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Blinder Zufall (27/1)/Sonett

Sie schießen hoch in stillen Augenblicken:
Der frühen Jahre blasse Silhouetten.
Mir einen letzten Schweigens-Gruß zu schicken
aus ihren schicksalskargen Armutsstätten.
Alltäglich Bürden: Unsichtbare Ketten.
Die man verdrängte als soziale Tücken.
Man träumte nicht mal, sich da raus zu retten.
Wie hätte das denn sollen jemals glücken?

Und doch: Das alles hab ich überwunden.
Was immer mag mir da geholfen haben …
Da löschte etwas mir die Herkunftslunten:
Verachtung, Schande, Scham zu untergraben:
Des Herkunftsschicksals stumme Alltagswunden.
Ein blinder Zufall war es: Geistesgaben.

Vorläufig-intuitiv-affektive Analyse (27/2)

Unzufrieden ist das Land geworden,
gleich in welcher Hinsicht auch.
Aggressionen allerorten,
Wut- und Ärger-Hauch.

Nun, die Leute merken jetzt,
dass die oben oft versagen.
Machtnarzisstisch arrogant gehetzt,
Wählerschaft sich abzujagen.

Staatsschauspieler, Phrasendreher.
Kaum geeignet für ein Amt.
Und - betrachtet man sie näher -
hilflos zu sich selbst verdammt:

Wortgeklingel-Akrobaten,
wenn rhetorisch auch ganz bieder:
kompetenzarm diesem Land zum Schaden.
Ohne alle Geistesgüter.

Eine Stille (27/3)

Ein Leben lang
hauste diese Stille in mir.
Die früheste.
Die gebieterischste.
Sie war es,
die mich dem Wir entzog,
die mich durch diese
geistarme Zeit gleiten ließ …
Sorglos zuletzt.
Gleichgültig.
Ein atomarer Schemen.
Substanzzynisch.
Tatsachen gewogen,
einsichtsübersät.
Todessüchtig.

Vielleicht (27/4)

Zeitgeistverhilflost sittlich Hochbegabte,
psychisch verunsichert durch Lockformeln
von Selbstbestimmung, Emanzipation
und zeitgeistverschliffener Pseudo-Autonomie,
laässt uns - alltags-, ideologie- und selbstbetrugsfrei -
in radikal redlicher Offenheit unsere lückenlose
Bedeutungslosigkeit und Selbstverlustbürde ausleben,
indem wir nicht ineinander rinnen,
nicht die ideologisch zwanghaft drückenden,
verbraucherfaden Inszenierungen vollziehen,
sondern ein paar Worte wechseln darüber,
dass wir, narzisstischer Leere,
Selbstverfehlungsgaukelei
und erwartungskonformen Verhaltenszwängen uns überlassend,
aneinander vorbei fielen,
radikal allein, nicht einmal fähig wären,
uns einer dem andern mitzuteilen,
fremd gerade auch
in dieser behelfsorgiastischen Verlassenheit
zweier sich pseudovertrauten Selbstkonsumenten,
einen Abschied dann beschweigend,
in dessen Stille wir
einen Augenblick lang uns,
vielleicht,
kerntief vertraut wären.

Gehirnprodukte (27/5)

Technik und Naturwissenschaften haben mich,
den Träumer seiner weltfremden Sehnsüchte,
völlig desillusioniert,
haben mich in ihre ingeniösen Kunstwelten
einer sich selbst gefährdenden Konsumschlaraffe gezwungen.
Haben so meine Kindheitsparadiese zerstört:
Mystisch durchgottete Landschaften
welttranszendent sehnender Phantasie.

Technik und Naturwissenschaften sind freilich das Wesensmenschliche.
Nicht Vernunft.
Nicht Geist.
Diese werden nicht mehr nötig sein dann,
wenn die Künstliche Intelligenz
ihr substanzrationales Eden wird etabliert haben:
Einen digitalen Totalitarismus.
Produkt indes eines Gehirns,
das nicht die Wahl hat,
seiner ihm immanenten Selbstdestruktionsneigung zu entsagen.
Das kann es nicht:
Vernichte es auch seinen Träger.
Und am Ende sich selbst.
Das wäre die rationale Konsequenz
einer geist- und vernunftlosen,
nicht irrational-metaphysisch gehegten
Selbst-Übermächtigungs-Verblendung.

Kindlicher Wunsch (27/6)

Ich wollte nie
erwachsen werden,
ich wollte Kind nur bleiben:
Um mich in Gott
und Wind und Feld
zu erden,
mich in den Kern
des Seins zu treiben.

Vorhersage (27/7)

Gramtrunken.
Erlebnisfanatisch hedomaterialistisch.
Technologiediener.
Selbstdeklassierungserpicht.
Ding, gefühlsekstatisch heteronom.
Leibdrastisch unterjocht.

Auf was kann man da noch zählen?
Auf gar nichts.
Nicht einmal auf sich selbst.
Die Zukunft schließt sich:
Die Bitterkeitsverfügtheit
von fünf Millionen Jahren Evolution
vollendet sich;
endet in metaphysik-, geist- und
vernunftloser Rationalität.

Das ist das Ende, denn:
sine deo salus nulla*.

*Die letzte Zeile in Latein: „Ohne Gott kein Heil“

Bewahrungsgnade (27/8)

Was wäre ich anderes gewesen als ein Zeitgeistspuk,
verdinglichungsgefesselt und tauschzahm,
wenn ich nicht hätte Gedichte schreiben können?
Haltlosigkeit und Einsamkeitszwängen geschuldete 
Entwirklichungsgebilde einer weltflüchtigen Spätzeitmonade.
Eine, die die sich in Worte eingräbt,
aus ihnen einen geistigen Kosmos zu schaffen,
der ein wenig Seelenschutz bietet
gegen die Begaffungszwänge
der allgegenwärtigen Kunstweltzumutungen,
die auf ihre Art Abrundung und Harmonie suggerieren:
Unterleibsekstatisch angereichertes
Bespringen von Halluzinationen,
verführt und verzaubert
von animistischen Behelfsmagisierungen:
Eine artefaktiell fundierte Babylonisierung:
Hinwürfelungen von simplifizierter Stoffheit an sich,
Technologieschamanismus als Zweck- und Sinn-Lieferant,
Triebreizeinfalt mit Verhunzungsgeschmeide versehend,
Zielphantastik und hergestellten Kollektivemotionen:
Flausen-Universa als magische Geborgenheiten,
ausrichtungssubtil Selbstwert-Wehen zu befriedigen.
Basaltröstungen, abgefühlt einer Fiktion von Wirklichkeit,
schundhörig verlungerungseffizient.

Indes was soll das alles heißen?
Ist unser Sein nicht undeutbar?
Wer müsste nicht um Perspektiven kreisen,
sich derer nicht behelfsverseht gewahr?

Ich habe keine Auswege zu bieten
aus diesem Waren-, Reiz- und Formel-Eden
als anonymem Cortx-Wüten,
uns tröstend mit Erlebnis-Lethen.

Indes mir blieben die Gedichte:
Der Sprache gottvermählte Geisteszonen:
enthemmt erfassend dieses spätzeitschlichte
Geräusch synthetischer Gorgonen*.

*Gorgonen: griech. Mythologie, geflügelte Schreckgestalten mit Schlangenhaaren. 
Wer sie anblickt, erstarrt zu Stein.

SMS//Zufällig aus einer Papierhalde gezogen (27/9)

Digital gehetzt, trommeln die Aktienkurse
das globale Spezies-Gewimmel zusammen.
Selbstvergessen vollzieht dieses dann
die mammonistischen Substanzbefehle …
Ökonomische Mimesis* molekularer Vorgänge:
Zufall und Notwendigkeit dominieren
ein Kreaturen-Wettrüsten,
das sich nunmehr seinem Ende zuneigt:
Die Natur kann uns Kortex-Geschwür,
obwohl doch ihr genialstes Produkt,
nicht weiter hinnehmen.

*Mimesis griech: Nachahmung

Evolutionsgaleere (27/10)

Basal nur Quarks und Elektronen,
Atome bauend, Elemente.
In homo sapiens dann subtile Geisteszonen
Bis tief in sprachlich-metaphysische Gelände.

Auf dass ein absoluter Gott ihm spende
die psychisch bergenden Entlastungsillusionen
von Sinn, von einem Leben ohne Ende,
mit dem er werde uns dann einst belohnen.

Allein das sind nur Wunschgebilde,
die uns doch kaum mehr tragen.
Als solche gleichsam Kinderseelenschilde:
Sich sehnend nach Geborgenheit aus alten Sagen.

Wir werden auch die beiden dunklen* fassen:
Materie und Energie.
Uns selbst indes, uns werden wir verpassen:
Determinierte Anomie*.

Zerrissen von Ananke* und von Tyche*,
sind radikal uns selbst wir ausgesetzt,
verlassne Gram-, Verfalls- und Stoffzwang-Sieche,
phantasmensüchtig von Bedarf und Zeit gehetzt …
Pleonexie und Macht und Deutungsleere,
von der wir alle heimlich wissen:
Dass niemand jemals wiederkehre,
sein Leben lang Vergeblichkeit beflissen
auf dieser ruderlosen Evolutionsgaleere.

*Anomie: innerer (psychischer) und äußerer (gesellschaftlich-sozialer) Zerfall. Griech.: 
“Gesetzlosigkeit“; in unserer heutigen Gesellschaft immer deutlicher sich manifestierend
*Ananke griech.: Notwendigkeit, Göttin der Notwendigkeit
*Tyche griech.: Göttin des Glücks, des Zufalls; Zufall, Glück
*„die beiden dunklen“: die dunkle Materie und die dunkle Energie (s. Fremdwörterverzeichnis)

Gedanken eines von Schlaflosigkeit heimgesuchten
alten Mannes am Morgen des 12. Februar 2022 
(27/11)

Wenn ich - wieder einmal - darüber nachsinne,
was alles ich nicht mehr erleben werde,
dann atme ich zugleich, so ist’s, tief auf:
Denn ich denke etwa an -
oft schon habe ich diese Befürchtungen geäußert -
die möglicherweise fatalen Folgen des Klimawandels:
massive Zerstörungen, riesige, nicht bewältigbare Migrationsströme
infolge des Klimawandels ...

Denke an die möglichen Konsequenzen der Künstlichen Intelligenz,
die den Menschen als irrationalen Träger einer in 
Ehrfurcht, Scham, Mitleid und Geist fundierten Moral unmöglich machen wird ...

Denke daran, dass im Gefolge dieser Umwälzungen
die evolutionär fundierten Wesenszüge des Menschen:
Bestialität und Barbarei,
wieder zu häufiger auftretenden Phänomenen
werden könnten; denke also auch an möglicherweise allzerstörerische Kriege ...

Denke zumal auch daran,
dass Demokratie und Rechtsstaat nicht zu halten sein werden - 
und sei es nur deshalb, weil sich kein Staat die massiven, 
ideologisch begründeten, Wirklichkeitsverluste:
die Selbstentpflichtungen verantwortungslos-entfesselungssüchtig 
verhilfloster Individuen wird noch leisten können:
Diesen ins Totalitäre gleitenden Subjektivismus 
(auch eine Konsequenz der kapitalistischen Wohllebensvergottung),
wie man ihn im zeitgenössischen Deutschland exemplarisch erfahren kann: 
bis in die Parteien hinein deutlich sich auswirkend 
Ein beruhigender Gedanke in der Tat,
dass ich, längst auf mein Ende zusteuernd,
von all dem sehr wahrscheinlich
noch verschont bleiben werde.

Und doch: Das Beste euch, die ihr all das,
was ich befürchte, womöglich erleben werdet
(sicher ist das freilich nicht).
Ich muss es euch schon deshalb wünschen,
weil ihr die Opfer sein werdet auch unserer Wohllebenssucht,
die macht, dass wir euch werden vielleicht 
eine erträgliche Zukunft genommen haben.
Allein: Ihr an unserer Stelle würdet ebenso gehandelt haben. 
Daran zweifle ich nicht.
Denn so sind wir nun mal:
Rücksichtslose, in sich selbst widersprüchliche,
verfallsverfügte Ich-Drangsal,
die sich abarbeiten muss an und trösten mit
Haben, Lust, Gelten, Macht und
nichts als perspektivischen Deutungsfiktionen.

Eine Ich-Drangsal, die zudem völlig unfähig macht zu begreifen, 
dass so etwas wie währende Zufriedenheit,
gar Glück, Selbstdistanz und die Befolgung
schlichter Wahrheiten (wie etwa der, dass Askese, Maß und Mitte, 
Autarkiestreben und überhaupt Verzichte auf profane Weltlichkeit),
längst nicht mehr in der geistigen Reichweite hedonistisch-infantil 
geprägter Wohllebenstraumtänzer liegen …
Was ja, sollten jene Befürchtungen auch nur partiell sich bewahrheiten,
es ja schon an sich sehr schwer machen wird,
sie, innerlich gerüstet, anzugehen:
ihre empirische Härte zu ertragen
und sie so vielleicht, wenn nicht zu bewältigen,
so doch auf Dauer halbwegs erträglich
dann auszugestalten.

Im Übrigen muss es uns nicht geben
- auch das wiederhole ich immer wieder;
einfach weil es stimmt -
Wir werden, wie alles Leben, wieder verschwinden müssen.
Zumal doch gerade wir letztlich außerstande sind,
für uns selbst Sorge zu tragen: wir Ratio-Koryphäen.
.
Kurzum: Wir werden uns selbst nicht entkommen.
Das können wir nicht - gerade weil der Natur entlaufen,
folglich notwendig (das zu ändern steht nicht in unserem Belieben)
intellekt-, tugend-, verblendungs- und hybris-hypertroph.

Schicksalsgnade (27/12)/Sonett

Es führt zu nichts, sich da was vorzumachen:
Man ist an seine Herkunftswelt gebunden;
an ihre Vorurteile, ihre Zwänge …
So außerstande, frei sich selbst zu führen.
Wenn ich bedenke all die Psychen-Lachen,
die kalt verrohenden sozialen Wunden,
ihr menschlich auch verkümmerndes Gemenge …
Dann hätte ich mich müssen schon verlieren.

Doch das geschah nicht. Ganz im Gegenteil.
Das Leben sollte reichlich mich beschenken.
Mit Geist und Heiterkeit und Ironie,
mit Einsichtskraft gepaart, die niemals feil
ist Gängigkeit und Grundverlusten wie:
Sich vor sich selbst als Sieger zu verrenken.

Funktionseliten (27/13)

Was soll das heißen: Freiheit, Mündigkeit?
Da sind doch bloße Worte.
Ich selbst erfahre mich als Ding,
als faktisch machtlos, Marktrauschopfer,
Funktionseliten ausgeliefert,
die außerstande sind,
nicht ruinös zu handeln:
Zugrunde richten, was sie ständig loben,
wie Recht, Moral, Kultur und Staat.
Das muss so sein, wenn Mittelmaß
sich höchste Macht erobern kann,
von Ehrgeiz und Narzissmus angetrieben,
heißt: geistig arm und geistig dann korrupt.

Dauerfremd (27/14)

Man bleibt sich selber subjektiv verschlossen,
da deutungslos, weil zwangsergeben
sei’s Eigenwelten, Faktendunkel, sei es Perspektiven.
Zumal doch sprachlich kollektiv gegossen
von vornherein in ausgelegtes Leben …
Existenzielles sich Enttiefen.

Mich missverstehend, fragst du, wer ich sei.
Und weiter: Was und wie ich gerne wäre.
Mir ist das völlig einerlei.
Ich formte, dir zur Antwort, wieder doch nur eine Märe,
die ich, als der ich bin, tatsächlich formen müsste:

Ich legte aus so Selbst-Fiktionen.
Wobei ich zudem ständig wüsste:
Wir werden immer fremd uns bleiben:
So wie uns selbst einander auch …
Sich selbst verschlossene Erscheinungszonen*.

*Nach Kants Unterscheidung von Erscheinungen und Dingen an sich.
Wir erfahren die Dinge nur als Erscheinungen (weil unser Bewusstseinsapparat = Verstand = Kategoriengeflecht, Ich; bei Kant) sie als solche seinen kategorialen Vorgaben gemäß „konstruiert“; die Dinge an sich sind uns unbekannt. S. „Kritik der reinen Vernunft“
*Sich selbst und einander verschlossene Erscheinungszonen, von denen oben im Gedicht die Rede ist, meint, dass - ob wir uns selbst oder andere auslegen - uns stets des kollektiven Kulturguts Sprache bedienen müssen, die selbstverständlich unsere Selbst- und Fremdauslegungen „färbt“, „präformiert“, also mit- und vorherbestimmt. Also: Was ich zu sein glaube, das bestimmt meine deutsche Muttersprache mit - und zwar v. a. auf der emotionalen, affektiven, sozialen und kulturellen Ebene.

Ausweglos IV (27/15)

Ach dieses indolente mich Versäumen,
begriffsfern mich
aus Einsicht und aus Wert zu tragen.
Um so bewusstseinstrüb dann
vor mich hin zu träumen
und zu vergessen, dass,
im Sog entmythisierter Lagen,
ich doch nichts weiter bin als Zellenpuppe:
Längst feil doch technischen Verfahrensweisen,
dem Markt zumal
und rationalen Wissenschaften …
Für die ich Ding bin, Kaufpotenz und Beuteschnuppe.
Doch das muss ich allein verkraften,
mich dabei um mich selber drehen:
Ein Stoffgefüge, metaphysisch ungeborgen,
sogar sich selbst auch nicht zu deuten
Um drastisch sinnlos in mir selbst zu vegetieren …

Da nützt es nichts, zu Gott zu flehen.
Auch nichts, um Anerkennung mich zu sorgen.
Und nichts, mich gossenselig zu vergeuden.
Ich werde weiter Tag für Tag die Große Leere spüren.
Verdinglicht mir entfremdet untergehen.

Menschentypen (27/16)

Der Mensch sei prinzipiell gut und selbstvervollkommnungsfähig,
sei jedenfalls zu Rationalität, Toleranz,
Brüderlichkeit, Altruismus, Ehrfurcht
und gesellschaftlicher Gerechtigkeit fähig,
in der Lage, sich von Fanatismus, Aberglauben,
Schwärmerei und Illusionen zu befreien,
vermöge es vor allem auch,
sich gemäß seinem freien Wollen zu bestimmen,
ehrenvoll und schamhaft zu handeln,
Hybris, Eitelkeit und Verblendung zu unterdrücken
und sich auf diese Weise 
über seinen kreatürlichen Egoismus hinauszuheben …
Der Mensch sei Vernunftwesen und Würdeträger …
So ein unter Intellektuellen immer noch weit verbreiteter,
quasi apodiktisch vertretener Aufklärungsoptimismus.

Ich hingegen - der notwendig wohllebenshörige 
Otto Normalverbraucher -
hänge mein Fähnchen in jeden Wind,
vertrete die Moral,
die der herrschenden Mehrheit schmeichelt,
gebe das von mir,
was mir Anerkennung, Prestige, Beliebtheit und Vorteile verschafft,
rede denen nach dem Mund, auf die ich angewiesen bin,
die ich gewinnen, oder mir geneigt machen will …
Oder verhalte mich wenigstens so,
dass ich nicht unangenehm auffalle 
und mir auf diese Weise Nachteile einhandle.
Und überhaupt versuche ich, aus jeder Situation herauszuschlagen,
was aus ihr für mich rauszuschlagen ist …
Und dies, weil ich es muss:
weil ich mich dem Zeitgeist unterwerfen muss,
um mich nicht menschlich und sozial zu kompromittieren.

Na ja: Der Mensch ist weder gut noch schlecht,
formen ihn doch grundlegend die Umstände und Verhältnisse,
unter deren substanziellem Einfluss er steht,
ohne sich diesen auch nur ansatzweise entziehen zu können:
Umständen und Verhältnissen zumal,
die er gewöhnlich gar nicht zu durchschauen vermag,
sei’s weil er sie nicht versteht,
sei’s weil ihm grundlegende Informationen,
die hälfen, sie zu klären, nicht zur Verfügung stehen.
Die er aber gleichwohl erdulden und bewältigen muss,
um psychisch - und zuweilen gar physisch - überleben zu können.
So notwendig auch angewiesen auf Pseudo-Ordnungen
stiftende Vereinfachungen, etwa axiologische Bedarfsfiktionen (Werte),
Widersprüche unterdrückende Entlastungsinterpretationen,
politutopische oder metaphysische Halluzinationen,
Weltverschwörungstheorien oder Selbstdebilisierungsprimitivismen.
Gewöhnlich also ist der Mensch außerstande,
frei (verantwortlich) für sich selbst einzustehen …
So in etwa der skeptisch-pessimistische Realist.

                               *

Da ist doch nichts mehr da an Geist,
an Anstand, Ehre, Scham und Maß und Mitte.
Nur Marktabklatsch, blasiert sich selbst entgleist:
Narzisstische Verschnitte.

Orientierungslose ohne Selbstbestand,
die sich erlebnishörig infantil verbrennen:
Substanzeinsame ohne Band,
allein in diesem smarten Lustsogrennen

der Faktenignoranz der Staatsschauspieler,
der Mammonmasochisten und der Würdeinterpreten:
Des Stumpfsinns arrogante Dealer,
die trugsubtil zu Nichtigkeiten beten.

Wer könnte unsre Posse ernst noch nehmen?
Maligne Sause blasser Wohlstandsluden:
Subjekt von Produktionssystemen,
die Selbstverlust als Formelhafteffekt zumuten.

Und das, das gilt auch ausnahmslos für mich:
Verdienen muss ich doch mein Geld.
Um zu erhalten dieses permanent doch triebverfügte Ich.
Das sich als Leib nur stoffbefriedigt hält.

Ferne Schimmer (27/17)

Manchmal schießen sie heraus
aus sommerfahlen Erinnerungstiefen,
jene fernen Schemen hämeträchtiger Kindertage.
Phantasmenüberwuchert.
Fluchtwund.
Schamtief.
Sehnsuchtsschal.
Aber immer noch nicht
fällt dich an eine Trauer,
hilflos verhärtet dem gegenüber,
was Menschentum dir ist:
Verratslotterie und Selbstlastbetrug.
Glücklos verkümmert Erlebnisentlastung.

Die Liebe in diesen Zeiten (27/18)

Die Liebe in Zeiten, die Wohlstand vergotten,
im Fühlen von Menschen, die psychisch verrotten,
die selbst sich umflattern, wie Lichter die Motten …
Was könnte sie sein noch trotz all dieser Pleiten?

Was könnte sie sein noch, wenn Körper sind Sachen,
benutzte, bereit, sich zum Ding zu verflachen,
sich kultisch zu richten nach Medienfellachen,
nach Stars, die zur inszenierten sie machen?

Was könnte sie sein noch trotz ärmlicher Sprache,
nicht fähig zu greifen, die geistige Brache …?

Event oder Kicks?
Inszenierungsekstase?
Des Kundengeschicks
verlogne Emphase?
Verkümmerungsschrei,
sich Gram zu entwinden?
Affekt-Einerlei
in Phrasen-Gebinden?

Ich weiß nicht so recht.
Die Liebe scheint tot.
Ein Nutzengeflecht
monadischer Not.
Verlogen, verzecht,
kein Manna, kein Brot.
Narzisstisch erfrecht
dem seelischen Tod.

Deutsche Tugendgröße (27/19)

Des Hochmuts tristes Niedergangsgefüge,
so einfaltswirr ... ein fades Grau in Grau,
staatsmasochistisch sollensarrogant,
das, sich verachtend, wälzt in jedem Staub,
betend erpressen lässt, sich zu erweisen
als demokratisch, würdewirr und liberal ...
Das Land der Wirklichkeitsverweigerer,
der Eingeweihten auch im Dienst des Weltgeistwillens:
Dass er es doch noch küre, sei’s auch geistig tot,
zum auserwählten Ethikhort für alle Gleichen,
die heim dann fänden einst ins Panhumane,
agápezart erlöst von deutscher Tugendgröße …
Und zeichne aus dann endlich es als Land der Guten
und preise sein messianisches Bestreben,
sich, tief gesinnungstheologisch faktenfremd,
dann wertorgiastisch trauerselig scheinbar zu umarmen.

Selbstzerstörung Verfügte (27/20)/Sonett

Wenn ich den kulturellen Ramsch bedenke
und all die psychischen Verelendungen,
den Tugendterror und die Aggressionen,
den Aufstandszorn der geistig Unberührten,
die kratisch primitiven Ehrgeizränke
gemeingewissenloser Engelszungen,
zumal die faktenblinden Illusionen
der aufklärungsfrenetisch Halbversierten,

dann bin ich dankbar doch für jede Stunde,
in die ich mich noch abstandsstill kann retten,
nicht hören muss die so verlogne Kunde,
welch Daseinsgipfel wir erklommen hätten,
wir Hybris-Arroganz … Obwohl im Grunde
als Endzweck deuten müssen Ratio-Ketten.

Prosafetzen (403) (27/21)

Man will exakt das,
was man wollen muss.
Ist man notwendig dies doch:
Was und wie man ist:
Sich selber ausgeliefert
bis zum Schluss:
Fiktion, Verfallszwang,
Deutung, Frist.
Sich selbst determiniert
als Daseins-Fluss …
Man kann sich selber
gar nicht wollen,
muss lebenslang
sich selbst ertragen,
verdrängen,
dass man Fremdbelang:
Ein Spielball ist
von solchen Lagen
als Wesens-Joch,
als kulturell-geschichtliche
soziale …
als objektive
Existenz-Kommando-Mengen …
Ein blinder Stoff-Zufall,
der sich als Trance
muss wagen.

Prosafetzen (392)/Meinem Vater (27/22)

Erst die Erwähnung
des 17. Juni 1953 im Fernsehen
erinnerte mich daran,
dass du heute ja Geburtstag hättest,
94 Jahre alt geworden wärst, Vater.

Nun - ich gebe es zu -
ohne die Nennung
jenes Arbeiteraufstandes
in der damaligen DDR,
hätte ich das Datum
wohl vergessen.

Was nicht heißt,
dass ich dich
vergessen hätte.
Schließlich lese ich
wieder einiges
über den 2. Weltkrieg;
und wenn 
das Datum ‚22.6.1941’
genannt wird,
denke ich immer
zuerst an dich,
warst du doch Teil
des Unternehmens ‚Barbarossa’.

Und war es doch an diesem Tag,
dass die letzten Kerne
deiner schon längst
zerrissenen Persönlichkeit
und die letzten Halte
deines seelischen Gleichgewichtes
endgültig in sich zusammenfielen.

Was dann auch mich prägte,
spürte ich doch,
dass du einen schleichenden
Selbstmord begingst
in den Jahren nach 1949,
nachdem du
aus russischer Gefangenschaft
zurückgekommen warst.

Das vergisst man nicht,
falls man es nicht verdrängt.
Ich verdrängte es nie.
Ich vergaß es nie.

Prosafetzen (393) (27/23)

Es war alles vergeblich.
Es war nichts vergeblich.
Es ist eben sinnlos,
überhaupt nach Wert,
Bedeutung und Zwecken
noch zu fragen …
Wenn man doch weiß,
dass nichts mehr
kann tragen;
dass das, was ist,
kann nur noch beflecken.

Eigensinn (27/24)/Sonett

Was will ich mehr? Für ein paar stille Tage
Welt, Wir und permanentem Druck entronnen:
Dem stündlich inszenierten Reizgelage:
Ergriffenheitstheatern, Ichsuchtwonnen,
auf dass man sich, gefühlt, dann überrage
betäubt von Ehrgeizlingen, die sich sonnen
in zweiter, dritter, vierter Neuauflage
der Magisierung von Effekt-Kolonnen.

Und die, die werde ich zu nutzen wissen,
mein Werten wieder einmal zu bedenken:
Warum ich nicht bin diesem Spaß beflissen,
mich keinesfalls will lassen gängig lenken …

Weil es mir streng verbietet mein Gewissen,
mich dem, was ich verachte, zu verrenken.

So und nicht anders (27/25)/Sonett

Mir war mein Leben lang nur an mir selbst gelegen.
So habe ich’s in Kindertagen schon erfahren.
Da gab es die, die etwas galten und was waren.
Und die, wie ich, gewöhnlich standen nur im Regen.
Ich folgte dabei wahllos meinen Schicksalsschlägen,
die ich zuweilen musste schmerzerfüllt gewahren:
Entsprechend fiel dann aus mein linkisches Gebaren:
Bezeugend Ängste, Einsamkeit und Seelenträgen.

Ich glaube nicht an Menschlichkeit, Vertrauen, Güte,
schon gar nicht Freiheit, Würde, Ehre, Toleranz.
Auch nicht an Solidarität und Geistesblüte:
Vernunft … Vielmehr im Gegenteil: An die Brisanz
von Barbarei; und dass uns oft Gewalt behüte:
Erst möglich mache oft die faktische Bilanz.

Existenzversäumen (27/26)/Sonett

Komplexitätstriviales stilles Leiden.
Ein ungesagtes. Ist doch Glück längst Pflicht
aus hedonistisch greller Zeitgeistsicht:
Konsumorgiastisch tobend sich zu meiden.
Man hört es schließlich auch von allen Seiten:
Genieße selbst dich, alles, was besticht
im marktgezündeten Erlebnislicht.
Heteronom durch Schein und Trug zu gleiten.

Und doch bedrückt’s mich, all das zu durchschauen:
Dass unser Leben mehr und mehr gerät
zu einer Farce von grad ekstatisch flauen,
erregungsdumpf aus zweiter Hand gesät,
Entlastungsposen, fatalistisch grauen …
Zum sinnlos atheistischen Gebet.

Gedichte heutzutage (27/27)

Gedichte? - Das sind heutzutage
in dieser Spätzeit Selbstaufgabezwänge.
Gebilde subjektiver Seelenwaage,
des Geistes radikalluzide Abgesänge …
Sich einen letzten Halt zu bilden,
zu graben richtungslose Hoffnungsspur.
Obwohl man weiß,
man lungert durch der Phrasen Milden,
ein Körperding doch nur,
ein Stoffgebilde ohne irgend Gleis.

Für Gott (27/28)/Sonett

Ich werde niemals etwas auf dich kommen lassen;
man mag für kindlich halten mich, ja gar naiv.
Weiß ich doch ganz genau, dass du allein bist tief:
Nur du noch könntest bändigen anome Massen.
Die atheistisch nunmehr sich, gelenkt, verprassen,
sich als Verbraucher dürfen geben exklusiv;
doch nicht bemerken wollen, dass das primitiv
und nihilistisch wirkt: lässt jeden Sinn verblassen.

Indes du noch als wunderbare Geist-Fiktion,
kannst einen heben sei’s aus Welt, sei’s gar aus sich,
kannst einem heilen Schicksal, Elend: alle Fron;
sogar das kranke, schwankend-allverlassne Ich,
dass es gewinne sich, entwunden allem Hohn
in einem Seelenfrieden, möglich nur durch dich.

Sakralisierter Zweck/Für Homo sapiens bambergensis (27/29)

Kurzum: Ich will dich mehr
denn je,
dich Stoffsuchtwunder
einer Leibgestalt.
Mir schicksalstiefe Fee
erotischer Gewalt.
Mir unbedingtes Sehnsuchtsziel:
Sakralisierter Zweck
in tiefstem Feuchtenspiel,
vergessen machend
allen Daseinsdreck.

So sehe ich es (27/30)

Rund 13,8 Milliarden Jahre war ich nicht.
Und werde, sagen wir in etwa 20 Jahren,
auch nicht mehr sein; endgültig dann.
Denn das, was etwa
die monotheistische Religion des platonisierten Christentums verspricht:
ein metaphysisches Reich,
eine Auferstehung,
gar eine solche auch des Fleisches,
das halte ich für völlig illusorisch.

Immerhin darf ich mit guten Gründen davon ausgehen,
dass jener zeitliche Rest meiner biologischen Existenz
ohne Krieg in meinem Land,
ohne Folter, ohne Hunger und ohne Anlässe
zu quälenden Ängsten dahin gehen wird.
So wie die nunmehr fast 55 Jahre,
die ich bereits hinter mir habe.

Und sollte es wirklich so kommen,
dann hätte ich am Ende nicht den mindesten Grund,
mich, ideell korrumpiert, über irgendetwas zu beklagen.
Werde ich doch in einer Zeit gelebt haben,
wie sie vorher nie war und nach mir
auch so bald nicht mehr sein wird:
Ich zögere nicht,
von einem politischen,
rechtlichen,
gesellschaftlichen
und ökonomischen Wunder
zu sprechen …

Man bedenke doch:
Ein wesensbrutaler Hominid
wird während meiner ganzen Lebenszeit
sich halbwegs friedlich verhalten haben,
tagtäglich von Wohlstand betört,
durch Erlebnislüste von sich selbst
abgelenkt worden sein;
und so, seiner eigenen Nichtigkeit vergessend,
das Höchste ausgekostet haben,
was ihm als diesem gewaltanfälligen
und widersprüchlichen Wesen gelingen kann:
Der permanent genussverdeckte Selbstbetrug.

Abschied (27/31)

So will auch ich mein Glas nun heben.
Auf etwas anzustoßen, was als Illusion,
als Zeitgeistselbstbetrug ich stufe ein:
Prekäre Glücksschimäre, angepasst
an Marktfunktionserfordernisse:
Du willst ein selbstbestimmtes, freies Leben.
Für mich ist das subtiler Hohn:
Macht man sich längst doch selbst zum Ding,
ist tauschgemein, ein Spielball eben,
der sich als dieser selbst nicht fasst.
Nur gut, das man das auch nicht wisse.

Ich wünsche trotzdem dir Erfolge.
Als das, was du sie sehen musst:
Prestigegespinst als Selbstwertsiegerwolke,
nur geistig als Konsumknechtschaft bewusst.
Indes bemerken wirst du das ja nie.

Leb also wohl. Für dich das Beste:
Es werde wahr dein tiefster Traum:
Totalitäre Existenzmagie
in psychoethisch totem Raum.

Der idealtypische Kunde (27/32)

Ihm ist im Grunde alles gleich;
noch nicht mal von sich selbst nimmt er Notiz.
Ihn klopft der Große Tingeltangel weich:
Sex, Urlaub, Spaß, Geschwätz und Hits.

Ihn, der als Emotionen-Konsument
und Prototypus des gemeint Normalen
ist geistig faktisch insolvent
(in Ich gebettet, Waren, Zahlen).

Doch könnte ich ihm das verdenken?
Das wäre eher unverschämt.
Wo Wissenschaft und Kapital und Technik lenken,
ist jeder daseinsdilettantisch sich verbrämt.

Sind Halt und Sinn und alle Freuden fort.
Und diese Lücken sind nicht mehr zu schließen.
Es bleibt ein leerer innrer Ort,
der zwingt, sich restlos zu zerfließen.

Unübersteigbare Fremdheit (27/33)

Das, was du willst,
kann ich nicht bieten.
Das, was dir Angst macht,
gleich im Überfluss.
Somit ist klar,
wir sind geschieden,
verfügt von jeweils
subjektivem Muss.

Selbstanspruch I (27/34)

Ich mach so weiter,
wie es zu mir passt:
Ich füge Einsicht
in gebundne Rede.
Denn eines will ich nicht:
Dass Zeitgeist mich verprasst.
Mich korrumpierend,
mir Ersatz-Selbst böte.
Mich, mir entfremdend,
geistig töte.

Unbewusster Prozess (27/35)

Ich suche Zweck,
ich spekuliere.
Und weiß doch,
es ist ganz vergebens:
Der Kortex formt sich
Sinn-Vampire
zum Vorteil tierischen Erlebens.

Denn das ist alles,
was man wollen muss:
Sich lebenslang zu sein
sein eigner Kuss.

Und dadurch macht vielleicht
zum miesen Schwein.
Das auch aus andrer Tröge frisst,
sich selbst verrät
und sieht im Spiegel Schein.

Was bleibt (27/36)

Mich ekelt diese Mache an.
Ihr wisst schon,
welche ich hier meine:
Den werttotalitären Fun
der Allzwecksurrogate.
Für kleine,
wirklich kleine Richtungslose …

Nun freilich werd ich
ziemlich ungerecht:
Es bleibt tatsächlich nur
die Ich-Neurose,
der Kontostand
und das Geschlecht,
das Infantile
und das Endlosfade.

Entgrenzungsknute (27/37)

Die Zeit ist von sich selbst besoffen,
hat keinen Abstand mehr zu sich.
Man ist subtil verwahrlost und betroffen,
sich zugeteiltes Ich.

Flexibel, optimistisch, seicht,
dem innren Team und Updates unterzogen,
als human capital global geeicht,
erfolgscool endlos aufgesogen.

Die Lebensführung wird Betrieb,
man selbst so Mikrokosmos einer Welt,
die nicht verortet mehr, ist Psychen-Hieb,
der schiere Tauschmonaden um sich selber prellt.

Illusionsgehegte (27/38)

Ich habe meine, ihr habt eure.
Und sie sind gar nicht mitteilbar:
Die Illusionen, die wir alle hegen,
uns vorzugaukeln irgend Zweckgehalte.
Dies Rätseldasein scheinbetört zu lösen.
Es ist, als ob ein Dämon da befeure
das Sinnbegehren einer Traumweltschar.
Sich jenes lusterpicht zurechtzulegen.
auf dass nicht Einsicht es
als Selbstverlust entfalte:
Doch Alptraum smarter Ratio-Größen.

Faktenspielballohnmacht (27/39)

Hör endlich, endlich auf zu jammern.
Du weißt doch, wie es laufen muss:
Verfügt bist du Gesellschaftsklammern;
und auch dir selber ausgeliefert bis zum Schluss.
Kein Dasein, das nicht wäre allprekär,
in jedem Augenblick doch ausgesetzt
dem Hang zu Illusion und Ungefähr,
von Selbstwert-Zweifeln tief verletzt.
Es gibt nur einen Weg, sich selbst zu meiden:
als Faktenspielballohnmacht sich sich zu entziehen …
Als diese wissend sich durch dieses Sein zu leiten …
Nie Sinn-Fiktionen, Wert, Pleonexie gediehen.

Fundamental-Abscheu (27/40)

Mich widert das an,
dies Verbrauchergetue:
Der Kultus des Fun,
der Markenschuhe,
das seichte Geschwafel
der Leistungseliten:
Der Wertwirren Tafel,
von Fakten geschieden.

Mich ekelt Gesellschaft,
dies Horden-Gebilde,
die ethische U-Haft,
die Leerformelgilde,
der Warenbetrug,
diese Langweile,
der bittere Zug
im Ernst jeder Zeile.

Mich stößt das ab,
dies Ringen um nichts,
dies Ramsch-Make up
blasierten Gesichts …
Dies Hauen und Stechen,
verwahrlosungsroh,
sich Sinn zu erfrechen:
Primaten-Tarot.

SMS//Zufällig aus einer Papierhalde gezogen (27/41)

Die Entseelungs-Imperative
rätseln über sich selbst;
die existenziellen sowohl
wie die sozialen.

Ichlastig spreizen
die Geltungshuren
Belämmerungsschenkel
zwecks Hypermoral,

den globalen Ochlos
wahllos empfangend
zu subventionierter 
Entlastungs-Kopulation.

SMS//Zufällig aus einer Papierhalde gezogen (27/42)

Zukunfts- und kulturlos,
Adiaphora speichernd:
Mit sich selbst
kommunizierende
Smart Phone-Diener,
auf Effekte getrimmte
Hirne anwählend
in reklamediktiertem
Verseichtungskosmos.
Wahllos massierend
die Ramschphantasien
deutungsentwöhnter
Sekundär-Ekstatiker:
Stumpfsinnbombastisch.
Zwangsegalitär.
Bewusstseinssynthetisch.
Sich selbst marktbeflissen
steuernde Kandidaten
eines zwangstechnologisch
generierten, stets à la mode
gekleideten Lumpenproletariats.

Auf Ratio-Diktatur doch angewiesen (27/43)/Sonett

Was kommt? Vermutlich eine Katastrophe.
Die niemand sehen konnte, niemand plante.
Es gibt da keine Schuld, wenn hypertrophe
Verstandes-(Intellekt-)Ananke bahnte
der Art die Spuren technogener Zwänge.

Wer hätte hemmen können ihre Dünen?
Wer auch entrinnen ihrer Formelstrenge,
nur überlebend doch auf ihren Schienen?

Dass geistig ich da mag oft aufbegehren,
ist doch naiv, meint Illusionen klonen.
Vergeblich sich des Faktums zu erwehren,
dass Ratio ganz allein muss sich betonen …
Evolutionsverfügt wird auf uns zehren,
nicht fähig, mit uns selbst uns zu verschonen.

Selbsttäuschungsvirtuosen (27/44)

Wer kann sich diese Einsicht leisten,
dass wir ein Dasein als Verfügte fristen?
Verfügt uns selbst, den rational entgleisten
Effektmonaden, die sich brüsten,

sie seien von Natur aus Geisteswesen,
begabt, zum Selbstzweck sich zu machen:
Vernunftzentrierten Wert-Synthesen -
so nicht nur wären Sachen unter Sachen.

Als Mittelknechte darauf angewiesen,
uns über uns hinwegzutäuschen,
sind wir verdammt, uns selber blendend zu verfließen
im Wortgeklingel von Bedeutungsräuschen.

SMS//Zufällig aus einer Papierhalde gezogen (27/45)

Auge und Nase verdeckt,
erfolgreich enttiert,
schnappt ein Begehr
nach seraphischem* 
Schamhaar.
Schweißneutral
seiner selbst
nicht mehr mächtig.
Betrüglicher Leiboptimierung
zum Opfer gefallen.
Indes: Wer kopulierte nicht
sich heraus aus Nihilismus
und Neurosen-Gelächter,
aggressiver Ohnmacht
und Verwahrlosungs-Gewoge?
Zumal’s die Verwaltung
immer dringlicher
als Vollzugs-Entlastung anmahnt.

*seraphisch: engelgleich, verzückt

Anderssein (27/46)

Was könnte ich denn von mir selbst erzählen?
Zumal beschäftigt damit, das zu meiden,
was man für gut hält und erstrebenswert.
Was gängig propagiert wird als das höchste Glück:
Erfolg und Anerkennung und Dazugehören.
Vielleicht auch Macht und Ruhm und Überragen.
In jedem Fall erwünschte Anpassung.
Die doch verhindert, dass man Zweifel hegt,
ob man das Richtige, meint: Das Erwünschte tue.

Was mich betrifft, so war von Anfang an ich außerstande,
sei’s Vorteil, sei es eine Haltchance drin zu sehen,
in dem, was andere am meisten schätzen.
Selbst wenn gewollt ich hätte, hätte ich’s nicht können.
Mich hielt ein andrer Zwang von all dem ab.

Verdienst ist da auf keiner der genannten Seiten.
Ich hab mich angepasst, wie ich es musste,
wie’s mir die Daseinslotterie bestimmte:
Als Außenseiter, meist allein, zu existieren.

Indes verachtet hab ich jene nie. Zumal ich wusste:
Sind sie es doch, die Sein und Haltung 
mir erst möglich machen,
weil grade nicht, wie ich, sie diese Welt verwerfen.
Sich vielmehr in sie stürzen, ihr sich abzutrotzen,
was sie verspricht an Gütern und Genüssen.
Und das erst schafft den Wohlstand, groß genug,
einen wie mich zu dulden, dem an ihm nichts liegt,
der freilich gerne ihn benutzt als ideales Mittel,
beiseite sich zu halten vom Getriebe schieren Haschens.

Und hatte Glück, und zwar sehr viel, ich deute an:
Da war das Ämtchen, das ich inne hatte
(Kultur gewidmet, so politisch ganz bedeutungslos:
Politfiguren sind sich selbst nur relevant),
das mir den Lebensunterhalt für dreieinhalb Jahrzehnte sicherte:
Ich musste also nicht von fremder Leistung leben.
Was mich zutiefst beschämt auch hätte:
Wer will schon sich auf solche stützen müssen,
die ihm suspekt sind, wenn auch nicht verworfen?

Auch wenn ich weiß um’s Ende aller Hochkultur,
um die systembedingte Gossentyrannei,
den Niedergang der Bildung, psychischen Zerfall
der Innenwelten, des Gewissens Tod,
totalitärer Mittelmäßigkeit Gesinnungstugendfanatismus,
so will ich doch mich Geist und Einsicht widmen,
durchschauen diesen späten Ratio-Nihilismus,
begreifen so auch die Notwendigkeit, in ihm beschlossen,
der Gattung letzter Art nicht Schuld an sich zu geben.

Ich durfte Kind so bleiben und herüberretten
ins hohe Alter jener Zeiten Animismus-Phantasie:
Faszinationen. Einfach. Mystisch. Frühnaiv:
Die Katzengötter und die Winddämonen,
der reinen Schneepracht Rieselstille,
den Gott in mir, Phantom des absoluten Geistes,
geheimnisvoller Stummheit Farbenspiele,
mich zart zu trösten, wenn mir eine rasche Bö
den Sand geglättet hatte, meines Seinsgekritzels Kelch.

Indes wir der Materie Fehllauf sind,
wir, Virtuosen ganz banaler Barbarei,
nicht ansatzweise fähig zu bewahren
sei es uns selbst, sei’s jener Schönheit Trost …
Verstörter Irrtum, Zufallslaune …
Der Tyche Blindheit, scheint’s,
genialster Katastrophenwurf.

Phantasmagorien (27/47)

Von Phantasmagorien
frei zu sein,
das ist, genau genommen,
ausgeschlossen.
Zumal man richtet aus
sich Trug und Schein,
sieht Paradiese so
noch selbst in Gossen.
Und das, das tut man
faktisch dauernd:
Man phantasiert als Hirn,
man lauert,
zielt dabei auf dies Dreigestirn:
Beruhigung, Entlastung,
Traumweltzwirn.
Gemeinter Wahrheit dann
ganz friedlich eingegossen.

Klugheitsregel (27/48)

Auch mal was auszulassen,
bin ich gern bereit.
Ich muss ja nicht
grad alles sagen.
Schon zu verhindern,
dass mich hassen
die Wert-Propheten
dieser Zeit.

Denn was ich denke,
- das ist leicht zu spüren -
geht mit dem Zeitgeist
nicht konform:
Nicht seinen
Tugendramsch-Allüren,
genau genommen
keiner Norm.

Die ihm mag
dieses Unvermögen lindern,
exakt zu denken …
ohne Träumereien,
komplexer Faktenwelt
sich einzureihen;
doch das, das würde
tief ihn kränken.

Geistige Überschreitungen (27/49)

Gedichte machen, das heißt zwanghaft überschreiten
sei’s Ich, sei’s Welt, sei’s Du, sei’s Wir,
heißt, radikal sich selbst zu meiden
als marktvereinzeltes Gesellschaftstier.
Heißt wortgeborgen leichthin zu entgleiten
all dem narzisstisch-tugendfaden Bettel hier
von eitlen Wirklichkeitsverweigerungen …
den Fakten nahe, einsichtsschier
sich geistig - stoffkonform - gelungen.

Dies Dasein (27/50)

Es ist dies Dasein letztlich doch genial.
Wie man’s auch drehen mag und wenden:
Es ist -
trotz Formeln, Gramkonsum und Umsatzzahl,
trotzdem man muss sich Markt verschwenden,
trotz allen Scheins von Glück, Bedeutung und Moral -
noch immer groß …
Als geistiges sich selbst Vollenden:
In Weltabwehr …
Aufgrund von Zwang indes,
nicht Wahl.

Überholte Prägung (27/51)/Sonett

Die Welt, die mich geprägt hat, ist verschwunden.
Sie war recht klein und eng und noch geschieden
nach Bildung, Konfession und Klassen-Mythen.
Noch gab’s ihn nicht, den ichabstrakten Kunden.
Gut war sie nicht, die Welt der Stammtischrunden,
der Flüchtlingsleute aus den Ostgebieten,
der Lebensgier und der Charakternieten.
An Feld, Fabrik und Kleingeschäft gebunden.

Ich sollte immer ihr verhaftet bleiben.
Ihr, dieser anti-intellektuellen,
mit ihrem noch bescheidenen Betreiben,
sich aufzuschwingen zu ganz neuen Hellen.
Um diesen dann sich fraglos aufzureiben:
Dem Sog des Wirtschaftswunders sich zu stellen.

Was ich schreibe (27/52)

Manches ziemlich deprimierend,
andres einfach roh.
Drittes unerträglich flach.
Vieles, was man gar nicht wissen will.
Doch die Welt, die ist nun einmal so:
Loser Boden, ohne Geistes-Dach.
Heute Hedonismus-Drill:
Nur für Kluge alarmierend.

Wenn wir unsre Kerne kennten,
würden viel zu oft wir trauern,
weil in ihnen gar nichts fänden,
was uns nicht auch ließe schauern:
Dass wir ausgeliefert leben,
Zwängen, Zufall, Zeit und Tod …
Andern, uns, prekärem Streben …
Ohne Mitte, Sinn und Lot.

Deutend uns entsprechend aus:
als vernünftig, frei und hehr.
Als der Würde Geistes-Haus:
Zweck an sich und einsichtsschwer.
Freilich Ohnmacht, sittlich leer.
Triebgefüge, machtgebunden,
oft nicht fähig, zu erkennen
all die Quellen unsrer Wunden.

Prosafetzen (270) (27/53)

Tatsächlich habe ich
dir gar nichts zu bieten.
Weder menschlich noch ethisch,
weder kulturell noch sozial.
Weder geistig noch sexuell.
Überlege es dir also,
ob du auf mich setzen solltest.
Wäge es klug, ohne Tagträume,
Erwartungsillusionen und
irrationale Verstrickungen ab.
Und vergiss nicht,
welche Chance
ich dir damit biete,
dich nicht in dir selbst 
zu verrennen.

Der tote Gott (27/54)/Sonett

Längst fehlen doch die feinen Seelenschichten,
das Absolute noch als Geist zu fassen:
Die Psyche heute muss sich Reiz verprassen,
kann nicht mehr metaphysisch sich gewichten.
Muss nach Reklame sich und Nutzen richten:
Impulsen also für Erlebnismassen,
Systemschub für die Selbstverwertungsklassen:
Orientierung diesseitskirren Schlichten.

Wer kann sich da denn noch mit Gott abgeben,
den nicht für einen Therapeuten halten,
der einem helfen könnte zu erstreben
gelungnes Dasein in Genusssucht-Spalten,
um auszukosten dieses Heidenleben
bis in die letzten irritablen Falten?

Grundstimmung (27/55)

Zu nichts fähig,
zu nichts nütze,
hänge ich hier rum;
weiß, dass ich
mir Ohnmacht ritze,
dass ich Schund
und Phrasen stütze,
ging gerne 
schmerzlos um.

Der Leib (27/56)

Es ist der Leib,
der tiefste Glücke gibt;
der Leib allein
tut das.

Ob Kraft, Gesundheit,
ob Orgasmuswogen,
die schenkt nur
dieses Stoffgefüge.

Und das, bis es
in Siechtum kippt,
wird reduziert
auf Fraß.

Verfügt wird Leid,
dann aufgesogen
vom Krumen-Nichts
der leeren Krüge.

Zeilenkalt verhehltes Dauerschweigen (27/57)

Man ist sich oft genug ja selber Last.
Und hat man Pech, ein Leben lang.
Dann wird es schwer, sich je zu gönnen Rast,
weil dann man ist sich selber Zwang.

Schafft’s nicht, sich von sich selbst dann zu befreien,
doch in sich selbst gefangen ohne Seinsbelang.
Und denkt nicht selten dann an jene Rast,
die nur der Tod zu bieten hat - in Gräberreihen.

Ich hab versucht, die meine zu begreifen,
sie in Gedichte umzusetzen.
Um so sie geistig manchmal mir zu schleifen
und meinerseits sie dann zu hetzen.

Und das gelang mir immer besser.
Doch hatte das auch einen hohen Preis:
Ich wurde selbst mir intellektuelles Messer
in einem menschenleeren Einsichts-Kreis.

Selbstanspruch II (27/58)

Ich hab’s mir nie geschönt,
mir nie zurechtgelegt:
ich wollte immer wissen,
was es faktisch sei,
dies Dasein,
das sofort verhöhnt,
wenn man sich ichverzückt
zu Markte trägt,
wenn man ihm ist
als Knecht beflissen;
sich mogelt scheinbetört
an ihm vorbei.

Vollständige Heteronomie/Fremdbestimmtheit (27/59)

Man glaubt es störrisch, man sei autonom,
erwähle sich die eigne Existenz.
Tatsächlich läuft man ab als Leib-Atom
materieller Grund-Essenz …
Als Ichsucht, eingebettet dem Sozialen.
Und so in keiner Hinsicht jemals frei.
Indes man muss sich
diesen Traum ausmalen:
Dass man sein Herr und Lenker sei,
sein Schicksal habe in der Hand,
sei souveränes: selbstbestimmtes Ich …
Obwohl nur zellulärer Großverband.
Man würde freilich trübsalantriebslos,
sich wissend als ein Zufalls-Zwangs-Ablauf,
der permanent zumal tut mit sich groß …
Dabei nur führt doch seine kleine Posse auf,
verfügt dem Hirn- wie dem Gesellschafts-Joch.

Die existenziellen Fakten (27/60)

Dass irgend Relevanz ich hätte,
das glaub ich eher nicht.
Zumal ich meide diese Spaßkult-Stätte,
human verarmt und dummdreist-schlicht.

Das sind ganz kleine, ichverliebte Seelen,
die kein Gefühl mehr für sich selber haben;
die die Gesellschaft und sich selbst verfehlen:
Karrieristen etwa ohne Geistesgaben.

Ich schaffe selber mir Bedeutung in Gedichten,
der deutschen Sprache abgerungen;
bis in die tiefsten Wesens-Schichten,
die mir bedeuten: Du bist Zeit gedungen,
Verfall, Pleonexie*, Materiegesetzen;
bist lediglich Bedürfnis-, Trieb- und Sinnsucht-Tier
verfügt, sich zu verfehlen und zu hetzen
in jeder Stunde so ein Knecht des Wir.

*Pleonexie, griech. Ich-, Hab-, Macht- und Genuss-Sucht 

Über meine Gedichte (27/61)

Was ich da schrieb,
das liest wohl keiner:
Gedichte
ohne Illusionen,
diktiert von Faktensinn,
von Redlichkeit;
indes auch Selbsterfahrung
und Erkenntnistrieb.

Sie heben nicht,
entfalten keinen Traum;
und keine Hoffnung
lassen sie;
sind kühl und schlicht,
begeistern kaum …
Sind vielmehr Ausdruck
unsrer Wesens-Anomie.

Zumal sie Wert auflösen,
Selbst und Würde;
so unser Dasein
allen Sinns berauben:
Den haben keine
Teilchen-Größen …
Es sei denn,
dass an IHN sie glauben.

Abschluss-Verse (27/62)

Ich hatte Glück, das muss ich ehrlich sagen:
Mir waren günstig alle Nachkriegs-Lagen;
sie waren's ökonomisch und politisch,
sie waren's technologisch-analytisch ...
Was es erlaubte mir, mir selbst zu leben:
mich Geistigem statt Triebmacht hinzugeben,
mich abzusetzen von der Wirklichkeit:
Der Diktatur von Spaß, Erfolg und Neid.
Zu füllen so auch meine Herkunfts-Leeren,
tatsächlich lange Zeit nur Seelenschweren.
Geblieben sind jedoch die Einsamkeiten,
das einsichtspralle, destruktive Leiden;
vor allem radikale Grundeinsichten
in menschlich tiefste
Gewalt- und Nihilismus-Schichten.

*

So scheint denn auch das Ende mir zu glücken:
Dass mich der Tod wird rechtzeitig entrücken,
bevor die alten Weisen wieder gelten
vom Kampf der einzelnen und dem der Welten,
nicht wissend ums Warum und ums Wofür.
Na ja: Um das, was in uns webt als Tier.
Als weder gut noch böse, eben schier
ein Opfer seiner selbst, heißt Menschen-Märe,
man sei Vernunft, die sich als Geist verkläre.
Indes das ist nicht so, ist Lebenslüge,
die ausschließt Freude und Vollendungs-Krüge.

Über mich selbst

Faktenflüchtige Selbstbewahrung (27/63)

Die deutsche Sprache hob mich
über alles das hinweg,
was man Gesellschaft, Welt,
auch das Soziale nennt:
Bedürfnis-, Trieb- und Schein-Bezirke ...
notwendig amoralisch,
ohne letzten Zweck.
In deren Kernen
ein Verderben brennt,
das niemand,
faktisch niemand meistern kann.
Es sei denn,
dass der Geist bewirke,
dass man durchbreche seinen Bann,
so retten könne sich
vorm eignen Ich.

Vom Segen der Selbstzurücknahme-Fähigkeit (27/64)/Sonett (39)

Die größte Daseinshürde ist man selber sich,
weil, etwa, andere will sichtbar überragen,
was Haben angeht, Gelten, Macht, kurz: Lebenslagen,
verweisend auf die Größe seines kleinen Ich.
Man ist ja von Natur schon andren eher Stich:
wenn etwa will belehren sie, will ihnen sagen,
was gut sei, schlecht, welch Werte sollten einen tragen.
Was ehre oder schände - ganz unweigerlich.
Indes ich selber nicht an jene Größen glaube,
es gar für unklug halte, ständig sich zu messen
mit andern - faktisch liegend vor sich selbst im Staube -,
so unsre Daseinswahrheit fliehend, zu vergessen:
Dass man notwendig sich aus Unbegriffnem klaube,
sich selber ausgesetzt, Gesellschaft, Deutungs-Blässen.

Tatsachen und Befürchtungen (27/65)

Ich weiß, ich ruhe der Gesellschaft auf,
nicht lebensfähig wär ich ohne sie;
bin ihr zu Dank verpflichtet ohne Frage.
So formt mich insbesondere ihr Lauf,
gibt vor mir meiner Psyche Melodie,
auf dass nach dieser ich mich selber trage -
oder verpasse mich im Ausverkauf
von Werten, Selbstmacht ... schaffend Spaß-Manie
und eine immer schwierigere Lage.

Reiß dich zusammen Heimat! Ohne Knauf
wird untergehen deine irgendwie
Demokratie genannte Dilettanten-Plage.
Charakterlosigkeit und Unvermögen,
Ideologenstumpfsinn, plumpe Ämter-Stäbe ...
Kurzum: Die Machenschaft der Drögen
ist längst geworden gang und gäbe.
Auf dass wir alle einst am Tugend-Strange zögen,
geknüpft aus Arroganz und Traum-Gewebe.

Mein Nihilismus (27/66)

Uns müssen selbstverständlich
Werte steuern:
Zumal uns, nicht zu werten
gar nicht möglich ist.
Uns rationalen Ungeheuern:
Wir müssen uns in Werten erden.
Wir könnten ohne Werte gar nicht sein.
Sind sie es doch, die uns befeuern:
Mit Lebenslügen, Perspektiven, Schein,
uns selbst uns zu verbergen,
uns zu verhüllen unsre Wesensschiefen.

Indes es Fakten sind,
die meinen Nihilismus steuern.
Er ist nicht Deutung:
Etwa Wert-Verneinen.
Ist vielmehr immanent
doch allem, was da ist:
Ein Sprössling der Materie,
als Zufall, Gleichung, Frist …
Er kennt nicht Geist,
nicht Gott, nicht Seele, Zweck …
Er kennt nicht irgendeinen Sinn …
Das alles ist ihm blinder Fleck
vom Anfang bis zum Ende hin.

Subjektive Sicht auf unsere Existenz (27/67)

Was hab ich nicht schon alles mitgemacht,
erfahren und begriffen
in dieser wesensradikalen Schlacht,
des Daseins Tücken zu umschiffen.
Sich einzuhausen in Erlebnis-Trancen,
auch Anerkennung sich zu schaffen ...
Ja, überhaupt zu nutzen alle Chancen,
von sich ergriffen auf sich selbst zu gaffen.
Doch das ist menschlich: Schein zu pflegen.
Schon weil die Fakten - immer - deprimieren,
Versagen, Trauer, Selbstverlust erregen,
kann man sie sachlich kühl sezieren.
So unsren Spaßkult als Entlastungsstreben
- Wer kann schon Einsicht sich verpflichten -,
um sich von sich als Zeitknecht abzuheben ...
sich fälschlich autonom: als daseinssouverän
naiv dann zu gewichten?

Zu meinen Gedichten/Trias A 90 (27/68)

Manches mag sich finden,
das was taugt.
Vielleicht auch schön ist;
jedenfalls was sagt,
indem es ausnahmslos
aus Wirklichkeit sich saugt,
zugleich
den Produzenten überragt:
Sein Selbst,
das objektiv vermittelt ist,
sein Sein,
belang- und ganz bedeutungslos.
Und seine Kälte,
die auf alles pisst,
was als human gilt,
als gerecht und groß:
muss es auf Lebenslügen
letztlich sich doch gründen.

Und wär's nur eines,
das dies Ganze fasste,
ich wär zufrieden
mit dem einen.
Genug wär's mir,
wenn einmal nur verblasste
dies meistens schale Daseinsspiel:
Doch Dauerplage
uns modernen Danaiden*.

*Danaiden griech. Mythologie: s. Fremdwörterverzeichnis

Selbstverzauberung (27/69)

Entgrenzte Stunden.
Spätabends im Büro.
Mein Alltags-Ich zerfließt.
Ich bin nur noch
mir selbst verbunden.
Nicht mehr Herr Sowieso.

Verzaubre selber mich
mit ein paar Zeilen,
verweigernd so mich 
meinem Alltags-Ich.
Beschließ den Tag
und seine Langeweilen.

Den Verhältnissen abgelesen (27/70)

Wenn man sich selbst die Treue halten muss,
dann wird man heutzutage nicht weit kommen,
wird in der Regel eher sein beklommen,
weil man wird landen letztlich bei dem Schluss:
Es lohnt sich nicht, noch irgend treu zu sein,
sei’s sich, sei’s Du, sei’s irgend einem Wert.
Hier geht’s um Flexibilität, um Schein.
Verlierer ist, wer diesen nicht verehrt.
Hier gilt nur das, was einem Vorteil bringt.
Und alles andre ist hier sekundär.
Was zählt ist, dass man jenen leicht erringt ...
Und dadurch gilt sich als bedeutungsschwer.

Für Friedrich Hölderlin (27/71)

Als hochwirr gilt ihnen jeder,
Feind und unverfügbar
ihrem herrischen Stumpfsinn,
der,
bitter und richtungslos,
sich mit den Leeren
paart -
zeugt
zwischen Ich-Trance und Stoff-Gier
ein schwankendes Nein
zu biederem Umtrieb.

Indes ist es Ohnmacht,
die uns Verwerfliches schreibt
in Wollen und Handeln,
ist’s schiere Vergeblichkeit auch:
die zu geplantem Versagen
uns drängt,
ichbefangenem Entlastungs-Geraune.

Nebenbei bemerkt V (27/72)

Gott ist tot. So schon Nietzsche.
Die Natur liegt im Sterben.
Das Geistige ist
gesellschaftlich irrelevant,
den allermeisten
längst unzugänglich,
ist nicht mehr erstrebenswert.
Der Mensch
entwickelte sich zurück
auf die Stufe
eines austauschbaren Spaßjägers,
eines narzisstischen Beliebigkeits-Infantilen
und eines seiner selbst
entfremdeten Pleonexie-Büttels …

Wie soll ich da noch
allgemein verständliche,
zumal Substanz gründende
Gedichte schreiben,
ist doch die kollektive Innerlichkeit
längst eine sekundär marktinszenierte …
Wie - und warum - Gedichte überhaupt noch
in Anbetracht der inneren Leere,
Verwahrlosung, Oberflächlichkeit,
Austauschbarkeit, Kälte und
emotionalen Erbärmlichkeit
einer systemkranken Neurotiker-Seele,
die sich entweder nur noch
im Konsum- und Leib-Rausch
verinnerlichter Rock- und Pop-Motorik 
oder nach zeitgeistpervertierter
Entfesselungsaggressivität
regen und entfalten kann?

Treffen vor der Haustür (27/73)

Komm Kätzchen, komm doch endlich rein!
Ich klingle auch für dich.
Es wird schon jemand zuhause sein,
mit Freude zu empfangen dich.

Falls nicht, kannst du bei mir auch bleiben.
Fünf Treppen hoch, Etage vier.
Ich werde gern dir dann die Zeit vertreiben
mit was dir macht Plaisir:

Ein Napf vom Feinsten, weiche Kissen
und zartes Streicheln, wie du’s willst.
Ganz deinem Eigensinn beflissen,
auf dass du meine Sehnsucht stillst.

Die Sehnsucht, die auf dich sich richtet,
macht mich zu deinem Knecht.
Mein Dasein nämlich ist gelichtet,
wenn ich dir alles mache recht.

Vollendungs-Stunden (27/74)

Dass es auch Stunden gibt,
die von Vollendung zeugen,
als leibsakral-erotische,
nun ja, das weiß ich wohl
und werde nie es leugnen.
Schon weil sie, geistiger Natur,
von Du und Ich entlasten:
von deren Unzugänglichkeit
als Zwangsentfremdung …
Von deren Selbstsucht,
deren Stofflichkeit verfügt …
Die aufzuheben dann
in einem Augenblick
als Götter-Gabe tiefster Nähe:
Erahntem Wir, im Rausch befreit
von sich als Zeit gegebnen Hyle-Tieren.
So fähig, sich vereint zu greifen
in einer Trance des Augenblicks:
Als metaphysisch-magisch
delirierte Seins-Einheit,
erlöst von tiefer Einsamkeit,
von sich als Ding-Zufällen ...
Im Kern geborgen von sich anerkannt,
im Du sich selber so zu finden.

Tugend-Utopismus und Vernichtungszwänge (27/75)

Realitätsverweigerer: Ideologen,
die man gewöhnlich findet grad bei Extremisten:
die, selbstdistanzunfähig, überzeugt sich brüsten
wie einst die revolutionären Demagogen:
Das, was die von sich gaben, war aus Trance gesogen:
Sie glaubten, ähnlich wie die orthodoxen Christen,
dass sie errichtet hätten aller Tugend Rüsten:
Ein Reich, von Ichsucht nicht und nicht von Macht verbogen.

Das sind die Träume von Erlösungs-Radikalen:
Von Menschen, die ihr Wesen ichschwach ignorieren,
indem sie sich ein Diesseits-Paradies ausmalen,
das nicht an Terror würde sich sehr bald verlieren:
an Unterdrückungs-, Folter- und Gewalt-Randalen …
Obgleich wir nach uns selbst doch müssen gieren.

Momente des Selbstseins (27/76)

Gedichte machen.
Ganz nebenbei.
Nur kleine Sachen ...
Mal eins, mal zwei.
Das rettet mir den Tag,
vertreibt mir
alle Psychen-Lachen,
Verbrauch vergessend
und Betrag.
Selbst der Büroarbeit
diffuses Vielerlei.

Selbstbetrugsweisen (27/77)

Eingepfercht dem Schwund der Jahre,
Ichsucht und Bedürfniszwängen,
ausgesetzt doch bis zur Bahre
eignen wie sozialen Engen,

lebt man wohlstandshörig scheinbar gut,
glaubt sich frei und selbstwertmächtig …
trotz der Widersprüche Glut,
Selbstwert leugnend: faktenträchtig.

Ich hab Ideellem nie vertraut:
Hort doch aller Selbsttäuschungen,
Not-Konstrukte, dranggebaut,
dass man werde nicht verschlungen
von doch leeren Eitelkeiten,
Mären und Entlastungsdrogen,
Selbstverfügung zu entgleiten,
nur noch Zeitgeist hingebogen.

Überaffe (27/78)/Sonett

Dass infantil sind meine Invektiven
gegen der Warenparadiese Macht
und, Einsicht treu, auch gar nicht angebracht.
Das weiß ich selbst: In unsern Wesenstiefen
sind doch gegeben jener Direktiven:
Pleonexie, Gewalt und Lustandacht.
Und auch der Angstgram vor der letzten Schlacht:
Aus der dann Leere wird allein uns hieven.

Und dennoch raunen manchmal so Gefühle,
man könne jene auch ironisch lenken:
Nicht so verbissen, dass man ständig wühle
in allen Winkeln nach Erhöhungstränken:
Sex, Mammon, Geltung … jedem Glanz der Hyle.
So ichbefangen sich dann auch zu kränken.

Zeitgeistzwänge (27/79)/Sonett

In einer Zeit, in der sich viele selbst verachten,
vereinsamt sind, sich treiben lassen, runterbringen,
wird’s immer mehr dann immer weniger gelingen
sich selbst zu steuern und auf das, was ist, zu achten.
Zum Beispiel, dass sie selber sich als Quell betrachten
von Emotions-Ekstasen, um sich zu verdingen
irrational gesteuerten Entlastungs-Schwingen:
in Selbstkonsum-Belämmerungs- als Wohlstands-Schlachten.

Indes wenn ich die Sache dann genau bedenke,
begreife ich, dass anders es doch kann nicht sein:
Meint Dasein heute doch eins ohne Geist-Gelenke.
Zumal es roh sein soll, bombastisch, oft: gemein,
sich selbst verbrauchen will an jeder Wohlstands-Tränke.
Als Bote des Systems: Bis in den Kern allein.

Faktisch (27/80)

Ich ahne, mehr noch: Weiß nur allzu gut:
Er wär umsonst mein geistiger Protest.
Wogegen? Dass man als Person
sich selbst verrät, im Stich sich lässt:
Als ob’s gehöre schon zum guten Ton,
dass schweigen sollten Scham
und Einsichts-Glut.
Beim Durchschnitt oben,
Durchschnitt unten,
genauso dem in Kern und Mitte.
Längst wird der anonym
doch eingewoben,
wird, kaum noch merklich,
streng gebunden,
zu ignorieren jede feine Sitte,
um drangkonform sich auszutoben.

Des Nicht-mehr-Seins Vollendungsträchtigkeit (27/81)

Er setzt
den Schluss-Strich,
dieser Todesstoß,
löst auf das Ich,
befreit von Trieb,
Bedarf, Verfall,
beendet jedes,
beendet so
das ganze Los.

Kurzum:
Man ist nicht mehr:
nicht Schmerz,
nicht Trauer,
noch seines Lebens
Angst-Spielball …
nicht Leid,
egal, von welcher Art,
nicht selber sich
noch Hieb.

All das bleibt einem
dann erspart.
Und das,
ich sag’s euch,
das ist groß:
vollendet gar:
Bleibt man
wie alles doch
dann auch
auf ewig stumm,
geworden Teil 
der großen Nichtigkeit.

Monoman (27/82)

Ich weiß es wohl: Ich bin geradezu besessen
von dieser Welt der Auflösungen,
der Wirren, Lebenslügen, anonymen Brüche,
des Nihilismus und der Niedergänge.
Von dieser Welt, sich suhlend in Exzessen,
sich, schieres Kunstgebilde, selbst gedungen,
ein Ratio-Reich abstrakter Machtsucht-Schliche
und nicht mehr meisterbarer Zwänge.

Und diese Welt hält mich gefangen
bis in die tiefsten Wesens-Kerne.
Ich greife sie nur noch mit Geistes-Zangen:
In Einsamkeit und stiller Daseins-Ferne.
Neurotisch, krank, zutiefst zerrissen.
Tatsächlich monoman von ihr verworren …
Und fasziniert davon, sie als Verfall zu wissen:
Determiniertes Selbst-Verdorren.

Abend-Hilflosigkeiten (27/83)

Ich spitze Bleistifte.
Aus Langeweile auch.
Abends, gegen 19.30 Uhr
an meinem Schreibtisch.
An dies und das denke ich
wie man’s so tut,
wenn einen Müdigkeit
und Leere packten.

In Wahrheit fühle ich
nicht einmal Langeweile;
auch Leere eigentlich nicht.
Die Müdigkeit schon eher.

Ich erfahre nur drastisch
ein paar Augenblicke
strikter Vergeblichkeit
und stechenden Alleinseins,
deren Bedeutungen,
aus mir heraus tretend,
verzerrungs- und
verdrängungs-resistent
sich meiner Hilflosigkeit
kommandierend bemächtigen.

Anstands-Schwur (27/84)/Sonett

In einer Zeit, in der das Subjektive
sich wohlstandshörig treibt ins Ungreifbare,
sekundlich ausgesetzt dem Strom der Ware
als marktgemachter Daueroffensive
und Medienpropaganda, wie massive  
Reklametyrannei - Konsumkandare -,
um anzupreisen gängige Motive,
die lehrten wie sich Glück uns offenbare.

In solcher Zeit bleibt einzig dies dann nur:
sich einsam auf sich selbst zurückzuziehen
und streng zu meiden jene Diktatur.
Auf dass man nicht, Entfesselung gediehen,
vergesse seinen eignen Anstandsschwur,
Infantilismus, Gier und Schein zu fliehen.

Was war’s dies Leben? (27/85)

Was war’s denn nun, 
dies Leben; was?
Das frage ich 
nach 75 Jahren.
Für mich primär 
eines nach Geistes-Maß,
dann Selbstbehauptung 
durch Moralgebaren 
- beruflich, ökonomisch 
und privat -
Auf Einsicht bauend, 
nicht auf Waren
schon gar nicht 
des Narzissmus tote Saat.

Ein elitärer Anspruch (27/86)

Soweit es überhaupt noch möglich ist,
will ich mein Leben selber führen,
will nicht mir’s lassen zudiktieren 
als Zeitgeistspaßkult und Erlebnisfrist.

Vor allem will ich es genau erfassen
als dauerausgesetztes Zufallsspiel,
als Zeit von Einsamkeit, der überlassen,
man es begreift als ohne Zweck und Ziel. 

Da fordern Stolz und Wahrheitswille,
die zu erläutern keinen Sinn mehr macht.
Sind sie doch Ausdruck jener tiefen Stille,
in der man greift auch unsre fade Schlacht.

Deutsche Selbstverlustbeharrlichkeit (27/87)

Wir haben’s in der Tat geschafft:
Wir drehen unsre Traumweltspindel
mit deutscher Tugendmimen-Kraft. 
Zwecks Kniefall selbst noch vor Gesindel.


 

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