsauskunft.

Ich indes begriff das nie.
Dafür fehlt mir das Organ;
fand ihr Streben irgendwie
viel zu simpel, ohne Bahn.
Glaubte stets, dass es verfehle,
was für Menschen gängig ist:
Haben, Lust und Ehren-Stele.
Scheitern, Sorge, Gram, der frisst,
dass man sich sich selbst verhehle
Angst und Zeit zu sein und Wahn,
allgetriebne Unvernunft …
Einsamkeit und Knecht von Brunft …

In der Kindheit für mich schon
klare Unterschichtenlehre:
Jeder ist sein Schicksalsklon,
Spielball seiner Seins-Misere,
die Vollendung gar nicht kennt …
öfter freilich Daseins-Leere,
der allein er dann verbrennt.

Nur für mich (29)

Das alles hab ich 
nur für mich gemacht;
mir dabei 
ganz allein gehörend.
Mir war nach Zeilensinn
in dieser Gosse
der dauerfaden Ich-Andacht,
den Durchschnittsterror
mir zerstörend,
nur Geist und seinem Trost
verbracht:
Entronnen diesem Weltkolosse,
sich nihilistisch nunmehr
selbst verkehrend.

Abschied (30)

Es ist Zeit für mich zu gehen.
Nichts mehr da, was mich hier hielte.
Kann zumal auch manches sehen,
was mit mir beliebig spielte:
Wirtschaft, Staat, die Artgenossen,
denen man als Ding geschieht …
Brüchig-morsche Daseinssprossen,
denen einsam man verblüht.

Für Otto Normalverbraucher (31)/Sonett

Was du nicht weißt: Ich steh auf deiner Seite,
obgleich ich zur Genüge dich doch kenne.
Gemeint bist du, Otto Normalverbraucher,
auf alles abgefahren, was dich linkt:
Reklame, Waren und zum Traum-Geleite
auch Stargehabe und Politgeflenne
der Schunddebilen und der Phrasenhaucher.

Doch weil der Fisch ja stets vom Kopf her stinkt,
steh ich zu dir, dem Opfer und Verführten.
Bedeutet auch, ich mache dir nichts vor:
Du wirst Verlierer sein, der Tropf, der Tor
den geistig oben völlig Unberührten.

Ich habe kein Rezept, dich rauszuhauen.
Nur Rat: Du sollst nie denen oben trauen. 

 




 

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